Reisebericht Indien / Nepal
1998
Wir haben zwar erst den Wecker auf vier Uhr gestellt, um eventuell doch bei der Fahrt auf dem Ganges teilzunehmen, irgendwann nachts aber dieses Vorhaben aufgegeben. Wir haben dann den ganzen Tag ruhig im Bett verbracht. Jürgen sind sogar die Kosten für das Frühstück erlassen worden, weil seine Farbe so sehr gegen grünlich geht und er, gerade nachdem er einen halben Toast gegessen hat, aufspringt und unter den interessierten Augen der anwesenden Kellner auf die Toilette eilt. Das für den Abend angesetzte Treffen der Gruppe haben wir dann auch ausgelassen. Irgendwie war uns nicht so nach Gruppenunterhaltung.
Am nächsten Morgen geht es uns schon etwas besser und so haben wir den Ausflug zum buddhistischen Heiligtum mitgemacht. Doch dann sind wir wieder zurück ins Hotel. Freya hat keine Lust sich mit empfindlichem Magen rituelle Verbrennungen anzusehen oder gar irgendwelche Reste davon im Ganges herumschwimmen zu sehen. Auch sonst fühlt sie sich dem ganzen Ansturm von Bettlern und Schleppern nicht gewachsen. Jürgen geht es besser und er wäre zumindest mal in die Stadt gegangen. Dafür gehen wir abends außerhalb des Hotels essen und nähern uns so langsam wieder der Normalität.
Seit ein paar Tagen ist es klar, daß wir nicht über Land nach Nepal einreisen, sondern von Varanasi aus nach Kathmandu fliegen, um dann von dort aus in ca. fünf Stunden den Dschungel im Terai zu erreichen. Wir werden also um 10.30 Uhr von unserem Bus vor dem Hotel abgeholt. Ein Mann mit zwei dressierten Affen steht auch da und läßt sie wie Puppen tanzen. Die armen Tiere.
Der Flughafen ist klein. Dafür schlägt die indische Bürokratie Kapriolen. Koffer sammeln und zählen, Boarding-card besorgen, Kofferabschnitte in Empfang nehmen, Paßkontrolle, Devisenkontrolle, Sicherheitskontrolle, noch ein, zwei Stempel und noch mal die Überprüfung, daß auch alle Koffer auf dem Gepäckwagen sind.
In der Maschine bekommen wir noch vor dem Abheben von den Stewardessen ein Lunch-Paket ausgehändigt, über das sich einige von uns auch tatsächlich schon vor dem Abflug heißhungrig hermachen. Beim Anflug auf Kathmandu sitzen wir zwar auf der richtigen Seite, aber das weiß der Himmel über Nepal wohl nicht. Er hüllt sich und den gesamten Himalaja in Wolken.
Auf einmal ist doch nicht klar, ob wir eine Nacht hier in der Stadt verbringen oder ob wir gleich nach der Landung in den Chitwan Nationalpark gekarrt werden. Dann aber geht es doch gleich in den Park, was bedeutet, daß wir dort zwei volle Tage haben werden.
Nepal scheint sauberer zu sein als Indien. Zumindest sind die Häuser an denen wir auf einer gut ausgebauten Straße vorbeifahren nicht so bau- und hinfällig wie in Indien. Nachdem wir aus dem Kathmandu-Tal heraus sind, geht es Kurve um Kurve bergab und auch hier sieht man, daß der Regen in den letzten Wochen einiges von der Straße weggespült hat.
Wir machen Rast in einem Ort namens Mugling, und nehmen in einem Lokal an der Straße ein einfaches Essen zu uns. Uns geht es wieder ziemlich gut und wir finden es schön zu sehen, daß es hier Kinderschokolade gibt und Twix und Snickers. Wir fühlen uns dann aber doch nicht so gut, als das wir dieses Experiment machen und von der gut erhitzten Schokolade probieren.
Während der ganzen Fahrt sitzt Chris hinter uns und sie schwatzt und schwatzt und schwatzt. Wie man nur soviel erzählen kann ! Dann wird es dunkel, passend dazu wird auch die Straße immer schlechter und Jürgen behauptet, daß uns noch eine abenteuerliche Flußüberquerung und eine Sandpiste bevorsteht. Freya hofft, daß nicht allzuviel davon wahr ist.
Plötzlich fängt Chris, die fleißig dem im Kathmandus duty-free gekauften Whisky zugesprochen hat, an zu maulen. Von Djoser im allgemeinen, der verpaßten Zugfahrt im Pink Train, von der Tatsache, daß wir im Reisebus fahren und nicht mit dem Jeep geht es bis zu der Tatsache, daß in der Reisebeschreibung irgendwas von Ochsenkarren stand. Als dann kurz darauf der Bus stoppt und Michael sagt "Jetzt beginnt das Abenteuer" , paßt ihr das aber auch nicht. Sie will nämlich ihr Abenteuer im Hellen. Spätestens hier geht sie uns gehörig auf den Keks und wir schlagen ihr vor Djoser für die Dunkelheit in der Nacht haftbar zu machen.
Wir packen unsere Rucksäcke aus ihrer Umhüllung und haben den schweren Rucksack auf dem Rücken und den Tagesrucksack auf dem Bauch. So überqueren wir den Fluß auf einer schmalen Holzbrücke der auch noch ein paar Dielen fehlen ! Jürgen hat eine Taschenlampe und leuchtet den Weg. Puh !
Auf der anderen Seite nehmen uns die Jeeps in Empfang, und wirklich, es kommt die Fahrt mit dem Jeep über die Sandpiste. Nach etwa zehn Minuten sind wir bei unserer Lodge und sitzen im Rundhaus. Uns gefällt es gut. Einige von uns trinken noch etwas während Michael abklärt, was an Ausflügen angeboten wird.
Unser Zimmer ist ziemlich groß, einfach aber nett und, wie sich in den nächsten Tagen herausstellen sollte, mit nicht ganz dichtem Dach.
© Jürgen & Freya Blösl, 1998-2011
letzte Überarbeitung: 10.06.2011
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