Freya & Jürgen Blösl

Reisebericht Indien / Nepal
1998

5. Die erotischen Tempel von Khajuraho

Sonntag, 27.09.98

Wir entscheiden uns dafür, nicht ganz so früh aufzustehen und laufen dann in Gruppe zum Ort. Unserer Reisebegleiter hat sich, was er uns vorher natürlich nicht bekannt gegeben hat, ein Fahrrad gemietet. Da wir aber mittags am Pool relaxen wollen, beschließen wir uns keines zu nehmen. Wir treffen uns also am größten Tempelkomplex und laufen zu den verschiedenen Hindutempeln mit den berühmten freizügigen Darstellungen. Die Tempel waren jahrhundertelang vom Dschungel überwuchert und so vor Zerstörung geschützt.

Tempelfiguren in KhajurahoHeute gibt es drei Tempelkomplexe, der größte in einem parkähnlichen, umzäunten Bereich. Michael hat den Fehler gemacht zuzusagen, daß er aus seinem Reiseführer vorliest und das tut er nun mit wachsender Begeisterung. Am dritten Tempel läuft die Gruppe aber auseinander. Ursel sucht immer noch die Darstellung von der Michael vorgelesen hatte, daß "das Pferd der beste Freund des Mannes ist". Und die Fotografen haben eh ihr eigenes Tempo. Klar bei den vielen Motiven. Wir bemerken interessiert, daß unser Reiseführer wirklich nur das Harmloseste an Darstellungen veröffentlicht hat. Sonst wäre er wohl im Erotik-shop gelandet.

Tempel in KhajurahoEs ist heiß. Der erste Tag ohne eine Wolke am Himmel. Der Liter Wasser ist schnell getrunken und noch schneller wieder ausgeschwitzt. Und dann geht es Schuhe aus, Schuhe an, denn in den Tempeln müssen die Sandalen ausgezogen werden, aber zum Barfußlaufen zwischen den Tempeln ist der Boden einfach zu heiß. Gegen mittag verlassen wir dann den Park und setzen uns mal wieder auf eine Dachterrasse, um zu essen und zu trinken. Hier gibt es bis jetzt die niedrigsten Thali-Preise. Thali ist so eine Art Probierteller mit indischem Gemüse, Joghurt und indischem Brot und wir haben bei vegetarischen Thalis eigentlich immer gute, aber auch immer andere Sachen bekommen.

Dann marschieren wir die 15 Minuten zurück zum Hotel. Vorher kaufen wir noch unsere Ration Wasser, das sind immerhin vier Liter, und scherzen mit den Rikschafahrern, die uns fragen, ob wir ihnen das Wasser verkaufen wollen. Anschließend wird wieder einmal das Hotelzimmer in eine Karawanserei verwandelt. Jürgen wäscht die Hosen und zwei dünne Hemden und wir spannen die Leine im Zimmer und hängen alles auf. Nun aber ab zum Pool. Chris, Ursel und Arnold liegen schon dort und wir kommen dazu, schwimmen, relaxen und sprechen mit einer indischen Familie aus Bombay, die so gar nicht verstehen kann, was wir in den nächsten Tagen in Varanasi wollen.

Abends haben wir dann wieder ein Rendezvous mit dem Sonnenuntergang. Henner, der später noch an den Swimmingpool kam, hat in seinem Reiseführer gelesen, daß ein kleinerer Tempelkomplex sich ganz in der Nähe unseres Hotels befindet. Unser Dumont weiß zwar nichts davon, aber gut. Wir gehen in die Richtung, aber trotz selbsternannten Führer, gibt es keinen Tempel in 5-10 Minuten Entfernung. Als der Führer uns dann auch noch falsch leitet und uns zum Südtempel und nicht zum südlichen Tempel führen will, brechen wir unterwegs ab und gehen zurück. Wir ärgern uns über die Rikschafahrer vor unserem Hotel, laufen zu Fuß in die Stadt und kommen naß geschwitzt an unseren Treffpunkt mit einigen anderen aus unserer Gruppe.

Wir essen zu Abend, aber Freya hat keinen Hunger - immer ein sehr bedenkliches Zeichen. Sie signalisiert Jürgen "Ab ins Hotel !" Jürgen sieht sie an, erkennt den Ernst der Situation, bezahlt und organisiert schnell eine Rikscha. Im Hotel angekommen geht es ihr total elend und sie wird etwa eine halbe Stunde betuttert und bemuttert und dann geht es Jürgen genau so schlecht.

Wir wechseln uns in dieser Nacht auf dem Klo ab und lassen das Licht im Bad brennen, damit wir auch ja schnell genug sind. Als dann der Wecker so gegen fünf klingelt, sind wir wie gerädert. Wir müssen ja auch noch packen. Wir nehmen jeder eine Immodium. Dann noch eine Aspirin und ab.

Montag 28.09.98

Wir hängen im Bus wie zwei Schluck Wasser und Freya ißt tatsächlich ein Fünftel von einem Salzkeks. Dann wieder nix. Nur Wasser. Trotz der holperigen Fahrt können wir schlafen. Bei der ersten Rast bleiben wir im Bus sitzen, bei der zweiten gehen wir kurz raus. Die Mägen rebellieren und was der Darm tut, wagen wir uns nicht auszudenken. Dann geht Jürgen auf die Rückbank, um sich etwas hinzulegen. Er hat inzwischen sogar schon zwei Bananen gegessen und gerade eben auch noch eine Immodium. Doch wenig später sagt sein Blick alles. Es ist zu spät. Er rennt fast nach vorne. Der Bus hält an und er geht ab in die Büsche. Sicherheitshalber ißt Freya dann auch noch eine Tablette, obwohl die Taktik mit gar nichts essen die effektivere scheint. Von Andrea erhalten wir dann gegen 18.00 Uhr noch eine Tablette. So haben wir nun wieder zwei und können je eine nehmen.

Die Landschaft, die wir durchfahren nehmen wir kaum wahr. Einmal sieht Freya beim Blick aus dem Fenster sechs oder mehr Geier auf einem toten Wasserbüffel in einer mit großen grauen Felsbrocken belegten Graslandschaft. Das entspricht unserer Stimmung.

Im Hotel in Varanasi angekommen gibt es erstmal Cola als Begrüßung. Das paßt ja, schließlich soll Cola stopfen. Naja, sie war zwar kalt und nicht abgestanden, aber nach all dem Wasser haben wir sie gerne genommen.
Mittlerweile ist es schon weit nach 20 Uhr und auch heute müssen wir feststellen, daß eine Zwischenübernachtung sehr angebracht gewesen wäre; auch bei besserem Gesundheitszustand.

Wir duschen und bekommen von Andrea und Christian noch Tabletten für isotonische Getränke, Kamillen- und Pfefferminztee und Kohletabletten: Eine ganze Hausapotheke und wir dachten schon, wir hätten viel dabei!

   

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© Jürgen & Freya Blösl, 1998-2010
    letzte Überarbeitung: 15.01.2010

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