Rom im Herbst
Wir frühstücken um 8.00 Uhr und stellen fest, dass das irgendwie ein schlechter Zeitpunkt war, da jetzt so ziemlich alle frühstücken wollen. Heute sieht es auch so aus, als sollte es nicht erst nachmittags zu einem Gewitter kommen, aber wir fahren tapfer los bis zur Station Circus Maximus und laufen von dort bis zu der Kirche die vor zwei Tagen bei unserer Ankunft geschlossen war.
San Gregorio hat drei wunderschöne Kapellen mit Fresken, ist wenig besucht, was dem Kircheneindruck nicht schadet und in der Klosterapotheke daneben kaufen wir kleine Likörfläschchen nach Farbe. Man hätte dort aber auch Shampoo, Honig oder Cremes erstehen können.
Beim Kolosseum stört uns die riesenlange Schlange am Eingang und so beobachten wir lieber die Ausgrabungen am Forum. Wir tippen hier auf Sommercamp und Freya (!) lässt ein paar Chauvisprüche wegen des tiefen Dekoltees einer Ausgrabungsgehilfin los, die sich dekorativ immer wieder zu uns vorbeugt.
Aus dem Konzept gebracht wissen wir momentan nicht so genau was wir tun sollen - wir waren ja auf Kolosseum eingestellt - laufen aber mal zügig in Richtung Nationaldenkmal. Vorher stoppen wir bei dem Touristen-Infocenter auf dem Weg, wo Freya im Hof ein giftgrünes Getränk aus gestoßenem Eis und Pfefferminzsirup zu sich nimmt.
Die vielen Stufen des Nationaldenkmals erklettern wir und haben von dort aus einen guten Blick auf die Stadt. Außerdem ist es hier überhaupt nicht schwül. Im Gegenteil, es weht ein ganz schön frischer Wind hier oben.
Unser Entdeckerfieber ist wieder da und jetzt wollen wir auch noch zum Kapitolsplatz. Und wenn wir schon da sind, natürlich auch noch ins dazugehörige Museum. Doch bevor wir da rein gehen, machen wir sogar noch eine echte Entdeckung. Am hinteren Ende vom Platz geht in Richtung Forum auf der rechten Seite ein Sträßchen bergab. Dort befindet sich im Eingang zur Nationalbank ein Imbiss, wo wir in total untouristischer Atmosphäre für 3 Euro eine Tasse Kaffee, ein belegtes Brötchen und ein Schweinsohr erstanden und verzehrt haben.
Dann machen wir aber wieder einen auf Kultur und können immer wieder feststellen, dass diese monumentalen Fresken in den Räumen des Museums die wunderbaren Statuen auf das Schönste zur Geltung bringen. Freya bedauert nur immer wieder, dass so vielen männlichen Statuen das beste Stück abgeschlagen wurde.
Nach den kapitolinischen Museen bringt Jürgen Freya doch noch mit dem Vorschlag zum Erstaunen jetzt noch zum Petersdom zu fahren. Ihr war es jetzt eher so nach relaxen und dann Essen gehen, aber Jürgen repetiert das von uns beiden ins Auge gefasste Programm und hat einfach mal wieder Recht - das schaffen wir jetzt schon nicht mehr.
Also Stress komm her, wir sind schon da. Mit der Linie 46 fahren wir bis zum Vatikan und beeilen uns. Wir wollen doch auf die Kuppel und der letzte Aufzug fährt um 17.30. Das schaffen wir aber problemlos und die 320 Stufen danach auch noch. Nur dass Jürgen die ersten Stufen nicht richtig gezählt hat und danach die letzten 100 laut, aber falsch zählt findet Freya schon ätzend. Natürlich hat sie recht - zählen kann sie
.

Im Inneren der Kuppel kommen wir auf einen Balkon, von dem aus wir eine gute Aussicht auf den Hauptaltar haben. Aber es geht noch weiter hoch, teilweise recht eng und wir können uns das Ganze um die Mittagszeit auch ziemlich heiß vorstellen. Ganz oben laufen wir außen entlang der Kuppel und haben einen tollen Blick auf die Stadt. Nachdem wir einmal rund herum gelaufen sind und auch die Vatikanischen Gärten von oben gesehen haben, nehmen wir den Aufzug nach unten, um uns den Petersdom auch noch von innen anzusehen. Eigentlich ist er ja gar kein Dom sondern eine der vier Magistral Basiliken.
Diese Ausmaße können einen schon erschlagen. Allein die Seitenschiffe sind so riesig, dass sie jeweils eine schon mehr als große Kirche abgegeben hätten. Die Abendsonne scheint durch die bunten Glasfenster und lässt die Marmorfiguren leuchten. Ein Pater geht vorbei und grüßt die Petrusfigur, deren Füße von den vielen Berührungen der Gläubigen schon völlig glattgeschliffen sind. Ein junger Mann betet und bittet inbrünstig in einer kleinen Seitenkapelle. Überall Menschenmassen, die sich diese Kirche aller Kirchen ansehen.
Kurz vor sieben Uhr erzwingt sich Freya den Feierabend. Sie will nicht mehr und sie kann nicht mehr. Nach der Duschpause im Hotel gehen wir heute abend schnickig essen. Zu Fuß zum Restaurant "Nuova Rusticana" an der Via Aurelia Antiqua. Lecker. Das Lokal haben wir entdeckt, als wir am ersten Tag mit dem Bus eine Station zu weit gefahren sind.
© Jürgen & Freya Blösl, 2002-2012
letzte Überarbeitung: 15.06.2012
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