Borneo - wo der Pfeffer wächst
Relativ kurz entschlossen haben wir in diesem Jahr Borneo zu unserem Reiseziel gewählt. Anfang September 1999 geht es mit Malaysia Airlines via Kuala Lumpur (KL) nach Kuching, der Provinzhauptstadt von Sarawak, einem der zwei Teilstaaten in die sich das malayische Borneo aufteilt. Während des Fluges werden wir dann auch schon mal auf KL eingestimmt: Sean Connery und Catherine Zeta-Jones in "Thieves", einem Film bei dem sie im höchsten Gebäude KL´s, den Twin Towers, einen genialen Raub begehen.
Lustig ist es, als wir in Kuala Lumpur ankommen. Alle Passagiere des Fliegers gehen in die eine Richtung - Jürgen zieht in eine andere ... und das ist dann auch noch richtig. Schwupp, schwupp haben wir den Security Check und die Paßkontrolle hinter uns gelassen. Doch damit haben wir eigentlich nichts gewonnen. Noch zwei Stunden sind wir in einem Seitenarm des schönen, neuen Satelitenflughafens zum Nichtstun verdonnert. Alles ist clean und ein bißchen langweilig. Die Duty Free Shops sind im internationalen Teil, im nationalen gibt es gerade mal einen Fast Food Shop. Selbst zum Geldwechseln hätten wir in die Vorhalle gemußt.
Um 12 Uhr sind wir dann endlich in Kuching. Breite Straßen, gepflegte Häuser. Irgendwie anders als Freya sich das nach Indien (ihrem ersten asiatischen Land) vorgestellt hat. Zwei Stunden später flanieren wir am Ufer des Sarawak-Flusses entlang. Das ist eine schöne Promenade, die auch eifrig von den Jugendlichen (immer in einer Horde von 5 bis 10) frequentiert wird.
Nach einer kurzen Rast in einem Café laufen wir zu der großen Katze von Kuching. Der Name Kuching stammt - so will es die Erzählung - aus einem Mißverständnis:
Ein Engländer fragte einen Malayen nach dem Namen der Stadt und weil gerade eine Katze vorbeistreunte sagte dieser "Kuching", denn das heißt Katze. Also gibt es hier ein Katzendenkmal neben dem nächsten und eines ist "schöner" als das nächste. Die Katzen, die hier herumstehen sind große Miezekatzen aus Beton. Uuuiiih.
Uns fällt auf, daß die Bürgersteige hier ganz schön hoch sind. Das macht Spaß beim Gehen, zeigt uns aber auch, daß hier ab und an ganz schöne Wassermassen durch die Straßen fließen. Alles ist picobello sauber, der Verkehr auch für Fußgänger stressfrei.
Zurück laufen wir durch ein Chinesenviertel. Hier ist ein kleines Geschäft neben dem nächsten. Freya ersteht ein kleines Beutelchen aus Palmblättern um ein wenig Reis gewickelt. Sie fragt nach dem Geschmack und erhält die Auskunft: "eher süß". Beim Bezahlen schüttelt der Chinese den Kopf. Freya hat nur einen fünfzig Ringitt-Schein und das ganze kostet nur 40 Sen. Fünfzig Ringitt entsprechen etwa 25 DM. Als Freya sagt, daß sie nur deutsches Kleingeld hat, greift sich der Mann ein Zweimarkstück aus ihrer Börse. Am Ende bekommt er fünfzig Pfennig. So macht der Mann immer noch ein Geschäft, obwohl das Ganze wohl eher als Andenken hinter dem Tresen endet.
Fast wäre Freya am frühen Abend im Hotel eingeschlafen, doch zwei Zauberworte (Ausfallen und Abendessen) machen sie wieder munter. Auf gar keinen Fall! Wir wollten doch zu diesem Food-Court, zu diesem Seafood-Center, oben auf einer mehrstöckigen Garage. Also doch noch mal aufraffen und los.
Wir fahren mit dem Aufzug des Parkhauses nach oben. Rechts und gegenüber von uns am Rand der Dachterasse sind die einzelnen Läden. Hier kann man frischen Fisch, Gemüse und Säfte kaufen. Die werden dann je nach Laden unterschiedlich zubereitet. Auf der freien Fläche stehen Tische und Stühle. Wir gehen an den Fischgeschäften vorbei, werden gefragt, ob wir Platz nehmen wollen, laufen aber erst mal bis an die Frontseite, um auch diese noch abzulaufen. Es gibt die verschiedensten Fische, Krabben und Muscheln. Bei der vorletzten Bude bleiben wir hängen. Jetzt sollen wir uns aber endlich setzen. Zu dritt hängen sie an uns und ein ziemlich fitter Chinese bekommt mit, daß wir das Prinzip hier noch nicht so gerafft haben. Hier müssen nämlich Fisch, Gemüse und Getränke separat geordert und später auch bezahlt werden. Sie kommen dann auch aus drei verschiedenen Läden. Unsere Entscheidungsfreude kann auch nicht gerade gerühmt werden (nach 48 Stunden mit eher kurzen Schlafpausen im Flieger ist das auch kein Wunder). "Red Snapper with Garlic?" "Very good." Wir nicken.
Dann kommt der Fisch - als Ganzes. Schon mal Fisch mit Stäbchen gegessen? Mit viel, sehr viel Knoblauch drauf. Macht nix. Morgen ist Stadtrundfahrt. Das Ganze hat einschließlich der Getränke 56 Ringitt für uns beide gekostet (in DM ist das etwa die Hälfte). Zurück geht es durch die Shopping Mile. Ganz Kuching ist unterwegs, doch wir wollen schlafen.
Einige Tage später wiederholen wir den Abstecher in den Top Spot. Heute probieren wir einen anderen Laden aus und machen gleich mehrere Fehler.
- Wir bestellen nicht nur Fisch sondern auch Fleisch
(letzteres ist eher so lala).
- Wir bestellen zwei mittlere Portionen
(zwei kleine hätten es auch getan).
- Wir gehen nicht zum gleichen Laden.
Der Fisch ist im Tontopf gegart. Wir essen lieber Fisch vom Grill. Aber wenn man etwas aus dem Tontopf bestellt, bekommt man es eben auch. Reichlich Krabben zum Pulen, Tintenfischstückchen und Fisch - alles aber rabiat scharf. Freya schafft es tatsächlich alles nacheinander auf ihr rotes Kleid zu kleckern. Gute Garderobenwahl! Die Flecke passen sich wundervoll ins Muster ein.
Der nächste Tag fängt mit einem feinen Frühstück an. Viel frisches Obst (Papaya, Ananas und Karambole) und verschiedene Sorten Brötchen und Kuchen ... nett. Kaum sind wir fertig, ist auch schon unser Guide für heute da. Zu früh - und das in Asien. Wir sind dann zu einem anderen Hotel gefahren, wo wir noch zwei weitere Paare aufpicken sollen. Das ist aber erst einmal ein Satz mit 'X'. Beide Paare sind wohl während des Frühstücks beklaut worden. Eines mehr, das andere weniger. Nur ganz kurz war die Tasche mit dem ganzen Geld und den Traveller Cheques auf dem Stuhl liegen gelassen worden ... Ein Pärchen sagt daraufhin die Stadtrundfahrt ab, das andere kommt aber doch mit uns.
Die Stadt Kuching hat ca. 1,2 Mio. Einwohner. Davon sind ca 40% Chinesen, 38% Malaien und der Rest teilt sich auf in Sea- und Land Dayaks wozu unter anderem die Iban gehören, die hier als ehemalige Kopfjäger wohl noch am bekanntesten sind. Die Malayen sind Moslems, die Iban zum Christentum bekehrt worden und die Chinesen glauben wieder etwas anderes.
Zuerst geht es zur großen weißen Betonkatze zu der wir gestern schon mal hin gelaufen sind. Jürgen hat sie nicht fotografiert, das ging gegen sein ästhetisches Empfinden. Die Katze ist bestimmt fünf Meter hoch, weiß bemalt mit blauen Augen und um den Hals eine blaue Stoffschleife. Am Nikolaustag bekommt sie einen roten Hut aufgesetzt, zu bestimmten Feierlichkeiten einen Speer in die Pfote gedrückt.
Kuching ist in zwei Stadtteile geteilt, einen malayischen Nord- und einen chinesischen Südbereich. Beide wetteifern, was den Blumenschmuck und die Gebäude angeht. Kuching ist eine schöne und angenehme Stadt. Wir besuchen einen chinesischen Tempel, einem hohen Aussichtsturm (leider ist es diesig), fahren dann durch ein Wohnviertel der Malaien und sehen uns letztendlich das hochgelobte Museum von Sarawak an.
Mittagessen gibt es in einem chinesischen Schnellimbiß und dann meint Freya eine Durian probieren zu müssen.
Unser Fahrer erwähnte Durian auf dem Weg zum Schnellimbiß und zeigte auf Fahrer, die vor geöffnetem Kofferraum stachelige Früchte ausgebreitet liegen haben. Von dieser Frucht (Smells like hell, tastes like heaven) nimmt man als erstes den Geruch wahr. Es riecht nach altem Käse, alten Socken, getragenen Gummistiefeln ... Na ja, jeder hat so eine Geruchsahnung.
Freya läuft zu einem der geöffneten Kofferräume und erklärt, daß sie eine Frucht probieren will. Hier und jetzt. Zwei Männer stehen am Wagen. Der ältere von beiden meint, sie solle sich eine Frucht aussuchen. Scherzkeks ! Sie macht ihm klar, daß sie die Frucht nicht kennt und er soll ihr doch die beste kleine Frucht raussuchen und aufmachen und ihr anschließend noch erklären wie man das Ganze ißt. Sein Sohn, etwa fünfzehn bis achtzehn Jahre übersetzt ihr Englisch in Chinesisch und dann bekommt sie die Frucht geöffnet und erklärt, daß das weiße, cremige Fleisch um den dicken Kern eßbar ist. Wie bei einer Kastanie sind mehrere Früchte in einer Stachelhülle. Jede Frucht hat einen dicken Kern. Das Fleisch ist cremig und süß aber eher pappig .... nee, nee, nix für Freya und nix für Jürgen.
Jürgen quält sich mit einem Anteil, Freya ißt drei. Den Rest schenken wir unserem Fahrer, der ganz glücklich ist, uns wieder gefunden zu haben. Wir erweisen uns damit einen kleinen Bärendienst. Er ißt nicht alles sofort, sondern bunkert einen kleinen Teil im Auto (Smell). Das Pärchen vom Vormittag hat nur die Stadtführung gebucht und ist zur Polizei. Wir machen uns nun auf zum Höhepunkt des Tages: Der Orang Utan Aufzuchtstation.
Unser Fahrer fährt soweit bis es absolut nicht mehr geht, obwohl der Weg von der Pforte des Parks bis zum inneren Bereich bestimmt schön zu laufen gewesen wäre. Dann zeigt er uns ein paar arme Tiere in kleinen Käfigen - die angeblich auch an die Freiheit gewöhnt werden sollen. In den Käfigen befinden sich Stachelschweine, Bären, Adler und Gibbons. Auch der Hornbill, das Wahrzeichen Borneos sitzt da und pfeift sich eins.
Zuletzt kommen wir zu den Orang Utangs. Ein ziemlich junges Tier, ein schwangeres Weibchen und ein alter Orang, der sich nicht mehr an die Freiheit gewöhnen läßt sind in dem relativ großen Käfig. Außen am Gitter turnt ein junges Männchen, das sich gerade in der Abnabelungsphase befindet. Er ist allerdings noch arg daran interessiert, was im Käfig vor sich geht. Zur Fütterungszeit hat er aber dann für uns "den Affen gemacht" und ist an langen Lianen zur Futterstelle hingehangelt.
Die Affen im Käfig bekommen ihr Futter (frische Früchte) in einem Rohr außerhalb des Käfigs. Im Rohr sind Löcher verschiedener Größe aus denen die Affen die Früchte pulen. Die Luft surrt vor Moskitos, wir sind naßgeschwitzt, doch gestochen werden wir nicht. Auf dem Weg nach draußen läuft uns noch ein ausgewildertes, freies Weibchen mit Baby über den Weg. Sie klaut geschickt die Früchte aus den Käfigen der anderen Tiere. Die Stachelschweine kennen das Tier aber schon und jagen sie durch eindeutige Drohgebärden in die Flucht. Sie stellen sich in Position, die Stacheln aufgestellt, bereit diese abzuschießen. Allgemeines Gelächter der zuschauenden Menschen ist die Folge.
Abends hatten wir dann wieder unseren Spaß beim Essen. Jürgen hat sich was ausgesucht, Freya hat sich was ausgesucht.
Jürgen: "Willst Du wirklich soviel essen?"
Freya: "Meinst Du, das ist viel?"
Jürgen: "Ich such Dir was raus."
Freya: "Ok, liest sich alles lecker."
Soweit, so gut. Freya bekommt Hühnerschenkel, die in sauscharfer Soße baden und Nudeln, etwa spaghettilang. Dazu werden dann Stäbchen gereicht. In Nullkommanix ist sie naßgeschwitzt, kämpft mit Stäbchen und Nudeln und Jürgen weiß vor Lachen kaum noch wo er hingucken soll.
© Jürgen & Freya Blösl, 1999-2011
letzte Überarbeitung: 10.06.2011
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