Freya & Jürgen Blösl

Laos, das ursprüngliche Asien

08.02.08–09.02.08 Ebene der Tonkrüge

Tatsächlich werden wir eine Viertelstunde vor nötig von der lauten Musik aus dem Nachbarzimmer geweckt. Freya steckt all ihre Kraft darein demjenigen die Krätze an den Hals zu wünschen. Viel Kraft kann das nicht sein, sonst wäre sie aufgestanden und hätte persönlich geschimpft.

Um neun Uhr stehen der nächste Guide samt Fahrer vor der Tür. Das Erste was wir erfahren ist, dass er ein neues Kind hat:-).

Auch dieser Guide war in Deutschland - in Gera und Schwerin. Er hat Dreher gelernt, findet aber hier in Laos in diesem Beruf keine Arbeit. Jetzt führt er Touristen und dürfte damit deutlich mehr verdienen.

Die Strecke von Luang Prabang nach Phonsavanh kurvenreich zu nennen ist untertrieben. Jetzt kann Freya auch nachvollziehen warum in den anderen Reiseberichten immer von so viele Leuten zu lesen ist, die in den öffentlichen Verkehrsmitteln speien müssen.

Weg nach PhonsavanhLeider ist es den ganzen Tag diesig. So sehen wir zwar, dass die Landschaft hier großartig ist, fotografieren lohnt aber leider nur beschränkt. Es gibt hier und weiter östlich fast kein Wild. Auch Vögel hört oder sieht man nicht. Alles gegessen, wie unser Guide durch Handbewegung andeutet. Allerdings haben die Amerikaner hier nicht nur Minen abgeworfen, sondern auch mit Unkrautvernichtungsmittel nicht gespart. Das dürfte auch als Erklärung für die fehlende Fauna herhalten.
In diesem Zusammenhang erfahren wir auch von unserem Guide, dass es einen geschmacklichen Unterschied zwischen Stadt- und Bergratten gibt. Bergratten seien leckerer, was an ihrer Ernährung liege. Das glauben wir jetzt einfach mal.

Zwischendurch halten wir immer mal wieder, gehen durch eines der Bergdörfer, sehen kleine Hunde, Ziegen, Schweine, Hühner, Gänse und Katzen – alles läuft frei herum, gehört sich gewissermaßen mehr selbst als ihren Eigentümern.

Kinder, Weg nach PhonsavanhKinder, Weg nach PhonsavanhViele, viele Kinder sind hier. Die Allerkleinsten praktischerweise ohne Höschen, teilweise den kaum älteren Geschwistern huckepack aufsitzend. Fast alle mit Rotz-
näschen – süß.
Mit unseren paar mitgebrachten Luftballons brauchen wir hier gar nicht erst anzufangen - zumal wir im Gegensatz zu Kambodscha oder Myanmar nicht bedrängt und angebettelt werden. Freya schleppt auch ihre großzügig aussortierten Lippenstifte wieder mit nach Hause. In Myanmar ist sie ständig danach gefragt worden, also hatte sie diesmal auch welche dabei. Aber was so ein richtiger, bodenständiger Sozialismus ist – da schminkt sich die anständige Frau nicht:-).

Im Ort Phou Khoun an der großen Kreuzung der Straßen 13 und 7 machen wir Mittagspause. Wir gehen über einen kleinen Markt und essen in einem Straßenrestaurant. Lustigerweise gruselt sich Freya keineswegs vor dem Klo des Restaurants, sondern vor der Handwaschgelegenheit mit dem Handtuch.
Freya hat beim Bummel über dem Markt auch das Seegras entdeckt, das es gestern so lecker frittiert gab. Witzig ist der Austausch von Geld und Ware. Da Freya die Zahlen auf laotisch nicht versteht und sich weder die Händlerin noch sie über den Tisch ziehen lassen wollen, passiert der Austausch von Ware und Geld praktisch Hand in Hand.

Wir fahren weiter und haben immer wieder tolle Bergsicht. Doch leider meint es der Fotografiergott nicht gut mit uns. Immer noch ist es zu diesig. „Diesig“ ist wahrscheinlich das Wort, das unser Guide neu in seinen Wortschatz aufnehmen konnte.

Die Straßendörfer an denen wir vorbeikommen gehören zu den Bergvölkern Hmong und Aka. Die Hmong bauen auf dem Boden, die Laolung und die Aka auf Stelzen, wobei die Aka-Häuser kleiner sind. Ein bisschen durcheinander kommen wir dann aber beim Besuch des letzten Dorfes. Unser Guide spricht von Hmong aber die Häuser sind auf Stelzen. Naja, so wichtig ist das ja auch nicht.

Weg nach PhonsavanhDen ganzen Bergvölkern gemeinsam ist aber die Tatsache, dass sie Brandrodung und Viel-
felderwirtschaft betreiben. Da aber ihre An-
zahl sich ziemlich stark vergrößert, sieht es so aus, als könnte das zu einem ernsthaften Problem für den Waldbestand in den Bergen werden. Die Regierung versucht zwar gegen-
zusteuern, aber ob das funktionieren wird?

Wir erfahren von einem anderen Problem, das die Völker haben, die in der Hochebene wohnen. Ihre Reisfelder sind immer noch nicht tief-
gründig von Minen geräumt. Bevor also ein neues Feld angelegt werden kann, muss immer erst der Minensuchdienst kommen. Selbst diese zentrale Verbindungsstraße nach Vietnam führt an unzähligen Kratern und Schützengräben vorbei.

Um kurz vor sechs erreichen wir unser Hotel (Phou Phadeng Auberge). Abseits vom Ort und am Hang gelegen. Unser Zimmerschlüssel hängt an einer leeren Patronenhülse.

Wir bestellen das Abendessen vor (was bleibt uns bei der Lage auch als Alternative) und begutachten unser Haus auf Stelzen. Rustikal und stilsicher eingerichtet. Soweit so gut. Nur dumm, dass es durch Wand und Boden zieht und es außer einem Kamin keine Heizung gibt. Wenn sich die Temperatur dann nachts dem Gefrierpunkt nähert beginnt das große Bibbern. Und so lassen wir uns nach dem Essen noch mal ein-
heizen.

Tja und dann hat es uns erwischt. Ab 23 Uhr besuchen wir abwech-
selnd die Toilette. Beide sind wir gebeutelt mit Brechdurchfall. Da war der Fisch wohl nicht nur teuer, sondern auch noch schlecht. Nach schlafloser Nacht bekommen wir auch zum Frühstück außer einer Imodium nichts runter.

Der Besuch des örtlichen Marktes ist dann auch nicht wirklich das, was uns anmacht. Freya wendet sich an den Guide und sagt nur "bitte keinen Fisch und kein rohes Fleisch..." und so ist das ungewöhnlichste was wir sehen ein Eimer mit wuselnden Fröschen. Auf unserer Fahrt in den Süden werden wir das aber zur Genüge nachholen.

Unser Guide besorgt uns noch weitere Medikamente und dann fahren wir in die Richtung der Ebene der Tonkrüge. An einem Haus, das Bomben als Zierelemente in den Gartenzaun eingebaut hat stoppen wir kurz wegen Fotos. Jürgen kommt dabei mit dem Leiter der ört-
lichen Berufsschule, einem Deutschen, ins Gespräch der ihm von unserem Guide vorgestellt wird. Freya ist einfach alles zuviel und sie bleibt im Auto.

Ebene der Tonkrüge - Site 1, PhonsavanhDie 1. Site der Tonkrüge, die gar nicht aus Ton sind, ist weitläufig und vielfältig. Wir sehen viele große Gefäße, teilweise bis zu 6 Tonnen schwer. Über die Bedeutung wird noch gerätselt: Waren die Vorfahren der kleinen Laoten etwa Riesen, die hier ihre Trink-
gelage veranstaltet haben? Wurde hier Wein, Reis und anderes Gut aufbewahrt oder war es doch ein Friedhof wie neuere Untersuchungen der Japaner behaupten?

Übrigens sind hier die Auswirkungen des großen Panzer, Nähe PhonsavanhBombardements der Amerikaner noch haut-
nah zu erkennen. Von einem Bereich der Tonkrüge zum nächsten führt ein schmaler von Minen geräumter Weg. Überall sonst wurde das Gelände bisher nur oberflächlich nach Minen abgesucht. Und auch dies erst seit etwa drei Jahren. Also bleiben wir schön ordentlich auf dem Weg.

Wir laufen auf dem Gelände herum und sehen auch noch eine Höhle, in der während des Krieges die Bevölkerung Schutz gesucht hat. Laos hat viele Höhlen und diese dienten der Bevölkerung immer wieder als Schutz vor den Bombardements.

Es will uns nicht wirklich besser gehen obwohl wir Kopfschmerztablet-
ten, Elektrolytlösung (iiih) und sicherheitshalber weitere Imodium in uns reingeschafft haben. Also kürzen wir unser heutiges Programm und streichen den Besuch des großen Hmong-Dorfes und der Stadt Xieng Khouang. Nur die 2. Site wollen wir uns noch ansehen.

Ebene der Tonkrüge - Site 2, PhonsavanhEbene der Tonkrüge - Site 2, PhonsavanhDer lange Lehm und Schot-
terweg ist nicht wirklich was für Magen- und Kopf-
schmerzgeplagte. Aber wir werden entschädigt. Die 2. Site ist zwar weniger groß und vielfältig als die 1. aber der Ort liegt idyllisch auf einem Hügel und große Bäume geben Schatten in der Mittagshitze. Die gesamte Atmosphäre ist hier schöner.

Jetzt wollen wir ins Hotel zurück, uns ausschlafen und dabei ausku-
rieren. Wir müssen noch einen kurzen Augenblick warten bis unser Zimmer fertig ist und dann kuscheln wir uns mit T-Shirt und Strüm-pfen bekleidet zusammen in ein schmales Bett. Wir schlafen, lesen, trinken ab und an an der mitgebrachten Coke und essen abends auch schon ein Toastbrot.

   

zurück       hoch       weiter

 

© Jürgen & Freya Blösl, 2008-2010
    letzte Überarbeitung: 15.01.2010

Bilder und Text unterliegen dem copyright von Jürgen und Freya Blösl. Sie sind durch deutsches und internationales Recht geschützt. Sie dienen nur der persönlichen Information. Jede weitere Nutzung bedarf der vorherigen schriftlichen Zustimmung durch Jürgen Blösl

All pictures and text displayed are copyrighted by Jürgen and Freya Blösl. They are protected by German and international laws. They may only be used for your personal information. No reproduction or commercial use is allowed, except after prior written consent by Jürgen Blösl

















Pervan Ranking