Mingala ba -
Im Land der goldenen Pagoden
Unsere Reise nach Myanmar hat schon vorgestern angefangen. Am Sonntag um 12.00 Uhr haben wir zu Hause alles abgeschlossen und sind zuerst einmal nach Wiesbaden gefahren. Übernachtet haben wir in Mörfelden-Walldorf im Domizil-Hotel. Dort konnten wir unser Auto relativ günstig für drei Wochen in der Tiefgarage unterstellen und hatten sowohl einen Lift zum Flughafen als auch wieder zurück zum Hotel nach Abschluß der Reise.
Die Anreise führt über Singapur, wo wir zwei Stunden herumlaufen und Geschäfte angucken. Alle scheinen locker und entspannt, überall hört man Musik. Das Areal ist weitläufig und durch Teppichböden gedämpft. Das Dumme ist nur, daß wir jetzt wieder zweieinhalb Stunden lang genau den gleichen Weg nach Yangon zurückfliegen müssen.
Wir kommen zum Ende der Trockenzeit nach Myanmar und so ist es nicht erstaunlich, daß sich Myanmar von oben als eine ockerfarbige Landschaft präsentiert, zerteilt in viele unregelmäßige Vierecke. Dann und wann überraschend giftiges Grün, natürlich auch in Vierecken. Innerhalb dieser Vierecke immer wieder Kreise, in deren Mitte sich Pagoden befinden. Nur wenige Bäume sind beim Anflug auf Yangon zu erkennen.
Die Flughafenhalle ist alt - gebaut Ende der fünfziger Jahre - von außen aber pompös wie eine Tempelanlage. Die Eingangsformalitäten sind ein bißchen umständlich. Stempel hier, Stempel da, alles mit einer Ruhe an die wir uns erst noch gewöhnen müssen. Als Gruppenreisende haben wir ein spezielles Visum, das uns vom Zwangsumtausch befreit. Alle anderen werden nach der Paßkontrolle von den Offiziellen abgefangen und zu entsprechenden Schaltern geschickt. Im Internet gibt es etliche Ratschläge wie man das als Individualreisender vermeiden kann, vom Warten bis alle anderen weg sind, bis hin zur Bestechung.
Nachdem einige der Gruppe durch die Kontrolle sind, erhält auch Jürgen seinen Einreisestempel, nimmt seinen Paß und läuft mit diesem, offen hingehalten an den Offiziellen vorbei. Den befreienden Stempel konnte der Kontrolleur garantiert nicht so schnell erkennen. Aber so selbstsicher ist man halt nur, wenn man ohnehin kontrolliert werden kann. Durch die Zollkontrolle geht es als Reisegruppe razz fazz.
Im Hotel treffen wir die letzten beiden fehlenden Mitglieder unserer Gruppe. Fast alle sind sie schon einmal mit Djoser unterwegs gewesen. Mit uns sind es drei Ehepaare, ansonsten Singles aber auch eine Gruppe Freundinnen. Vom Alter her dürften wir eng zusammen liegen. Mit uns fährt neben dem Djoser-Reisebegleiter Peter noch ein einheimischer Guide mit seinem Sohn. Da der auch Peter heißt, schreiben wir den hier zur Unterscheidung einfach Pieter.
Wir sind im Asia Plaza Hotel untergebracht. Zentral in der Stadt gelegen und vom Standard her gut. Hier tauschen wir bei Pieter 50 Dollar und erhalten 24.000 Kyat in kleinen Scheinen. Ein netter Stapel. Anschließend verabreden wir uns für ein gemeinsames Essen am Abend. Den Wunsch nach gegenseitigem Vorstellen brechen zu unserer Freude die zwei Frauen rechts von uns ab: "Das geht doch auch im Dunkeln, wir wollen jetzt raus...".
Die Stadtrundfahrt morgen früh wollen wir auch nicht mitmachen, wir organisieren uns da lieber selbst. Also tschüs und raus.
Wir wollen zur Sule Pagode, von der aus alle Entfernungen innerhalb Yangons gemessen werden. Draußen ist es ganz schön heiß und es braucht weniger als fünf Minuten bis alle unsere Klamotten an uns kleben.
Die Sule Pagode ist schon von weitem zu sehen. Golden leuchtet ihr Dach. An vielen Straßenläden vorbei laufen wir auf sie zu. Am Eingang angekommen ziehen wir schön brav die Schuhe aus und laufen im Uhrzeigersinn um die zentrale Stupa.
Nichts liegt Freya ferner, als respektlos zu sein: Aber wie wir so laufen überlegt sie sich andauernd, woran sie die Pagode erinnert. Dann hat sie es. Die gesamte Pagodenanlage erinnert sie an ein wunderschönes, altes Kinderkarussell mit Glas und Spiegelmosaiken, viel Gold und bunten Kacheln und unzähligen liebevollen Details. Wir laufen herum und Freya lächelt alle, die uns anstarren einfach an.
Wir werden angestarrt, was kein Wunder ist. Außer uns sind an diesem Nachmittag gerade mal noch ein anderes Ehepaar aus unserer Gruppe in der Pagode und beim Herumlaufen in der Stadt haben wir auch keine westlichen Touristen gesehen.
Nachdem wir die Sule-Pagode angeschaut haben, laufen wir in Richtung Fluß, der aber von der Straße aus hier nicht zu sehen ist. Wir halten uns links, beobachten wie Arbeiter auf einem Bambusgerüst in ziemlicher Höhe herumturnen und erreichen die Botataung Pagode. Hier ist die Tempel-Anlage viel weitläufiger und nicht so verspielt wie bei der Sule Pagode. Eine große Halle in der gebetet wird hat es uns besonders angetan. Lauter kleine Spiegel: Das glitzert und blinkt in der Sonne, die langsam sinkend durch die Fenster scheint.
Von hier bis zu einer Anlegestelle ist es nicht weit und so gehen wir an den unvermeidlichen Läden vorbei zum Wasser. Wir sehen eine Mädchenklasse auf einem offenen Pickup, winken und lachen ihnen zu. Fotografieren dürfen wir sie auch.
Freya tun jetzt doch die Füße weh und ihr armer Jürgen wird gar von einem nicht zu kleinen Vogel zielsicher angeschissen. Aber unter Androhung von Schlägen darf sie noch nicht einmal lachen ...
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Wir laufen durch die Stadt, es ist später Nachmittag, kurz vor dem Dunkel werden. Die Orientierung klappt gut und so sind wir bald in der Nähe des Hotels wo wir uns mit Wasser und Kuchen für den nächsten Tag versorgen. Fast überall werden bei Einbruch der Dunkelheit Hocker auf die Straße gestellt und das große Kochen und Braten kann beginnen. Das riecht gut. Doch zumindest gleich am Anfang der Reise lassen wir die Finger davon. Wir wollen früh raus um bei den Ersten an der Shwedagon Pagode sein, darum soll auch das Frühstück aus Kuchen auf dem Zimmer bestehen.
Im Hotel wird dann geduscht und sich ein bißchen abgelegt und Freya, die Prinzessin auf der Erbse, hat auch schon drei dicke Blasen an den Füßen.
Obwohl langsam müde, sind wir dann in kleiner Gruppe zum Karaweike Restaurant gefahren, einem aus Beton an den Inya-See gebauten Pseudo-Schiff, fürchterlich kitschig einem Sagenvogel nachempfunden.
Das Menü ist gut - obwohl im Reise Know How das Essen als mäßig dargestellt wurde. Tanzshow und Marionettentheater sind nicht schlecht, aber leider mit für uns ein bißchen nerviger Musik. Da gehen aber schon hier am Tisch die Meinungen auseinander.
Obwohl Jürgen in seinen privaten Reisenotizen vor der Reise das Thema Shwedagon und früh reinkommen und solche Sachen notiert hat, ist er, als heute morgen um fünf Uhr der Wecker klingelt, mehr als quengelig. Aber nix da, noch keinen Tag da und schon schlapp machen?
Wir frühstücken dann aber doch im Hotel und nach kurzer Diskussion schließen wir uns auch der Gruppe bei der Stadtrundfahrt an. Zum einen möchte Freya wegen ihrer diversen Blasen nicht soviel laufen und dann will sie auch den liegenden Buddha sehen und überhaupt.
Zuerst steuern wir zielsicher die Botataung Pagode der 1000 Offiziere an. Naja, da waren wir erst gestern. Unser nächstes Ziel ist eine Höhlenpagode, erbaut in den fünfziger Jahren. Von außen könnte man denken es sei Fels, aber alles ist künstlich errichtet. Innen ein großer, relativ schlichter Saal, durch den viele Vögel fliegen. Hier werden buddhistische Konvente abgehalten.
Danach geht es nach nebenan zur Pagode des Weltfriedens. Hier fühlt aber nicht nur Freya sich an "Staatszirkus" erinnert. Was vielleicht auch an der runden Form liegt. Überall blinkt das goldene Rad des Buddha wie diese Weihnachtsdekorationen bei uns. Wie ist dieser Glaube nur all die Jahre ohne Elektrizität ausgekommen?
Wir fahren weiter zum Inya See, dem größten See innerhalb des Stadtgebietes. Auch hier wieder ein kurzer Zwischenstop. Es gibt einiges zu sehen: Jungen, die am Ufer nach Schlammfischen angeln, eine zahme Eule, Stände an denen frittiert und gebraten wird.
Eine von uns entdeckt einen Stand mit Ananas und läßt sich die Frucht zubereiten. Klasse, das sieht lecker aus. Freya läuft das Wasser im Mund zusammen. Sie will auch eine! Die Ananas ist fertig geschält - sie sieht lecker aus. Dann nimmt der junge Mann die Ananas und tunkt sie in Wasser.
Freya und die andere gucken sich an. "Die nehme ich nicht !" sagt sie. Freya geht zu unserem einheimischen Reiseleiter und erklärt ihm das Problem. Also wird die nächste Ananas zubereitet, die dann aber gleich bei Freya landet. Jetzt soll sie auf einmal teurer sein und Sigrun, so heißt die andere, will sie dann nicht mehr. Wie immer schmeckt diese Frucht in Asien besser als Zuhause.
Es geht weiter. Unser nächstes Ziel ist der liegende Buddha, der leider eingerüstet ist. Zwar ist er kleiner als der in Bago, aber trotzdem imposant. Danach geht es zur Sule Pagode und Freya nutzt diese Zeit um im Bus ein Zweiminuten-Schläfchen zu machen.
Währenddessen geht Jürgen mit dem Rest der Gruppe erst einmal in ein Guest-House am Rand des Platzes. Da im dritten Stock gelegen, hat man von den Fenstern im Treppenhaus und der Rezeption einen tollen Blick auf die bereits gestern besuchte Pagode.
In der Sule Pagode begibt sich die Gruppe in eines der "Hinterzimmer". Eine Frau möchte, daß der dort verehrte Nat ihr einen Wunsch erfüllt. Ein Nat ist ein Geist, der von den Myanmaren verehrt wird. Obwohl Myanmar tief buddhistisch ist, wurden diese Geister nicht verdrängt, sondern nur Buddha als Diener untergeordnet. Die Frau übergibt dem dortigen Priester einen Zettel mit ihrem Wunsch, außerdem Geld und einen Obstkorb. Der Korb wird hinter der Nat-Figur plaziert, die Geldscheine einzeln zwischen seine Finger gesteckt. Der Wunsch schließlich wird laut verlesen, so daß der Geist ihn auch ja wahrnehmen kann.
Anschließend werden wir an den Kandawgyi-See gefahren und nehmen unser Mittagessen ziemlich genau gegenüber von dem Lokal ein, wo wir gestern abend gewesen sind. Hier werden die jungen Bedienungen ausgebildet. Wir sitzen mit Peter, unserem Reiseleiter, Sigrun und Anne an einem Tisch und beschließen nach dem Essen gemeinsam durch den Park am See zu gehen und über den See hinweg einen Photoshot auf die Shwedagon-Pagode zu machen.
Zuerst aber gehen wir im Hotel nebenan in den vierten Stock, weil es von da aus einen besonders guten Blick auf die Pagode geben soll. Na ja, gut ist halt relativ. Das Hotel ist jedoch Klasse und wir laufen in der Lobby 'rum und können uns alles ansehen was wir wollen.
Das mit dem Foto über den See wird auch nichts, weil das Wetter nicht so mitspielt und die goldene Kuppel vor hellgrauem Himmel nicht so schön funkelt. Wir erleben hier die einzigen Tropfen Regen auf der Reise. Aber wir laufen auf schattigen Wegen, sehen abenteuerliche Toiletten - nix offizielles -, zahlen hier und dort 10 Kyat um über Brücken zu gehen oder aber um den Park zu betreten. Wir gucken einigen jungen Leuten beim Angeln zu und laufen schließlich ohne das Foto zur Shwedagon. Der Anblick ist imponierend und die überdachten Treppen nach all der Hitze eine Freude.
Sigrun und Freya müssen schon wieder auf die Toilette. Am Aufzug zur oberen Plattform fragen sie einen Jungen und der führt sie dahin. Einfacher Weg etwa sieben Minuten. Nach unten, wieder bis zur Straße, nach links und dann wieder schräg nach oben. Sauber, kein Luxus. Für die Führung geben sie ihm einen Kugelschreiber, über den er sich sehr freut.
Bei ihrer Rückkehr sind Jürgen und Anne schon in Aufregung, sie hätten fast eine Vermißtenanzeige aufgegeben. Dann aber mit dem Aufzug nach oben. Hier werden wir natürlich gleich abgefangen und zahlen unsere Fünf Dollar Touristen-Eintritt.
Wir laufen zu dem Süd-Eingang und dann im Uhrzeigersinn herum. Viele Leute sind auf der mittlerweile nicht mehr so heißen Plattform. Nicht vergessen, alle Heiligtümer müssen barfuß betreten werden und in der prallen Mittagssonne dürfte sich das hier anders anfühlen.
Viele Mönche sind in ihren typischen roten Kutten zu sehen. Frauen, die in Reihen mit kleinen Besen die Platten kehren und sich dadurch Pluspunkte fürs nächste Leben erwerben. Gläubige, die die verschiedenen Statuen abwaschen oder einfach in stiller Meditation vor den Statuen knien, andere, die Blumen davor aufstellen. Wieder andere, die im Schatten der vielen Tempel einfach nur dasitzen oder Tee trinken. Wirklich, es gefällt uns hier.
Irgendwann verliert sich unsere kleine Gruppe und obwohl die einen hier und die anderen dort warten, treffen wir uns erst wieder abends im Hotel. Dafür fangen unsere Fotografen das schönste und wärmste Licht des Tages ein. Überall stehen Buddhas und einer sieht sogar aus wie geschmolzene Schokolade.
Wir treffen einige andere Mitglieder unserer Gruppe und verlassen schließlich mit Christine die Pagode. Wir wollen die Empfehlung von Pieter, das gute Fischrestaurant zwischen dem indischen und dem chinesischen Nachtmarkt suchen. Also auf und mit dem Taxi wieder zur Sule-Pagode. Von dort aus dann zu Fuß in der Parallelstraße zurück nach Norden.
Letztendlich haben wir das Lokal auch gefunden - nur gibt es dort kein Essen mehr. Gerade mal eine Bar vor dem Eingang hat überlebt. Dafür sind wir durch dunkle Gegenden und von jungen, hilfsbereiten Myanmaren wieder in hellere Viertel zurückgeschickt worden. Wir marschieren über den Markt, können uns noch nicht so richtig zu frittierten Leckereien hinreißen lassen und schieben Hunger. Um 20.00 Uhr sind wir am Hotel, entdecken, daß das Hotelrestaurant bis 22.30 geöffnet ist und essen wirklich auch noch gut zu abend.
© Jürgen & Freya Blösl, 2001-2010
letzte Überarbeitung: 15.01.2010
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