Freya & Jürgen Blösl

USA 2009 -
Regnet’s oder regnet’s nicht?

Sa., 20.06 bis Mo., 22.06 – Page

Heute Morgen gibt es im Gegensatz zu gestern eine geschlossene, dicke Wolkendecke. Die Wettervorhersage behauptet aber, dass diese im Laufe des Vormittags aufreißen und ab spätestens 11 Uhr die Sonne scheinen soll. Nur, dass auch heute das Wetter gar nicht daran denkt sich an die Vorhersage zu halten. Um 9 Uhr fahre ich erstmal zu Walmart und dann zur Wahweap Marina, hole mir dort einen Kaffee und schaue mir das Treiben an der Rampe an. Dort lassen die Frei-
zeitkapitäne ihre Boote zu Wasser oder holen sie wieder raus. Die Hausboote sind riesige Teile – mehr Haus denn Boot – und trans-
portiert werden die dementsprechend auch mit oversized-trucks. In Page und den umliegende Ortschaften gibt es große Hallen und Plätze wo die Boote auf ihren Einsatz warten. Gerade von den Hausbooten liegen dort etliche auf Halde.

Eigentlich war ja für heute der Lower Antelope Canyon geplant, aber ohne Sonne macht dies überhaupt keinen Sinn. Und als dann gegen 11:30 Uhr die ersten Tropfen fallen, verziehe ich mich ins Motel. Machen wir heute also mal Urlaub vom Urlaub. Der Rest des Tages geht mit Mails lesen, Reisebericht bearbeiten und Filme im SciFi-Channel schauen drauf.

Am nächsten Morgen klingelt der Wecker um 5 Uhr, schließlich verliere ich ja auch noch eine Stunde wenn ich die Grenze zwischen Arizona und Utah überquere. Warum nun ausgerechnet Arizona keine Sommerzeit eingeführt hat, werde ich wohl nie verstehen.

Neben Steve kommt noch ein befreundeter Guide mit der wohl öfters am Wochenende die Tour übernimmt. Sie wollen sich gegenseitig ihre Lieblingsplätze zeigen. Auf Steves Vorschlag werden wir erst in die Cottonwood Cove fahren und anschließend passend zum Nachmittags-
licht in die White Pocket.

Die House Rock Valley Road ist in sehr schlechtem Zustand. Laut Steve wurde sie seit 2 Jahren nicht mehr planiert, da sich die Ge-
meinde und das BLM nicht einigen können, wer denn jetzt zuständig ist. In trockenem Zustand ist die Befahrung mit PKWs zwar möglich, aber selbst Steve fährt mit seinem großen Geländewagen und den entsprechenden Reifen nicht schneller als 15 Meilen. Am Trailhead zur Wave halten wir noch ein kurzes Schwätzchen mit dem dort anwe-
senden Ranger. Angeblich kostet ein fehlendes Permit mittlerweile 500 USD plus Einzug des Passes.

Sobald wir das Gebiet des Grand Staircase NM verlassen wird die Straße viel besser. Zumindest bis wir abbiegen um zum Cottonwood Cove Trailhead zu kommen. Steinstufen und sandige Strecken wechseln sich mit Schlaglöchern und Waschbrettpiste ab. Lässt sich aber mit einem ordentlichen Mietwagen SUV noch meistern, wie ein Pärchen, das wir kurz vor dem Trailhead erreichen, beweist.

Das Süd-Gebiet der Coyote Buttes ist deutlich größer als der Nordteil und ohne Guide hätte ich nur ein Bruchteil der interessanten Stellen gefunden. Bis zur Hälfte oder ¾ der Tour dachte ich noch, dass es ein netter Spaziergang wird, dann packe ich aber doch mal lieber die Kamera weg um die Hände zum Abstützen frei zu haben. Gleichzeitig ist das Gelände extrem fragil. Zu einem großen Teil besteht es aus dünnen, versteinerten Sandschichten. Teilweise sind diese so dünn, dass man durchsehen kann. Die Landschaft ist sehr vielfältig und weist die unterschiedlichsten Formen und Farben auf.

Coyote Buttes SouthCoyote Buttes South

Coyote Buttes SouthCoyote Buttes South

Die beiden Guides zeigen sich (und mir) wo sie ihre Funde, wie zum Beispiel alte Pfeilspitzen, versteckt haben. Das Sammeln und Rausnehmen wird übrigens extrem teuer bestraft.

Coyote Buttes SouthCoyote Buttes South

Coyote Buttes SouthCoyote Buttes SouthCoyote Buttes South

Die Temperaturen erreichen schließlich wieder die 30°C, aber da ein Wind weht, ist das Klima sehr angenehm. Auch der Himmel meint es heute gut mit mir. Die Bewölkung ist unterschiedlich, aber es ist nie lange bedeckt und die Luft ist so klar, dass man von den Höhen aus bis zum Bryce-Plateau sehen kann.

Zurück am Auto gibt es gegen 14 Uhr Lunch mit leckeren Sandwiches von den Resten des gestrigen Barbecues. Eigentlich ist Barbecue im Preis beinhaltet, aber sonntags ist das Restaurant geschlossen. Ich hätte gestern kommen können, hatte aber keine Lust extra dafür dort hin zu fahren – offensichtlich scheint es sich aber zu rentieren.

Dann geht es weiter zu White Pocket. Die Strecke wird noch einmal deutlich schlechter. Spätestens jetzt wird es mit einem Mietwagen grenzwertig - zumindest Schaufeln etc sollte man dabei haben. Es gibt viele sandige Stellen bei denen, obwohl es die letzten Tage geregnet hat, die Reifen zu mahlen anfangen. Besonders nett ist es, wenn der tiefe Sand vor und nach einem zu öffnenden Gatter ist, oder aber direkt vorher Steinstufen oder tiefe Schlaglöcher sind, sodass der Wagen keinen Schwung halten kann. Da hilft dann nur noch das Sperrdifferential.

White PocketWhite PocketDas Areal selbst ist dann noch einmal komplett anders. Vor allem weil es hier neben den Farbstreifen auch weiße Steine gibt. Das Ganze ist auch interessant, aber kleiner und letztendlich nicht so vielfältig. Aber vielleicht bin ich auch nur langsam übersättigt. Mir hat Cottonwood Cove jedenfalls besser gefallen.

Insgesamt habe ich heute so viele Bilder gemacht wie noch nie innerhalb eines Tages. Nicht nur die beiden CF-Karten, die ich üblicherweise mitnehme sind voll, sondern ich habe auch noch eine der beiden neuen Karten angefangen, die ich eigentlich erst zuhause austesten wollte. Insgesamt waren wir 11 Stunden unterwegs. Da relativiert sich auch der Preis von 175 USD. Paria Outpost and Outfitters sind auf jeden Fall eine Empfehlung wert.

Für den Folgetag habe ich noch keine festen Pläne, sondern lediglich verschiedene Ideen was ich nicht alles noch machen könnte. Da das Wetter ganz schön ist, beschließe ich den Vormittag noch in der Page-Region zu verbringen und dann schon einmal langsam in Richtung Las Vegas zu fahren. Nach der Wanderung gestern habe ich heute keine Lust auf Steine oder gar eine längere Wanderung. Deshalb entscheide ich mich für eine Bootstour zur Rainbow Bridge.

Die Halbtagestour startet um 7:30 Uhr von der Wahweap Marina. Um 7:15 bin ich am Hotelcounter, kaufe meine Karte und kann auch schon direkt an Bord gehen. Dort bekomme ich sogar noch den letzten Platz auf dem Oberdeck, was aber eigentlich egal ist, da die meisten Passagiere aus dem Unterdeck auch oben herumstehen.

Die Fahrt auf dem Lake Powell ist nicht sonderlich interessant und so ziehen sich die zwei Stunden doch etwas in die Länge. Der Wasser-
stand soll sich durch die Schneemengen der letzten beiden Jahre signifikant erhöht haben, ist aber auch noch deutlich von den Höchst-
ständen entfernt. Die Linie wo der weiße Sandstein in den roten übergeht liegt bestimmt 10 Meter über dem Wasserspiegel.

Lake PowellImmer wenn ein Hausboot in der Nähe ist muss die Geschwindigkeit deutlich reduziert werden, da diese wohl keine größeren Wellen vertragen. Die Saison fängt gerade an und es sind etliche unterwegs. Fast alle haben noch ein mehr oder weniger großes Beiboot und Jet-Skies angehängt.

Rainbow BridgeAls es dann endlich in den Forbidden Canyon zur Rainbow-Bridge geht rücken die Wände deutlich näher an das Boot heran. Leider dauert dieser Teil der Fahrt nur einige Minuten. Die Rainbow-Bridge mag ja die größte sein, aber besonders beeindruckend ist sie meiner Meinung nach dennoch nicht. Vor allem aber hätte es Sinn gemacht die Nachmittagstour zu nehmen. Dann wird die Brücke besser angestrahlt.

Lake PowellLake PowellWaren auf dem Hinweg noch die Plätze auf dem Oberdeck die be-
gehrteren, so hat sich dies nun ge-
wandelt. Die Masse der Teilnehmer zieht den Schatten im Unterdeck vor und ich vertreibe mir die Zeit mit dem Versuch die entgegenkommenden Schnellboote und Jet-Skies zu fotografieren. Alles in Allem ist die Tour Ihren Preis nicht wert.

Gegen 14 Uhr mache ich mich auf den Weg in Richtung St. George. Unterwegs entscheide ich mich die Nordroute durch den Zion NP zu nehmen. Hierdurch kommen mir dann noch über drei Dutzend Oldtimer vom Anfang des letzten Jahrhunderts entgegen. Vor dem Eingang zum Nationalpark gibt es mittlerweile ein Mountain Resort, das eine Buffalo Viewing Area eingerichtet hat. Ein paar Tiere treiben sich dann auch tatsächlich in der Nähe der Strasse herum. Nett war auch die Begrüßung durch den Park Ranger am Eingang. Howdy und Oki-Doki habe ich nun auch schon länger nicht mehr gehört :-).

   

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© Jürgen & Freya Blösl, 2009-2012
    letzte Überarbeitung: 15.06.2012

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