Amerika bei 100° Fahrenheit
(eine Fahrt durch den Südwesten im Frühjahr 2000)
Freya geht es nicht gut. Wir haben 10 Uhr und noch nicht gefrühstückt. Ihr Magen krumpelt und sie auch. Sie kann jetzt höchstens ein paar Früchte essen. Jürgen bekommt auch nicht mehr.
Wenig später sitzen wir in Flagstaff. Vor Freya steht ein fetter Burger mit grünen Chillis. Dazu heiße Trinkschokolade. Mmmmh. Jürgen hat sich für Cheese Omelette und eine Eisschokolade entschieden.
Flagstaff liegt ganz hübsch. Viel Wald drumherum und es gibt mehr als einen Hinweis darauf, daß hier Wintersport angesagt ist. Beim Rausfahren aus Flagstaff sind wir tatsächlich sogar eine ganze Minute auf der historischen Route 66. Je weiter wir aber nach Süden kommen, um so karger wird die Landschaft und kurz vor Phoenix sehen wir auch die ersten der großen Kakteen.
Hier machen wir einen kurzen Stop bei dem architektonischen Experiment Archosanti. Es ist etwas schwer zu erreichen - mal wieder Schotterpiste. Man macht es einem auch nicht so leicht es zu verstehen und nachdem es noch über zwei Stunden dauert bis eine Führung beginnt und überall steht, man soll da nur mit einem offiziellen Führer hin, sind wir wieder weg. Freya ist ein wenig enttäuscht, weil sie doch gerne mehr gesehen hätte, doch fühlt sie sich von der sehr minimalistischen Architektur und vor allem den fehlenden Blumen nicht so angezogen. Außerdem bauen die hier schon über zwanzig Jahre und rumgekommen ist fast nichts. Was ihr gefällt ist die Eingangstür des Cafes und die vielen Glocken. Also läßt sie es beim Durchgehen auch überall mal klingeln und Jürgen tut mal wieder so, als gehört er nicht dazu. In den USA scheint es eine goldene Regel zu geben: Was nicht auf asphaltierten Straßen erreichbar ist, taugt nichts. (Nationalparks mal ausgenommen).
Um 15 Uhr sind wir in Tucson. Es ist aberwitzig heiß und das schon seit geraumer Zeit. Wir loggen uns im Flamingo Hotel in der Stonestreet ein. Sehr günstig, weil Coupon und wirklich das schönste Zimmer während der gesamten Fahrt. Was jetzt? Also erst mal wollen wir unsere Flüge rückbestätigen. Irgendwie landen wir per Telefon nur da, wo wir United eine Nachricht hinterlassen können. Das wollen wir nicht. Ok, dann fahren wir eben zum Flughafen. Dort müssen wir uns dann anhören, daß das alles gar nicht nötig gewesen wäre. Rückbestätigen ist nicht mehr.
Dann fahren wir eben zum Desert Museum. Das ist aber weiter als gedacht und so sparen wir uns den Besuch für morgen oder übermorgen auf. Wir fahren aber noch das kleine Stück bis zum Saguaro Nationalpark. Netterweise schließt das Visitor Center gerade. Naja, wir wollten ja sowieso eher zum östlichen Teil des Nationalparks, der auf der anderen Seite der Stadt liegt.
Dann packt es uns. Wir laufen tatsächlich eine Meile auf dem Nature Trail im Kreis. Über 40 Grad im Schatten wenn hier denn welcher wäre. Die Stille hier ist laut. Zikaden zirren, Vögel singen. Obwohl wir ganz langsam laufen und keinen Mucks von uns geben, sehen wir nur eine Eidechse und einen Hasen. Wir fahren noch auf dem einzigen asphaltierten Weg den dieser Teil des Parks zu bieten hat und sehen die unzähligen großen Kakteen und die diversen anderen Kaktussorten - steigen aber nicht noch einmal aus.
Abends sind wir um die Ecke in einer mexikanischen Kantina essen gewesen. Das Essen ist gut und Jürgen war ganz glücklich, daß wir pünktlich vor dem Beginn der Live Musik wieder draußen sind.
Husch, Husch, Husch kann Jürgen nur sagen - und Freya hat wieder nix gesehen. Beim drittenmal sieht sie dann aber tatsächlich so einen fixen Nager die Straße überqueren. Wir sind im Saguaro Nationalpark, dem östlichen Teil, es ist noch früh am Morgen und wir sehen tatsächlich nicht nur Kakteen sondern auch einiges an Kleingetier. Hier in diesem Kakteengewirr ist aber auch einiges los. Man hört viel viel mehr als man sieht.
Wir fahren auf dem Rundweg, halten an allen möglichen uns interessant erscheinenden Plätzen und haben bestimmt schon seit einer Stunde kein Wort mehr miteinander gewechselt - so sehr sind wir darauf erpicht nicht nur zu hören sondern auch zu sehen.
Davor waren wir leider zu einem ungünstigen Zeitpunkt an der Missionskirche von St. Xavier. Um 8.30 Uhr hatte da nämlich gerade der Gottesdienst angefangen. Das sollte man bei einem Besuch berücksichtigen, denn das Innere der Kirche ist sehr schön.
Nach dem Nationalpark machen wir uns auf unseren Weg nach Tombstone. Ziemlich genau zur Mittagszeit haben wir uns in einem Subway-Supermarkt zwei Sandwiches und einen Salat geholt und die Sandwiches während der Fahrt geknuspert.
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In Tombstone besuchen wir zunächst den Friedhof. Zugang hierzu gibt es durch einen Laden, der aber wirklich gar nichts für uns zu bieten hat. Na ja, Tombstone war ja wirklich kein ruhiges Pflaster. Vom irrtümlich Aufgehängten bis zum Erschossenen, auch einige Selbstmörder, liegen hier unter dicken Wackersteinen. Aber es gibt tatsächlich auch welche, die hier ein hohes Alter erreichen konnten. Erstaunlich.
Das Städtchen selbst ist ganz nett hergemacht, aber irgendwie künstlich, so wie diese Revolvershow am OK-Correll.
Zurück in Tucson fahren wir am Flugzeugschrottplatz der Amerikaner vorbei. Das ist ja wirklich irrwitzig, was hier alles rumsteht. Dann hat sich Freya endlich durchgesetzt und wir machen bis sechs Uhr eine Pause.
Danach hält es Jürgen nicht mehr auf dem Zimmer. Wir fahren zu einem großen Outlet Center in der Ina Road. Das Buch das Freya gerne hätte gibt es leider noch nicht in Paperback und um Turnschuhe anzuprobieren haben wir keine Socken dabei. Auf die Probiersocken im Laden verzichten wir gerne.
Zum Abendessen gehen wir noch mal in die Mexikanische Kantina. Heute bekommen wir die Live Musik "Aye aye aye aye ayeiiiiiii Maria und Kuckurukukuuuuuuu" mit Trompete, Gitarre und Gesang volle Kanne mit. Freya findet es toll. Jürgen eher nicht. Beim Rausgehen muß er dann aber zugeben, daß wir es doch noch ganz gut getroffen hatten. Nebenan im Steakrestaurant gibt es Karaoke!
© Jürgen & Freya Blösl, 2000-2012
letzte Überarbeitung: 15.06.2012
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