Freya & Jürgen Blösl

Amerika bei 100° Fahrenheit
(eine Fahrt durch den Südwesten im Frühjahr 2000)

Biosphere 2
(Sa)

Desert Museum - TucsonUm 8 Uhr sind wir im Desert Museum und erst um 12 Uhr wieder draußen. Das ist aber hier auch ein netter Zoo. In Wüstenumgebung werden heimische Tiere gezeigt. Eidechsen, Schlangen, Vögel, Schmetterlinge, Berglöwen ... Es gibt künstliche Höhlen in denen man Ausstellungen zum Entstehen der Erde sehen kann und außerdem große Kristalle und andere Gesteinsbrocken. Wir könnten uns hier über Wüstengras informieren oder unterirdisch sehen wie Ottern leben und wie sich die kleinen Wüstenratten einrichten.

Gleich hinter dem Eingang, bewacht von einem Pfleger mit einem Haken können wir eine Würgeschlage beobachten und bekommen auf Anfrage oder auch einfach so interessante Details über Schlangen zu hören. So erfahren wir, daß bei den Würgeschlagen die Opfer selbst ihr Schicksal durch das Hyperventilieren beschleunigen. Die Schlange zieht einfach bei jedem Einatmen immer fester zu.

Es macht einfach Spaß hier rumzulaufen. Wir verbringen ziemlich viel Zeit im Vogelareal und sitzen auch ein bißchen im Wüstengarten rum, wo man sehen kann, daß es auch wunderschöne bunte Blumen in der Wüste geben kann.

Desert Museum - TucsonBei den kleinen Honigsaugern, den Kolibris sind wir auch eine Weile. Schließlich braucht es etwas Zeit, bis sich unsere Augen an die Umgebung gewöhnt haben und wir die hektischen Flieger auch gut sehen können.

Der Park ist von einer Privatinitiative in den späten fünfziger Jahren gegründet worden und bis auf kleine Ausnahmen (den Käfigen für die Geier etc.) sehr artgerecht hergerichtet. Dort hängt aber ein Schild, auf dem die Initiative selbst darauf hinweist und mitteilt, daß auch dieser Zustand so bald wie möglich abgeändert werden soll.

Liebevolle Details wie die schmiedeeisernen Figuren zur Entwicklung der Vögel und die Darstellung der einzelnen Lizzardarten auf der Brüstung vor dem Museum zeigen nur noch mehr, daß man hier ständig darum bemüht ist, ein interessantes Areal zu erhalten und zu verschönern. Die edlen Spender und ehrenamtlichen Helfer sind dann auch auf Tafeln gut sichtbar verewigt.

Es ist natürlich wie immer heiß, aber es gibt überall Wasserspender für den kleinen Durst und hier macht es uns das erste mal fast gar nix aus. Das könnten wir ohne weiteres noch mal machen.

Dann aber wollen wir doch weiter. Auf unserem Weg in Richtung Norden wollen wir auch noch bei Oracle haltmachen und uns dort Biosphere 2 ansehen. Die Idee dahinter war ursprünglich eine völlig von der Außenwelt abgeschlossene 2. Welt zu schaffen. Man wollte sehen, ob man die Erkenntnisse, die dieses Experiment bringen sollte auf die bemannte Raumfahrt übertragen konnte. Biosphere 2 - OracleDerjenige, der diese Idee hatte, war auch noch so glücklich einen Milliardär an Land zu ziehen und von dem Nutzen dieser Idee zu überzeugen. Also wurde in der Wüste von Arizona ein Gelände gekauft (Vorbesitzerin: Prinzessin Margareth von England, kommentiert von unserem Führer Greg mit "a little bit old England in the desert ...") und auf dieses Gelände wurden riesige Gewächshäuser gesetzt. Von allen Seiten, mit Edelstahl auch von unten, gegen ihre natürliche Umwelt abgeschottet. Naja, auf die Sonne von oben hat man natürlich schon gebaut. Aber davon hat es hier ja auch reichlich.

Anfang der neunziger Jahre haben dann eine Gruppe von Freiwilligen versucht, das Experiment zwei Jahre lang durchzuziehen. So ganz hat das aber nicht geklappt. Nicht nur, daß man Sauerstoff zuführen mußte und eine ganze Zahl der mitgeführten Säugetiere ausgestorben sind - auch die Ernährung war etwas einseitig. Hauptsächlich gab es wohl Bohnen, Reis und Bananen. Auch eine Art von Diät, denn die Probanden waren ganz schön abgemagert als sie aufgegeben haben.

Biosphere 2 -  OracleEin zweites Experiment dieser Art dauerte dann auch nur noch sechs Monate. Seit fünf Jahren verwaltet die Columbia Universität das Gelände und seine Einrichtungen. Der Milliardär steuert immer noch sein "Scherflein" (etwa eine Mio monatlich) bei und die Ziele wurden verändert. Jetzt studiert man in diesen riesigen Laboratorien Umweltänderungen. Beispielsweise: Was passiert wenn man mehr CO2 in die Atmosphäre einführt? Man hat ja Vergleichsmöglichkeiten.

Die Tour ist interessant und unser Guide, ein gedrungener, tätowierter und gepiercter Intellektueller. Er hat sogar einen Ring auf der Zunge. Aber wir glauben nicht, daß das für seine Lautstärke - er braucht für unsere Führung kein Mikro - verantwortlich ist. Greg hat Diverses studiert und bereitet sich nun hier darauf vor, seinen Master of was weiß ich zu machen ...

Biosphere 2 - OracleWährend der Tour zieht sich der Himmel zu und es wird immer dunkler. Freya freut sich schon auf die tolle Erfahrung von Regen in der Wüste mit Springflut und so weiter. Im tiefsten Inneren ihres Herzens ist sie eben doch ein Katastrophentourist!
Der Himmel ist fast schwarz und der Wind steigert sich. Wir sehen tatsächlich einen Blitz, aber schaffen es doch tatsächlich noch die gesamte Tour im Trockenen hinter uns zu bringen. Das Unwetter erwischt uns erst auf der 79. Dort dann aber mit kirschkerngroßen Hagelkörnern.
Angekommen in Phoenix werden wir dann noch mit dem besonderen Schauspiel "Sandsturm" beschenkt. Bisher hatten wir immer mal wieder solche Sandsäulen gesehen. Aufwärtswirbel mit etwa 1 m Durchmesse und 3-4 Metern Höhe. Das ist jetzt aber was anderes: gelber Himmel, Wind und ein eigentümlicher Geruch in der Luft. Auf der Straße tanzen Papierfetzen und wir sind trotz Brillen froh, als wir von Restaurant das Auto erreicht hatten. In den Nachrichten hören wir dann, daß in Tucson die Straßen unter Wasser standen. Man kann aber wirklich nicht überall gleichzeitig sein!

   

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© Jürgen & Freya Blösl, 2000-2010
    letzte Überarbeitung: 15.01.2010

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