Freya & Jürgen Blösl

Mingala ba -
Im Land der goldenen Pagoden

Donnerstag, 05.04.01 Yangon

Wir haben zwar um sieben Uhr gefrühstückt aber weil es sehr diesig und grau ist, haben wir uns noch mal ins Bett zurückgezogen. Freya geht es besser. Der Fuß ist nicht mehr so dick und ihr Magen macht es auch so langsam wieder.

Wir sind also erst mittags aus dem Hotel herausgegangen, haben vor der Tür die Kambodschaner getroffen und erfahren, daß sie 16 Stunden mit dem Bus unterwegs waren. Was ein Glück sind wir geflogen!

Um 17.40 Uhr treffen wir uns mit den anderen in der Lobby. Anne schäumt. 16 Stunden Fahrt und unterwegs mehr als dreckige Toiletten. Warum regt sich eigentlich nicht noch jemand auf ?

Vor dem Hotel, kurzer Auflauf. Die meisten wollen bei den Sauna-Temperaturen nicht laufen. Allerdings sind wir zu viele Leute für ein Taxi. Ein Pickup erkennt die Gunst der Stunde und wir finden, daß dies ein würdiger Abschluß ist. Wir werden zum Restaurant Young Duck in der Nähe der Fähr-Anlegestelle gefahren. Das ist schon komisch. Wir krabbeln alle mehr oder weniger ungeschickt vom Pritschenwagen und um uns herum stehen die Kellner und hofieren uns wie die Grafen Koks.

Auf der Terrasse sitzen wir um einen großen Tisch und haben uns viel zu erzählen. Erich und der andere Jürgen sind mit dem Zug gefahren und haben die Freuden des kommenden Wasserfestes schon am eigenen Leibe erfahren können, als an einem Bahnübergang ein Kübel von Wasser ins Abteil gegossen wurde. Auch von den anderen hören wir beim Essen der total großen und leckeren Portionen noch so einiges.

Für unseren Peter haben die drei Freundinnen zusammen mit Christine einen Mönchstopf gekauft und darin eine Ananas und von uns Geld gesammelt. Fast alle waren wir mit ihm zufrieden. Er ist ja auch ein ganz anderes Kaliber als unser Djoser-Begleiter in Indien.

Freitag, 06.04.01 Abschied von Yangon

Wir frühstücken um sieben und treffen dabei mit einigen aus unserer Gruppe zusammen. Die Kambodschaner, die gestern abend natürlich nicht dabei waren, sind schon in der Frühe zu einem anderen asiatischen Ziel weitergereist, nicht ohne uns am schwarzen Brett darzulegen, wie schwer es ihnen fällt sich in eine Gruppe einzupassen. Sicherheitshalber haben sie ihre Adresse aus dem Briefbogen entfernt. Doris, Karen und Marlene sind seit Stunden in einem Bus in Richtung Meer zum Erholungsteil ihres Urlaubes unterwegs. Peter ist für das Wochenende mitgefahren und so befinden wir uns diesen letzten Tag in Pieters Obhut.

Freya hat durchgesetzt, daß wir den Vormittag auf der Shwedagon-Pagode verbringen. Da hat es ihr gefallen, da möchte sie einfach noch ein wenig Zeit verbringen. Wir wimmeln am Aufzug einen Führer damit ab, daß wir sagen, wir sind das zweite Mal hier.

Yangon - in der Shwedagon PagodeSo kurz vor Vollmond ist hier ein Menge los und eine Ohrlochprozession folgt der anderen. Die Termine für das Ohrlochstechen werden von Astrologen bestimmt und Vollmond und Jahreswechsel sind wohl per se ein guter Termin. Vorneweg oftmals eine oder mehrere Frauen, die zusammengefaltete Geldscheine und Konfetti in die Luft werfen, begleitet von Horden von Jungs, die sich bei jedem Wurf auf den Boden werfen. Danach kommen festlich gekleidete Verwandte, dann die kleinen Mädchen, meistens Huckepack getragen, mit goldenen Schirmen und aufwendigem Kopfputz. Schließlich Reihen von Verwandten und Freunden.

Mit einer dieser Geld und Konfetti-Werferinnen hat Freya seit wir auf der Pagode sind Blickkontakt. Sie lächeln sich zu, verlieren sich aus den Augen und treffen sich wieder. Mal ist sie mit ihrer Gruppe vor uns, dann wieder hinter uns. Auf einmal kommt sie auf uns zu, drückt Freya einen gefalteten Yangon - in der Shwedagon PagodeGeldschein in die Hand, lächelt und sagt "Lucky Money, for you". Da ist Freya sprachlos, bedankt sich und kann es kaum glauben. Das ist ja ein toller Abschluß der Reise.

Wir bleiben fast drei Stunden auf dem Gelände und Freya guckt noch mal nach so einem tollen goldenen Schirm, findet aber nicht das, was sie sucht. Wir fahren mit dem Taxi zurück zum Hotel, duschen und werden um vierzehn Uhr von Pieter abgeholt, um zum Flughafen gebracht zu werden. Dort erledigt er für uns einen Großteil der Formalitäten und verabschiedet uns dann auf das freundlichste.

Wir sind natürlich viel zu früh und warten in sich langsam auflösenden Gruppen auf den Abflug. In Yangon gibt es zwar einige Duty-Free Läden, aber die sind völlig uninteressant. Nach einem ereignislosen Flug mit Silk Air, den regional carrier von Singapore Airlines, haben wir in Singapur einen knapp zweistündigen Aufenthalt. Bei der Schlange vor dem Security Check reicht das mit knapper Not für die Einkäufe, die wir uns auf dem Hinweg ausgesucht hatten.
Im Flieger hören wir das erste Mal seit drei Wochen wieder Kindergeschrei und genervte Eltern. Hat uns das gefehlt?

In Frankfurt angekommen, rufen wir die uns aufgeschriebene Telefonnummer an und werden innerhalb von zwanzig Minuten abgeholt, können unser Auto in Empfang nehmen und dann losfahren. Die im Radio verkündeten Osterstaus umfahren wir einigermaßen glücklich und kommen nachmittags müde und erschöpft zu Hause an.

   

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    letzte Überarbeitung: 10.06.2011

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