Freya & Jürgen Blösl

Mingala ba -
Im Land der goldenen Pagoden

Donnerstag 22.03.01 Fahrt nach Bago

Wir treffen uns nach dem Frühstück um 8.30 Uhr in der Hotelhalle und fahren dann auch pünktlich ab. Unser Ziel ist Bago, eine Provinzstadt, deren Bedeutung früher viel größer war. Erster Zwischenstopp im Norden von Yangon ist die Zahnpagode, ein großer, neuer Bau aus dem Jahr 1995. Hier wird wie an vielen anderen Orten weltweit ein Originalzahn Buddhas verehrt. Bei den vielen Zähnen müssen die Buddha wohl wie bei einem Krokodil nachgewachsen sein. Freya beobachtet, wie eine Gruppe Erwachsener mit ihren Kindern und einigen geschmückten kleinen Mädchen eine Feier abhält.

Am Ende werden die Mädchen Huckepack in die Pagode getragen, ständig beschirmt von größeren Jungen, die an langen Stangen schöne, goldene Schirme tragen.

Am Ortsausgang von Yangon hält unser Fahrer schließlich noch einmal an. Hier ist ein großer Nats-Schrein und so stoppen alle möglichen Fahrer, um die Nats für die folgende Fahrt wohlwollend zu stimmen. Wenn man den Zustand der Straßen kennt, weiß man, daß hier das Buhlen um zusätzlichen Beistand bestimmt keine Fehlinvestition ist. Bei uns hat das aber leider nix genutzt. In Bagan ist der Bus hin und wird durch eine, allerdings funktionierende, alte Gurke ausgetauscht.

Wir fahren durch ebenes Land, machen ab und zu Fotostops - es ist aber auch zu malerisch wenn die Ochsenkarren auf der Straße fahren oder die Wasserbüffel sich in den Gräben suhlen - und halten schließlich kurz vor Bago bei einer Töpferei. Hier und auch ein paarmal später hat Freya bedauert, mit dem Flieger unterwegs zu sein. Die großen Tontöpfe würden ihrer Meinung nach gut bei uns auf die Terrasse passen.

Nebenan in einem Laden kann man alle möglichen ekligen Dinge erstehen. Unter anderem in Alkohol eingelegte Scorpione. Was da wohl der deutsche Zoll sagen würde?

Kurz nach der Besichtigung erreichen wir Bago. Raus aus dem Bus und Treppenstufen hoch zum Myanda Guesthouse. Kein Luxus, aber ok. Im nachhinein bleibt es aber doch mit Abstand das schlechteste Hotel. Es soll zwar frisch renoviert sein, doch das sieht man nur an den Böden im Flur. Im Zimmer steht die Luft und die Klimaanlage hat natürlich keinen Saft. Wenigsten ist das Bad bei unseren Zimmern nicht auf dem Flur. Abends geht übrigens die Klimaanlage, dafür ist aber der Generator unter unserem Fenster.
Fast geschlossen marschiert unsere Gruppe dann zum Restaurant Panda. Hier gibt es große Portionen und das Essen ist lecker. Pikant, aber nicht zu scharf.

Dann aber los. Wir wollen in den Buddha-Garten und zum liegenden Buddha und dann noch ein paar andere Pagoden im Westen von Bago ansehen. Die Shwemawdaw-Pagode im Osten wollen wir uns schenken. Wir sind wieder mit Anne und Sigrun zusammen und laufen über die Brücke, die die Eisenbahngleise überbrückt und danach in die Straße rein nach rechts.

Hier entdeckt Jürgen in einem durch eine Mauer abgetrennten Garten einen Elefanten und Horden von Kindern. Wir gehen da natürlich hin. Freya macht sich mit Freuden zum Affen, zwinkert und wackelt mit der Nase und die Kiddies sind begeistert. Am witzigsten findet sie, daß Anne sie hinterher fragt, was sie denn gemacht hätte. Irgendso ein Kind hat sich vor Anne gestellt und schwer die Augen zugedrückt. Sie wußte dann aber gar nicht was los war.

Bago - Kloster bei der Kalyani SimaDanach suchen wir den Buddha-Garten. In irgendeinem Reiseführer hatten wir davon so ein tolles Bild gesehen, mit alten Bäumen und vielen Statuen. Wir entdecken aber zunächst den Garten der Ordinationshalle und gehen rein. Neben einer Pagode gibt es noch ein schön unter Bäumen gelegenes Kloster.

Bago - Buddha GardenAls wir den Buddha-Garten schließlich gegenüber der Ordinationshalle auffinden, sind wir enttäuscht. Die alten Bäume sind weg, junge gepflanzt, die Figuren neu bemalt und daher auch entsprechend künstlich aussehend. Schade! Das Gelände ist im Ausbau, aber die herumlaufenden Kinder achten strikt darauf, daß wir ohne Schuhe laufen.

Anne und Sigrun wollen nicht so lange hier herumsitzen wie wir. Anne will zum liegenden Buddha und außerdem noch weitere Pagoden ansehen und so trennen wir uns hier. Wir laufen nach einiger Zeit auch zum liegenden Buddha und danach noch über den kleinen, urigen Markt gegenüber des Haupteinganges, den wir aber - weil sehr urig - relativ schnell wieder verlassen. Irgendwie ist uns nicht so nach den vielen Fliegen auf dem Fisch und dem Blut auf dem Weg. Das alles recht eng und in brütender Hitze.

Wir suchen dann noch die Cheroot-Fabrik, die hier in der Nähe sein soll. Finden sie aber nicht. Dafür treffen wir das ältere Ehepaar aus unserer Gruppe, daß vorher in Kambodscha war. Irgendwie fällt uns auf, daß die beiden zwar viel in der Welt unterwegs waren (Frührente und Abfindung sei Dank), überall aber erst das Negative sehen.

Bago - Mahazedi PagodeWir wollen noch mehr Pagoden ansehen und laufen weiter, treffen auf die drei Freundinnen und Christine und gehen zusammen zur Mahazedi-Pagode. Christine ist ziemlich sauer, daß sie als Frau dort nur auf die erste Ebene und nicht wie Jürgen auch ganz hoch darf. Freya ist gar nicht so böse, das ging ziemlich steil hoch und sie hatte im Geiste schon wieder Muskelkater. Von oben hat man dann einen wunderschönen Blick über Bago. Schade, daß es so diesig ist.

Die anderen wollen noch weiter und mieten Rikschas. Wir haben erst einmal genug und laufen zurück nach Bago. Es dämmert bereits und überall wird schon wieder gebraten und gekocht und es ist fast mehr los auf der Straße als am Tag.

Morgen sollen wir früh aufstehen. Hier bei Bago ist ein großes Kloster und jeden Morgen in aller Frühe ziehen die Mönche aus und sammeln von der Bevölkerung Reis und andere Lebensmittel. Um 10.00 Uhr sind sie dann wieder im Kloster.

Anschließend soll es zum goldenen Felsen gehen, der laut unserer Auskunft bis zum Ende des Jahres eingerüstet ist, laut Auskunft der Kambodschaner aber nicht. "Schau mer mal" wie der Kaiser sagt.

Freitag 23.03.01 goldener Felsen

Wir stehen um fünf Uhr auf. Freya hört die Mönche während sie duscht, doch unsere Fotografen (Anne und Jürgen) verpassen leider die Show. Entgegen der Ankündigung ist die Prozession schon vor sechs Uhr an unserem Haus vorbei. Na gut, dann eben morgen und etwas früher aufstehen.

Wir fahren mit unserem Bus und haben gleich eine Fotostop bei einem Ochsenkarren und ein paar Wasserbüffeln. Überhaupt sehen wir sehr viele Tiere. Enten in allen Größen. Freya ist völlig hin und weg von den wunderschönen Bilderbuchhähnen. Die letzten Kilometer bis Kyaikhtiyo verschlafen wir.

An der Basisstation steigen wir aus und sind sofort umringt von Obstverkäufern und anderen, die uns Strohhüte anbieten. Das nehmen wir doch wahr! 200 Kyat für einen Strohhut ist doch nun wirklich geschenkt. Wir werden auf einen Pritschenwagen geladen und ab geht die Post. Die Straße ist zu schmal und steil und kurvig, um mit unserem Bus zu fahren. Dafür aber fährt der Pritschenwagen recht zügig.

Oben angekommen sind es dann noch einmal vier Kilometer, die gelaufen werden müssen - zumindest wenn man kein Einheimischer ist. Ein kleiner Junge geht neben Freya her und will ihren Rucksack tragen. Es geht gleich ziemlich steil bergan und als sie ein Stück mit ihm bergauf joggt (um anzugeben natürlich) tut ihr mit einem Schlag und ziemlich heftig die linke Wade weh. Aua, sie fängt an zu humpeln. Sofort sind die Jungs mit den Sänften um sie herum, wie die Geier um das sterbende Wild.

Sie schüttelt den Kopf, beißt die Zähne zusammen und es wird weiter gehumpelt. Der Vorsprung vor dem Großteil der Gruppe geht so langsam flöten. Im Gegenteil, am Ende bildet sie das langsame Schlußlicht. Unterwegs trinkt Freya Kokosnussmilch und ißt Melonenscheiben. Ihr kleiner Kumpel, dem sie immer noch nicht ihren Rucksack, aber dafür schon einen Kuli und auch ein kleines Shampoofläschchen gegeben hat, treu neben ihr.

Später meint sie, sie könnte ihn adoptieren, so goldig ist er. Muminja heißt er und ihren Namen kennt er auch schon. Immer weiter geht es in engen Kehren bergauf. Kurz vor dem Gipfel geht es noch durch eine Art Ladenstraße wo unter anderem Schlangenhäute, Büffelköpfe und Grillenspieße im Angebot sind. Viele Sachen sind zu sehen und oft kann man gar nicht einordnen um was es sich handelt.

Oben, vor dem gebührenpflichtigen Eingang warten Anne und Jürgen bei einem chinesischen Tee auf Freya. Sie waren als erste da oben. Jürgen aus eigener Kraft, Anne in einer Sänfte. Das letzte Stück bis zum goldenen Felsen, der natürlich doch eingerüstet ist, gehen wir zusammen.

Auch wenn unsere Fotografen es nicht so sehen: Es ist wirkliches Glück, daß es bewölkt ist. Bei strahlender Sonne möchte Freya nicht über den wunderbaren Marmorboden da oben laufen.

Das angrenzende Dorf genießt sie nur halb. Sie kann nicht überall hingehen wo sie was angucken will, dazu tut ihre Wade einfach viel zu weh. Wir essen im Dorf eine Suppe und dann beschließt sie, daß sie langsam wieder nach unten laufen will. Ihr ursprünglicher Plan, mit Peter und verschiedenen anderen auf dem langen Weg den Berg runter zu laufen ist eh gestrichen.

Sie geht also langsam los und wird auch schon gerufen. Ihr kleine Kumpel wartet schon auf sie und bekommt jetzt auch ihren Rucksack. Unterwegs trinkt sie wieder Kokosmilch, läßt sich aber diesmal, auf seinen kleinen Wink hin auch das Fleisch geben, das sie direkt an ihn weitergibt. Zwischendurch trifft sie auch immer wieder auf Anne und Sigrun, die die Aussicht auf drei Stunden wandern auch nicht begeistert haben.

Unten angekommen warten die Nichtwanderer noch einen Moment und werden dann wieder mit dem Pickup zur Basis gefahren. Die Bemerkung von Barbara, der Krankenschwester, "Das ist ja wie Beten, Büßen und Achterbahn" beschreibt die Fahrweise ganz gut. Die Kambodschaner sind darüber enttäuscht, daß der Felsen eingerüstet ist und finden daher den ganzen Ausflug nicht gut. Freya ging es hauptsächlich um das Erlebnis da hochzulaufen und das fand sie, nicht zuletzt wegen ihrer blöden Wade, beeindruckend genug.

Im Basisort laufen wir alle noch herum und gucken uns Geschäfte an und warten dann bei einem kostenlosen Tee auf die Wanderer. Pieter erklärt uns das mit dem Tee so: "undeveloped nations believe in god, developed nations in money".

Während sich Freya langsam auf den Weg nach unten macht, besichtigt Jürgen erst einmal das Dorf, das sich an den Pagoden-Bezirk anschließt und in dem wir zu Mittag gegessen haben. In der "Hauptstraße" wechseln sich Restaurants und Geschäfte ab. Sogar einen Popkorn-Stand gibt es. Außer uns sind keine "Langnasen" zu sehen, aber offenbar mögen auch Asiaten Popkorn.
bei der Kyaikhtiyo Pagode Abseits der Hauptstraße ist das Leben dann gleich sehr ursprünglich. Kinder spielen, Hunde laufen umher, es wird gegessen und ein Felsbrocken eingerüstet, um eine kleine vergoldete Pagode darauf zu errichten.

Um 13 Uhr treffen sich die "Wanderer". Während Pieter mit dem Rest nach unten fährt, begleitet uns sein Sohn als Guide. Noch dabei sind Peter und Erich, beides erfahrene Wanderer, die drei Freundinnen, mit wie sich herausstellt sehr unterschiedlichem Elan, und Christine, die eigentlich sehr gute Kondition hat, aber heute lieber trödelt.

Doris und Marlene haben sich zusammen einen kleinen Rucksackträger engagiert, Karen einen weiteren. Auf dem Weg nach unten, auf dem man sich übrigens gar nicht verlaufen kann, trennt sich schnell die Spreu vom Weizen. Erich, Jürgen, Peter und Karen samt Träger vorneweg. Doris, Marlene, Christine, Pieters Sohn als Aufpasser und der zweite Träger hinten nach.

auf dem Weg zur Kyaikhtiyo PagodeMit nur kleineren Unterbrechungen geht es ständig bergab. Unterwegs immer wieder kleine Stände, an denen Männer und Frauen an Maschinenpistolen aus Bambus basteln. Kinder und Jugendliche laufen begeistert mit diesen Modellen umher, die bunt lackiert und mit "USA", "007" oder ähnlichem beschriftet sind.

auf dem Weg zur Kyaikhtiyo PagodeAm Anfang kommen uns nur wenige Pilger und Touristen entgegen, die meisten starten wohl erst gegen Mittag und versuchen oben einen schönen Sonnenuntergang zu erhaschen. Nach anderthalb Stunden beschließen wir an einem der vielen Restaurants eine Teepause einzulegen. Irgendwann muß ja auch mal der Rest aufschließen ...

Nach einer halben Stunde und einer Kanne Tee geben wir auf. Sollen sie doch alleine nach unten laufen. Doch jetzt ist unser kleiner Träger verschwunden, bei irgendwelchen Verwandten heißt es. Nun packt Peter der Schabernack. Karen bekommt seinen Rucksack und er setzt sich den Tragekorb mit ihrem Rucksack auf, den der Junge hat stehen lassen. Der Restaurantbesitzer hilft noch die Tragegurte nachzustellen und los geht's. Der Korb erweist sich als sehr bequem und wir fragen uns, wo denn der Fortschritt bei den modernen Rucksäcken sein soll.

Nach einigen Minuten hören wir aufgeregtes Getippel hinter uns. Sichtlich unangenehm berührt kommt unser Träger an. Doch seinen Korb bekommt er noch nicht, sehr zum Vergnügen der Einheimischen die uns passieren. Um ihm weitere Peinlichkeiten zu ersparen, darf er aber dann doch bald wieder seinen Korb tragen.
So langsam fällt nun auch Karen zurück und Peter beschließt auf sie zu warten. Erich und Jürgen laufen also alleine vorneweg. Warum hört dieser Weg eigentlich nicht auf, wenn die Entfernungsangaben auf den Felsen Null Meilen anzeigen?

Unten wartet derweil der Teil der Gruppe, der mit dem Pickup gefahren ist. Eigentlich sollte der Abstieg drei Stunden dauern. Jetzt sind sie aber schon eine halbe Stunde überfällig, laut Pieter. Karl ist sehr besorgt, ob wir denn Hilfe holen gingen und wie wir alle nur so ruhig da sitzen könnten! Dann kommen Erich und Jürgen, beide naßgeschwitzt. Etwa eine Viertelstunde später erreichen uns auch Peter und Karen.

Doris, Marlene und Christine fehlen noch und jetzt ist Karl wirklich ärgerlich mit Peter und daß der die Frauen alleine gelassen hat. Dabei ist der Sohn von Pieter bei ihnen. Nach einer guten halben Stunde kommen dann auch sie. Wir klatschen als sie in die Dorfkneipe kommen und die Einheimischen lachen mit uns.

nördlich von PyayBei der Rückfahrt sehen wir das erste Mal wie unser Bus betankt wird: Aus Kanistern die in Kannen umgefüllt werden. Gut, daß keine Raucher in der Nähe sind. Unsere Gruppenmitglieder halten sich mit ihren Glimmstengeln jedenfalls fern.

   

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© Jürgen & Freya Blösl, 2001-2012
    letzte Überarbeitung: 15.06.2012

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