Angkor Wat und andere Tempel -
Kambodscha und Nordthailand im März 2005
Wir stehen früh auf und sind pünktlich um 9:00 Uhr fertig mit dem Auschecken. Etwa eine halbe Stunde benötigt das Taxi vom Hotel bis zum Flughafen und schon sind wir mal wieder in einer Wartehalle. Und was macht man da? Natürlich Leute gucken! Wir beobachten ganz interessiert eine Gruppe bäuerlicher, älterer Moslems mit teilweise tief verschleierten Frauen, die wie eine Herde Schafe durch die Security drängelt. Andere sind vor einem in der Schlange? Egal, nur immer schön beim Leithammel bleiben. Wohin die wohl fliegen? Wieder eine Frage, die Freya nicht beantwortet bekommt, da sie an einem nicht beschilderten Gate in den Transportbus zum Flieger steigen.
Unser Flug startet ein bisschen verspätet und nach einer Stunde Flugzeit sind wir in Siem Reap und erleben Bürokratie pur. Erst stehen wir an, um unser Visa zu beantragen (Fotos haben wir dabei) und dann stehen wir wieder an, um uns das Visa auch noch abstempeln zu lassen. Am dritten Schalter wird das dann alles überprüft.
"The receipt please ...!" sagt der Mann am dritten Schalter. Jürgen ist bereits vorgegangen zur Kofferausgabe. Welche Quittung denn? Na die, dass Freya gerade eben ihre 20 Dollar für das Visum bezahlt hat. Ohne die Kohle gab es aber auch das Visum nicht. Also die Quittung hat Freya jedenfalls nicht. Kann sie aber auf den letzten zwei Metern auch nicht verloren haben. Schon immer mit zuviel Fantasie gesegnet sieht sie sich schon wieder nach Bangkok abgeschoben oder aber in einer Zelle wartend, dass das Auswärtige Amt sich einschaltet. Aber nach etwa fünf Minuten, in denen der Mann am Schalter sie immer wieder nach dem Receipt fragt, und sie immer wieder antwortet, dass sie das nicht bekommen hat, darf auch sie einreisen.
Draußen werden wir schon von unserem Fahrer erwartet und Eintritt hin oder her, er fährt uns gleich mal an Angkor Wat vorbei. Das von uns ausgewählte Palm Village Ressort ist wunderschön. Kleine Bungalows aus Bambus, gepflegter Garten, schöner Pool. Dafür liegt es aber auch einige Kilometer von Siem Reap entfernt - fast direkt am Rand des Nationalparks.
Wir rasten kurz in unserem Bungalow, nachdem Jürgen vorher im Internet hinter dem Empfangstresen noch einmal nach einem Hotel in Bangkok für Samstag und Sonntag geschaut hat. Im Rembrandt Hotel sind jedenfalls zu diesem Termin keine Zimmer mehr frei.
Ab 17:00 Uhr kann man am Park-Eingang die Karten für die nächsten Tage kaufen. Ganz billig sind die nicht, aber wenn man den Aufwand sieht der in diesem großflächigen Gebiet betrieben wird und das mit dem vergleicht was in anderen Großattraktionen weltweit verlangt wird und was dort getan wird, finden wir es ganz ok. Wir besorgen uns einen 3-Tages-Pass und auch hierzu benötigen wir wieder ein Passfoto, das man aber auch vor Ort hätte machen können (wenn man Schlangestehen mag...).
Netterweise darf man mit diesem frisch erworbenen Ticket auch schon mal zum Sonnenuntergang in den Park. Wo wir denn hinwollen, fragt unser Fahrer. Zum Hügel? Warum nicht. Da wir uns noch keinen Überblick gemacht haben, ist uns jeder Platz recht. Der Hügel heißt im übrigen Phnom Bakheng und ist der erste Haupttempel, der im Angkor-Gebiet errichtet wurde. Wir merken schon, dass wir angekommen sind, als rechts der Straße Buden auftauchen in denen T-Shirts, Getränke und anderes verkauft wird. Hier stehen jede Menge Autos, Tuk-Tuks und Motorräder. Kaum sind wir ausgestiegen werden wir auch schon bestürmt Ansichtskarten zu kaufen oder kleine Bronzetierchen oder Buddhas oder was man sonst noch denkt, dass Touristen es brauchen können.
Madaaaaaaam, Madaaaaam - warum die sich nur immer alle auf Freya stürzen?
Der Weg auf den Hügel ist schon ziemlich steil und wird oben von einer Tempelruine gekrönt. Hier steigt und klettert alles hoch, was nicht im Rollstuhl sitzt oder den bequemeren Aufstieg per Elefant bevorzugt.
Oben angekommen, dann noch das I-Tüpferl! Schmale, hohe, steile Stufen, die Freya seitwärts und ohne einen einzigen Blick nach unten zu werfen erst rauf und dann später wieder runtergeht. Jürgen hat sich mit Blickrichtung nach Angkor Wat postiert und ist ganz glücklich mit seinem Platz.
Am nächsten Morgen sind wir etwas krumpelig. Wir haben nicht so toll geschlafen. Zunächst machte die Klimaanlage einen ziemlichen Krach und kühlte doch ziemlich stark. Dann aber, als Freya sie ausgemacht hatte, war es in Nullkommanix ekelhaft warm. Also auch verkehrt.
Um 7:30 Uhr werden wir von einem gemieteten Guide und unserem Fahrer abgeholt. Unser erstes Ziel heute ist Angkor Thom, eine weitläufige Anlage innerhalb des Parks. Wir werden mit dem Auto bis zu einer Brücke gebracht, die über den leider ausgetrockneten Wassergraben führt der Angkor Thom umgibt.

Rechts und links auf dieser Brücke befinden sich Köpfe. Große Köpfe, deren Ausdruck auf der rechten Seite unfreundlich und auf der linken Seite freundlich ist. Nachdem wir das Süd-Tor zu Fuß durchquert haben, werden wir wieder in das Auto eingeladen und fahren zum bedeutendsten Tempel in Angkor Thom, dem Bayon. Hier gehen wir zunächst einmal unten herum und betrachten die vielen, umlaufenden Steinreliefs, die in Bildgeschichten die Kriege der Khmer-Könige mit Siam, China und einem Volk namens Cham (aus dem heutigen Vietnam) darstellen.
Geht man dann die Stufen im Inneren hinauf, so gelangt man zu diesen geheimnisvollen Köpfen mit dem feinen Lächeln, die auch nach den vielen Jahrhunderten, die seit ihrer Entstehung vergangen sind, immer noch beeindrucken.
Unser Guide, den wir aufgrund seines doch sehr langen Namens Hrit nennen sollen, erzählt uns, dass in den Ruinen immer noch religiöse Handlungen ausgeführt werden, dass das aber "selbst gestrickte" Zeremonien sind, die mit dem Verkauf von Räucherstäbchen finanziert werden.
Unser nächstes Ziel ist Baphuon. Das ist ein großer Tempelberg, der sich innerhalb von Angkor Thom befindet, zurzeit renoviert wird und daher nicht für den Publikumsverkehr geöffnet ist. An dem Teich der sich hier befindet, sehen wir vier Kinder Fische fangen. Zwei kleine, nackte Jungs und zwei etwas größere Mädchen. Eines der Mädchen ist über und über mit Schmuck behangen, was schon ein bisschen witzig aussieht, wenn man bedenkt, dass sie hier zusammen mit den anderen tief im Schlamm buddelt um alles zu fangen, was sich irgendwie bewegt. Den Eimer mit ihrem Fang zeigen sie auf unsere Bitte hin stolz. Er enthält ziemlich kleine, zappelnde Fische.
Auch die älteren Männer, die am gleichen Teich aber etwas professioneller mit Netz nach Fischen werfen zeigen uns ihren Fang und auch ihre Technik des Fischens.
Nach dem Königstempel besichtigen wir die Elefantenterrasse. Das ist eine zweieinhalb Meter hohe und 350m lange Terrasse auf der Elefanten und Garudas als großartige Steinreliefs zu sehen sind. Auf der Wiese vor der Elefantenterrasse macht Hrit uns auf einige große Löcher aufmerksam, die wir ohne Nachzudenken als Mauselöcher interpretiert haben. Nein, er pult ein bisschen und zieht dann eine tote Krabbe aus dem Loch.
Sobald wir das Auto verlassen, werden wir angesprochen, ob wir Karten, Bücher, diverse Musikinstrumente oder Getränke wollen. Ab und zu wollen wir ja tatsächlich was, aber mehr als 10 Karten schreiben wir bestimmt nicht und den kleinen Elefanten hat Freya doch auch nur gekauft, weil das Kind so niedlich war - und damit natürlich genau das getan, womit spekuliert wurde.
Es gibt hier übrigens so etwas wie eine Bannmeile um die einzelnen Sehenswürdigkeiten innerhalb der es keine Stände und auch (fast) keine anderen Händler gibt. So kann man sich die Tempel in Ruhe ansehen und der "Kampf" beginnt erst wieder am Ausgang.
Noch etwas ist dazu zu sagen. Die Währung hier ist Dollar. Mindestens 1 Dollar. Und wenn der Gegenstand eben nicht so teuer ist, dass er einen Dollar wert ist, dann gibt es eben drei oder fünf davon für einen Dollar
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Wir steigen wieder ins Auto ein und fahren zum nächsten Tempel. Eigentlich hatten wir vorgehabt, uns Fahrräder auszuleihen. Aber in unserem Ressort wurde das nicht angeboten und mittlerweile sind wir auch nicht mehr sauer darüber. Es ist seeeeehr heiß, bei den meisten Tempeln heißt es Treppensteigen und noch mal Treppensteigen - über mehr oder weniger als Stufen zu bezeichnende Steine. Da ist es zwar dekadent, aber soooo angenehm nach jedem bewältigten Stückchen Kultur wieder in das klimatisierte Auto einsteigen zu können
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Jetzt fahren wir zum Thommanon, mit dem gegenüberliegenden Chau Say Tevoda, der gerade von den Chinesen renoviert wird. Überhaupt wird hier bei den Ruinen weltweit gesponsert. Da hilft Thailand, dort die Schweiz, hier Frankreich oder Indien und auch Deutschland hat seinen "Renovierungstempel". Zwischendurch werden wir darüber informiert, dass viele Länder auch Gelder zur Landminenentfernung beisteuern. Auf dem Weg nach Ta Prohm, vielleicht besser bekannt als der Tempel in dem Lara Croft im Film herumgelaufen ist, spielt eine Musikgruppe, die sich aus Landminenopfern zusammensetzt.

Ta Prohm ist natürlich toll. Der Tempel wurde vom gleichen König gebaut, der auch den Bayon in Auftrag gegeben hat. Ta Prohm war für seine Mutter gedacht, die gottähnlich erhöht als Mutter aller Gläubigen verehrt wurde. Hier ließ sich der umgebende Urwald nicht alles entlocken und so überwuchern dicke Wurzeln dekorativ das filigrane Bauwerk. Unser Guide stellt uns den Mann vor, der auf dem Buchdeckel von Lonely Planet verewigt wurde. Es ist ein kleiner, gebückter, alter Mann, der hier seit ewigen Zeiten saubermacht und kleine Unnützlichkeiten verkauft. Direkt hinter ihm ist ein kleines Gebäude, in das man laut unserem Führer geht, wenn man sich etwas wünscht. Dazu stellt man sich dann mit dem Rücken an die Wand und schlägt sich dreimal auf die Brust. Dabei muss man an seinen Wunsch denken. Der Witz bei der Sache ist, dass es hier in diesem Raum ganz kraftvoll dröhnt, wenn man sich auf die Brust schlagt.
Leider drängeln sich gerade mal ganz viele Touristen und so ist die Athmosphäre nicht so, wie sie sein könnte. Wir laufen in der Ruine herum, sehen ein von Wurzeln überwachsenes Gesicht, viele, viele Asparas (die nymphenhaften Tänzerinnen) und was es an Steinornamenten noch so gibt.
Kaum ist der Bus weg sagt unser Guide: "The Silence ! " Was wirklich komisch ist, da hier von Grillen und Zirpen eine Geräuschkulisse gestaltet wird, die fast schon Disco-Lautstärke hat.
Wir freuen uns jetzt, dass wir eine Rast machen können, um unser Mittagessen einzunehmen. Wir steuern eines von den Restaurants bei Angkor Wat an und amüsieren uns über die kleinen Kätzchen, die hier herumspielen. Als ein kleiner Junge sich von hinten nähert, versteht Freya erst gar nicht, was er will. Aber dann ist es klar, er möchte unsere leeren Cola-Dosen zum spielen.
Nach einer guten Stunde Mittag geht es nach Prasat Kravan. Zur Abwechslung mal ein aus Tonsteinen gemauerter Tempel und auch hier wieder wunderschöne Reliefs.
Nach einem kurzen Besuch des Eastern Baray betreten wir durch den gegenüber liegenden Eingang Ta Keo. Hier war wieder der Baumeister von Ta Prohm am Werk und Ta Keo ist seinem Lehrer gewidmet. Ta Keo liegt ein bisschen abseits der großen Touristenströme und daher herrscht hier auch noch so etwas wie eine sakrale Stimmung. Kaum Händler, die etwas verkaufen, ein großes Nest wilder Bienen, das hoch an einem Baum in Eingangsbereich hängt. Andauernd zirpen die Zikaden in der trägen Mittagshitze.
Freya hat nach dem Essen Kaugummis gekauft, damit sie nicht immer nur "No, thank you" sagen muss. Wenn sie das mit einem Kaugummi versüßt, gucken die Kiddies wenigstens nicht mehr so traurig - hofft sie jedenfalls.
Jetzt wollen wir noch zu einem außerhalb gelegenen Tempelkomplex fahren und stoppen auf dem Weg dorthin bei einer Palmzucker-Verarbeitung. Wir sehen, wie die Palme "gemolken" und dann der Saft über einem Feuer langsam eingedickt wird und probieren vom Saft der Palmfrucht. Auch von dem Palmzucker, den wir schon aus Myanmar kennen, und der wirklich sehr lecker schmeckt, kaufen wir etwas. Hier bekommen wir auch gezeigt, wie Cashew-Nüsse aussehen, wenn sie noch nicht in der Dose sind.
Bei Banteay Srei, der Citadel of the Women, erzählt uns unser Guide eine seiner langen Geschichten aus dem Hindu-Sagenkomplex. Hier geht es um den Krieg zweier Affenbrüder, der aus einem Missverständnis entsteht und der erst beendet wird, als sich Krishna mit dem jüngeren der beiden Affenbrüder verbündet, nachdem dieser ein ganzes Jahr nur geweint hat. Die Geschichte wird anhand eines Steinmotivs erzählt und endet dann ganz abrupt damit, dass der ältere Affenbruder von einem Pfeil getroffen wird und stirbt.
Auf unserem Rückweg machen wir Halt bei Banteay Samre. Beeindruckend hier der lange Weg, auf dem man sich dem Tempel nähern kann. Dieser Weg liegt nicht am jetzigen Eingang und man muss erst einmal ein Stückchen um den Tempel gehen, bis man den Paradeweg erreicht. Wir laufen in der Ruine herum, die in der weichen Strahlung der Nachmittagssonne richtig leuchtet.
Anschließend halten wir bei einem Straßenverkäufer und teilen uns mit Fahrer und Guide eine Wassermelone. "Watermillion" wie unser Guide so nett sagt
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Zum Sonnenuntergang werden wir zu Pre Rup gefahren. Wobei wir beide den Sonnenuntergang von einer Tempelspitze herab nicht sooo prickelnd finden. Wir sitzen ja quasi auf dem Motiv und Sonne vor Gebüsch ist halt eben ein bisschen langweilig. Gott sei Dank taucht dann aber ein Mönch auf und postiert sich so, dass doch noch ein nettes Foto entstheht.
Abends hatten wir dann im Hotel leckeres Fischcurry in Bananenblatt vorbestellt. Mmhhhh.
Wie immer geht es früh ins Bett. Morgen wollen wir nämlich ein bißchen früher los und den Tag in Ta Keo beginnen. Da waren wir zwar schon, aber in der unwirklichen Morgenstimmung wirken die Mauerreste einfach schöner.
Während Jürgen auf der Jagd nach Fotomotiven ist, geht Freya einer ihrer Lieblingsbeschäftigungen nach - Leute ausfragen. Heute ist es der Guide, mit dem sie sich zu einem Schwatz in eine ruhige Ecke gesetzt hat. Das Gespräch geht über Frankreich, Thailand, Vietnam und Pol Pot, kommt dann zum 2. Weltkrieg, macht einen Schlenker zu Geschwistern und, und, und. Ein richtiges Hölzchen und Stöckchen-Gespräch wie Freya es liebt.
Während dessen hat Jürgen den Tempel schon wieder verlassen und beobachtet wie eine Arbeitsbrigade versucht den Eastern Baray von Wasserpflanzen zu befreien und so ein völliges Verlanden zu verhindern.
Bei Ta Som verschenkt Freya ihre letzten Kaugummis an die anwesenden Kinder. Der Tempel ist wieder sehr ruhig und hier sind Teile der Anlage auch wieder von Baumwurzeln überwuchert, was ja wirklich immer sehr gut aussieht.
Aber wir sind nicht in Kambodscha um Pause zu machen, also weiter nach Neak Pean, einem so genannten Hospital. Hier wurde mit Wasser und Kräutern geheilt und die Kranken je nach Krankheit in einen der vier Räume eingeteilt. Vier Wasserspender gibt es hier, die jeweils einem der vier Elemente zugeordnet sind. Der Elefant dem Wasser, das Pferd der Luft, der Mensch der Erde und der Drache dem Feuer. Wir hören auch wieder Geschichten von Drachen und dass der Bau in der Mitte des Barrays die Erde symbolisiert.
Freya schwächelt. So gegen 10:30 Uhr wird es geradezu unanständig warm. Aber weiter, weiter. Der nächste Tempelkomplex, Preah Khan, liegt nicht direkt an der Straße. Wir laufen an Händlern entlang und Freya will immer noch keine Armreifen - immer lächeln, immer freundlich - grins.
Dieser Tempel ist kreuzförmig aufgebaut, und je näher wir der Mitte kommen, umso niedriger werden die Türrahmen. Das dient dazu, dass man den Kopf beugt, wenn man zum Heiligtum kommt. Hier haben wir dann auch endlich einen kompletten Lingam. Die ganze Zeit waren immer nur die Unterteile dazu zu sehen. Hier nun ein komplettes Beispiel für den Glauben, das alles aus der Vereinigung des Männlichen mit dem Weiblichen hervorgeht.
Alte Steine, Ornamente in Stein gehauen, wunderschön, doch teilweise kann sie die Schönheit schon nicht mehr zuordnen. Sind wir jetzt schon "Templed out"? Gott sei Dank ist es der letzte Komplex vor dem Mittagessen.
Nach dem Essen fahren wir in Richtung des Ortes Siam Reap, was übrigens übersetzt so viel heißt wie "hier haben wir die Siamesen vertrieben", und bekommen auf dem Gelände des modernen Buddha-Klosters ein "Killing Field" gezeigt. Sozusagen in einer Vitrine sind hier auseinander genommene Skelette aufgeschichtet. Grausig! Und an der Wand einfache Zeichnungen, die zeigen wie das Töten der Menschen vor sich ging. Die Wedel der Palmfrucht-Palme mit ihren scharfen Zähnen wurden als Messer genutzt um Menschen den Kopf abzuschlagen, kleine Kinder einfach gegen einen Baum geschleudert ... Alle die Menschen auf den Fotos - tot. Im Klosterraum selbst, heute mit grellbunten Buddha Bildern an Decke und Wänden, wurden früher die Menschen eingesperrt und gefoltert. Unser Guide entschuldigt sich dafür, meint aber, dass er uns das unbedingt zeigen wollte.
Dann kommt der aufgeschobene Höhepunkt des Tages: Angkor Wat, der größte und auch berühmteste Tempelkomplex bei Siam Reap. Wir nähern uns dem imposanten Bauwerk über die Brücke, die über den ziemlich breiten Wassergraben führt. Uns beschäftigt immer noch das vorher gesehene und so versucht uns unser Guide aufzuheitern indem er erzählt, dass immer wieder Leute beim Überqueren des Wassergrabens durch Unachtsamkeit ins Wasser fallen. Hierzu muss man wissen, dass die Steinbrücke zwar kein Geländer hat, nichts desto trotz aber etliche Meter breit ist.
Nach dem Überqueren der Brücke geht man durch ein Tor und hat immer noch eine beachtliche Strecke bis zum eigentlichen Bauwerk zurückzulegen. Der innere Teil der Mauer umfasst laut Auskunft unseres kleinen Tempelbüchleins einen Quadratkilometer. Wir gehen immer noch auf einem erhöhten Weg direkt auf den Tempel zu. Rechts und links, tiefer liegend, Rasen und zwei kleinere Gebäude.
Ganz links ist eine Straße mit Läden und wir greifen wegen der großen Hitze gerne bei den überteuerten aber kalten Getränken zu.
Dann betreten wir den Tempel und laufen im äußeren Bereich an den großartigen Wandreliefs vorbei. Auch hier bekommen wir wieder einen Teil der Rama-Wishnu-Story erzählt und an der Wand auf der Himmel, Erde und Hölle dargestellt sind meint unser Guide plötzlich: "und da ist der Gott des Todes, hat seinen Laptop auf dem Schoß und guckt nach, ob der da vor ihm gute oder böse Taten begangen hat."
Auch die Götter, die bei dem Meer aus Milch nur auf der Ersatzbank Platz finden, finden wir klasse. Den Namen vom Opa vom Hanuman (das ist der Affenkönig, der Shiva hilft, seine Sita zu befreien) können wir uns leider nicht merken, doch auch der ist bei der Milchstory kräftig dabei, die Dämonen über den Tisch zu ziehen.
Teilweise sind hier Einschusslöcher zu sehen, die noch aus der jüngsten Zeit stammen, als vietnamesische Soldaten zur Übung auf die Wand geschossen haben. Glücklicherweise hält sich der so entstandene Schaden aber in Grenzen.
Dann aber wird es Ernst. Es geht eine Etage höher, über eine steile Holztreppe, die über die abgelaufenen Steine gesetzt wurde. Jetzt sind wir im Zwischenstockwerk. Aber es geht noch höher. Viele, steile Stufen führen nach ganz oben. Hätten wir uns ansatzlos auf den Weg nach oben gemacht, hätte Freya sicher nicht gezögert, auch ganz nach oben zu steigen. Wir kreisen aber zunächst einmal in diesem Zwischenstock und nachdem Freya sieht wie die Leute nach unten kommen verzichtet sie auf den Aufstieg. Dafür setzt sie sich an die Abstiegsseite (mit Geländer) und macht Fotos.
Während dessen muss Jürgen natürlich nach oben krabbeln.
Wobei das Ganze wirklich so aussieht. Die Stufen sind steil und schmal, aber solange man nicht groß nachdenkt gut zu schaffen (der Muskelkater folgt ja erst am nächsten Tag).
Oben gibt es dann Räume, Buddhas und einen Innenhof. All dies hätte anderswo schon für einen eigenen Tempel gereicht.
Hinunter geht es theoretisch auf jeder Seite. Aber auf der einen hatten die Kambodschaner ein Einsehen und haben ein Metallgeländer befestigt. Dort will jetzt natürlich jeder runter. Also steht man oben in einer Schlange, hat viel Zeit sich die schmalen, scheinbar fast senkrechten Stufen anzusehen und dann festzustellen, dass das Geländer nicht wirklich hilft wenn man größer als 1,50 m ist. Jürgen wäre beim nächsten Mal jedenfalls lieber wieder auf allen Vieren heruntergekrabbelt.
Den Rest des Tages verbringen wir an der großen Wasserfläche außerhalb des Tempels und beobachten die Türme in der Wasserspiegelung. Während Jürgen sein Foto-Objekt im Sucher hat, unterhält sich Freya mal wieder angeregt mit dem Guide. Da geht es um Philosophie, Politik, Geschichte und alle weiteren Themen, die da irgendwie angrenzen. Unser Guide ist intelligent, gebildet, hat Jura studiert und kann und möchte über alles reden. Nebenbei ist er neugierig wie sie selbst: Er spricht eine Familie mit drei kleinen Kindern an, um das Alter der Kleinen zu erfahren. Erzählt, dass er keine Freundin hat und fragt dann allen Ernstes, ob der junge Mann da vorne größer sei als er. Klar ist er das, doch Freya versucht es erst einmal diplomatisch. "Das kann ich nicht beurteilen, dafür müsstet ihr nebeneinander stehen." Doch das ist für den Guide nur ein nachrangiges Problem. Schwupp stellt er sich neben das Vergleichsobjekt und ist natürlich kleiner. Macht aber doch nichts in einer Gegend wo Frauen mit einer Größe knapp über einem Meter und vierzig keine Seltenheit sind
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An unserem letzten Tag lassen wir uns nach dem Frühstück am frühen Morgen nach Ta Prohm fahren und verbringen dort fast zwei Stunden ungestört von den Touristenschwärmen. Früh am Morgen sind die meisten bei den typischen Sonnenaufgangs-Locations. Hier trifft man dagegen immer nur Einzelne, meist Pärchen. Dafür ist es jetzt noch schön kühl und die tief stehende Sonne zeichnet Schattenmuster auf die halb im Urwald stehenden Ruinen.
Anschließend machen wir uns langsam und zu Fuß wieder auf den Weg zurück nach Angkor Thom, stoppen an der alten Brücke, einem klitzekleinen Wat auf der linken Straßenseite, beobachten eine Ente, die mit ihren vielen Jungen gemütlich den Weg entlang watschelt, werden aufmerksam von einem Parkwächter beobachtet, der so gar nicht glauben kann, dass wir hier ohne jeglichen fahrbaren Untersatz unterwegs sind und gehen zielgerichtet immer weiter in Richtung des Osttores von Angkor Thom.
Überhaupt ist unser Vormittag ein voller Erfolg. Ein Polizist wollte uns schon auf seinem Motorrad mitnehmen - ja ja in Asien ist es halt üblich, zu dritt oder auch zu viert auf so auf dem Motorrad zu fahren. Aber wir sind einfach nur ganz entspannt neben der Straße hergelaufen.
Kurz vor der Elefantenterrasse werden wir von einer der Restaurantbesitzerinnen im wahrsten Sinne des Wortes abgefangen. Sie macht das aber so lieb und freundlich, dass wir mit ihr mitgehen und uns bei ihr hinsetzen. Hier bekommen wir auch mit, warum sie uns entgegengegangen ist: So wie wir ankamen, war sie die erste, die uns sehen konnte und da die meisten Leute von der anderen Seite kommen, ist sie bei ihrer Lage immer eher ein wenig benachteiligt. Das Restaurant befindet nämlich sich im L-Knick und ist das letzte der kurzen Seite vor der Elefantenterrasse.
Jetzt kommt aber das Essen und das ist wirklich fein. Freyas "Suppen-Curry" nach Khmer-Art kommt in einer ausgehöhlten Kokosnuss und sieht nicht nur lecker aus, es schmeckt auch so. Jürgen ist auch angetan. Seine Mahlzeit ist in viel Öl angebraten, und das liebt er ja sowieso.
Wir bleiben noch eine gute Weile sitzen (wer will schon in der prallen Mittagssonne herumlaufen), raffen uns aber dann doch auf und gehen nochmals in den Bayon-Tempel.
Wir hatten ja anfangs Angst wegen der vielen Touristen hier. Aber viele kommen mit Bussen. Die kommen an, werden durch die Tempel hindurchgeschleust und schwups ist es vorbei und der Tempel ist wieder leer - oder fast. Das Ganze hängt natürlich auch ein wenig vom Bekanntheitsgrad der Anlage und der Uhrzeit ab.
Also irgendwie fanden wir es nie schlimm. Wir kommen auf die Frage, was denn nun unser Favorit in Bezug auf die Tempel ist. Wir schwanken zwischen Ta Keo, Ta Prohm und dem Bayon. Angkor Wat ist mit allen dreien schon wegen der Größe überhaupt nicht vergleichbar.
Am Waldrand an der Straße zum Südtor treffen wir auch auf die quirlige Affenherde, die wir schon seit zwei Tagen immer wieder mal aus dem Auto heraus sehen konnten. Viele junge, teilweise ganz kleine Äffchen sind hier. Auch eine junge kambodschanische Familie beobachtet sie und eine Gruppe von, wir vermuten wegen der Zeit und wegen der Kleidung, Schulschwänzern, hat ebenfalls ihren Spaß.
Wir gehen weiter an der Straße entlang und kommen gerade durch das Südtor, als plötzlich ein Mann mit einem Motorrad an uns vorbeifährt, auf dem hinten zwei Schweine liegen. Sofort wird er von Touristen bestürmt, stehen zu bleiben und sich fotografieren zu lassen. Das macht er dann auch mit sichtbarer Freude und wir schließen uns der fotografierenden Meute an. Einfach mal ein anderes Motiv als immer nur antike Steine.
Wir besteigen noch einmal den Berg vom ersten Abend. Doch auf den Wat krabbeln wir nicht mehr. Der Wat ist schon toll, doch nach all dem, was wir in den letzten Tagen gesehen haben, fällt er ab.
Oben hören wir ein paar Arbeiter singen und da meint Freya, dass sie Jürgen noch gar nicht erzählt hat, dass sie gestern, als sie sich so lange mit Hrit unterhalten hat, auch ein Lied gehört hat. Hrit meinte, dass das ein ganz romantisches Lied in Kambodscha wäre. Von einem Mann, der zu seiner Liebsten geht und aufzählt was er sich alles wäscht. Hrit hat also angefangen mit Gesicht, Hals, Hände, unter den Armen und sagt dann "und so weiter". Freya meinte nun zu Jürgen, dass sich das doch eher wie eine Arbeitsanweisung angehört hätte, woraufhin Jürgen nur grinsend entgegnet, dass die Romantik wohl in der Übersetzung verloren gegangen ist.
Wieder unten, und in gleicher Richtung weitergelaufen, sehen wir schon bald den Wassergraben, der Angkor umfasst. So langsam spürt Freya ihre Füße, aber bis auf den letzten Aufstieg - den sie sich ja schon am Tag zuvor geschenkt hat - läuft sie alles brav noch einmal mit Jürgen ab.
Nach Sonnenuntergang treffen wir am verabredeten Ort auch unseren Fahrer und verbringen dann auch diesen Abend im Ressort, wo es für uns als Abschiedsgeschenk jeweils ein T-Shirt gibt.
© Jürgen & Freya Blösl, 2005-2010
letzte Überarbeitung: 15.01.2010
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