Freya & Jürgen Blösl

Amerika bei 100° Fahrenheit
(eine Fahrt durch den Südwesten im Frühjahr 2000)

Flug und die ersten Tage in San Francisco
(Sa bis Di)

Schon ab März, wenn nicht gar noch früher hat Jürgen Bücher gelesen, Prospekte gewälzt, das Internet durchforstet und mit Road Map, einem extra in den USA bestellten Computerprogramm, unsere Tour insgesamt fünfmal mit unterschiedlichen Routen durchgeplant. Wir wollen San Francisco sehen und Las Vegas, den Yosemite-, den Bryce- und den Zion-Park, Arches und Grand Canyon nicht zu vergessen. Ja und dann wollen wir noch nach Tucson und nach Phoenix und eigentlich sind auch 3 ½ Wochen zu wenig.

Wir fliegen ab Augsburg - weil da der Parkplatz nichts kostet und man schnell und bequem einchecken kann, denken wir. Der "Flug" mit offizieller LH-Flugnummer ist zwar ein Shuttlebus-Transfer. Macht aber auch nix. Am Samstag morgen geht es also los. Wir sind, weil Freya wie immer im Reisefieber, früh am Augsburger Flughafen.

Leider dauert es ein bißchen bis wir per Zufall heraus bekommen, daß unser Shuttle nicht ab dem Augsburger Flughafen, sondern ab dem Augsburger Bahnhof fährt. Also nehmen wir ein Taxi vom Flughafen zum Bahnhof. Hier wird uns dann klar, daß es in München sehr, sehr knapp wird. In einer dreiviertel Stunde sollen wir unseren Schalter finden, unsere Koffer abgeben und einchecken und durch die Sicherheitskontrollen. Die Shuttlefahrt ist nett, der Fahrer lustig aber irgendwie bekommen wir das kaum mit.

Wir erhöhen den Nervenkitzel dann noch durch das Anstehen in einer falschen Schlange. United ist zwar Mitglied der Star Alliance, aber bei Lufthansa werden nur die anderen Partner eingecheckt. Wir kommen völlig außer Puste beim United-Schalter an - und werden lächelnd auf Normal Null gebracht. "Es dauert doch noch zwanzig Minuten bis zum Boarding ..."

In San Francisco angekommen nehmen wir den vorgebuchten "Door to Door Hotel Shuttle" und liegen um zweiundzwanzig Uhr Ortszeit im Hotel Renoir im Bett.

Am nächsten morgen sind wir um 5.30 Uhr fit wie die Turnschuhe. Wir wollen das zwar als Langschläfer nicht wahrhaben, aber um sechs steht Freya auf und duscht. Um kurz nach sieben haben wir uns dann dazu durchgerungen unser Frühstück im "Olympic Flame Cafe" in der Geary Street, Nähe Taylor Street zu uns zu nehmen. Das war eine Empfehlung aus einem anderen Internet Reisebericht. Wir gehen die Taylor Street bergauf und konstatieren nach einer Weile, daß wir so viele "vertrauenswürdige" Gesichter noch nie gesehen haben. Aber vielleicht liegt das daran, daß wir Sonntags morgens um sieben Uhr so oft nicht in irgendwelchen Innenstädten sind. Bei der Geary Street rechts riecht es ein bißchen feiner und nach links abgebogen kommt auch schon bald das Cafe. Angesprochen oder gar angemacht werden wir übrigens nicht.

Die Bedienung empfängt uns wie alte Gäste und teilt uns mit, daß heute eigentlich ihr freier Tag sei, aber das Telefon heute morgen um fünf geklingelt hätte und da wäre sie nun. Sie nennt uns nach dem dritten Nachschenken Coffeedrinker und sagt dann, daß sie den Kaffee nicht trinkt sondern drückt. Dabei lacht sie. Jürgen versteht so früh am Morgen noch gar nichts und Freya genießt das. Diese Begriffsstutzigkeit dauert schließlich nie lange.

Weil Jürgen gelesen hatte, daß die Überfahrt nach Alcatraz lange im Voraus ausgebucht sei, haben wir von zuhause aus für heute eine Stadtrundfahrt mit Überfahrt nach Alcatraz gebucht. Wir werden um 9.15 Uhr im Hotel abgeholt, sammeln noch ein paar andere Leute auf und werden dann alle zusammen in einen weiteren Sammler verfrachtet. Am Busbahnhof angekommen müssen wir unsere Voucher erst mal in eine gültige Karte umtauschen und dann kann die City-Tour starten.

Wir fahren die Market Street entlang, die San Francisco in die Gebiete SOMA und NOMA (South of Market und North of Market) teilt. Es geht an diversen offiziellen Gebäuden und dem Opernhaus vorbei und schließlich halten wir an der Basilika Dolores, der nördlichsten spanischen Missionsstation. Hier haben wir zwanzig Minuten zum Gucken und zum Fotografieren. Danach geht es rauf zu den Twin Peaks, von denen aus man einen weiten Blick über die gesamte Bay hat.

Der Weg dorthin führt vorbei an wunderschönen Häuschen durch das Viertel Castro, wo die Homosexuellen von San Francisco sich bevorzugt ihre Wohnungen suchen und die vielen Fahnen mit dem Regenbogen die Toleranz der Anwohner anzeigen sollen. Leider ist es diesig und windig auf den Peaks und unsere zehn Minuten im Freien sind recht ungemütlich.

Weiter zum Golden Gate Park, einem riesigen Parkgelände, das die unterschiedlichsten Freizeitanforderungen der Bewohner erfüllen soll und es wohl auch tut. Auch hier verbringen wir eine gewisse Zeit, die wir nicht wie die anderen dazu nutzen den sicher sehenswerten Japanischen Teegarten zu besuchen. Uns zieht es zu einem Abstecher in den Botanischen Garten.

Wir fahren noch am Cliff House vorbei, einem sehr exponiert liegendem Lokal, und halten an der Südseite der Golden Gate Bridge zum obligatorischen Fotostop. Dummerweise ist morgen Memorial Day, also Feiertag und entsprechend voll ist es heute überall. Der Parkplatz an der Nordseite ist gesperrt, deswegen der Stop an der Südseite.. Um alle Punkte der Tour zu erfüllen fahren wir einmal über die Brücke und zurück. Schließlich gelangen wir zum Fishermans Wharf, dem ehemaligen Fischerhafen und heutigen Tourismuszentrum der Stadt und dort an den Pier 39.

Alcatraz und die Straßen von San FranciscoSan Francisco gefällt uns. Unabhängig von den landschaftlichen Gegebenheiten haben die Amerikaner hier ihr wunderbar einfaches Straßenraster drübergestülpt und so geht es atemberaubend bergauf und bergab aber immer geradeaus. Das erlaubt tolle Blickwinkel und heftige, durch keine Ecke aufgehaltene Windstöße.

Unser Busfahrer ist eine Nervensäge. Er betont die Worte ganz seltsam, etwa so wie Ingolf Lück sein "Danke Anke" aber das bei kompletten Sätzen. Er spricht dabei ganz langsam und betont und wiederholt einzelne Satzfetzen. Jürgen könnte die Decke raufgehen.

Am doch etwas "overcrowdeten" Pier 39 werden wir abgesetzt und wollen nach Alcatraz. Pustekuchen. Unsere Karte ist heute früh falsch ausgestellt worden. Wir halten den ganzen Verkehr auf, aber der Mensch von Greyhound telefoniert mit der Zentrale und klärt alles souverän und bestens. "Ob es uns was ausmacht morgen zu fahren?" Na ja eigentlich nicht. Na also.

Wir laufen ein bißchen am Pier herum und besichtigen die dort wohnende Seehund-Kolonie. Es macht Spaß zuzusehen wie die schwerfälligen Kolosse sich gegenseitig von den schwankenden Molen werfen. Da werden Reviere abgesteckt und eine Hackordnung erwälzt. Wie man sehen kann, geht das nicht immer ohne Bisse ab. Das Publikum drängt sich und Kinder werden zur besseren Sicht auf die Schultern gehoben. Die Sonne scheint, der Wind weht, es ist schön.

Es ist früher nachmittag und so beginnen wir die Stadt zu Fuß zu erkunden. Wir laufen durch Canary zu Chirandelli - beides zu Erlebnis- und Einkaufszentren ausgebaute ehemalige Fabrikgelände. Im Canary machen wir auch Pause, trinken Kaffee und essen Früchte zu den Klängen einer Liveband.

Broadway - San FranciscoBroadway -  San Francisco

Irgendwie haben wir noch ein bißchen Energie und nutzen die, um über die Hydestreet bergauf an das obere Ende der berühmten Kurven von der Lombardstreet zu kommen - Autos gucken. Das ist lustig, eine Rutschbahn für Große. Ein Auto nach dem anderen biegt in die enge und kurvenreiche Abfahrt der Lombardstreet ein. Touristen wie wir laufen nebenher und fotografieren die Autos die zwischen den vielen Rhododendronbüschen irgendwie deplaziert aussehen.

Da wir gesehen haben wie lang die Schlangen vor den Cable Cars werden können sind wir am nächsten Morgen um kurz nach acht an der Haltestelle Powell Street. Vor uns aber doch schon einige Leute und das im Schatten wo es doch recht frisch ist und Freya kann sich so Sachen wie "weil du immer nicht fertig wirst!" anhören. Es geht aber dann doch einigermaßen zügig und wir sind die ganze Tour über Top Lombard bis zur Canary gefahren. Da an der dortigen Station wenig los ist, sind wir gleich noch mal rauf bis zur Lombard Street gefahren und von dort aus wieder durch die Stadt gelaufen. Transamerica PyramidDie Häuser sind einfach nett und die vielen Blumen freuen uns immer wieder. Freya wundert sich darüber, wie wenig staubig die Stadt ist. Die Blätter der vielen Sträucher sehen aus wie gewaschen und poliert.

Wir sehen uns das Cable Car Museum in der Powell Street an und laufen durch Chinatown zum Ambaccadero. Mit der Straßenbahn geht es zurück zur Pier 39 und dann mit der Fähre nach Alcatraz. Die Überfahrt ist sehr sonnig und windig, richtiges Seglerwetter. Aber wenn man bedenkt, daß das Wasser hier so kalt sein soll, daß man keine fünf Minuten schwimmen kann ...

AlcatrazAuf der ehemaligen Gefängnisinsel wird mittlerweile der Vogelschutz großgeschrieben. Man sieht viele verfallene Gebäude. Freya bekommt Atembeschwerden im Zellentrakt und empfindet die Atmosphäre sehr bedrückend. Das ist ein Gefühl, das sich ganz offensichtlich bei den meisten anderen Besuchern nicht einstellt. Sie jedenfalls ist froh, als wir wieder draußen sind.

Am nächsten morgen sind wir noch ein zweites Mal zum "Olympic Flame" gegangen doch war es dort wegen einer anderen Bedienung gar nicht so lustig. Nach dem Frühstück ging es zur City Hall und danach sind wir - weil gleich um die Ecke - zum AAA, dem amerikanischen Äquivalent des ADAC. Hier erhalten wir Kartenmaterial und Bücher. Freyas Kommentar dazu bringt erst mal alle zum lachen: "You need a donkey not a wife"

Unser nächstes Ziel sind die alten viktorianischen Häuser, die sogenannten "Painted Ladies". Wir laufen durch die Viertel und gucken und gucken. Irgendwann haben wir dann genug von den Zuckerbäckerhäuschen und sind kurz darauf auch schon wieder im Viertel Castro gelandet. Hier hatte Freya bei der Busfahrt so eine wunderschöne rote Wandmalerei gesehen. Die will sie von Jürgen fotografiert bekommen. Wir gehen auch noch mal zur Basilika Dolores und fahren dann mit der Straßenbahn durch den Missionsbezirk zurück zur Market Street.

Museum of modern art - San FranciscoWir haben den Nachmittag im Musconi-
Center und im Museum für Moderne Kunst verbracht. Das Museum ist rein architektonisch interessant mit gläserner Brücke im vierten Stock. Wir sehen eine Magritte Ausstellung und Bilder von Sol de Witt. Schön bunt. Auch der Shop der zum Museum gehört ist sehenswert und wir haben nur Glück, daß wir fliegen, sonst hätten wir hier schon angefangen zu horten und zu sammeln. Gegenüber im Musconi-Center laufen wir durch die Buena Gardens mit Karussell (auf alt getrimmte Pferde, Kamele und Schwäne), Kinderspielplatz und Eisbahn. Tolle Architektur. Auf fast allen Hochhäusern weht die amerikanische Flagge.

Was Freya noch auffällt in dieser Gegend, sind die vielen Obdachlosen, die ihre Habe in Einkaufswagen vor sich herschieben und die für viele der Herumlaufenden einfach unsichtbar sind. Morgens werden sie in der Marketstreet von städtischen Bediensteten geweckt und dazu gebracht ihre Habe von den Gehwegen zu räumen und dann lungern sie den ganzen Tag herum

   

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© Jürgen & Freya Blösl, 2000-2010
    letzte Überarbeitung: 15.01.2010

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