Mingala ba -
Im Land der goldenen Pagoden
Freya's blöder Fuß ist immer noch dick und rot. Klasse. Wir fahren um sechs Uhr ab und sie bleibt heute fast den ganzen Tag im Bus. Der Weg führt uns erst mal zurück nach Kalaw.
Die Serpentinenstrecke hinter Kalaw liegt nach weiteren Stunden hinter uns. Bei der unteren Brücke steigen wie auf der Hinfahrt wieder alle aus - außer Humpelchen. Jürgen bringt ihr dann nach einer Zeit so was wie eine Frühlingsrolle. Fett aber total lecker mit Gemüsefüllung.
Der Tag zieht sich wie Kaugummi. Alle kleben wir im Bus an den Sitzen. Irgendwelche Ameisen haben sich am Busfenster entlang einen Weg gesucht. Egal, Apathie überall. Mehrere vorgeschlagene Fotostops werden geschlossen abgelehnt. Wir wollen jetzt nur noch nach Mandalay.
Im Hotel "Unity" angekommen, kommt auch noch mal das leidige Thema der Rücktour nach Yangon auf. Irgendwie sieht Djoser das so, als ob wir selbst dafür zu zahlen hätten, wenn wir mit dem Zug fahren wollen. In unserer Reiseinformation stand noch, daß wir mit dem Zug zurückfahren. Jetzt sollen wir einen Linienbus nehmen oder wahlweise doch mit dem Flugzeug? Irgendwie seltsam und nicht so toll. Mal sehen, was morgen so rum kommt.
Auf den Nachtmarkt gehen nur Jürgen mit Anne und Sigrun. Er hat aber versprochen Freya zum Essen abzuholen. Im Reiseführer wird ein indisches Lokal empfohlen, daß ganz in der Nähe liegt. "Myo Ma" zwischen der 80. und der 81. Straße auf der 27, wo auch unser Hotel liegt. Also nur zwei Blöcke entfernt. Fast wären wir vorbeigegangen. Das Lokal ist wirklich nur ganz einfach, aber das Essen ist köstlich. Sigrun und Freya haben Vegetable Curry bestellt und bekommen drei Schalen mit verschieden zubereitetem Gemüse. Jürgen hat sich Lamm bestellt und bekommt tatsächlich gebratene Lammstückchen ohne wenn und aber. Die sehen zwar aus wie kleine Stücke Holzkohle, sind aber innen weich und schmecken gut. Das gebratene Huhn von Anne ist nur für den hohlen Zahn, doch reicht es laut ihrer Aussage für ihren Hunger aus und sei köstlich. Als Vorspeise erhalten wir alle eine Linsensuppe. Wir sind satt, hatten insgesamt drei Bier und auf der Gesamtrechnung steht 2000 Kyat. Das sind etwa vier Dollar. Am Tisch wollen sie schon eine Strichliste darüber führen, wie oft Freya noch "lecker" sagt.
Ein Muezzin weckt uns um fünf Uhr, aber wir sind sowieso schon am Dösen. Irgendwie haben wir uns bei unserer Zeitumstellung diesmal auf sehr früh eingestellt und das ist auch gut so. Schließlich machen es die Einheimischen genauso und klappen abends die Bürgersteige hoch.
Wir haben uns übrigens entschlossen von Mandalay aus nach Yangon zu fliegen. Mindestens vierzehn Stunden Fahrt in einem Linienbus wollen wir Freya's zartem Füßchen dann doch nicht zumuten. Allerdings hängt das davon ab, ob wir noch Tickets bekommen. Nach dem Frühstück wenden wir uns also an Pieter, der die Tickets bestellt. "Alles außer Air Mandalay", denn da warnt sogar unser auswärtiges Amt. Wenn die anderen morgen abend losfahren, werden wir fliegen.
Jetzt aber fahren wir erstmal zu der U-Bein-Brücke, einer 1,2 km langen Brücke aus Teak-Holz über den Ayeyarwady in der nahegelegenen alten Königsstadt Amarapura. Wir fahren durch enge Ladenstraßen, vorbei an Manufakturen, wo Buddhas ohne Ende hergestellt werden.
Natürlich muß Freya auch auf die Brücke. Sie sitzt am Anfang der Brücke, es ist wärmer als Zuhause, es riecht anders und es fühlt sich anders an. Die Geräuschkulisse ist zwar fremdartig, aber jetzt auch schon vertraut. Gegenüber sitzt eine junge Frau mit zwei Käfigen, in denen viele Vögelchen herumflattern. Nicht wenige der Passanten, die über die Brücke gehen kaufen eines der Vögelchen, um es dann in die Freiheit zu entlassen.
Eine Frau mit blindem Jungen am Bändel, der sich immer wieder hinsetzt, Gitarre spielt und dazu singt. Kleine Mädchen, die Spangen in Schmetterlingsform verkaufen. Ein Händler, der aus Melonenkernen Armbänder, Ketten und sogar kleine Taschen hergestellt hat. Die Händler umschwirren sie, lachen ihr zu und akzeptieren dann doch, daß sie nix will.
Als eine chinesische Familie von den Vögeln kauft, schlägt Freya zu und bittet mit den Augen und Gesten sie fotografieren zu dürfen. Leider ist von diesen Fotos kein Einziges etwas geworden.
Unter der Brücke sind mehrere Lokale und Freya setzt sich auf einen Bambussessel in den Schatten eines großen Baumes. Wieder einmal bestellt sie sich eine Kokosmilch. Sie beobachtet die Leute, die mit oder ohne Fahrräder über die Brücke gehen. Sie schäkert ein bißchen mit den Kindern und registriert das harte Regiment der Besitzerin des Lokals.
Der Rest der Gruppe läuft derweil einzeln oder in kleinen Gruppen über die Brücke. Ein Teil macht aber ähnlich wie Freya mitten auf der Brücke Pause und kehrt beizeiten um. Die Neugierigen erkunden auf der anderen Seite das Dorf und die schöne Pagode. Letztere ist der Ananda Pagode in Bagan nachempfunden.
Viel zu schnell geht die Zeit vorbei und auch wenn wir nicht auf die Minuten achten (die Kambodschaner fehlen ja
), so wollen wir den Rest nicht allzu lange warten lassen.
Nach geraumer Zeit geht Freya wieder auf die Brücke und tauscht mit den Mädchen dort Lidstrichstifte, muß sich mit dem Kajalstift der Mädchen schminken und bekommt dazu sogar einen Spiegel gebracht. Die Jungs bekommen Kugelschreiber, Freya bekommt den Kajalstift, die Mädchen ihre Lidstrichstifte. Vom Händler bekommt sie auch noch ein Armband aus Melonenkernen.
Sie genießt den Geruch, die Geräusche und freut sich, als die Gruppe nach einer guten Stunde wieder auftaucht.
Nur ganz kurz fahren wir mit dem Bus und halten dann wieder vor einem Kloster, deren Orden es vorsieht, daß sie ihr Leben in totaler Öffentlichkeit leben. Wir wollen hier zusehen, wie die 800 Mönche gespeist werden.
Noch bevor wir in das Innere des Klosterhofes kommen, wird Jürgens und Freyas Aufmerksamkeit von etwas was wie ein Kloster-Organigramm aussieht gefesselt. Hier ist ganz genau die Stellung der Ober-Mönche innerhalb der Gemeinschaft dargestellt. Von wegen alle sind gleich und nur die Dauer des Mönch-Seins bestimmt die Achtung. So viele Menschen unter einem Dach benötigt halt auch hier Organisation.
Bei unsere Ankunft sehen wir den Vorbereitungen für das Mittagessen zu und können beobachten, wie die Mönche sich hinter halbhohen Steinmauern waschen. Wir ziehen die Schuhe aus und laufen durch die Aufenthaltsräume, bis wir zu dem Innenhof kommen, in dem mehrere große Bottiche mit Reis stehen. Dahinter junge Mönche die denselben verteilen, in langen Reihen davor die zu speisenden Mönche mit ihren Schüsseln. Das geht ruhig und ohne jede Drängelei. Nur ein kleiner Hund beschwert sich als er von den Mönchen seines schönen Plätzchens unterhalb eines Austeilungsbottiches beraubt wird.
Jeder bekommt einen ordentlichen Schepper Reis und geht dann ruhig in den großen Speisesaal. Dort gibt es dann noch ein Curry und das riecht gut. Zuerst sind wir längere Zeit bei den Novizen und Jungmönchen. Später sehen wir, was die älteren Mönche alles auf dem Tisch stehen haben und da bekommt dann der Satz "Die Mönche essen nur einmal am Tag" eine ganz andere Bedeutung.
Wir gehen noch durch die Gemäuer, sehen uns die Küche an und können so feststellen, daß es morgen wohl Fisch gibt. In einem Raum werden Körbeweise Zwiebeln geschnitten - schnell raus hier.
Unser nächster Halt, schon wieder zurück in Mandalay, gilt einer Pagode mit schönen Holzschnitzereien. Freya bleibt draußen sitzen, schreibt ein bißchen Tagebuch und hat im Nu wieder alle Kinder eingesammelt. Die obligatorischen Bonbons am Ende gibt sie aber einer älteren Frau, damit diese das Verteilen übernimmt. Das klappt auch besser als wenn sie es selbst täte.
Bevor wir unsere Mittagspause machen, sehen wir noch einen Betrieb an, in dem die kleinen Goldplättchen, die auf die Buddha-Figuren geklebt werden, hergestellt werden. Immer und immer wieder wird hier mit dem Vorschlag-Hammer auf kleinen Goldstücken herumgekloppt bis so langsam ganz feine, hauchdünne Blättchen entstanden sind. Diese werden dann in einem anderen Raum von jungen Mädchen mit Pinzette in Form gebracht. Schließlich werden diese Fitzelchen zwischen Seidenpapier gelegt und fünf Stück in einem Kästchen für einen Dollar verkauft.
Gegenüber hängen in einem Laden die verschiedensten Häute von der Decke. Schlangenhäute und was weiß ich nicht sonst noch alles. Wir sind neugierig, wir gucken, aber wir kaufen nichts.
Zum Mittag-Essen geht es wieder zurück in die Stadtmitte. Nach einer guten Stunde sollen wir dann im Hotel wieder eingesammelt werden. Unsere Pause verbringen Anne, Jürgen und Freya im Hotelrestaurant. Uns lockt europäisches Essen und Freya soll ja auch nicht so viel laufen. Freya hat sowas wie Fritten bestellt, Anne einen Hamburger und Jürgen ein Hähnchen, dessen Zubereitung dann fast die gesamte Mittagspause in Anspruch nimmt.
Um halb zwei geht es schon wieder weiter. Jetzt will uns Pieter mit Macht zum Kaufen verleiten. Wir werden in eine Werkstatt gebracht in der es Masken, Marionetten und gestickte Decken gibt. Dumm, daß das nicht in unsere Wohnung paßt. Viele fangen hier an zu kaufen. Und als die drei Freundinnen vollgepackt in den Bus zurückkommt, fragt Jürgen Pieter was denn wohl das Übergepäck im Flieger kosten würde. Der erwidert ganz cool, daß er einen Bekannten bei einer Reederei hätte und ganz günstig einen Container beschaffen könne.
Nacheinander haben wir Aufenthalt bei den unterschiedlichsten Handwerkern. Mit der Steinmetzstraße, wo wir Buddhas in den verschiedensten Fertigungszuständen ansehen können geht es weiter. Kleinere Steinerzeugnisse könnten wir auch kaufen, aber allen erscheint es interessanter einfach nur so rumzustreunen. Hier sehen wir auch viele ärmlich gekleidete Kinder und Barbara verschenkt ein altes T-Shirt an eines dieser Kids. Bettler und sichtbare Armut finden sich im Gegensatz z.B. zu Indien in Myanmar aber immer nur sehr punktuell.
Auch an unserem nächsten Halt werden Buddhas produziert. Hier allerdings Tonmodelle für die Herstellung von Bronzebuddhas. Doris hat die Ruhe weg und malt mit dem Ton die verschiedenen Gußmodelle. In der Grundform sehen alle aus wie ein Lingam meint Anne und Freya kann ihr da nur zustimmen.
Freya ist fasziniert von einer Gruppe halbfertiger Buddhas, die mit Tüchern behängt aussehen wie die Ewoks aus Krieg der Sterne. Sehr nett. Zu sehen ist hier außerdem die über fünf Meter hohe Tonfigur eines Buddhas, an dessen Gußvorlage immer noch gearbeitet wird.
Unser nächster Halt ist an einer Schnitzerwerkstatt. Hier stehen Holzelefanten in allen Größen herum und unter einem Dach sitzen vier Männer im Kreis und schnitzen jeder an einem Elefanten. Das Holz, das verwendet wird ist rot und von eigenwilliger Maserung. Vor der Werkstatt steht ein großer Holzelefant. Irgendwie wirkt das nicht mehr künstlerisch, wie sie alle da sitzen und Elefanten schnitzen. Als wir dann bei den Verkaufsräumen unter all den vielen Elefanten einen Buddha entdecken, spricht Karen das aus, was wir alle denken: "Ich mag nicht immer nur Elefanten schnitzen, ich brauche Abwechslung".
So langsam ist es später Nachmittag und wir machen uns auf den Weg nach Sagaing. An unserem nächsten Halt, einer Pagode bleibt Freya wieder unten und spart sich den Aufstieg. Sie nutzt die Zeit, Notizen in ihrem Tagebuch zu machen und hat hier schon Schwierigkeiten, die richtige Reihenfolge der Manufakturbesuche zu finden. An den unteren Stufen sitzen zwei ältere Frauen und eine der beiden liest der anderen aus einem Buch vor. Dieser gibt Freya dann beim Abschied auch die Bonbons für die Kinder.
Wir fahren weiter und Pieter hat schon einen Pickup geordert für die Fahrt auf den Sagaing-Hill als eine kurze Rückfrage bei uns allen ergibt, daß wir einfach nur platt sind und durstig und überhaupt. Also werden wir zum Hotel zurückgefahren und weil Freya so sehr vom Essen gestern abend geschwärmt hat, wollen da heute abend die meisten von uns hin.
Wie ist es mit Empfehlungen? Meistens nicht so toll. Der Strom ist ausgefallen und der Generator knattert zum Gotterbarmen. Der von Jürgen bestellte Hammel ist ihm zu durchwachsen, und eine der bestellten Mahlzeiten kommt überhaupt nicht, das Bier ist außer warm nur warm. Na ja.
Wir sind mit den drei Freundinnen und Christine unterwegs und wollen nach dem lauten Essen und dem warmen Bier in der Hotelbar noch etwas trinken. Karen bestellt für sich ein Tiger Beer. Das ist kalt. Freya bestellt Gin Fizz. Der Kellner kommt zur Vergewisserung extra noch mal mit der Flasche Gin zu ihr. Sie nickt. Dann bekommt sie ein Glas mit Gin und dazu zwei halbe Limonen. Auch gut. Sie bestellt noch ein Tonic Water und trinkt halt einen Gin Tonic.
Marlene und Christine entscheiden sich für ein Getränk mit Namen "Lemon Dream". Was serviert wird ist die orangenfarbige Flüssigkeit, die uns schon morgens nicht so mundet. Jürgen und Doris, die das gleiche Getränk etwas später bestellt haben, ziehen ihre Bestellungen zugunsten von zwei Tiger Beer zurück. Dann kommen aber noch mal zwei Träume, diesmal in einer anderen Farbvariation, aber offensichtlich immer noch ohne Alkohol.
Freya versucht den hilflosen Kellnern den Sachverhalt zu erklären. Puh, gar nicht so einfach. Aber sie räumen zwei der Träume ab und berechnen sie dann letztendlich auch nicht. Mittlerweile ist Marlene dabei mit "more rum" ihre Bedürfnisse klarzumachen. Das verstehen unsere Kellner nicht, aber sie sind gutwillig. Also steht Freya auf und will aus der Flaschenbatterie hinter der Bar einfach nur den Rum holen. Witzig, alle Flaschen sind nur Dekoration. Sie fängt also eine weitschweifige, englische Erklärung an, daß Europäer, wenn sie einen Cocktail ordern, nicht nur Saft wollen, sondern eben auch Alkohol. Daß so ein Cocktail also nach Juice und nach Alkohol schmecken muß. Ok, die Boys haben verstanden und einer läuft mit einem leeren Glas in die gegenüberliegende Kneipe und bringt tatsächlich Rum. Wir sind sprachlos.
Dazu paßt auch die Story, die Karen vom Abend vorher erzählt. Bestellt wurden fünf Bier für fünf Leute. Gekommen sind drei. Auf die Nachfrage "We ordered more" wurden dann drei Paar Chop Sticks geliefert.
Wie immer stehen wir zu völlig unchristlichen Zeiten auf, weil wir nach Mingun fahren wollen. Schon um ½ Acht als wir an der Anlegestelle sind, ist es mehr als heiß. Wir steigen auf abenteuerliche Art ins Boot. Eine Bambusstange, an beiden Seiten gehalten von zwei jungen Frauen ist unser Geländer, eine einfache Holzdiele unsere Brücke. So gelangen wir auf das erste Schiff und müssen dann noch von diesem auf das nächste Schiff klettern.
Wir sitzen auf dem Oberdeck, aber es weht nicht das geringste Lüftchen. Als wir nach etwa einer Stunde Fahrt auf dem Fluß in Mingun ankommen, sehen wir die große, von einem Erdbeben zerstörte Pagode, wie einen Felsen aufragen.
Kaum sind wir von Bord geklettert, überfallen uns die fliegenden Händler wie eine Horde Heuschrecken. Einen Ochsenkarren (für die etwa 700 Meter), Fächer, T-Shirts, Stoff, ... Die Auswüchse des Tourismus sind hier so extrem wie sonst nirgends. Gegen Mingun ist selbst Bagan ruhig. Unsere Gruppe geht natürlich hoch auf die Pagode. Teilweise eine ziemliche Kletterei. Erst über schmale, steile Stufen, später über metertiefe Risse, die das Erdbeben in diesen massiven Bau gerissen hat. Von oben hätte man eine schöne Aussicht über Mingun und den Fluß. Leider ist auch heute das Wetter viel zu trübe, als daß die Kletterei sich wirklich rentiert hätte. Freya hatscht nur einmal rund um den Bau. Ein kleines Mädchen läuft mit ihr obwohl sie deren Fächer nicht kaufen will. Was will sie bei unserem Blödsinnswetter in Deutschland mit einem Fächer?
Eine junge Händlerin lädt sie unter einem Baum zum Tee ein, säugt ihr Baby und lächelt nur. Klar, daß Freya ihr auch noch das T-Shirt für 1000 Kyat abkauft. Schließlich hat es das Motiv, daß Freya schon seit Bagan in der Nase juckt. Sie bekommt außerdem den Kajalstift von den Mädchen an der Brücke und das kleine Mädchen ihren letzten Lippenstift. Hier kann man schattig sitzen, ein Muezzin singt, weitere Frauen sitzen an einem Tisch und essen, es ist gemütlich.
Dann, im Gruppenanschluß laufen wir noch ein wenig herum. So schauen wir uns die größte, intakte Glocke der Welt an. Nur in Moskau gibt es noch eine größere. Die ist jedoch gesprungen und klingt nicht mehr. Diese hier ist groß genug, daß man in das Innere kriechen und den Klang der angeschlagenen Glocke von dort aus hören kann. Jürgen muß das natürlich ausprobieren und Peter haut mit diesen Holzknüppeln so fest er kann gegen das Metall. Im Inneren fliegen einem nun nicht etwa die Ohren weg - es ist nicht lauter als außen. Nur der Nachhall ist wesentlich länger. Weiter geht es zu einer rein weißen Pagode, deren Muster die sieben Meere der buddhistischen Kosmologie symbolisieren. Zum Abschluß gibt es noch ein Altersheim. Dies wird von einer Stiftung getragen und ist sicherlich ein Muster und ein Vorzeigeheim: Blitzsauber, geräumig und schön schattig gelegen. Schließlich ersteht Freya zu Jürgens Ärger, der die uns aufdringlich umschwirrenden Händlerinnen nicht auch noch unterstützen will, zwei Longhis.
Den Nachmittag verbringt Freya mal wieder im Hotel, während Jürgen mit Sigrun und Anne zum Mandalay Hill geht. Der Erfolg gibt ihr recht, sie hat es sogar das erste Mal geschafft, einen Teil der Schwellung am Fuß wegzumassieren.
Anne und Sigrun erklären gleich, daß sie keine Lust haben den Mandalay-Hill zu erklimmen. Laut diverser Reiseführer gibt es zwar auch hier einen schönen Ausblick, aber da wir auf der ganzen Reise noch nie das Wetter für schöne Ausblicke oder wirklich schöne Sonnenuntergänge hatten, läßt sich Jürgen leicht überreden. Aber das macht nichts. Schließlich gibt es am Fuß des Mandalay-Hill auch einiges zu sehen. Also suchen wir uns in einer Nebenstraße eines dieser kleinen Pritschentaxis - vor dem Hotel wollten sie mal wieder Touristenpreise.
Am Fuß des Hügels steigen wir aus und werden sofort angesprochen ob wir mit einem anderen Pritschenwagen auf den Hügel fahren wollen. Wollen wir nicht und so laufen wir erst einmal in Richtung der Treppe die zum Hügel hinauf führt. Diese wird von zwei riesigen weißen Löwen bewacht.
Ein Stück weiter befindet sich die Kyanktawkyi Pagode mit ihrem riesigen Marmor-Buddha. Der Eingang an dieser Straße stellt sich als Nebeneingang heraus. Daher hat er auch kein Kassenhäuschen und wir können die Pagode ohne zu bezahlen betreten. Überhaupt nimmt das mit dem Eintrittsgeld in Mandalay unschöne Formen an. Für alle möglichen Pagoden sollen Touristen Eintritt zahlen, hier 2$, dort 5$. Angeblich zum Erhalt der Bauwerke, aber man sieht deutlich, daß dies durch die Spenden der Bevölkerung erfolgt. Das Eintrittsgeld fließt in die Taschen der Militärregierung. Also lieber etwas in die Spendenbehälter werfen. Da gerade in Mandalay die Kasse meist nur am Haupteingang ist, funktioniert es öfters mal.
So auch bei unserem nächsten Stopp, der "größten Bibliothek der Welt". Auch hier gelangen wir eher zufällig an einen Nebeneingang.
In dieser Kudhodaw Pagode stehen Steintafeln auf denen die heiligen buddhistischen Schriften eingraviert wurden. Jede bekam dann ihre eigene, kleine Stupa. Hunderte stehen in Reih und Glied. Ein bißchen wie auf einem Friedhof. Wir bleiben in den Außenbezirken und verlassen die Pagode wieder durch den gleichen Eingang.
Nun möchte Anne noch das einzige Gebäude des alten Palastes sehen, das die Zerstörungen durch Briten und Erdbeben überstanden hat, da es vorher zerlegt und an anderem Ort aufgebaut wurde. Es soll schöne Holzschnitzereien besitzen und so machen wir uns auf die Suche. Unser Stadtplan ist hier irgendwie nicht so genau und wir irren ein bißchen durch die Gegend. Schließlich werden wir fündig.
Mittlerweile haben aber weder Sigrun noch Jürgen Lust auf eine Besichtigung und ordentlich Eintritt soll es auch noch kosten ... So beschließen wir umzukehren und am Fuß vom Mandalay-Hill noch etwas zu trinken.
Gesagt, getan. Am Nebentisch sitzt ein Student und nach einiger Zeit nimmt er seinen ganzen Mut zusammen und erklärt uns, daß er Deutsch studiere. Ob wir nicht einige Wörter aus seinem Lehrbuch aussprechen könnten? Klar - wir sprechen vor, er nach und dann macht er sich Anmerkungen in Lautschrift. Kurz vor Sonnenuntergang nehmen wir uns ein Taxi und fahren zurück ins Hotel.
Abends gehen wir dann zu einem anderen Inder. Waren wir vorher immer nach dem Überqueren der Straße geradeaus gegangen, den Hindutempel rechts von uns, gehen wir jetzt nach rechts, der Hindutempel ist auf unserer linken Seite.
Das Lokal ist größer als das Myo Ma und der Besitzer dirigiert mit einem Mikrofon die gesamte Crew - vom Kellner bis zum Küchenbediensteten. Für uns als Besucher ist das witzig zu beobachten, arbeiten möchte da keiner von uns! Das Essen ist lecker, besser als im Myo Ma, auch wenn die Shrimps, auf die wir uns gefreut hatten, aus waren.
Trotz oder wegen (?) des leckeren Essens geht es Freya heute schlecht. Ihr Bauch schimpft mit ihr. Langsam hat sie keine Lust mehr. Sie bleibt also im Hotel und schläft, während ihr Mann sich die Stadt anguckt.
Heute soll es noch zur Mahamuni Pagode gehen. Sie ist eines der größten Heiligtümer Myanmars und entsprechend gut besucht, selbst am frühen Vormittag. Durch eine Ladenpassage in der es aus fast jedem Verschlag golden glitzert geht es direkt auf den großen Buddha zu. Hier werden wir abgefangen und müssen Eintritt zahlen. Sigrun meutert als sie hört, daß sie als Frau nicht ganz bis zu der Figur darf. Die letzten Meter und vor allem das Berühren ist Männern vorbehalten. Das hätte sie zwar sowieso nicht gemacht, aber Prinzip ist Prinzip. Sigrun bleibt also draußen. Jetzt fängt auch Anne an zu zögern. Als Jürgen jedoch erklärt, daß er nicht mit dem Taxi durch die halbe Stadt fährt, um dann ein paar Dollar zu sparen, kommt sie mit. Kaum drin, ist sie froh ob der Entscheidung. Die Anlage ist groß und auch im Detail beeindruckend. Unter anderem gibt es hier Bronzefiguren aus Kambodscha, die als Beutestücke diverser Kriege nun hier gelandet sind. Streicht man mit der Hand über Körperteile der Figur so soll dem Gläubigen dies Körperteil gesunden. Ein Mönch macht hier gleich eine Ganzkörperbehandlung
. Auf dem Rückweg wollen wir noch einen Stopp auf dem chinesischen Markt machen, doch der ist in eine Art Kaufhaus gezogen und recht uninteressant.
Um ½ 1 werden Freya und Jürgen abgeholt und zum Flughafen gefahren. Der alte in Stadtnähe wurde geschlossen und so fahren wir fast eine Stunde durch die Gegend. Der neue Flughafen ist größer und neuer als der von Yangon. Los ist hier aber nichts. Wir fliegen eineinhalb Stunden und sind um 17.00 Uhr im Asia Plaza Hotel von Yangon.
© Jürgen & Freya Blösl, 2001-2010
letzte Überarbeitung: 15.01.2010
Bilder und Text unterliegen dem copyright von Jürgen und Freya Blösl. Sie sind durch deutsches und internationales Recht geschützt. Sie dienen nur der persönlichen Information. Jede weitere Nutzung bedarf der vorherigen schriftlichen Zustimmung durch letzte Überarbeitung: 15.01.2010 Jürgen Blösl
All pictures and text displayed are copyrighted by Jürgen and Freya Blösl. They are protected by German and international laws. They may only be used for your personal information. No reproduction or commercial use is allowed, except after prior written consent by Jürgen Blösl