Freya & Jürgen Blösl

Amerika bei 100° Fahrenheit
(eine Fahrt durch den Südwesten im Frühjahr 2000)

Über Nappa Valley nach Yosemite
(Mi bis Sa)

Heute sind wir wieder früh aufgestanden. Hat aber nichts genutzt. Obwohl das Hotelrestaurant um sieben Uhr öffnet waren schon die Schlangen einer Reisegruppe vor uns. Also frühstücken wir doch nicht im Hotel. Die Wahl unseres Frühstück-Restaurants war noch mehr als bescheiden und so waren wir dann auch sehr schnell mit unserm Morgenmahl fertig.

Wir packen die Rucksäcke fertig, checken aus und laufen die paar Straßenzüge zur Autovermietung. Wer von uns hatte eigentlich die Idee zu laufen?

Das Rausfahren aus der Stadt klappt einfach gut. Über die Presidio Road auf die Golden Gate Bridge und wir sind raus.Golden Gate Bridge Wir entscheiden uns doch noch den Abstecher in Nappa Valley zu machen, aber das ist dann ja leider nix Halbes und nix Ganzes. Das Tal ist sicher interessant genug einen ganzen oder auch zwei und mehr Tage darin zu verbringen. Nur reinzufahren, um sich den Petrified Forrest anzusehen und dann die Richtung zu wechseln und nach Yosemite zu fahren ist aber irgendwie nicht so geschickt. Man verliert einen halben Tag und sieht doch so gut wie nichts.

Aber es ist schön hier. Überall blühender Oleander an der Straße, teils bereits verblühter Jasmin der noch seinen letzten Duft verströmt. Die Landschaft hügelig - etwa so wie das Allgäu nur in braun oder ocker. Die Strecke zum Petrified Forest zieht sich und die Nebenstraßen die Jürgen zuhause rausgesucht hat sind miserabel ausgeschildert. Schließlich finden wir den State Park.

Die versteinerten Bäume sind halbwegs interessant. Wir machen die kleine Rundwanderung. Alles in allem aber Zeitverschwendung. Wir hätten hier in der Nähe auch noch einen Geysir ansehen können. Wir gehen noch in einen Supermarkt mit einer wirklich tollen Obst und Gemüseauslage. Hier gibt es auch europäischen Käse. Wir kaufen gebratenes Hähnchen und Sushi. Unsere Rast findet im Schatten eines großen Baumes an einer Seitenstraße statt. Wir essen im Auto. Das finden wir beide schon sehr amerikanisch.

Jetzt aber nix wie los in Richtung Oakhurst. Das Zimmer im Best Western ist das letzte was wir von Deutschland aus bestellt haben, da es in dieser Zeit am Yosemite Park schon recht voll sein soll. Es wäre aber nicht nötig gewesen zu reservieren. Irgendwie schaffen wir es nicht ganz so zu fahren wie wir es in der Karte markiert haben. Das macht aber nichts, es klappt trotzdem. Freya hat jetzt zur besseren Orientierung eine Windrose auf die Karte gemalt.

Nach längerer Fahrt durch größtenteils langweilige Gegenden nähern wir uns Oakhurst und Freya quengelt mit Jürgen doch in Mariposa zu tanken. Aber das ist schon komisch. Ewig keine Zapfsäule zu sehen und kurz nach dem Tanken praktisch eine nach der anderen. Gegen sieben Uhr erreichen wir das Hotel. Den Rest des Abends hängen wir gemütlich ab und gucken in der Glotze "Email for you". Aber das soll der einzige Film bleiben, den wir in diesem Urlaub ansehen.

Yosemite ValleyFrisch gestärkt, aber mit viel zu dünnem Kaffee aus dem "coffee brew set" (einem Teebeutel für Kaffee), haben wir am nächsten Morgen am Südeingang des Yosemite Parks unseren National Parks Pass vorgezeigt. Dann geht es in einem ewigen Gegurke zum Yosemite Valley. Beim Visitor Center machen wir Halt. Mittlerweile sind wir schon gut eineinhalb Stunden unterwegs. Yosemite FallsWir wollen den Yosemite Falls Trail gehen. Laut Auskunft des Visitor Centers in 6-8 Stunden zu schaffen. Wir gucken uns noch Bildbände an und gehen so gegen 10 Uhr vom Info-
Center aus los. Wir hätten eine Station oder zwei mit einem Shuttle Bus fahren können, aber der fährt uns weg als wir eines von den netten Vögelchen - blauer Bauch, dunkler Kopf mit Häubchen beobachten. Macht nix.

Squirrel Nähe Yosemite FallsWir laufen los und kommen ziemlich bald an einen Campground, von wo aus es rechts hoch geht. Es geht moderat bergauf, da hatten wir schon schlimmeres. Aber es geht stetig bergauf, schließlich wollen 900 Höhenmeter überwunden werden. Wir laufen durch ein Wäldchen und beobachten dort ein Squirrel, so ein kleines nettes Hörnchen mit einer Fluchttendenz von unter einem Meter. Es geht weiter bergauf. Unterwegs immer wieder schöne Aussichtspunkte auf die Yosemite Falls und das Valley. Und weiter geht es in der Sonne, über Sandserpentinen - und bergauf. Im spärlichen aber ersehnten Schatten sind dann Moskitos und Freya ist mal wieder nicht eingeschmiert.

Wir haben vier Äpfel und vier kleine Wasserflaschen dabei. Blöd ist, daß wir nicht so was wie Energy Bars in unserem Proviant mitführen. Das führt dazu, daß Jürgen irgendwann leidet, während Freya ganz offensichtlich von ihren Fettreserven zehrt.

Yosemite FallsEndlich sind wir am oberen Ende des Wasserfalls. Wir machen Rast und gucken uns die Gegend an. Den Gipfel des Bergs - noch mal eine Meile - lassen wir aus und gehen lieber an den Rand des Upper Yosemite Fall und schauen runter ins Valley. Bergab hat Freya leichte Knieprobleme - Jammer. Wir werden daher oft überholt. Dafür machen wir beim kurzen Stückchen bergauf wieder etwas gut. Um 17.30 Uhr sind wir wieder unten am Visitor Center und fahren von da nach kurzer Pause und Imbiß zum Glacier Point. Wir haben von hier aus einen guten Rundblick von genau der entgegen gesetzten Richtung auf das Tal. Mit uns ist die Schar der Sonnenuntergangsgucker am Point. Die sind so nervig, daß wir die Stunde bis zum Untergang nicht abwarten, sondern uns müde und kaputt nach Oakhurst schaffen.

Mariposa GroveAm nächsten Morgen, noch ein bißchen kaputt vom letzten Tag, lassen wir es ruhig angehen und sehen uns zuerst am Mariposa Grove die großen Sequoias an. Jürgen flucht. Diese riesigen Baumbiester wollen doch einfach nicht aufs Bild, sie sind einfach immer zu groß. Dafür sind dann die netten, bunten Vögelchen, (schwarz mit roten Bäckchen) immer zu lebhaft. Als Fotograf hat man es schon nicht leicht:-).

Squirrel im Mariposa GroveJetzt führt dieser Weg zu den einzelnen Sequoias ja doch schon wieder bergauf, zumindest ein bißchen. Aber es ist toll und wir sehen nicht nur Redwoods, sondern immer wieder auch Squirrel, die hier unserer Meinung nach eine vernünftigere Fluchtdistanz haben.

Den Rest des Tages wollen wir uns wirklich und definitiv nicht mehr anstrengen. Also Autotourismus. - Wo bitte ist der nächste Foto Spot? Tatsächlich sehen wir auch noch andere Tiere als Squirrel. So läuft doch tatsächlich vor uns ein Kojote über die Straße und wir sehen diesen Reh-Ersatz mit den langen Ohren den es hier gibt zum erstenmal.

Yosemite SentinelAm Nachmittag haben wir dann vor doch noch eine Meile zu laufen, zum Sentinel, einer Bergkuppe oberhalb des Yosemite Valley. Am Parkplatz an der Glacier Road die festen Schuhe an und los. Wir sind ziemlich hoch und haben bis zum Gipfel lediglich einen Aufstieg von etwa 150 Höhenmetern. Oben dann ein wunderschöner Blick zum Halfdome und zu allen anderen Seiten. Jürgen macht viele Fotos. Abends sind wir dann nur noch müde, holen uns Nachos bei Taco Bells und hängen ab.

Am letzten Tag in Yosemite fahren wir über Mariposa in den Park. Freya findet diesen Parkeingang beeindruckender und hätte gerne noch einer der vielen Gruppen, die hier auf dem Merced River raften zugesehen. Hier kann sie sich die Siedler vorstellen, die mit ihren behäbigen Wagen in das immer enger werdende Tal einfahren und auf den hoch aufragenden Felsblöcken stehen entweder Indianer oder aber irgendwelche Revolverhelden.

Wir fahren über die N120 zum Tioga Pass und müssen zu unserem Bedauern feststellen, daß einige schöne Wanderungen von uns nicht wahrgenommen werden können, weil die Meadows total aufgeweicht sind. Hier liegt neben der Straße noch ganz schön viel Schnee und uns wundert nicht warum der Pass erst seit zwei Wochen offen ist. Nach atemberaubenden Aussichten sind wir um 12 Uhr am Mono Lake und aus heutiger Sicht würden wir uns wahrscheinlich dort ein Zimmer suchen. So aber hat es sich in unseren Köpfen festgesetzt, daß wir nach Death Valley wollen.

   

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© Jürgen & Freya Blösl, 2000-2012
    letzte Überarbeitung: 15.06.2012

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