Mingala ba -
Im Land der goldenen Pagoden
Jürgen und Anne sind schon in aller Herrgottsfrühe unterwegs von wegen der Mönche. Freya schläft ein bißchen aus und um 7.30 Uhr geht es los. Zuerst fahren wir zur 4 Buddha-Pagode bei Bago. Danach sehen wir uns einem Hindu-Tempel auf dem Weg an und schließlich machen wir Halt bei einem Markt in Yangon. Hier ist es sehr interessant und Freya ersteht ein Papaya. Leider haben wir nur einen kurzen Aufenthalt hier und alle motzen wir rum. Aber wir haben eine lange Fahrt vor uns und deshalb nur kurze Aufenthalte.
Aber schon kurz darauf halten wir wieder an einem Viehmarkt. Auch interessant. Viele schöne Tiere, einige Wasserbüffel und viele Ochsen, die mehr nach gutem Aussehen und weniger nach Gewicht gekauft werden. Außerdem gibt es Bänder, Gurte und Glöckchen. Alles für die schöne Kuh.
Beim Mittagessen in einem ländlichen Gasthaus werden vor dem Lokal wieder Grillen am Spieß, aber auch turmhoch geschichtete gebratene Vögelchen, angeboten.
Danach machen wir noch mal Halt bei einem Dorf. Pieter vorneweg und wir alle mehr oder weniger im Gänsemarsch hinterher. Wir sehen uns an, wie hier gelebt und gearbeitet wird, begleitet von einer Horde von Kindern und deren nicht minder interessierten Müttern. Die Männer sind auf den Feldern und bearbeiten diese mit ihren Ochsen. Die Felder werden übrigens gemeinsam bewirtschaftet und die Erlöse aus dem Verkauf der Feldfrüchte anschließend entsprechend der Besitzverhältnisse verteilt.
Sehr nett: Eine Frau deutet an, daß wir Frauen alle so groß und dick sind. Sie meint es sicher nicht böse, aber im ersten Moment trifft sie nur Freyas halben Nerv für Humor. Auch der Rest der Weiblichkeit lächelt etwas gequält. Die Häuser sind alle aus Bambus und Lehm und mit Matten gedeckt. Doch überall ist es sauber und schön. Selbst die Wege, natürlich nicht geteert, werden gefegt. Wir gehen in das Haus vom Bürgermeister und das halbe Dorf guckt von draußen durch die Fenster rein.
Einige Kilometer vor Pyay machen wir Halt beim Buddha mit der Brille. Angeblich weltweit der einzige. Die Brille ist übrigens schon die dritte, nachdem eine gestohlen und eine kaputt gegangen ist. Die aktuelle Brille, etliche Kilo schwer und natürlich golden, wurde von einem reichen Kaufmann gespendet. Hier verteilt Marlene Bonbons und erschreckt ein kleines Mädchen ziemlich, als sie es am Arm packt um ihr ein Fläschchen Parfüm zu geben. Hatte doch das kleine Aas doch vorher die anderen geärgert, was Marlene aber nicht mitgekriegt hat.
Dann aber weiter. In Pyay checken wir ein und werden dann noch zur großen Pagode gefahren, die sogar zwei Fahrstühle besitzt, damit man die beschwerlichen Treppen meiden kann. Oben ein sehr schöner Platz mit alten Stupas und netter Atmosphäre. Alles hier ist schön und verspielt.
Wir laufen rum und sehen uns alles an. Genießen den Sonnenuntergang und beobachten den neugierigen Mönch, der sich jeden Fotoapparat von den Touristen zeigen läßt und Barbara sogar fotografiert. Hier schaltet nur Christine schnell genug und macht davon ein Foto.
Nachdem die Sonne untergegangen ist, machen wir uns so langsam auf und gehen die Treppen runter und dann durch die Stadt. Wir wollen am Fluß essen gehen, finden aber die Wahl von Peter, der ein Karaoke-Lokal vorschlägt, nicht so toll. Anne, Sigrun, Jürgen und Freya gehen daher in ein schräg gegenüberliegendes Lokal, das San Francicsco heißt und das in unserem Reiseführer auch ganz gut abgeschnitten hat. Wir bestellen unsere Getränke, lesen die Speisekarte und sind nur darüber erstaunt, daß hier keine Preise angedruckt sind.
Bis auf Anne stört uns das nicht. Sigrun will bestellen, fragt dann aber doch nach dem Preis und tatsächlich, hier sollen wir etwa dreimal soviel bezahlen wie sonst überall. Wir fragen noch nach den anderen Preisen, auch überteuert. Ne, dann essen wir eben nicht hier.
Christine, die auch lieber in Ruhe essen will, ist jetzt auch zu uns gekommen. Wir trinken aus, zahlen und gehen dann auf die Uferstraße. Aus dem Karaoke-Lokal ertönt durchdringender Lärm und wir gehen weiter. An der Ecke ist ein Lokal mit grüner Beleuchtung. Ja, hier gibt es auch Essen. Ok, dann gehen wir eben hier hin.
Irgendwie sieht das ja eher wie eine Bar aus und auch das hübsche Mädchen, das sich an unseren Tisch setzt, paßt zu dieser Vermutung. Sie sitzt einfach nur da, schenkt uns aus der Flasche nach, wenn wir aus dem Glas getrunken haben, lächelt ansonsten und langweilt sich wohl tödlich.
Das Essen wird auch nicht hier gekocht, sondern irgendwo in der Stadt geholt, und irgendwie hat das mit der Anzahl der Gerichte auch nicht geklappt. Es geht jedenfalls nicht auf. Macht aber nix. Wir teilen uns das auf.
Der Gag in Tüten kommt jedoch, als wir zahlen müssen. Wir rechnen es aus der Gesamtrechnung aus, sammeln dann ein und kommen nicht auf den Gesamtwert. Also zählen und zählen wir noch mal und es wird irgendwie nicht mehr. Was ein Glück, das wir hier morgen nicht mehr sind. Es ist schon fast peinlich. Aber letztendlich haben wir es hingekriegt. Das ist übrigens der einzige Moment dieses Abends wo unsere Tischdame sich so richtig amüsiert.
Wir treffen uns alle um 5.30 Uhr zum Frühstücken und schaffen es auch pünktlich aus der Stadt zu kommen, nicht ohne vorher noch einen kurzen Zwischenstop in der Morgendämmerung bei einer antiken Pagode zu machen. Wir haben auch heute eine lange Fahrt vor uns.
Gegen zehn Uhr halten wir in einer kleinen Stadt um ein zweites Frühstück einzunehmen. Unser myanmarischer Führer bestellt Fladen mit einer Bohnenpaste für uns, lecker. Wir trinken dazu wie immer Chinese Tea, anderen Tee kann man meistens kaum trinken, weil da immer der Löffel drin stecken bleibt, so stark ist der. Kein Wunder: Daß der Teebeutel irgendwann wieder raus muß, hat sich wohl noch nicht bis hier herumgesprochen. Warum man als Langnase aber immer ausdrücklich "Chinese Tea" bestellen muß, bleibt unklar. Der Kaffee ist übrigens, entgegen anders lautender Meldungen, in den Hotels durchaus genießbar.
Wir fahren weiter, sind noch nicht allzu lange unterwegs und Freya wollte gerade ein bißchen einnicken, da halten wir schon wieder. Wir sollen einfach nur so ein wenig die Dorfstraße hinuntergehen. Warum nicht. Zu ihrer Freude entdeckt sie gleich eine Kokosnuß. Klasse. Sie deutet mit Gesten an, daß sie sie kaufen und trinken möchte. 50 Kyat. Kein Problem. Ihr wackerer Verkäufer quält sich mit einer stumpfen Machete, umringt von drei kichernden Frauen und ihr.
Dann kommt endlich eine weitere Frau mit einer scharfen Machete. Es hilft etwas, nicht viel. Endlich kann er ihr die Nuß mit zwei Strohhalmen geben. Sie trinkt und teilt mit Jürgen, der gerade eine entgegenkommende Herde Ziegen fotografieren will.
Dann ist die Nuß ausgetrunken. Mit der leeren Nuß geht es wieder zurück zum Stand. Was sie will ist klar und schon wird mit dem Messer die Nuß in zwei Teile gespalten. Freya guckt den Mann an, deutet auf ihre Finger und führt ihm pantomimisch vor, wie sie die Nuß nun essen würde.
Klar, er kapiert. Sie will das Fleisch auch noch rausgetrennt bekommen. Das macht er dann auch, obwohl es sichtlich nicht zu den Tätigkeiten gehört, die er sonst ausführt.
Wir sind übrigens nicht der einzige Bus, der in diesem Dorf hält. Kaum stoppt einer der Expressbusse oder Pickups, stürzen sich ganze Horden von Verkäufern auf die Fahrgäste. Auf dem Kopf balancieren sie allerlei Speisen, die auch guten Absatz finden.
Es geht weiter und dann bleibt tatsächlich der Bus gleich wieder stehen. Diesmal ist es was Ernstes. Daß bei jeder Rast Wasser über den Kühler geschüttet wird, juckt uns ja schon gar nicht mehr. Aber jetzt liegen unsere Jungs, Fahrer und Beifahrer, unter dem Auto. Na Klasse, aber nach zwanzig Minuten geht es weiter.
Die Landschaft hat sich vom endlos weitem Flußdelta mittlerweile in hügelige und später auch trockene, gewellte Fläche geändert. Viele Palmen bestimmen jetzt das Bild. Wir fahren durch einige Ortschaften und dürfen in einer kleinen Stadt, wo gerade Markt ist auch wieder mal aussteigen.
Doris und Freya kaufen hier Bonbons. Die sind teuer. 200 Kyat kostet eine Tüte und wie sie dann später feststellen muß, sind das auch noch solche Bonbons, bei denen man immer erst mal die Verpackung mitessen muß, weil sie sich nicht vom Bonbon löst. Zum Vergleich - ein komplettes Mittagessen kostet um die 600 Kyat. Außerdem ersteht Doris noch Limonen, 4 Stück für 50 Kyat.
Wir müssen schon wieder weiter, dabei war es hier so interessant und wir alle wären gerne noch ein bißchen geblieben. Der nächste Stop ist dann wieder auf offener Straße. Gruppen von Wasserträgern kommen uns entgegen und das ist natürlich ein Fotostop.
So langsam nähern wir uns Bagan. Oft fahren wir jetzt durch ausgetrocknete Flußbette und auf jedem Hügel den wir sehen steht eine Pagode.
Wir kommen bei einbrechender Dunkelheit in Bagan an. Unser Hotel (Golden Express) ist nett, im Bungalow-Stil. Fast alle gehen noch auswärts essen. Wir sind aber schlapp und Freya fußkrank und bleiben deshalb im Hotel.
Auf dem Tisch steht eine Schale mit Bonbons, kleine hauchdünne Blättchen aus Tamarinde, die so ein bißchen wie Brausepulver schmecken. Das Essen ist gut, Freya ißt burmesisch.
"Hatesie guschmee?" meint die Bedienung als sie unseren Tisch abräumt. Freya wiederholt brav und Jürgen wirft sich fast unter den Tisch. Die Kellnerin hat versucht deutsch zu sprechen und Freya hat es noch nicht einmal bemerkt. Nach etlichen Bekundungen, daß Freya nicht mit deutsch gerechnet hat und Jürgen sie sehr wohl verstanden hat, gehen wir.
© Jürgen & Freya Blösl, 2001-2010
letzte Überarbeitung: 15.01.2010
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