On the Road again -
USA 2004
Wir schlafen erst einmal aus und nehmen dann unser Frühstück im Hotel zu uns. Der Kaffee ist mal wieder ungenießbar und Tee gibt es nicht. Motz, Meuter! Aber das soll uns nicht davon abhalten weiter in Richtung Mount Rushmore zu fahren.
Die Landschaft ist leicht hügelig und rechts und links breitet sich Gras- und Buschland aus. Unterwegs können wir sehen, dass auch hier der Wald schon öfter gebrannt hat. Und auch hier wird alles so liegen gelassen wie es fällt. Das Wetter wird leider immer schlechter und so kommen wir tatsächlich im Nebel dort an.
Jetzt sind wir also am Mount Rushmore und sehen nichts. Wir wissen nicht so recht, rein oder nicht rein. Denn wie Sie sehen, sehen Sie nichts, gar nichts.
Aber jetzt sind wir da und Freya will rein, von der vagen Hoffnung erfüllt, doch noch die in Stein gehauenen Präsidentenköpfe zu sehen. Leider hätte ihr der vernünftige Menschenverstand sagen müssen, dass wenn man von außen nichts sieht, man innen auch nichts sehen kann. Schließlich überragen die Felsen ja das gesamte Areal. Also umsonst die ein Jahr gültige Parkgebühr bezahlt.

Mit langen Gesichtern fahren wir raus und ent-
scheiden uns die Badlands sausen zu lassen und uns nur die Wind Caves anzu-
sehen. "Halt" schreit Freya, "fahr links auf den Park-
platz, ich sehe was!" Tatsächlich hat sich George Washington aus den Wolken gepellt. Der Wind scheint noch mehr Wolken zu vertreiben, also zurück und wieder rein. Na endlich. Alle Köpfe sind zu sehen! Jetzt läuft hier auch einer rum, der so aussieht wie Abe Lincoln und alle möglichen Damen für ein Foto in den Arm nimmt.
Dann aber wirklich raus aus dem Memorial. Und schon müssen wir wieder halten. Eine weiße Bergziege zupft, ungerührt ob der vielen Fotografen, an den Grashälmchen rechts von der Straße und ist wirklich hübsch anzusehen.
Nach kurzer Fahrt sind wir bei den Wind Caves. Dies ist das 8 längste Höhlensystem der Welt und hat über 126 km entdeckte Länge. Die laufen wir natürlich nicht ab. Aber wir laufen treppauf und treppab nachdem uns ein Aufzug auf den tiefen mittleren Level gebracht hat. Normalerweise sollte man erwarten, dass hier die große Leere herrscht. Aber heute ist ganz schön was los. Reinigungstrupps entfernen so alles Mögliche, von Haaren bis Staub.
Wir hören eine Geschichte aus den Anfängen, als die Höhlen noch mit Kerzen erkundet wurden. Ein etwas vergesslicher Führer brachte eine Gruppe von Leuten zu einem besonders schönen Platz. Weil er diesen Platz ja schon kannte und den Leuten ein wenig Gelegenheit geben wollte sich alles anzusehen, ging er inzwischen weiter, um neue Teile der Höhle zu erkunden. Das gelang ihm auch und so vergaß er die Gruppe, die, nachdem sie den Platz erkundet hatte, auf ihn wartete. Da saßen sie mir ihren Kerzen, die so langsam aber sicher abbrannten und warteten.
Am nächsten Morgen fragte der Vater des jungen Höhlenforschers, wie es denn mit seiner Gruppe gelaufen war. Siedend heiß ist ihm dann eingefallen, dass die armen Leute ja noch immer in der dunklen Höhle saßen...
Als wir die Höhle verlassen, sehen wir, dass es geregnet hat. Es ist richtig dunkel rings um uns herum. Wir schaffen uns also auf die Straße und fahren los. Unser nächstes großes Ziel, nun wieder Richtung Westen, ist Dinosaur Quarry. Wir werden da nicht in einem Tag hinkommen und auf dem Weg dorthin wollen wir so viel wie möglich sehen. Ab und an sehen wir rechts und links der Fahrbahn Antelops. Hinter uns ein wirklich unwirklicher schwarzer Himmel, vor uns die Hoffnung auf besseres Wetter.
Im Radio hören wir dann, dass es da, wo wir gestern durchgefahren sind, Tornadowarnung gibt. Aber Jürgen, der große Tornadojäger scheut ja so das schlechte Wetter
.
Hier in Lusk, mitten in der Prairie, übernachten wir im Best Western und essen im nahe gelegenen mexikanischen Restaurant. Dazu gibt es leckere Margaritas und für Freya einen Rüffel vom Gatten, als sie laut darüber nachdenkt, ob es die auch "To Go" gibt.
Wir fahren über sanft gewellte, trockene Landschaft in Richtung Fort Laramie. Hier stoppen wir und obwohl das anfangs nicht so prickelnd aussieht, stellt Jürgen später fest, dass das eine von Freyas besseren Ideen war. Einige der alten Häuser stehen noch und wir können uns das Interieur hinter Glasscheiben ansehen. Wobei "alt" hier etwa hundert Jahre bedeutet.
Das Ganze hat was von Heimatmuseum. Fein ge-
deckte Esstische sind hier ebenso zu finden, wie Gemeinschaftsschlafsäle, Wohnzimmer für die Offiziere mit Familie, Herrenzimmer mit Rauchutensilien und Schlafzimmer mit gequilteten Bettdecken. Es gibt sogar noch einen alten Kolonialwarenladen, der extra für uns geöffnet wird.
Die Frau, die das für uns macht ist in der Originaltracht von damals gekleidet und liftet sogar ihren Rock, damit wir die stilechten, langen Unterhosen bewundern können. Wir unterhalten uns mit ihr und sie erzählt uns, dass hier in Wyoming bereits seit zirka fünf Jahren eine Trockenperiode herrscht.
Nach dem Besuch von Fort Laramie entscheiden wir uns, dass wir nicht wie ursprünglich geplant über die Interstate 80 in Richtung Dinosaur Quarry fahren werden, sondern stattdessen noch den Rocky Mountains einen Besuch abstatten. Wir wollen in der Nähe des Parks übernachten, nachmittags checken, wo man gut laufen kann, und am nächsten Morgen vor der Weiterfahrt noch eine Wanderung unternehmen. Also suchen wir uns ein Motel in Fort Collins und fahren dann in Richtung Nationalpark Rocky Mountains.
Wir fahren ein bisschen rum und sehen auch ein paar Elks, die zwar wunderschön zu fotografieren sind, aber so ein doofes Halsband mit Antenne tragen. Unser Abendessen auf dem Rückweg nach Fort Collins nehmen wir in einem mexikanischen Schnellrestaurant ein, wo Freya das 1. Mal Probleme mit dem Englisch ihrer Gegenüber hat. "Wo wir herkommen und wo Germany ist", wollen die beiden Mädchen hinter dem Coutner wissen. Sie sprechen tatsächlich den nächsten Satz etwas langsamer aus, nachdem Freya ihr Unverständnis kundtut. "Nein, sie können sich nicht vorstellen, wo Germany ist."
Wir stehen um 6 Uhr auf und nehmen das doch sehr ausgesuchte Frühstück im Motel 8 zu uns. Als wir dann beim Auschecken sehen, dass noch mal nachgefüllt wurde, können wir uns nicht verkneifen, auch noch mal nachzufüllen.
Wie schon gestern Abend fahren wir auf der Interstate 34 durch den atemberaubenden Thomson Canyon. Wir hatten zwar schon ausgemacht, dass einer von uns aus dem Fenster fotografieren sollte, weil man hier nicht halten darf, aber es ist einfach noch zu dunkel als wir hier durchfahren.
Unterwegs sehen wir eine große Anzahl von Fahrradfahrern mit Nummern auf dem Rücken. Wir sind uns ziemlich einig, dass von denen nicht jeder das Ziel erreicht, das kurz vor Estes Park zu liegen scheint. Unser Ziel ist das Visitor Center, das über die 36 erreicht wird und das im Gegensatz zum anderen schon um 8:00 Uhr auf hat. Wir lassen uns eine Trailkarte geben und Freya plaudert mit einer Dame, die uns davon abrät, im Moraine Park nach Fern Lake zu gehen. Zu langweilig für uns! Die Trails um den Bear Lake herum wären viel interessanter.
Freya fragt, ob es da oben einen Rundweg gibt und die Dame meint, dass man von Bear Lake über Lake Haiyaha zurück nach Glacier Junction gehen kann. Das machen wir dann auch. Unser Auto parken wir am Glacier Basin. Hier ist zur Zeit Endhaltestelle, weil die Straße zum Bear Lake offensichtlich erweitert wird. Dorthin kommt man im Moment nur mit einem Shuttle. Ganz fix holt Freya noch die dicken Pullover aus dem großen Rucksack und dann los.
Wir unterschätzen ziemlich den Zeitaufwand für die Tour, die anfangs sehr leicht, später über einige Schneefelder führt. Später gehen wir durch einen Bergwald. Der Haiyaha See ist von ganz vielen, großen Steinen umgeben, über die man klettern muss, um den eigentlichen See zu sehen. Von hier aus geht es bergab und der Weg wird schmaler und nicht immer gut erkennbar. Außerdem fängt es blöderweise an zu schneien und ein, zweimal donnert es auch. Aber bald kommen wir an den Mills Lake und treffen dort auch wieder auf Touristen.
Um 14:30 warten wir am Glacier Basin auf unser Shuttle und beim Parkplatz angekommen, regnet es in Strömen. Wir haben jetzt 15:00 Uhr und essen erst einmal die vorbereiteten Sandwichs. Wir wollen nun den Park verlassen und fahren auf der 34 in Richtung Grand Lake. Auf der Passstraße beobachten wir Murmeltiere, die sich sonnen und gerade als wir uns überlegen anzuhalten, um uns das genauer anzusehen, fahren wir um einen Kurve in einen dicken Schneeschauer hinein. Na toll! Die digitale Temperaturanzeige im Auto springt um auf "Icy".
Wir überqueren den Pass, sehen im immer dichteren Schneetreiben, dass es hier sehr hübsch ist und steigen beim Bergvisitor Center nicht einmal aus. Unser Autothermometer zeigt "-1" und wir sind im T-Shirt. Also lassen wir den kurzen Trail hier oben, der eigentlich noch auf unserem Programm gestanden hat, einfach aus.
Ab jetzt geht es stetig bergab und wir sehen mal wieder eine ganze Herde Elks. Etwas weiter dann ein wirklich großer Auflauf. Ein Moose, ein Moose - von hinten...
.
Wo wollen wir eigentlich heute übernachten? Gerade fahren wir am jungen Colorado entlang, der übrigens hier schon zweimal gestaut wurde. Wir überlegen bis Kremling zu fahren, entscheiden uns aber dann doch anders und fahren noch weiter bis Steamboat Falls. Netter Ort, übrigens auch für Wintersportler. Wir schlagen unser Lager im "Rabbit Ears" Motel auf, natürlich wegen des Namens. Das Motel ist auch okay. Wir essen zu Abend im Old Town Pub (Lincoln, Ecke 6th Street). Hier tanzt der Bär. Kein Tisch bleibt lange leer, aber der Service klappt hervorragend. Die Steaks sind lecker, das Gemüse ungesalzen, aber dem kann man ja nachhelfen.
Freya ist dann sooooo müde, dass sie es nicht mehr schafft, den ganzen Tag aufzuschreiben. Im Nachhinein stellt sie fest, dass sie besser früher aufgehört hätte. Der zweite Teil, von ihr am nächsten Morgen aufgeschrieben, ist um Klassen besser lesbar.
© Jürgen & Freya Blösl, 2004-2011
letzte Überarbeitung: 10.06.2011
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