Amerika bei 100° Fahrenheit
(eine Fahrt durch den Südwesten im Frühjahr 2000)
Heute war mal wieder ein Fahrtag. Kaum in Colorado wurde die Musik besser. Die letzten Tage hatten wir es zwar immer wieder mal probiert, aber die "Jesus liebt dich" Gesänge in Utah wollten wir uns dann doch nicht so gerne anhören. Aber jetzt, da fühlt man sich doch sofort zwanzig Jahre jünger - oder sind es schon dreißig? Freya denkt darüber nach, welche Musik hier wohl 1970/75 gespielt wurde (Benny Goodman?), verfolgt diesen Gedankengang aber nicht weiter.
Unsere Fahrt führt uns über Grand Junction nach Silverton. Die Gegend um die Red Mountains ist sehr schön. Silverton selbst finden wir zu touristisch, außerdem mit knapp zwanzig Grad (nach etwas unter 40 Grad in den letzten Tagen) einfach ein bißchen zu kalt. Da hätten wir besser in Ouray halt gemacht. Das lag auf dem Weg und hat uns besser gefallen. In Durango haben wir dann erst gar nicht angehalten und sind gleich weiter nach Cortez, wo wir für unseren Stop in Mesa Verde übernachten wollen.
Wir kommen in der Travel Lodge am Ortsende unter und machen uns gleich auf den Weg zu den Indianer Ruinen. Angesichts der Leitern, bis zu 30m hoch und der großen Anzahl von Teilnehmern auf der geführten Ruinentour verzichten wir auf eine solche und wollen uns morgen nur die Ruinen angucken, wo wir über einen Trail auf eigene Faust selbst hinlaufen können.
Von oben sehen wir uns den Cliff Palace an, die größte der unter den überhängenden Klippen gebauten Behausungen. Wir können gut reinsehen und zwischen den großen Gruppen, die hier durchgeführt werden, ist das Areal bestimmt drei Minuten völlig leer und gut zu fotografieren. (Im Nachhinein sind die Fotos mit der Gruppe als Orientierung für die Größe besser).
Abends entschließen wir uns, wegen der langen Schlange beim Italiener in der deutschen Brauerei zu essen. Na ja, da hätten wir vielleicht doch lieber ein bißchen gewartet. Obwohl das Steak und das Bier waren ok. Wer weiß wir die Pasta gewesen wäre.
Eigentlich hatten wir ja vor, den Sonntag ruhig angehen zu lassen. Aber dann brummte um sieben Uhr der Motel-Wecker, das hatten wir nicht gesehen, kurz drauf hat es draußen gehupt - na ja wenigsten ist es nicht halb sechs. Wir frühstücken heute nur Obst und machen uns dann gleich auf nach Mesa Verde.
Zuerst fahren wir über die alte Feuerstraßen nach Weatherill Mesa und laufen dort auf einem gut ausgebauten zementierten Pfad zum sogenannten Step House. Freya unterhält sich ein bißchen mit dem Ranger, der sich freut, daß eine Stunde nach Dienstbeginn endlich jemand erscheint und der darauf achten soll, daß die Touristen nicht in den Ruinen rumklettern und Steine mitnehmen. Währenddessen hantiert Jürgen mit Stativ und Kamera.
Anschließend fahren wir auf die ausgebaute Auto-Rundfahrt "Mesa Top Sites" und halten an jedem der Scenic Highlights an. Es gibt wunderschöne Ausblicke auf die unter die Klippen gebauten Pueblos und Freya versucht immer rauszufinden, wie zum Teufel die Anaszasi ihre hoch liegenden Behausungen eigentlich erreicht haben. Am besten gefällt ihr das Square Tower House.
Kaum zu glauben, jetzt haben wir nix gemacht und es ist schon wieder Mittag. Wir essen im Restaurant in der Nähe des Museums, sehen uns letzteres an und laufen dann zum Spruce Tree House, einer der Siedlungen, die ohne Guide besucht werden dürfen (um genau zu sein, die drittgrößte). Hier hat Freya dann auch wieder ein wenig Ruhe zu schreiben, während Jürgen dabei ist, jeden einzelnen Stein der Ruinen zu fotografieren.
Am Nachmittag fahren wir dann wegen des guten Lichtes noch mal zum Cliff Palace View auf der Mesa Top Site. Hier sieht man von der gegenüberliegenden Seite des Canyons noch mal den Cliff Palace.
Um 16 Uhr verlassen wir den Park und fallen bei Wal Mart in Cortez ein. 24 Stunden täglich geöffnet! Freya kauft sich für $12.75 eine Shorts die - und es ist genau die gleiche - in Moab noch 60 $ gekostet hätte. Irgendwie waren wir beim Packen unserer Rucksäcke auch von schlechterem Wetter ausgegangen. Außerdem leistet sie sich noch so einen tollen Revlon Lippenstift. Die sind bei uns auch teurer.
Wir fahren abends noch über ewige Weiten und gerade Straßen bis Kayenta, einem ziemlich trostlosen Indianerkaff. Das auch dadurch nicht schöner wird, daß Jürgen ständige Keniatta dazu sagt. Teuer nächtigen wir hier im Holiday Inn. Wobei das Hotel gar nicht mal so teuer war aber +Tax +State-Tax +City-Tax + Indianer-Tax ...
© Jürgen & Freya Blösl, 2000-2012
letzte Überarbeitung: 15.06.2012
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