Freya & Jürgen Blösl

Reisebericht Indien / Nepal
1998

1. Start mit Hindernissen

Samstag 19.09.98

Heute geht es nach Indien und auf dieses Ziel haben wir uns seit Monaten mit Lesen, Rucksackkauf und Impfungen vorbereitet. Wir wollen insgesamt dreieinhalb Wochen in Indien und Nepal verbringen. Erst wollten wir nur nach Nepal und dort trecken, aber andererseits haben wir das noch nie gemacht und in Nepal herauszufinden, daß man diese Art des Urlaubs vielleicht gar nicht mag war uns zu doof. Also doch ein Mittelding aus Kultur und Natur. Zumal eine Anreise über Indien billiger ist und uns das Taj Mahal und die anderen Sehenswürdigkeiten sowieso interessieren.

Da hat sich dann diese Tour von Djoser-Reisen angeboten, die wirklich alle Orte, die wie unbedingt sehen wollen mit im Programm hat und uns außerdem das Organisieren erspart.

Das ganze soll von Frankfurt über Paris (mit Air France) nach Delhi (mit Air India) gehen. Von dort aus dann mit dem Zug nach Jaipur und anschließend etwa zwei Wochen mit dem Bus durch Nordindien. Immer mit ein, zwei Tagen vor Ort um sich alleine oder in Gruppen umzusehen. Der ursprünglich vorgesehene Bustransfer nach Nepal wurde schon eine Woche vor Reiseantritt gecancelt, weil die Strecke überschwemmt ist. Also per Flieger nach Kathmandu und dann wieder per Bus ins Terai, nach Pokhara und ins Kathmandu-Tal. Zurück wieder über Delhi und Paris nach Frankfurt.

Die Stewardeß am Air France Schalter ist zwar wirklich lieb und versucht uns direkt nach Delhi durchzuchecken, aber nach etwa zwanzig Minuten eingeben, ausdrucken und neu probieren ist sich Freya nicht so sicher, ob eine Unterhose im Tagesrucksack nicht vielleicht doch eine gute Idee gewesen wäre. Dieser Gedanke verfestigt sich später noch, als Chris, die im Flieger eine Reihe vor uns sitzt meint, daß diverse Rucksäcke nicht mitgenommen werden. Drei, manchmal vier Männer stehen am Flieger um einige dieser Gepäckstücke herum und versuchen zu entscheiden, ob der Klumpatsch nun mitgenommen wird oder nicht.

Einen Teil der Gruppe, der wir in den nächsten dreieinhalb Wochen angehören, haben wir auch schon kennengelernt. Chris, die von ihrer Tochter an den Flughafen begleitet wird, hat uns bereits beim Einchecken in Frankfurt angesprochen. Arnold und Ursula stoßen dann kurz darauf dazu und Markus ist dann hier in Paris dazugekommen. Wir haben im Duty Free von Paris Whisky in kleinen Flaschen gekauft (zur vorbeugenden Keimtötung). Leider ist es hier aber noch teurer als in Frankfurt.

Jetzt sitzen wir hier am Flughafen Charles de Gaulle in Paris und warten auf die nächste Durchsage. Die Maschine nach Delhi hat nämlich schon zwei Stunden Verspätung und es wird wohl noch darüber diskutiert ob wir diese Nacht in Paris übernachten oder doch noch losfliegen. "Wo unsere Koffer jetzt wohl sind?" fragt Chris. Das wüßten wir auch gerne ....

Nur zehn Minuten später ist alles entschieden und wir hören mit wachsendem Entsetzen, daß wir unsere Koffer am Band Nr. 5 erhalten und dann am Gate Nr. 8 einen Voucher für Abendessen, Übernachtung und Frühstück bekommen. Alle Infos natürlich in kaum verständlichem Englisch oder Französisch.

Freyas Rucksack ist schnell da, aber wir warten und warten auf den von Jürgen. Als wirklich alle um das Band stehenden Leute bis auf zwei junge Frauen ihre Koffer oder was auch immer haben, kommt Freya auf die glorreiche Idee, zur Aufsicht zu gehen. Auf dem Weg dorthin stehen die bereits vom Band genommene Gepäckstücke und - Jürgens Rucksack. Nett wie er ist, geht er zurück zu den beiden Frauen und sagt ihnen das. Dann aber los zum Schalter 8.

Hier klumpen sich schon alle Passagiere des gecancelten Fluges. Freya nimmt Tickets und Pässe und stellt sich an. Jürgen soll mit dem Gepäck einen ruhigen Platz aufsuchen. Doch statt dessen hat der einen Schalter gefunden, der gerade neu aufgemacht wird. In Gruppe (wir sind mittlerweile fast vollständig) postieren wir uns vor dem Schalter, erhalten die Voucher und hören, daß es wahrscheinlich erst in zwei Tagen weitergeht, man sich aber um eine andere Lösung bemüht. Na Klasse.

Geschlossen marschieren wir zur Bushaltestelle und fahren dann mit einem Air France Bus zum Hotel Sofitel, einer Bettenburg direkt am Flughafen. Hier soll es um 20.00 Uhr ein Essen geben, das aber bis auf die Vorspeise eher enttäuscht und doch sehr an Fliegerkost erinnert. Sogar den Wein gibt es in Plastikbechern. Dabei hatte Jürgen schon gegrinst und blöde Bemerkungen über Glück im Unglück gemacht. Auch Freya hatte sich schon gewissen schwelgenden Gedanken hingegeben zum Thema Abendessen in einem französischen Hotel. Na ja, wäre wahrscheinlich organisatorisch gar nicht abzuwickeln gewesen.

Sonntag 20.09.98

Als wir uns gegen 8.00 Uhr in der Halle treffen, steht schon eine Tafel da, auf der der weitere Tagesverlauf für uns vorgegeben wird:
     08.30 h Frühstück
     12.00 h Mittagessen
     13.15 h Abfahrt zum Flughafen
Wir nutzen die Zeit nach dem Frühstück zu einem Nickerchen. Wenn wir einen Tag später in Delhi ankommen heißt das: "Raus dem Flieger, zum Bahnhof in den Pink Train." Also Kräfte sammeln für das was kommt.

Das Mittagessen kann auch nicht überzeugen. In diesem Hotel müssen Tonnen von Seelachsfilets eingefroren sein. Und das bei französischer Esskultur. Pfui!

Aber dann, nix wie los. Wir wuchten unsere Rucksäcke in die Auffahrt, hinunter zum Bus. Rein ins Gepäckfach und zum Flughafen. Dort angekommen stürmen wir in Richtung Abfertigungsschalter und haben das Pech, in der falschen Schlange anzustehen. Vor uns checkt nämlich eine Gruppe ein und es fehlt anscheinend immer der, dessen Koffer auf dem Band ist. Na ja, als wir dann drankommen klappt der Kofferabtransport nicht - eine Freude. Endlich sitzen wir alle im Flieger. 25 Stunden Verspätung - was ist das schon.

   

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© Jürgen & Freya Blösl, 1998-2010
    letzte Überarbeitung: 15.01.2010

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