Borneo - wo der Pfeffer wächst
Damai Beach ist ein künstlicher Touristenkomplex am Meer, etwa eine halbe Stunde von Kuching entfernt. Drei Hotelresorts, ein Golfplatz, ein Cultural Village und ein "Wildnispark" liegen verstreut auf einer Halbinsel am Fuß des Berges Santubong. Zu diesem Namen gibt es eine ganz nette Geschichte. Zuerst die malayische Version:
Ein Engländer sieht den Berg, der aus einem bestimmten Blickwinkel wie eine schwangere Frau auf dem Rücken aussieht und meint, "what ist the name of this hill looking like a woman waiting for her son to be born" - daraus wurde dann SANTUBONG ...
Es gibt aber auch die chinesische Version, die von einer Prinzessin erzählt, die heiratet, schwanger wird und dann ihren Ehemann mit ihrer Schwester erwischt. Mann und Schwester bringt sie um und wirft die zerteilten Körper ins Meer, wo sie zu Felsen werden. Sich selbst legt sie hin, um das Kind zu bekommen und wird zu Stein.
Hier in Damai wohnen wir im Holiday Inn Ressort (genauer dem Hill Top Resort, es gibt auch noch ein Holiday Inn Langoon), einem dieser touristischen Hotelresorts und eigentlich nix für uns. Aber wir wollten uns ja erholen ...
Das Abendessen ist ein wenig schwierig. Man denkt ja, das Holiday Inn wäre ein gutes Hotel, aber zumindest der Service im Restaurant läßt doch arg zu wünschen übrig. Nachdem Freya den Nachtisch zum zweitenmal bestellt hat, werden statt dessen beispielsweise Messer und Gabel neu aufgelegt. Dafür sollte er aber doppelt bezahlt werden. Das zum Essen bestellte Plain Water kommt auch erst nach der dritten Aufforderung.
Der Service wird von einem gut aussehenden Transvestiten geführt. Sie sieht auch, wo was fehlt, ruft dann der Service. Leider verendet zu diesem Zeitpunkt die Aktion oft im Nichts. Die Bedienungen, es sind schon einige, laufen freundlich lächelnd herum, bekommen aber nichts erledigt.
Das Essen ist langweilig und zu teuer. Das asiatische schmeckt so asiatisch wie Würstchen mit Kartoffelsalat. Wir wollen also versuchen, auf den Transfer der weiter entfernt liegenden Seafood-Restaurants zurückzukommen. Alternativ soll es hier in der Nähe auch noch ein "freies" Restaurant geben.
Nach einem nächtlichen Gewitter, das sich bis in den frühen Morgen hinzieht, und das Jürgen ignorant verschlafen hat, während Freya die Zeiten zwischen Blitz und Donner gezählt hat, liegt der Santubong in dumpfen, schwülen Dunst. Nach dem Frühstück, das seltsamerweise fast alle Gäste des Hotels so gegen 9.30 Uhr einnehmen wollen, sind wir noch die überdachten Wege vor unserem Zimmer entlangflaniert, weil gerade die Betten gemacht wurden. Da spricht uns ein Hotelangestellter an und fragt, ob wir uns andere Zimmer auf dem Hügel, auf dem auch unser Zimmer liegt, ansehen wollen. Toll war die Barron Suite. Ein in sich abgeschlossenes rundes Gebäude über zwei Etagen. Unten eine große Veranda mit Blick auf das Meer, dann eine Treppe rauf zum Schlafzimmer, Küche, Bad. Alles schön geschmackvoll eingerichtet mit Naturmaterialien.
Abends laufen wir aus der Anlage heraus. Unser Ziel ist die Mountain Trail Cafeteria. Sie liegt an dem einen Ende des lokalen Dschungel-Trails (eine gezeichnete Karte hierzu kann man an der Rezeption des Holiday Inn bekommen). Der Trail ist einfach, etwa zwei Stunden lang, aber nichts Besonderes.
Wie erwartet gibt es in dem Cafeteria genannten Restaurant etwas zu essen. Wir haben uns frischen Fisch ausgesucht, mit Dschungelgemüse und Reis. Dazu frischen Ananassaft. Das ganze hat für uns zusammen etwa 20 DM gekostet. Um uns herum nette und zutrauliche Katzen, die als sie zu viel betteln weggebracht werden. Das Lokal fest in deutscher und schweizerischer Hand, das Essen viel leckerer als in der Anlage. Woraufhin wir beschließen, die verbleibenden Abende unser Essen immer dort einzunehmen. Ein Entschluß, den wir nicht bereut haben.
Ganz in der Nähe des Holiday Inn gibt es ein "Cultural Village". Ein nachgestelltes Dorf mit typischen Häusern von Chinesen, Malaien, Iban, Orang Ulu und noch ein paar anderen Gruppen. Das ganze ist relativ teuer, aber ganz nett. Nur wer das polynesische Gegenstück auf Hawaii kennt, wird enttäuscht sein. Wo dort die perfekte Show inszeniert wird, bekommt man hier nur eine schlechte Kopie zu sehen.
Wir fangen bei den Chinesen an und nach zehn Minuten ist Freya zerstochen wie nichts. Sie läuft also zurück zum Hotel, besprüht sich mit Autan und joggt dann zurück. Während Jürgen an dem künstlichen See wartet, geht sie nochmal zu der Chinesin und frage sie, ob sie auch Mückenschutz will. Dann unterhalten sich die beiden noch über Winter, Schnee und Bratäpfel - und das alles bei einer Luftfeuchtigkeit von ca 90% und einer Temperatur um die dreißig Grad.
Nachdem Jürgen Freya entdeckt hat, geht es weiter zu den anderen Häusern. Bei den Malaien fühlt man sich wie im Schwarzwaldhaus. Ein Tierkopf mit Hörnern hängt an der Wand, die Fenster haben Läden mit ornamentalen Blumenmotiven. Hier kann man einer Frau zusehen, die dünne Metallfäden in einen Seidenstoff stickt.
Das nächste Haus ist interessanter. Hier läuft man im ersten Stock über einen Boden aus kreuz und quer gelegte Bambusstäbe. Das ganze sehr luftig, denn früher wurde einfach kochendes Wasser durch den Boden auf die angreifenden Piraten geschüttet. Von der Decke hängen getrocknete Gräser, darin sind Muster eingeschnitten wie beim Scherenschnitt. Aus einem Holzstamm ist eine Leiter geschnitzt, die noch weiter nach oben führt. Hier stehen verschiedene große Tonvasen und das sogenannte Hochzeitsbett. Freya verkneift sich in den oberen Stock zu klettern und sieht sich diesen Raum von der Leiter aus an.
Unten findet die verschärfte Form von Gummitwist statt. Zwei Frauen sitzen sich gegenüber und halten Bambusstangen in den Händen. Die schlagen sie im Takt gegeneinander, während ein Mann mal beide Beine, dann wieder nur eines im Zwischenraum der Stangen hat. Er muß ganz schön hüpfen, um seine Knochen zu retten. Dazu wird rhytmisch getrommelt. Die Frauen wirken gelangweilt, das Ganze gekünstelt. Erst als der hüpfende Tänzer ein wenig aus dem Rhytmus kommt, wird es lebendiger und die Frauen sind nur noch am Kichern.
So funktioniert das ganze Village: Ein Gebäude, eine Vorführung, die Gelegenheit irgendetwas zu kaufen (von Sago-Plätzchen bis zu Perlenkettchen) und weiter geht es zur nächsten Volksgruppe.
Eine Vorstellung mit verschiedenen Tänze rundet das Programm ab. Teilweise erinnert das Tanzen an "STOMP", das Tanzspektakel, das wir uns vor zwei Jahren in Frankfurt angesehen haben.
Einer der lohnensten Ausflüge, die man von Kuching oder Damai Beach aus unternehmen kann, ist eine Fahrt in den Bako National Park.
Um 8.15 Uhr ist unser Abholservice da. In Kuching sollen noch weitere Personen zusteigen. Unsere Reisepartner ist ein Pärchen chinesischer Abstammung aus Nord-Malaysia, das erst vom Frühstück geholt werden muß. Die fanden das dann auch noch völlig normal und bestärken so unsere schönen neuen Vorurteile über Chinesen.
Wir fahren durch Kuching, mal wieder an der großen weißen Mietzekatze vorbei und weiter Richtung Hafen bis nach Bako und halten schließlich am Straßenrand. Wir gehen zum Ufer, unser Guide besorgt ein Boot und wir fahren über den Fluß auf das Meer hinaus. Nur auf diesem Weg kommt man zum Park (Naja theoretisch geht es natürlich auch quer durch den Dschungel, Bako liegt ja auf einer Halbinsel). Die Frau klammert sich ganz fest an ihren Mann und dies obwohl das Meer ganz ruhig ist und wir nie mehr als 30 Meter vom Ufer entfernt sind. Ob sie wohl schwimmen kann? Als wir ankommen werden wir von zwei alten Männern begrüßt: "Selamat Petang - Ihr habt Euch ja den schlechtesten Führer von allen ausgesucht ..." grinst einer der beiden. Er sitzt auf einem Boot, das bereits in den Mangrovenwäldern festgemacht hat. Unser Führer grinst zurück. Leider bleibt uns die Antwort vorenthalten, denn er antwortet auf malayisch.
Hier im Park kann man verschiedene Wege gehen. Wir hatten eigentlich vor, den 3 bis 4 stündigen Rundweg zu machen. Unser Führer rät uns aber ab und meint, daß man auf dem kurzen Trail (Panang Tabok) die meisten Affen sehen kann. Wir sollten ruhig auf ihn vertrauen. Im Nachhinein ein guter Entschluß.
Am Anfang geht es über Holzstege, die die Überflutungsgebiete in Meeresnähe überbrücken. Wir sehen ein Tier, das halb Fisch und halb Frosch ist. Relativ bald geht es auf Trampelpfaden weiter, ab und zu sind Stufen aus Holz oder Beton montiert. Später haben wir den Haupttrail verlassen und sind eine Abzweigung nach links gegangen und beobachten eine ganze Weile eine bestimmte Gruppe von Affen in den Mangrovenwäldern unter uns. Nicht weit vor uns kommt uns eine chinesische Reisegruppe plappernd und schnatternd entgegen. Wie funktioniert das bei einer Jagd ? Mit Treibern ?? Also es ist einfach genial: Die aufgeschreckten Affen laufen uns nur so vor die Linse. Wir hören das typische Trompeten der Nasenaffen mittlerweile überall.
Anschließend kehren wir wieder auf den Trail zurück. Über Stock und Stein geht es über viele, viele Wurzeln. Man soll es ja kaum glauben, aber unterwegs klingelt das Handy unseres Pärchens - zumindest faßt er sich kurz. Dann kommt uns wieder eine Gruppe Chinesen entgegen. Enttäuscht teilen sie uns mit, daß sie nichts, aber auch kein einziges Tier gesehen haben. Na sowas, das können wir kaum glauben
.
Unsere Reisebegleiterin hängt immer noch wie ein Sack an ihrem Mann. Sie läßt sich mehr oder weniger von ihm ziehen. Ganz offensichtlich ein Fall von "Er will in den Dschungel und ich muß mit". Dann hat sie wohl genug, sie knickt um und spielt schwer verletzt. Aber so ist es im Dschungel: Es gilt das Gesetz des Stärkeren und unser Guide macht dem Paar freundlich klar, daß sie langsam den gleichen Weg wieder zurücklaufen sollen, während wir erst zum Strand und dann wieder hoch in den Dschungel und dann wieder zum Strand und durch die Mangrovenwälder zurücklaufen werden.
Wir gehen über Stege, Holzleitern und Wurzelgeflecht zu einem schönen Strand. Hier machen wir eine kurze Pause, trinken unser Wasser und unterhalten uns mit unserem Führer. Der kennt sich wirklich aus und hat uns unterwegs bereits auf fleischfressende Pflanzen und Gewächse hingewiesen, deren medizinische Wirkung gegen den Krebs gerade getestet wird.
Wir haben Ebbe und so müssen wir nicht auf dem gleichen Wege zurückgehen. Erst geht es noch ein Stückchen den gleichen Weg zurück und dann nach rechts, durch eine Felsenöffnung weiter bergab. Ein offizieller Weg ist dies nicht, aber unser Führer geht ihn offensichtlich nicht zum ersten Mal. Wir gehen, am Strand angekommen, durch die Mangroven. Unsere Hoffnung noch näher als zuvor an die Nasenaffen heranzukommen, wird aber enttäuscht. Wir sehen keine mehr.
Über eine Treppe kommen wir wieder auf den breiten Holzsteg und treffen auch unsere Begleitung wieder. Beim Weg in Richtung der Kantine kreuzt schon die nächste Affenart unseren Weg. Silbergraue Affen turnen über uns, rechts von uns in den Bäumen und laufen zum Strand. Schön.
Bei der Kantine schließlich die dritte Spezies von Affen, die hier leben. Die "long-tailed macaques" sind im Gegensatz zu den anderen Rassen überhaupt nicht scheu. Im Gegenteil ! Vor ihnen muß man sich in Acht nehmen: Sie klauen alles Freßbare. Stülpen die Mülltonne um und zerstreuen dann den Müll. Klasse, die Touries entsorgen schön brav und die Affen sind die Umweltverschmutzer. Einer nimmt vom Nachbartisch sogar eine noch geschlossene Dose Cola. Erst denken wir: Pech Affe, aber denkste. Das Vieh bekommt die Dose auf und trinkt sie aus. Wie war das mit den ökologischen Nischen ?
Nach dem Mittagessen laufen wir noch ein bißchen herum und werden schließlich gegen 15 Uhr vom Strand aus aufgenommen und vom gleichen Boot zurückgebracht, das uns morgens übergesetzt hat. Viel später wären wir auch nicht mehr weggekommen, die Ebbe war schon ziemlich weit fortgeschritten.
Im Bako Nationalpark kann man auch übernachten. Die Lodges sahen von außen ganz gut aus und es lohnt sich sicherlich.
Noch einmal zurück nach Kuching. Einer der "musts"s ist sicher der Sonntagsmarkt, der zu den interessantesten in ganz Südostasien gehören soll. Auch von Damai Beach aus ist er mittels Hotelshuttle gut zu erreichen.
Es ist zwar erst Samstag, nur dieser Markt heißt zwar sunday market, beginnt aber Samstagsnachmittags und endet Sonntags am Mittag. Der Markt ist viel größer als der in Sirian und es gibt viel zu sehen. Hühner in Käfigen, Obst - bekanntes und unbekanntes. Das gilt auch für das Gemüse. Manches kennen wir und anderes kennen wir nicht. Vieles kommt direkt aus dem Dschungel. Die Verkäufer kommen vom Land übernachten auf ihren Ständen und kehren Sonntag-Mittag zurück.
Alle Arten von Fischen, Krebsen, Muscheln gibt es. Auch tote Hühner, die anders als bei uns auch noch die Füßchen dran haben, teilweise sogar den Kopf und so viel mehr an das erinnern, was sie sind: tote Tiere!
Wir sehe Chinesenstände mit offensichtlich pikanten Kleinigkeiten, oft mit Teig ummantelt. Freya behauptet, daß das unter den Begriff Dim Sum fällt. - Wir fragen nicht nach. Überall wird Pfannkuchen gebacken - wahrscheinlich heißt das anders, aber das Prinzip ist Pfannkuchen. Fische gibt es geräuchert und als Trockenfisch. Nicht nur große Fische, sondern auch kleine, etwa einen Zentimeter große, was Freya spontan zu der Aussage: "Guck mal die Silberfischchen" hinreißt.
Neben Lebensmitteln gibt es auf so einem Markt auch alles mögliche Nichteßbare: Von Plastikeimern bis zu Spielzeug. Freya entdeckt kleine, geschmacklose Magnete für unsere Pinnwand und kauft sie. Die T-Shirts sind schön und billig, aber leider auch so verarbeitet. Also bleiben sie wo sie sind.
Wir laufen bestimmt zwei Stunden über den Markt und gehen dann zur Stadtmitte zurück, wo wir die Chance nutzen in die vielen indischen und chinesischen Geschäfte zu gehen. Da wir aber noch nach Kuala Lumpur wollen und dort die Auswahl größer und die Preise wohl niedriger sein werden, kaufen wir nichts.
© Jürgen & Freya Blösl, 1999-2012
letzte Überarbeitung: 15.06.2012
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