Amerika bei 100° Fahrenheit
(eine Fahrt durch den Südwesten im Frühjahr 2000)
Wir fahren über Kingman und sind tatsächlich wieder zwei Minuten auf der Route 66 gewesen. Ansonsten ist das zwar wieder mal Scenic Highway - aber na ja. Auf unserer Fahrt überqueren wir den Colorado am Hoover Dame. Hier ist ganz schön was los, aber das wollen wir uns heute gar nicht ansehen. Also schimpfen wir ein bißchen über den Stau und machen dann Halt in Boulder City, der Stadt, die für die Erbauer des Hoover Dame's in der Wüste hochgezogen wurde. Wir suchen nach Coupons für Las Vegas, finden aber nix.
Auch gut. Jürgen hatte ja über das Internet rausgefunden, daß die Hotels, wenn nicht gerade Wochenende ist, mit den Preisen drastisch nach unten gehen und daß zum Beispiel das Luxor zwar nicht billig ist, wir aber den Internet-Preis schon dafür bezahlen würden. Wir fahren also zum Luxor, stellen uns auf den riesigen Parkplatz und laufen dann vorbei an allem was da blinkt und bimmelt zur Registration. Der junge Mann druckt auf unsere Anfrage auf einer Registrierkasse drei Werte aus:
69,90 / 139,90 / 169,--
Klasse, erklärt Freya, das wird mit jedem Tag billiger ! und das in so einem hyper dyper pyramidenförmigen Hotel. Klasse. Jürgen erzählt jetzt, daß ihm das spanisch vorkommt und es stellt sich tatsächlich heraus, daß das die Tagespreise sind. Irgendwie gibt es am letzten Tag wohl eine Convention.
Unser Zimmer liegt im Siebzehnten Stock. Fein auch in den Details. Die Bettüberdecke hat ein Pharaonenmotiv und der Schrank Intarsien a la ägyptischer Bilderschrift. Wir gucken direkt über dem Hintern der Sphinx auf den Flughafen und die am Horizont liegenden Berge. Das Bad ist ein Traum aus großen rotbraun und umbra glasierten Kacheln, großem Spiegel und einer Duschabtrennung aus Glas. Nicht die obligatorischen Vorhänge.
Aber natürlich sind wir nicht hier um im Hotel zu bleiben, oder? Also machen wir das, was alle hier tun - oder zumindest die, die gerade nicht spielen - wir laufen den Strip entlang.
Aus unzähligen feinen Düsen wird ein dünner Wassernebel auf uns gesprüht. Das ist nett. Wir stehen mit einer ganzen Meute vor dem Hotel Treasure Island und warten darauf, daß die Seeräuberschlacht beginnt. Das ist ein Spektakel, das alle 90 Minuten vor diesem Hotel stattfindet und ab 16 Uhr beginnt. Die Vorstellung um 19 Uhr war wegen zuviel Wind abgesagt worden und auch jetzt, wir sind wieder auf dem Weg zurück zum Luxor, sind wir uns nicht ganz sicher ob überhaupt was stattfinden wird.
Aber dann! Die beiden Schiffe - hier Seeräuber und da Briten - treten in Kampfposition. Bei jeder gefeuerten Kanone geht auf dem anderen Schiff ein Feuerwerk los bis das Engländerschiff unter lautem Getöse und viel Funkensprühen versinkt. Auch hier kann Freya nur unter Feixen feststellen, das Jürgen seinen Film im spannendsten Moment wechseln muß. Aber sie will sich das Spektakel sowieso noch mal angucken.
Auf dem Rückweg zum Hotel können wir vor dem Mirage den viertelstündlichen Vulkanausbruch bewundern und beim Bellagio sind wir rechtzeitig, um die beeindruckenden Wasserspiele zu bewundern.
Freya tun die Füße weh! Jetzt ist sie doch den ganzen Urlaub gelaufen und nichts als gelaufen, aber jetzt mag sie nicht mehr! Jürgen ist hin und weg. Diese Lichter, dieses Disneyland für Große - einfach toll. "Meine Füße! Dieses "zwei Schritte laufen und 5 Zeiten stehen". Mir tun die Füße weh." Freya ist knatschig. "Hatte ich auch mal Hunger?" Um 23 Uhr sind wir wieder im Hotel. Nein, kein Buffet mehr, jetzt ist sie muksch, denn um die Zeit ist auch das beste Buffet abgegrast.
Am nächsten Morgen scheint wieder die Sonne. Das Frühstück war gut. In langen Reihen haben wir uns bis zum Pharao Pheast Buffet vorgequet. Dann sind wir auf unseren Platz geführt worden und konnten uns vom Speck und Eier-Büffet oder dem Obst-Büffet oder aber dem Dessert und Kuchenbüffet nehmen soviel wir wollten und konnten.
Am Nebentisch beobachten wir Szenen einer Ehe:
Frau, gertenschlank ißt ihren ersten Teller nicht ganz leer. Mann kommt vom Büfett zurück und hat den zweiten Teller voll. Und voll meint voll. Der Blick der Frau ist einfach göttlich. Töchterchen guckt verständnisvoll. Mann kommt mit drittem Teller, Töchterchen anerkennend, Frau eher gottergeben.
Als alte Trekkies haben wir nach dem Frühstück nur ein Ziel: Das Hilton! Hier gibt es eine Ausstellung und eine kleine Show zum Thema Star Treck. Es gibt ein Museum in dem die gesamte Star Treck Geschichte seit Käpt'n Kirk und Spock in Glasvitrinen aufbereitet ist. Wir werden "gebeamt" und "geflogen". Nett. Eine kleine, animierte Show. Am besten ist die Antwort eines kleinen Mädchens auf die Frage ob ihr das gefallen hat. "I didn't like anything but it was fun!" Natürlich gehen wir hier auch noch Devotionalien kaufen. Zwei "vulkanische" Schlüsselanhänger leisten wir uns. Wir hätten auch die Ferengi-Erwerbsregeln oder alle möglichen Orden der Sternenflotte in Silber oder Gold. Es gibt auch Kalender mit den Bildern aller Frauen der Sternenflotte und natürlich gibt es viele Bilder von "Seven of Nine" der Schönen von Voyager.
Den Nachmittag verbringen wir in Belz Factory Outlet und finden tatsächlich Nike Turnschuhe ganz günstig. Trotz des mehr als bescheidenen Dollarkurses.
Jetzt geht es zur Show. Wo wir schon mal in Las Vegas sind. Sigfried und Roy will Jürgen nicht sehen und es gab noch so ein paar Events mit denen Freya gar nicht ankommen brauchte. Aber die "Blue Men Show" war genehm. Die Show ist fast ausverkauft. Am Anfang laufen Spruchbänder über einen Bildschirm vorne an der Bühne. Da steht dann "Gerry fragt Trisch ob sie ihn heiraten will." Terry wurde vom Auditorium nach Aufforderung zum Geburtstag gratuliert. June bekommt gute Ratschläge zum Umgang mit ihren Kopfschmerzen usw. Wir sind alle etwa zwanzig Minuten damit beschäftigt das zu tun, was die Spruchbänder von uns verlangen.
Mehrere junge Frauen laufen derweil durch die Gänge, verteilen Papierschlangen, die wir irgendwie an uns befestigen sollen, üben Quietschlaute und Applaus mit uns. Das Papier ist recycelt, wie wir mehrmals auf dem Bildschirm lesen können. Dann treten auch die blauen Männer auf und machen eine stark rythmusbetonte, witzige Show unter Einbezug des Publikums. Am Ende der Show fallen Massen von recyceltem Klopapier auf uns in der letzten Reihe. Wir machen natürlich spontan alle dasselbe. Wir schieben das Papier nach vorne und das machen dann auch alle Reihen vor uns. Nach 1 ½ Stunden war alles vorbei und wir haben Hunger.
Obwohl wir uns vor der Fahrt mit den Ratings der Buffets der einzelnen Hotels versorgt hatten und das Excalibur absolut schlecht abgeschnitten hat, wollen wir wegen der vielen Plakate nach dem Motto "wir haben alles geändert" und "neues Konzept" einen Versuch wagen. Es ist ok. Nicht überragend aber ok. Jürgen hat da schon ein bißchen mehr rumgenölt. Vor allem, da einiges schon ein bißchen lang gelegen hätte. Ob neu oder nicht, wiederkommen würden wir nicht.
Das Essen hat wieder ein paar Lebensgeister geweckt und wir laufen zum Bellagio und sehen es uns von innen an. Einfach toll. In der Eingangshalle formt sich aus vielen riesigen Glasblüten an der Decke ein buntes Oval. Eine Touristin liegt sogar auf dem Boden und guckt nach oben.
Weiter hinten in der edel aufgemachten Halle Blumenrabatten aus vielen blauen Hortensien und roter Salvien. Mosaike auf den Bodengängen, Lüster an der Decke. Schön geformte Pergolen. Sehr edel, sehr italienisch. Hätte Freya auch gefallen. Auch die Automaten und der Spieltischbereich hat hier eine eigene noble Atmosphäre.
Von hier aus gehen wir auf die andere Straßenseite zum Ballys. Der Eingangsbereich mit den leuchtenden Säulen ist beeindruckend. Das Innere dagegen eher enttäuschend. Neben dem Ballys, und mit diesem durch Gänge verbunden ist das relativ neue Paris und das hat wieder Klasse. Unter blau gemaltem Himmel mit zarten Wölkchen laufen wir auf Kopfsteinpflaster vorbei an kleinen Läden und Cafes. Die Beine des Eiffelturms verschwinden in dieser Wolkendecke. Einfach nett. War vorher das Bellagio die Nummer Eins in Freyas Gunst ist sie sich jetzt schon wieder gar nicht mehr so sicher.
Draußen sehen wir uns vor dem Bellagio noch mal die Wasserspiele an. Dann testen wir die kostenlosen Shuttles zwischen zueinander gehörenden Hotels aus. So kommen wir vom Bellagio aus schnell ins Monte Carlo. Auch ganz nett. Hier gibt es auch eine Gaststätte mit eigener Brauerei, die wir aber nicht getestet haben. Vom Monte Carlo aus kommen wir irgendwie ungeschickt hinter dem New York raus und müssen eine ganze Ecke wieder zurücklaufen.
Das New York finden wir nach dem Paris nicht mehr so toll. Morgen muß Freya sich noch ein paar andere Hotelhallen ansehen. Sie kann gar nicht genug davon bekommen. Erwähnenswert ist, daß in all diesen tollen Hallen auch immer wieder das Gewummer und Gepiepse und Gebimmel der vielen Glücksmaschinchen ist und daß man sich immer seinen Weg hindurch bahnen muß.
Heute haben wir auf ein Frühstück verzichtet - schließlich wollen wir auch noch mal ein Mittagsbüffet ausprobieren. Wir sind erst mal zur Post gefahren. Die befindet sich glücklicherweise ganz in der Nähe des Flughafens und war mit Hilfe des AAA-Stadt-planes leicht zu finden.
Während unserer Rundreise haben wir uns so nach und nach einen Bildband nach dem anderen geleistet. Jetzt gilt es eine Entscheidung zu treffen. Kaufen wir uns noch eine neue Reisetasche und tragen das alles oder schicken wir uns die Bücher einfach zu. Dafür müssen wir aber erst einmal wissen, wie teuer das alles ist.
In der Post werden wir ausgesprochen nett beraten (halt typisch amerikanisch und mit deutschen Postbediensteten nicht zu vergleichen) und entscheiden uns dann die Bücher als M-Bag per Schiff zu verschicken. Unsere Kühl-Styroporbox wird einem neuen Verwendungszweck zugeführt und dann kommt alles in ein normales Postpaket. Das Postpaket wiederum wird dann in einen Sack gesteckt. Auf die Frage eines Kollegen, wohin der Sack gehen soll. - die Vermutung war Area 51.- antwortet unser Postler nein, Germany. Was zu allseitigem Gelächter führt. In sechs bis acht Wochen wissen wir dann, ob wir das mit der M-Bag-Geschichte empfehlen können. Bis dahin darf man uns die Daumen drücken. (Hat auch prima und ohne Beschädigung funktioniert. Allerdings sind noch mal 7% MwSt zu zahlen).
Beschwingt und um 10 Kilo leichter entscheiden wir uns dann doch noch mal zum Hoover-Dame zu fahren. Schon ein, zwei Meilen vorher geht es nur noch im Stop-and-Go Tempo in unsere Richtung. Und nicht nur deswegen ist es im Rückblick eine blöde Entscheidung. Mit unseren Rucksäcken kommen wir wegen der strengen Sicherheitsvorschriften nirgends rein, unseren Kruscht wollen wir aber auch nicht im Auto lassen. Also tapern wir auf der Brücke einmal vor und einmal zurück, sagen ah und oh zu den gigantischen Ausmaßen und hauen wieder ab.
Jürgen, nicht Freya! hat dann die glorreiche Idee im Hotel Sunset Station etwas außerhalb von Las Vegas (sehr gutes Rating) unsere Mittagspause zu verbringen. Wir stehen auch bis zum Eingang des Büffets gute 40 Minuten an, aber das hat sich auch wirklich gelohnt. Freya greift ganz bescheiden nur zweimal beim Hauptgericht zu, während ihr Süßer sich für ein Hauptgericht entscheidet, dafür aber beim Nachtisch so zuschlägt, daß er am Ende nur noch mit dicken Backen (da war doch wohl ein Hamster im Stammbaum) alles in sich aufnehmen kann. Eine Creme-Schokoladentorte, Obst und eine fette Creme in Biskuit! Also die Ratings haben Recht und im Vergleich hierzu wird das Abendbüffet im Excalibur noch schlechter.
Wir sind pappsatt, aber noch nicht aus dem Rennen geworfen. Jürgen jucken noch immer die nicht gekauften Jeans. Also lockt er Freya doch tatsächlich noch mal in die Wüste. Diesmal nach Prim. Immerhin etwa eine Stunde Fahrt von der Sunset Station aus. Hier hat es neben den Kasinos im Zuckerbäckerstil auch noch ein Fashion Outlet. Schöner, größer, nobler als das Belz. Aber immerhin gibt es hier für knapp 30 $ Jeans von Calvin Klein. Die gibt es dann tatsächlich auch noch in der richtigen Größe. Jürgen ist glücklich.
Zurück in Las Vegas sind wir tatsächlich noch mal losmarschiert und haben unsere Runde durch die Hotel Empfangshallen gedreht und dabei auch wieder Teile des kostenlosen Shuttle Systems entdeckt. Von MGM kommt man zum Beispiel zu Ballys.
Freya wollte unbedingt noch in das Venetia, weil ihr das von außen so gut gefiel. Sie muß aber sagen, daß es ihre Favoriten Paris und Bellagio nicht von den ersten Plätzen vertreiben konnte.
Halb Venedig mit Fresko und viel goldenem Stuck ist hier nachgebaut. Nur da, wo man normalerweise ausladende Treppenaufgänge erwartet, haben die Amerikaner Rolltreppen eingebaut und flanieren kann man auf lauschigen Rollbändern. Sie haben halt schon einen gewissen Sinn fürs Praktische unsere amerikanischen Freunde.
Der Rückflug am nächsten Morgen verläuft wie immer. Freya wird mit dem Gepäck vor dem Terminal abgesetzt, Jürgen gibt das Auto ab und kommt per Shuttle-Bus zurück. Der Flug Las Vegas - Chicago hatte natürlich Verspätung und so hetzen wir quer durch Chicago-Airport zu unserem Anschlußflug. Nur um festzustellen, daß dieser ebenfalls delayed ist. Zurück in Deutschland dann die Überraschung: Auch hier schönes Wetter. Aber am nächsten Tag dann schon der erwartete Regen.
© Jürgen & Freya Blösl, 2000-2010
letzte Überarbeitung: 15.01.2010
Bilder und Text unterliegen dem copyright von Jürgen und Freya Blösl. Sie sind durch deutsches und internationales Recht geschützt. Sie dienen nur der persönlichen Information. Jede weitere Nutzung bedarf der vorherigen schriftlichen Zustimmung durch Jürgen Blösl
All pictures and text displayed are copyrighted by Jürgen and Freya Blösl. They are protected by German and international laws. They may only be used for your personal information. No reproduction or commercial use is allowed, except after prior written consent by Jürgen Blösl