Freya & Jürgen Blösl

On the Road again -
USA 2004

Unterwegs

Mittwoch, 02.06.2004 - Auf nach Amerika

Irgendwie ist heute nicht Freyas Tag. Die erste Immigration Card hat sie schon in München falsch ausgefüllt. Was gibt es da nicht alles für Möglichkeiten: Das Geburtsdatum in der falschen Zeile, die Sieben nicht amerikanisch...
Die nächste Karte füllt sie im Flieger aus und verhaut sich gleich noch einmal. Bei der Stewardess lässt sie sich dann gleich zwei Stück geben, und siehe da - es geht doch!

Die Einwanderung selbst ist weniger spektakulär als befürchtet. Nachdem unsere Schuhe nicht piepen, brauchen wir sie in Atlanta noch nicht einmal auszuziehen. Auch Fingerabdrücke und Videobild bleiben uns erspart. Ein freundliches "Hello" und wir sind durch.

In San Francisco hat es Freya denn endlich geschafft, die Security aufzuscheuchen. Beide wollen wir nach dem langen Flug und bevor wir das Gepäck abholen noch mal um die Ecke. Danach kommt Freya raus und unerwarteter Weise steht Jürgen nicht schon da. Das ist ungewöhnlich. Also bleibt sie noch einen Moment stehen und geht dann langsam in Richtung Baggage Claim. Vor sich sieht sie Jürgen auch nicht. Na gut, dann geht sie eben wieder zurück. Da hinten, vor den Toiletten steht er nämlich, gut erkennbar an der roten Jacke.

"Stop, keinen Schritt weiter" bekommt sie gesagt und der Mann vor ihr guckt, als wäre sie eine lebende Bombe. Nicht mal bis zu der Linie da darf sie. Sie schreit ihm also ihre Geschichte zu und merkt selbst, dass sich das blöd anhört. Toilette, Mann, nicht da, aber jetzt - da, der in der roten Jacke, etwa 200 m weiter hinten ... Der Kontrolletti an der Linie lässt sich nicht erweichen. Aber da wird ein junger Mann von der Sicherheit auf sie aufmerksam und lässt sich das alles noch mal erzählen. Der geht dann auch zu Jürgen und sagt ihm wo Freya auf ihn wartet.

Irgendwann gegen Mitternacht sind wir endlich im Motel Travellodge am Flughafen.

Donnerstag, 03.06.04 - San Francisco

Trotz unruhigem Schlaf, der Zeitumstellung und nicht des Lärms wegen, sind wir morgens erstaunlich fit und um 8:30 am Alamo-Schalter. Leider gibt es hier gar keine Auswahl an Allrad-Fahrzeugen. Dabei hatte Jürgen doch da so einen Internet-Reisebericht, wo man sich das Auto sogar aussuchen konnte. Aber wenn halt nur eines da ist...

Also nix mit dem Cherokee, den wir uns so insgeheim vorgestellt hatten, sondern nur so ein SUV. Na ja, immerhin ist das Auto rot. Marke Saturn. Was is'n das? Und wie geht verdammt noch mal der Kofferraum auf? Nachdem wir das dann auch geschafft haben, fahren wir endlich raus aus dem Parkhaus in den Nebel von San Francisco.

Wir wollen uns ein GPS-Gerät kaufen und Jürgen hat zu diesem Zweck, auch wieder übers Internet, einen Outdoor-Laden (REI) in der Brennan Street ausfindig gemacht. Wir finden gut dahin und stoppen, weil wir noch zu früh sind und auch Hunger haben, ziemlich genau am anderen Ende der Straße, um zu frühstücken. Im Crossroads Café, am Ende einer Querstraße, nehmen wir Waffeln mit Honig zu uns. Mmmh, empfehlenswert! Dann aber zu dem Outdoor-Laden, wo wir natürlich doch noch ein bisschen mehr finden, als wir suchen. Unter anderem sehen wir einen Fußball, der eine Eismaschine ist. Sozusagen spielerisch wird hier das Eis produziert. Wir widerstehen ganz knapp der Versuchung.

Nach unserem Einkauf ist es immer noch diesig und wir machen uns daher auch gleich auf Hotelsuche. Wir fahren zur Lombard Street (ja, die mit den vielen Kurven) wo es ganz viele Motels gibt. Wir finden gleich ein Zimmer und handeln auch noch den Preis herunter, weil wir nur eines der beiden Queensbetten nutzen werden.

Anschließend laufen wir durch die halbe Stadt zum MOMA (Museum of Modern Art). Da waren wir schon mal vor 4 Jahren und das hat uns gut gefallen. Außerdem ist das Wetter nicht so toll...

Als wir das Museum verlassen ist nichts mehr mit Fog City. Strahlend blauer Himmel lädt uns ein, eine kurze Rast im Yerba Buena Center, genau gegenüber, zu machen. Wir kaufen uns in dem Food Court ein Sandwich und essen dann draußen im Park. Aber keine Bange, lange sitzen wir da nicht. Jetzt geht es erst mal zur nächsten Cable Car Station und von dort aus nehmen wir eine Bahn in Richtung Hotel. Wenn man die Haltestelle geschickt wählt, nämlich oben auf dem Hügel, kann man die paar Meter bergab ganz gemächlich gehen. Im Hotel holen wir dann unsere Fotoapparate und laufen erst mal wieder ein gutes Stück bergauf zu den berühmten Kurven der Lombard Street.

Natürlich zieht es uns auch wieder zu Fisherman's Wharf mit der berühmten Seelöwen-Kolonie. Die lautstarken Auseinandersetzungen der Seelöwen finden wir witzig und so können wir uns kaum lösen, um anschließend an Pier 39 noch den Nationalpark-Ausweis zu holen, den wir in den nächsten Wochen ganz gut ausnutzen werden.

Unser Weg führt uns noch in die "Cannary" einem zum Einkaufscenter ausgebauten ehemaligen Fabrikkomplex, wo es uns in Kauflaune in eine kleine Boutique zieht. Letztendlich findet aber nur Jürgen eine wundervoll auffällige Krawatte von Jerry Garcia (Grateful Dead). Für ein berühmtes Eis bei Girandelli ist es uns einfach zu kalt und so holen wir uns denn mehr aus Vernunftgründen (und Neugier) denn aus wirklichem Hunger eine "Clam Chouder" (Krebssuppe in ausgehöhltem Brot) und teilen sie uns. Danach marschieren wir, jetzt sorgsam allzu große Höhendifferenzen vermeidend, zurück zum Hotel.

Freitag, 04.06.2004 - Lake Tahoe

Golden Gate BridgeWir stehen früh auf und laufen ein Stückchen bergauf, um in einem der Cafes in der Nähe ein süßes und fettiges Frühstück zu uns zu nehmen. Dann sind wir aber "on the road". Wir verlassen "Fog City" über die Golden Gate Bridge, stoppen noch mal kurz, um von der anderen Seite auf die Stadt zu gucken und fahren dann in Richtung Sakramento.

Wie immer ist Freya ganz hin und weg wegen der vielen Oleanderbüsche in der Mitte der Fahrbahn und nimmt sich ganz fest vor, am Schluss unserer Reise doch ein paar Stecklinge zu brechen (hat sie dann aber doch nicht). Bei Sacramento wechseln wir auf die Interstate 50, die uns zum südlichen Lake Tahoe bringen soll.

Dort wollen wir uns ein wenig aufhalten und dann mindestens bis Reno weiterfahren, wo wir laut unserer Planung einen Platz für die Nacht suchen werden.

Schon der Weg zum Lake Tahoe ist wunderschön. Er führt an einem kleinen Flüsschen entlang, das lebhaft über viele Steine plätschert und wo wir das erste Mal einen der vielen Fliegenfischer sehen. Hier gibt es auch ein paar nette Häuschen und Freya mag die klobigen Schornsteine aus den kugeligen Natursteinen.

An der so genannten "Y-Kreuzung" kurz vor dem Lake Tahoe machen wir Rast. Wir kaufen Brot, Wasser, Obst und eine Styropor-Kühltasche. Freya entdeckt ihr geliebtes "Sparkling Vanilla Cream" und Jürgen kann sich bei den vielen Biersorten kaum entscheiden. Anschließend essen wir lecker bei Taco Bells.

Hier an der Kreuzung befindet sich auch ein AAA, in dem wir uns das restliche Kartenmaterial besorgen wollen. Der Blick von dem Mäuschen wird verständnislos als wir "Yellowstone" sagen. Also fragen wir gar nicht weiter, sondern lassen uns nur Karten der Staaten geben, die wir durchfahren wollen.

Lake TahoeJetzt haben wir aber alles an organisatori-
schem Getöse erledigt und kommen zum schönen Teil des Tages. Wir fahren in Richtung Emerald Bay. Dort wissen wir von einem kleinen Trail und den wollen wir laufen. Vom Bay View Campground gegen-
über dem Inspiration Point aus kann man zu den Cascade Falls gelangen. Da ist kaum Steigung, ein bisschen Gekraxel über große Steine, gute Aussicht - was will man mehr. Wir beobachten so etwas wie einen Specht mit Haube und blauen Flügeln, doch leider hat Jürgen das falsche Objektiv aufgeschraubt.

Der Spaziergang dauert nicht so lange und nach etwa eineinhalb Stunden sitzen wir schon wieder im Auto und fahren weiter in Richtung Nevada. Dazu müssen wir zunächst zurück zur Y-Kreuzung und dann weiter nach links, immer am See entlang. Hier ist man auf alle Arten von Tourismus bestens eingestellt. Auch im Winter kann man am Lake Tahoe sicher ganz nette Ferien machen.

Es ist schon erschütternd als wir, noch am See, die Grenze zu Nevada erreichen. Wie die Berge von Modor stehen da die riesigen Gebäude, die die Spielhallen Nevadas beheimaten. Glücklicherweise sind diese Glücksburgen nur direkt an der Landesgrenze und schon bald sehen wir wieder zu den vielen, eher gemütlich wirkenden Häuschen, auf die schimmernde Fläche des Sees und die Gipfel der schneebedeckten Berge dahinter.

Dann aber wendet sich die Straße nach rechts, vom See ab und schraubt sich noch einmal ein gutes Stück höher. Bis zum Grat geht es noch eine Zeitlang bergauf, dann aber erst einmal nur noch bergab, bergab hinunter in die Sierra Nevada. Obwohl es jetzt schon später Nachmittag ist, ist es hier sehr heiß. Wir fahren in Richtung Reno und überlegen kurz, ob wir uns hier scheiden lassen und dann später in Las Vegas wieder heiraten sollen, sehen dann aber doch davon ab. Wir übernachten auch nicht in Reno, wie ursprünglich geplant, sondern fahren noch ein wenig weiter. Dummerweise sind dann aber bei Meile 48 beide Motels ausgebucht und so müssen wir noch ein gutes Stück länger fahren als wir vorhatten.

Im kleinen Ort Lovelock werden wir dann fündig. Im Fernsehen läuft "True Lies", im Nachbarzimmer hörbar ein anderer Sender. Wir sind aber einfach nur müde und gehen noch nicht einmal etwas essen. Nachzutragen ist, dass im Zimmer die ganze Nacht die Heizung lief, und wir nicht in der Lage waren sie auszustellen.

Samstag, 05.06.2004 - Unterwegs nach Yellowstone

Auch der nächste Tag ist wieder ein langer Fahrtag. Wir stehen früh auf und wollen mindestens bis "The Falls" kommen. Weiter geht es durch die karge Gegend von Nevada.

Links und rechts von uns braune, ockerfarbige Landschaft, nur ab und an, da wo der Humboldt-Fluss fließt, sieht man auch Bäume. Wir frühstücken unterwegs in einem völlig überlasteten McD wo Freya ziemlich fasziniert eine Frau mit knielangen, wunderschönen Haaren begafft.

Unsere Richtung hat sich jetzt geändert und je weiter wir nach Idaho kommen, umso grüner wird die Landschaft. Am Himmel sieht man auch wieder Wolken. Wir essen in Twin Falls in einer Restaurantkette "Arbys" zu Mittag. Hier gibt es mehrere gute Salate zur Auswahl.

Letztendlich fahren wir dann bis Poccatello, mieten uns zum Wochenendspecial ins Ramada Inn ein und Freya genießt das "eiskalte" Wasser im Pool. Das Wasser ist so toll erfrischend, dass sich zwei Amerikaner durch Fingerprobe davon überzeugen, dass es nichts für sie ist. Umso besser. Riesig war der Pool schließlich nicht.

Im nahe gelegenen Shopping Center findet Jürgen tatsächlich noch zwei weitere Krawatten von Garcia. Zu Abend essen wir im Pizza Hut, wo man uns zunächst Root Beer statt Bier hinstellt. Iiiiiiiiih!

   

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© Jürgen & Freya Blösl, 2004-2011
    letzte Überarbeitung: 10.06.2011

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