Freya & Jürgen Blösl

Reisebericht Indien / Nepal
1998

8. Abenteuer in Pokhara

Montag, 5.10.98

Wir treffen uns um 7.15 Uhr in der Hotelhalle und sind enttäuscht. Das Anapurna-Massiv, das uns ja gestern schon ein Zipfelchen gezeigt hat, ist heute einfach nicht da. Da, wo es sein sollte, befinden sich Wolken. Mist. Also ändern wir unsere Pläne: Erst mal keine Fahrt auf dem See mit anschließender Wanderung zum höher gelegenen Tempel. Statt dessen laufen wir nach dem Frühstück in einem italienischen Restaurant in entgegengesetzte Richtung durch die Stadt zum Bhadrakali-Tempel und wollen danach zur Post und anschließend zum See. Aber es kommt alles ganz anders.

Der Weg zum Tempel führt durch eine nette Gegend und wir haben viel zu gucken. So sehen wir zum Beispiel Männer, die auf der Straße ein Schwein geschlachtet haben und es nun in einem Bach neben der Straße auswaschen. Jetzt wissen wir einmal mehr, warum wir in diesem Urlaub weitgehend auf Fleisch verzichten. Obwohl - geholfen hat es ja nichts.

hinduistische HochzeitIm Bhadrakali-Tempel wird mit viel Tamtam und fremdartiger Musik eine hinduistische Hochzeit gefeiert. Die Abläufe verstehen wir nicht, aber zusammen mit einigen anderen Touristen und vielen Einheimischen sehen wir dem lauten Treiben zu.

Kurz zuvor haben wir einen Wegweiser nach Sarankot gesehen, einem auf der nächsten Anhöhe gelegenen Ort, an dem wir morgen früh den Sonnenaufgang erleben wollen. Wir haben uns in der im Hotel aushängenden Liste jedenfalls dafür eingetragen. Aber 4,8 Km, das machen wir locker, auch wenn es 900 Höhenmeter sind. Zudem ist das Wetter immer noch bedeckt. Wir kaufen noch Wasser und nachdem wir ein paarmal unseren Standardspruch: "no rupees, no shampoo, no sweets and no guide" aufgesagt haben, sind wir auf dem Weg die gewundenen Straße nach oben.

Das zieht sich ganz schön. Kinder winken uns zu und rutschen auf Plastikteilen auf der Straße herunter. Langsam fangen wir an zu schwitzen und so ab 10 Uhr wird es immer schöner. Wir rasten ab und an und nutzen dann auch die schattigen Plätze der Straße aus. Eigentlich könnten wir einen tollen Blick auf die Berge haben, ja wenn sie zu sehen wären. So schaut aber nur ab und zu eine Gipfelspitze aus den Wolken hervor. Gewöhnen müssen wir uns noch daran, daß, obwohl wir schon eine ganze Ecke höher sind, immer noch stark nach oben schauen müssen um die Gipfel zu sehen. Aber 8000 Meter sind halt trotz einiger Kilometer Luftlinie eine ganze Menge.

Oben im Ort machen wir Rast, trinken Cola, genießen den Rundblick und steigen auch die vielen Treppen hoch, die in das Oberdorf führen. Das Kloster auf dem Berggipfel schenken wir uns aber, weil die Berge immer noch in den Wolken liegen.

Mittlerweile ist es Mittag und wir steigen den Berg auf der anderen Seite in Richtung See hinab. Große Libellen, Schmetterlinge und schöne Blüten begleiten uns auf unserem Weg über Natursteintreppen und schmalen Trampelpfaden. Witzig ist, daß selbst an der einsamsten Hütte mitten in den Reisfeldern das Schild 'Cold Drinks' hängt. Der Weg ist ganz schön steil, Bäche überqueren ihn und Jürgen rutscht sogar mal auf einem nassen Stein aus und hat dann einen wunderhübschen Abdruck auf der hellen Hose.

An einer Quelle will sich Jürgen mit frischem Wasser erfrischen, als die anderen plötzlich hören: "Na zu euch will ich aber nicht". Drei Wasserbüffel stehen bis zum Hals an dieser Stelle im Wasser. Also nix mit Frische. Weiter geht's.

Mittlerweile ist der Himmel wolkenlos und wir, natürlich ohne Sonnencreme gestartet, verbrennen uns ganz schön. Unten angekommen machen wir erst einmal Rast. Dann müssen wir aber noch ein gutes Stück durch die grelle Sonne am Ufer entlang marschieren, bevor wir wieder in Pokhara sind. Nach einem großen, frischen Fruchtsaft geht es zurück zu unserem Hotel.

Nach etwa 1 1/2 Stunden treffen wir uns dann ohne Date mit fast allen anderen der Gruppe auf dem Dach, von wo aus man den besten Blick auf den Macchapuchare erhaschen kann.

Dienstag, 6.10.98

auf dem SeeDer heutige Tag hat uns dann das Abenteuer Wildnis gebracht. Alles fängt damit an, daß wir uns heute morgen das Aufstehen um 4 Uhr und die Fahrt zum Sonnenaufgang nach Sarankot geschenkt haben. Das war unser erster Fehler. Strahlend klar ist das Anapurna-Massiv nach dem Aufstehen zu sehen. Na ja, also zusammen mit Arnold und Ursel gefrühstückt und uns ein Boot inklusive Ruderer gemietet. Wir haben einen wunderschönen Blick auf die Berge und genießen es, langsam über den See zu gleiten.

Nach etwa einer halben Stunde lassen wir uns am Restaurant Typical aussetzen. Von da aus führt ein Weg ziemlich steil bergauf zur Friedenspagode. Die Pagode selbst ist eine Enttäuschung, oder besser eine Baustelle. Erst in etwa zwei Jahren ist mit der Fertigstellung zu rechnen. Aber man hat von da aus einen schönen Blick auf See und Berge. Mittlerweile liegen letztere aber schon wieder in den Wolken.

Für den Rückweg haben wir uns dann etwas ausgedacht. Wir möchten nicht den gleichen Weg zurücklaufen. Zum einen ist das ja eh langweilig und zum anderen war es schon bergauf ziemlich steil und glitschig. Wir wollen beim Devis-Wasserfall am Ende des Sees rauskommen und wissen auch so ungefähr die Richtung, die wir durch den Wald einschlagen müssen. Anfangs ist dieser Weg breit und klar und führt teilweise an einem Bächlein entlang durch den Wald. Dann wieder verengt er sich, ist aber immer klar zu erkennen. Es ist angenehm zu laufen, nicht so heiß und bei guter Luft. Wir sehen Frauen und Kinder im Wald die Holz sammeln, wir rufen ihnen "Namaste" zu und gehen dann weiter.

Aber irgendwie verlieren wir kaum an Höhe, es geht uns einfach zu langsam bergab und so verlassen wir den breiten Weg zugunsten eines schmaleren, der dafür aber steiler bergab führt und sich eher in Richtung See orientiert. Dann verliert sich so langsam der Weg und löst sich allmählich in Terrassen auf. Wir entdecken, daß die einheimische Fauna in Form von Blutegeln Gefallen an uns findet. Und bescheiden sind sie nicht: Als wir wieder im Hotel sind, zählt Freya 7 blutende Stellen am linken und 9 am rechten Bein. Jürgen zählt nach Aufforderung 12 am linken und 23 am rechten Bein und auch Arnold und Ursel muß es ganz schön schlimm erwischt haben. Freya besorgt sich einen Stock und schlägt auf die possierlichen Tierchen ein. Zum Schnicksen hat sie keine Lust mehr, nachdem sich einer bei Arnold an den Finger festgesaugt hat und der jetzt immer noch blutet.

Wir haben uns ganz schön verheddert. Noch weiter nach unten hat keinen Sinn, denn da ist keine Bootsanlegestelle und außerdem kein Weg. Also wieder zurück an die Stelle, wo wir unseren Weg verlassen haben. Es ist ein gutes Gefühl wieder auf dem richtigen Weg zu sein. Die letzten sichtbaren Egel werden vom Schuh vertrieben. Dann doch mal einen Jungen nach dem Weg gefragt und hinter einer Kurve geht es bergab und vorbei an Häusern und entlang einiger Reisfelder in Richtung zu dem Flüßchen, das die Staumauer aus dem See entläßt. Überqueren müssen wir das Gewässer auf unserer ersten und einzigen Hängebrücke. Doch selbst Freya macht das dann nicht mehr so viel aus, weil wir wohl immer noch ein paar der niedlichen Tierchen im Schuh haben und diese so schnell wie möglich los werden wollen. Wir kennen jetzt nur noch eine Richtung und die führt über diese Brücke zum Hotel. Wir machen aber dann doch noch eine kurze Rast und trinken Cola.

Dann aber ins Hotel. Beim Duschen haben uns dann tatsächlich noch zwei von den "Egelchen" verlassen. Offensichtlich waren sie auch noch nicht zum Zuge gekommen, so schlank wie sie waren. Das Bad sieht übrigens aus, wie beim Metzger nach dem Schlachten, weil alle Wunden wieder anfangen zu bluten. Unsere Pflaster reichen nicht aus, aber die Jodcreme stoppt die Blutung so nach und nach. Nach kurzer Pause geht es dann in den Ort zum shoppen und essen. Bei der Gelegenheit kaufen wir auch Mullbinden, die sich allerdings als unpraktisch erweisen, und Tanacomp-Ersatz.

Mittwoch 7.10.98

Heute haben wir die letzte große Busfahrt hinter uns gebracht. Das Annapurna-Massiv leuchtet zum Abschied klar in der Sonne während vor uns im Tal dichte Nebelschwaden hängen. Zügig geht es nach einer kurzen Fotopause bis kurz vor Mugling. In dem Dorf davor stoppt unser Busfahrer und legt sich unter den Wagen, warum auch immer. Dann aber geht es wieder weiter und hupend vorbei an den vielen anderen vorbeigezogenen Laster.

Keine Ahnung, was der bessere Platz ist, der am Abgrund oder der, der dem Gegenverkehr entgegen sieht. In Mugling machen wir dann Rast und schon liegt unser Fahrer wieder unter dem Auto. Nach einer Stunde geht es endlich weiter durch das Tal. Atemberaubende Abgründe gepaart mit rücksichtslosen Überholmanövern. Und so geht es weiter bis Kathmandu.

Nach der Ankunft im Hotel wollen wir gleich wieder ins Getümmel. Wir stürzen uns in das verwirrende Labyrinth der Altstadt und des Touristenviertels Thamel. Hier gibt es unzählige Läden mit Mandalas, die es Freya angetan haben und mit Klamotten, wobei dieser Stil seit etwa zwanzig Jahren out ist. Oder ist Hippi-Mode wieder im Kommen ? Wir sehen Schmuckläden, aber auch Läden, die Gebisse ausstellen, Geschirr und Gewürzläden. Eine bunte Kulisse. Über allem der Duft von Räucherstäbchen.

Hundeopfer - oder doch nicht Wir sehen hier zum ersten mal die nepalesischen Stupas, die uns die nächsten Tage verfolgen werden. Wir versuchen uns anhand des Dumont-Stadtplanes zu orientieren. Alles in allem ist das Straßengewimmel in Thamel halb so wild. Immer wieder werden wir angesprochen. War es in Indien "What is your name?", "Where do you come from?" hin zu "Rupees, pens, shampoo" etc., so geht es hier direkt ums Geschäft. Tigerbalm, Messer, kleine Schachspiele, T-Shirts, Hosen und so weiter. Auf dem Rückweg buchen wir noch den Flug rund um den Mount Everest und gehen dann in einem Lokal im Thamel essen.

   

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    letzte Überarbeitung: 10.06.2011

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