Amerika bei 100° Fahrenheit
(eine Fahrt durch den Südwesten im Frühjahr 2000)
Über die 12 geht es nach Osten. Scenic Drive. Nager überqueren vor uns die Straße frei nach dem Motto: "Wer traut sich zuerst ?". Die Chancen stehen wie man gut sehen kann fifty / fifty. Zwischen Escalante und Boulder ist es eine tolle Landschaft. Wie mit dem Löffel durch Farbe gerührt und dann hart werden lassen. Was aber leider die höheren Erhebungen nicht erklärt. Das geht vielleicht rauf und runter.
Nach Boulder wechseln sich Birken und Kiefernwälder miteinander ab. Freya versucht Jürgen zu einem Künstlerfoto a la Anselm Adams zu überreden, "Birkenstämme in der Sonne", hat aber keinen Erfolg.
Eigentlich wollen wir den Capitol Reef National Park auslassen, weil es irgendwie einfach zu heiß ist - und immer nur roter Stein ...
Aber dann halten wir doch am Visitor Center und auch an den Petroglyphen bevor wir weiterfahren.
Die Landschaft wechselt von grandios zu na ja sagen wir mal Abraumhalden. Auf den dunkelgrauen Hügeln sind auch noch die Spuren zu sehen die eifrige Crossfahrer dort hinterlassen haben. Als wir dann Richtung Moab fahren, sehen wir das erste Mal seit Tagen wieder Wolken am Himmel.
Auf der Interstate 70 gibt es wieder viele zerfetzte Reifen am Straßenrand - wie war das mit dem "Adopt a Highway"? In Moab mieten wir uns für drei Nächte im Super 8 Motel ein. Eine ganze Kategorie besser als die letzten beiden Nächte - dafür aber auch teurer. Die Nacht von Freitag auf Samstag kostet denn auch gleich noch mal 20 $ mehr.
Gleich danach geht es erst mal zu Taco Bells Mittagessen und dann ins Visitor Center von Moab. Es ist brütend heiß und der Asphalt löst sich und bleibt an den Schuhen kleben. Egal, jetzt geht es nach Arches in den Park.
Wir erschrecken ganz offensichtlich ein älteres Ehepaar als wir hupend und gestikulierend darauf aufmerksam machen wollen, daß ihr Kofferraum offen ist. Als sie endlich an einem Overlook halten und wir uns neben sie stellen und sie informieren können, wirken sie sichtlich erleichtert und wir witzeln darüber, ob sie dachten, daß wir, bevor wir unsere Pistolen rausholen und sie erschießen, vorher noch ein bißchen hupen.
Eigentlich ist Freya ja heute faul. Aber Jürgen zieht es in die roten Felsen. Also Freya hinterher. Wir gehen zum Delicate Arch. Bei relativ wenig Höhenunterschied und einfachem Weg ist es bei der Hitze, obwohl schon später Nachmittag, sehr anstrengend.
Freya hechelt hinter Jürgen her und fragt sich wo ihre Kondition von gestern hin ist. Bei dem Arch trifft sich der halbe Park und so entscheiden wir uns dort nicht den Sonnenuntergang anzusehen. Statt dessen gehen wir zurück und fahren an einen anderen Parkplatz um von dort zum
Nord- und Südfenster zu laufen, zwei eindrucksvollen Felslöchern. Hier tummelt sich ein ganz anderes Publikum. Eltern mit Kindern, die auf den Felsen herumturnen. Auf dem "Primitive Trail" dort in der Nähe sind wir bis auf die Stechmücken allein. Als wir zum Parkplatz zurückkommen geht die Sonne genau zwischen den beiden Geraden eines "V" unter. Das sieht gut aus und nicht nur wir finden das schön.
Weil das Dinosaurier National Monument nun beim besten Willen nicht auf dem Weg liegt, Freya aber unbedingt hier, wo so viele Dinos ausgebuddelt wurden, auch so was sehen will, läßt sich Jürgen erweichen und wir fahren nach Cleveland in die Nähe von Price zum Dinosaur Quarry.
Unterwegs kommen wir an einer Baustelle vorbei. An beiden Seiten Frauen mit Haltefahnen, x Männer und Frauen auf der eigentlichen Baustelle. Krönung der Vorstellung ist die Straßenwalze mit überdimensionaler amerikanischer Flagge.
Über die N155 geht es nach Cleveland und die Quarry ist ausgeschildert. Schon kurz hinter Elno ist die Straße nicht mehr asphaltiert und Freya kann sich immer noch nicht durchringen "Schotterpiste" dazu zu sagen, aber es trifft es vielleicht doch am ehesten. Jedenfalls geht es auf der Schotterpiste über ziemlich ödes Land, so daß man sich fragt, wie zum Teufel überhaupt jemand auf die Idee kommt da zu buddeln.
Als wir am Quarry ankommen, stellen wir fest, daß wir das einzige Auto ohne Vierrad-Antrieb auf dem Visitor-Parkplatz haben. Es gibt hier ein kleines Visitor Center mit Erläuterungen zur Fundstelle. Hier wurden auf kleinsten Platz wirklich sehr sehr viele große Knochen gefunden. Leider sind sie nicht mehr da. Überhaupt hatten wir den Eindruck daß es hier mittlerweile ziemlich ruhig ist mit der Buddelei.
Wir laufen kurz zur überdachten Ausgrabungsstätte. Zwei etwas größere Container von denen einer verschlossen ist. Der andere beinhaltet einen Steg, drei nachgebildete Knochen und ein paar Schilder - enttäuschend. Es gibt hier auch einen Trail den wir unter anderen Umständen bestimmt gegangen wären. Aber der Blick auf den Himmel mit seinen immer dunkler werdenden Wolken läßt uns darauf verzichten. Bei Gewitter möchten wir wieder Asphalt unter unseren Reifen haben.
Insgesamt kostet uns unser Ausflug fast den ganzen Tag und wird eigentlich nur dadurch gut, daß wir die Scenic Road N126 zurück nach Moab nehmen. Es ist wirklich schön hier am Colorado entlang zu fahren und da könnte man vielleicht doch noch mal an Camping denken.
In Moab angekommen gehen wir in Poplars Place essen. Praktischerweise gibt es im Visitor Center von Moab einen Restaurantführer mit Speisekarten und Preisen. Das Essen hier ist lecker und nicht teuer. Außerdem gibt es eine Auswahl ganz ordentlicher Biere. Danach sind wir noch auf der Hauptstraße an den Geschäften entlang gebummelt. Blöd, daß der Dollarkurs so steht wie er steht.
Dann noch in den Supermarkt (irgendwann gegen 21 Uhr). Zwei Leute an der Kasse: Einer räumt die Waren aus dem Einkaufskorb aus und tippt die Preise ein. Der andere räumt sie in eine Tüte. Beim Nachrechnen bemerkt Jürgen, daß unsere Melone falsch gewogen wurde: 40 Pfund. Wir reklamieren und bekommen sie anschließend geschenkt. Auch wie das alles abläuft: vom Service her sind die Amis besser drauf als wir.
Am nächsten Morgen: Gerade nachdem Freya geduscht hat (6.15 Uhr) fängt der Regen an. Also gut, dann legt sie sich halt wieder hin und bleibt doch tatsächlich im Bett liegen bis um kurz vor acht. Auch gut. Mittlerweile ist es schon wieder trocken, aber es weht ein ziemlich heftiger, böiger Wind. Wir fahren in den Arches Park bis an das Ende der asphaltierten Straße zum sogenannten Devils Garden. Von hier aus laufen wir den Trail entlang, wissen aber beide schon, daß wir keine Lust auf den Primitive Loop haben. Heute Nachmittag werden wir davon noch genügend bekommen. Wir haben nämlich eine von Rangern geführte Tour durch die Fiery Furnace gebucht, einem Gebiet wo es gar keine Wege gibt und wo man uns vorher Fotos gezeigt hatte, wie man da zu gehen hat und uns eindringlich gefragt hat, ob wir uns das zutrauen. Aber davon später.
Jetzt sind wir erst mal am Devils Garden und laufen eine ganze Weile. Zunächst über gute Wege, dann über Sand und dann über Stein. Der Wind bläst was er kann und wir haben schon nach kurzer Zeit überall Sand im Getriebe.
Zu dem Landscape Arch kann man wegen Einsturzgefahr nicht mehr so schön hin, wie eigentlich früher mal vorgesehen, aber der Blick durch dieses natürliche Loch ist immer noch sehr beeindruckend.
Noch vor der Double O Arch kommen wir an einen Felssattel und haben oben angekommen ob des Windes Mühe darauf stehen zu bleiben. Also gut, dann setzt Freya sich halt erst mal hin. Jürgen geht es ähnlich, auch er wird fast umgeweht. Hier müßten wir drüber. Brauchen wir das?
Wir sehen einige die das tun. Kaum, daß sie zwei Schritte laufen, sitzen sie schon wieder. Na gut. Wir drehen um, machen noch die einzelnen
Abstecher zu den am Hauptweg liegenden Arches - immer den Sand schön ins Gesicht geblasen - und fahren dann zum Mittagessen nach Moab.
Haben wir eigentlich schon gesagt, daß Moab ein wirklich reizendes Tourismusstädtchen ist ? Also hier gefällt es uns ganz gut. Nette Lokale mit Atmosphäre, laue Abende und Möglichkeiten zum Bummeln.
Heute ist der Chinese dran. Das Mittagsmenü ist ok und reichlich. Die Bedienung erinnert ein bißchen an Kantine. Hier, da hast du einen Schöpper, da nimm. Platsch. Mit Service a la USA hat das hier nichts zu tun. Da Trinkgeld fällt dann auch etwas knapper aus.
Um zwanzig vor vier sind wir am Fiery Furnace Parkplatz und es sind schon fast alle anderen Teilnehmer der Tour da. Etwa zwanzig Leute, inklusive Kinder wollen sich das nur mit Erlaubnis zu betretende Gebiet ansehen.
Irgendwie schafft Freya es ihren amerikanischen Gesprächspartner mit ihrer Themenwahl zu verscheuchen. Sie hat nämlich schon den ganzen Tag darüber nachgedacht, daß immer dann wenn die Gegend so richtig trostlos war das Schild "Open Range" auftaucht. Jedenfalls fängt sie an, sich Gedanken über die armen, hungernden amerikanischen Kühe zu machen - so im Vergleich zum Allgäu müssen die ja viel mehr laufen um ihren Futterbedarf zu decken ...
Unsere Tour wird von Rangerin Alicia, die eigentlich aus Alaska kommt, geleitet und sie macht es nett und anschaulich. Immer wieder versammelt sie die Gruppe um sich, erklärt und zeigt. Und das wirklich toll. Ihr Lieblingsthema und wohl wirklich ein echtes Problem im Park ist die mikrobiotische Kruste aus Bakterien, die den Sand zusammenhält und dadurch Pflanzen wiederum die Möglichkeit bietet sich anzusiedeln. Diese Kruste wächst ganz, ganz langsam und kann aber mit einem einzigen Tritt auf den Sand zerstört werden. Deshalb sollen wir nach Möglichkeit immer auf den Felsen laufen oder aber auf dem Sand, der in den Washes liegt.
Keiner von uns hätte sich beispielsweise gedacht, daß die hüfthohen Sträucher hier richtige Eichenbäume sind oder daß sich in den Wasserlöchern, von denen wir ein einziges sehen, unter anderem Shrimps aufhalten.
Wir erfahren also eine ganze Menge. Doch das ist es nicht allein, was den Spaß bei dieser Tour ausmacht. Wir klettern. Nicht so sehr bergauf, aber hier durch eine Spalte wo wir uns auf der einen Seite mit den Füßen und auf der anderen Seite mit den Händen abstützen, oder da über Felsen wo wir im sogenannten Spinnengang - ein Bein am rechten Felsen und eines am linken eine Enge überbrücken.
Wir werden durch einen Wash geführt . Hier laufen die Wasser bei Regenfällen ab und hier kann es auch passieren, das man bei Springfluten bis zu hüfthoch im Wasser stehen kann.
Insgesamt drei Stunden krabbeln wir im Felsgewirr und es ist ein tolles Erlebnis.
Wir machen danach noch ein paar Fotos im Park und schaffen es tatsächlich noch den Sonnenuntergang ganz oben im Canyonlands Nationalpark zu bewundern (Straße N313). Auf unserer Fahrt dorthin sehen wir eine ganze Menge von den Eselrehen. Dabei sogar eine Familie (Papa, Mama und zwei Bambis). Am Aussichtspunkt selbst auch noch einige der langbeinigen Hasen. Gerade in der Dämmerung ist es hier wirklich ausgesprochen tierreich. Morgen geht es weiter ...
© Jürgen & Freya Blösl, 2000-2010
letzte Überarbeitung: 15.01.2010
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