Freya & Jürgen Blösl

Mingala ba -
Im Land der goldenen Pagoden

Montag, 26.03.01 Durchfall in Bagan

Wir haben den Wecker mal wieder auf halb fünf gestellt und Freya sagt sofort, daß sie auf den verdammten Sonnenaufgang keinen gesteigerten Wert legt. Nachdem Jürgen aber zehn Minuten herumgeturnt ist, überlegt sie es sich doch anders und steht auf.

Das ist auch gut so. Wir fahren zur Kathein Gus Pagode und Jürgen und Freya sind froh, ihre Lampen dabei zu haben. Im Inneren der Pagode geht es durch einen dunklen Gang, dort die Stufen hoch und außen sind auch noch ein paar Stufen zu überwinden. Dann stehen wir oben - Jürgen baut sein Stativ auf - und gucken in die dunkle Nacht.

Bagan - von der Mi Nyien gone_PagodeHier und da ein paar erleuchtete Spitzen. Es wird ein kleines bißchen heller und schon sind wieder mehr Spitzen zu sehen. Nach und nach schälen sich auf diese Weise immer mehr und unterschiedliche Pagoden aus der Morgendämmerung.
Jetzt ist es ganz toll, daß wir gestern die Pagodenstadt erst nach Einbruch der Dunkelheit erreicht haben und deshalb heute morgen um so erstaunter die Umgebung sehen können.

Der Gesang der Mönche, Gezirpe und Gegackere und immer wieder das vorlaute Kickerikie eines Hahnes tun ein übriges, diese frühen Morgenstunden zu verzaubern.

Zurück zum Hotel wird dort erst mal gefrühstückt. Heute wird ein Ausflug mit dem Bus zu einigen entfernt liegenden Pagoden angeboten. Morgen können wir dann mit dem Fahrrad selbst die Gegend erkunden.

Leider klappt das nicht so gut. Unser Bus ist kaputt. Und zwar richtig. Also alles anders. Heute kann sich jeder ein Fahrrad mieten und die Gegend um Alt-Bagan erkunden. Mittags wollen wir dann mit einem Boot zu einer Höhlenpagode fahren.

Die Fahrräder sind aus Indien und ziemlich groß. Keine Übersetzung und der Wendekreis ist irgendwie anders als bei unseren Rädern zu Hause. Großes Vertrauen in die Bremsen haben wir auch nicht, aber es ist lustig und wir fahren los.

Hier merken wir auch erstmals den Einfluß des Tourismus. Nichts mehr mit der Freude und Neugier westliche Touristen zu sehen. Hier gibt es Geld zu verdienen.
BaganÜberall werden uns Opium-Gewichte, Bronze-Köpfe und was sonst noch alles angeboten. Und wenn man nichts zu verkaufen hat, versucht man halt trotzdem etwas zu bekommen: "Do you have a pen, ...".
Viele Tempel sind vergittert und abgeschlossen. Meist kommt aber ein geschäftstüchtiger Schlüsselwächter und bietet uns an aufzuschließen.
Irgendwann kommt ein kleiner Junge und fragt, was denn so eine Deutsche Mark wohl wert ist. Als Freya ihm sagt, das wäre etwa ein halber Dollar, will er sie auch schon getauscht haben.

Wir haben uns bereits einige der Tempel angesehen, als Freya plötzlich so ein vertrautes Urlaubsgrummeln im Bauch fühlt. Mist, wo ist hier nur das nächste Klo? Wir fragen im Museum, bekommen aber trotz ihres Hinweises "urgent" (ihr steht der Schweiß auf der Stirn) gesagt, daß es fünf Dollar Eintritt kostet und im Museum eine Toilette ist. Was ein Glück bewirkt Ärger bei Freya immer erst mal einen Schub von Kraft. Sie teilt den Mädels noch mit, daß sie das wirklich sehr, sehr freundlich von ihnen findet, und steigt wieder auf das Fahrrad. Sie kneift den Po zusammen und radelt wieder los. Etwa 400 Meter vor unserem Hotel ist es aus und vorbei. Sie kann nicht mehr, übergibt Jürgen ihren Rucksack und verschwindet hinter den Kakteen. Die kluge Frau hat immer Toilettenpapier dabei! Na gut, jetzt hat die kluge Frau zwar auch noch überall Kletten an sich, aber es geht ihr schon wieder besser.

Kurz vor dem Hotel treffen wir dann auch noch auf drei Lastwagen, die riesige Mengen Staub aufwirbeln. Freya niest mehrfach und muß im Hotel dann feststellen, daß sie mal wieder auf ihren Allergie-Auslöser getroffen ist. Beide Augen sind schon angeschwollen.
Sie legte sich hin und läßt das Mittagessen aus. Jürgen geht in das Touristen-Restaurant, welches sich in der Nähe des Hotels angesiedelt hat (Pyi Sone in der Nyaung Oo Road, der Verbindungstraße zwischen Old und New Bagan). Leicht zu erkennen an der Neonreklame draußen und den Tour-Aufklebern innen. Hier gibt es, wie sich herausstellt, das beste Essen auf der Reise.
Nachmittags geht es dann mit dem Boot flußaufwärts. Auf dem Boot kommt dann netterweise auch das vertraute Grummeln im Bauch zu Freya zurück. Das paßt ja. Also stürzt sie sich nach einer Stunde Fahrt, kaum am Ufer angelegt, wieder in die Büsche. Zum Höhlentempel führt ein schmaler Pfad, vorbei an Bohnen und Gurkenfeldern. Freya geht nicht in den Tempel. Sie bleibt auf der Schwelle zum Tempel sitzen und verpaßt auch nicht viel. Sie unterhält sich mit den Händlern und versucht ihnen zu erklären, wie sie auf dem Landweg nach Myanmar fahren würde. So können sie sich ein bißchen vorstellen, wie weit Deutschland von hier entfernt ist.

Bei der Rückfahrt müssen wir leider wieder feststellen wie diesig es heute ist. Wir haben fast keine Aussicht auf die Umgebung. Schon das nahe Ufer fängt an zu verschwimmen. Es macht zwar Spaß, sich über den Fluß schippern zu lassen, aber bei schönem Wetter muß es hier richtig toll sein.
An der Anlegestelle beim Hotel angekommen, laufen wir noch zu einem Tempel. Hier zeigt uns Pieter, daß die Myanmaren, wenn sie etwas Gutes getan haben, einen Gong schlagen, damit es auch andere mitkriegen und von den Pluspunkten für das nächste Leben mitprofitieren.

Zum Abendessen laufen wir heute mit den anderen in das nahe gelegene Restaurant, in dem Jürgen schon heute mittag war. Erich und der andere Jürgen haben sich einen ganzen Fisch aus dem Fluß bestellt und der sieht Klasse aus. Weißes, festes Fleisch und eine Mittelgräte. Wir andern essen á la carte, aber das ist auch sehr lecker.

Dienstag, 27.03.01 Bagan, Stadt der Pagoden

Heute holen wir die Busfahrt von gestern nach. Wir haben einen anderen Bus und auch andere Fahrer bekommen. Der neue Bus ist früher in Japan wohl Linienverkehr gefahren. Wenn er bremst, leuchten japanische Zeichen auf, die wahrscheinlich "bitte festhalten bedeuten".
Bagan - Ananda TempelWir wollen die entfernter liegenden Pagoden und auch die Ananda-Pagode ansehen. In der Ananda-Pagode steht ein Buddha, dessen Gesicht sich verändert, je nachdem wie weit man von im entfernt steht. Ist man nah, sieht der Buddha eher reserviert und streng aus, geht man aber zurück, dann scheint es so als ob er lächelt.

In der Pagode daneben kann man wunderschöne alte Malereien ansehen. Wir besichtigen heute noch einige Pagoden. Manche haben riesengroße Buddhas im Inneren, bei anderen beeindrucken die alten Malereien, die oftmals Szenen aus dem Leben Buddhas, oft aber auch Alltagsszenen aus der Zeit der Errichtung darstellen.

Nach all den Pagoden werden wir kurz vor Mittag noch in eine Lackfabrik geführt. Hier werden die Becher aus Roßhaar und irgendeinem Harz hergestellt oder aber, in der preiswerteren Form, in der Grundlage aus Bambus. Hier können wir die verschiedenen Arbeitsschritte, die notwendig sind um ein Lackkästchen zu erstellen ansehen und natürlich auch das eine oder andere einkaufen. Wie so oft sind die Lackwaren außerhalb der Vorführgeschäfte wesentlich günstiger. Trotzdem: Wer etwas aus Lack mitnehmen möchte, sollte hier in Bagan kaufen. Woanders ist es teurer und schlechter.

Danach werden wir in ein Restaurant geführt, in dem es original burmesisches Buffet zu günstigen Preisen geben soll. Hierzu werden alle Speisen auf den Tisch gestellt, man zahlt einen Pauschalbetrag und los geht's. Nur zu dumm, daß ein großer Teil der Gruppe bei der Mittagshitze gar keinen Appetit auf ein Gelage hat. Freya zum Beispiel ißt, seit wir hier sind mittags immer nur eine Suppe.
Pieter fährt die Büffetverweigerer in ein anderes Restaurant und das ist wirklich das absolute Kontrastprogramm. First class. Wir bekommen am Tisch Luft zugewedelt und in der Toilette wird einem sogar der Wasserhahn aufgedreht ... Auch nicht schlecht. Zwar ist es etwas teurer, aber das bedeutet hier halt 2 Dollar statt 1,5. Das war es allemal wert. Zumal die Portionen riesig sind, vor allem die große Thai-Suppe ist wirklich groß.

Bagan - im Thatbyinnyu TempelNachmittags geht es dann weiter mit den Pagoden. Freya macht kleine Tauschgeschäfte - hier ein Lippenstift gegen ein Lackkästchen und da ein Lidstrich und 500 Kyat gegen einen dieser Bambusbälle mit dem die Männer hier immer rumkicken.

So langsam reicht es dann aber auch mit den Pagoden und so ist keiner böse, als es Abend wird. Nun noch zum Sonnenuntergang auf die Shwezigon Pagode. Doch wie so oft auf dieser Reise spielt der Himmel nicht mit. So ist das Hochklettern vergebene Mühe und enttäuschend.
Freya geht gar nicht richtig hoch. Von halb oben entdeckt sie einen Stoff, der sie interessiert. Witzig ist, daß die Verkäuferin ihren Blick bemerkt hat und auch tatsächlich genau den Stoff hochhält. Also nichts wie hin. Leider ist er dann doch nicht so schön.

Brigitte wird von einigen Händlern bedrängt, sie halten das orange Stoffteil an sie und unser Peter meint, das stehe ihr aber gut. Nach einigem Zögern kauft sie es. Dann jedoch allgemeines Gelächter als Brigitte beim Einsteigen sagt: "Das wird die neue Tischdecke für den Gartentisch."

Abends geht es dann wieder zum altbekannten Restaurant. Erich, der andere Jürgen und Peter haben wieder etwas Besonderes bestellt. Ganze Ente. Die Platte kommt und wir sind erstaunt. Lauter kleine Fitzelchen, gut crispiy. Auch hier trifft Barbara mit ihrem "sieht aus wie gebratene Federn" so ziemlich den Nagel auf den Kopf. Geschmeckt haben soll die Ente aber ganz passabel.

   

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© Jürgen & Freya Blösl, 2001-2011
    letzte Überarbeitung: 10.06.2011

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