Freya & Jürgen Blösl

Reisebericht Indien / Nepal
1998

9. Im Tal von Kathmandu

Donnerstag, 8.10.98

Wir treffen uns alle um 8.00 Uhr in der Hotelhalle und fahren dann mit dem Reisebus in die nähere Umgebung Kathmandus. Zuerst geht es nach Bodnath. Hier steht ein riesiger Stupa, eingezwängt in einem viel zu kleinen Platz, und drumherum wie immer Souvenirläden. Masken und Mandalas, Schmuck, Messer, Puppen - alles da. Freya will ja schon die ganze Zeit so ein Mandala und hier entdeckt sie jetzt welche, die es unbedingt sein müssen. Das Wetter ist noch sehr trübe und so sind wir nicht böse, daß wir hier nur einen relativ kurzen Aufenthalt haben.

Länger bleiben wir im Tempelbezirk Pashupatinath, 4 km östlich von Kathmandu. Hier gibt es Ghats wie in Varanasi und man darf, wenn es denn gerade anliegt, auch als Tourist bei Verbrennungen zusehen. Es liegt aber nicht an und deshalb sehen wir auch keine halbverkohlten Rümpfe wie einige von uns in Varanasi. Dafür aber wieder Verkaufsstände und Saddhus, mehr oder minder heilig. Jedenfalls sind sie sehr gerne bereit sich für Geld fotografieren zu lassen.

Hier wird gerade ordentlich zusammengefegt und dann wird der ganze Mist in den Fluß gekippt. Klasse. Je heiliger so ein Ort ist, um so schmutziger scheint er zu sein, obwohl Nepal im Vergleich zu Indien sehr sauber ist. Die Kampagnen der Regierung scheinen zu wirken.

Affen turnen über die Treppen, die wir hinaufsteigen, um den ganzen Bereich überblicken zu können. In den Tempelbezirk selbst haben Nicht-Hindus keinen Zutritt und auch von der Aussichtsplattform sieht man wenig. Wir gehen in ein kommunales Altenheim, eine alte Tempelanlage. Hier kann man Geld spenden für Essen, Pflege und Unterbringung. Das tun wir dann auch. Unserer Meinung nach sinnvoller, als es diesen professionellen Bettlern zu geben.

Unser nächster Halt dauert drei Stunden, was für diesen Ort immer noch zu kurz ist: Bhaktapur, eine Stadt an deren Ortseingang man dreihundert Rupees Eintritt bezahlen muß. Dafür gelangt man aber in eine alte Königsstadt, die gut erhalten ist, bzw. mit deutscher Hilfe seit 1972 wieder originalgetreu aufgebaut wurde.

Ohne zu übertreiben, aber hier könnte man fast vom Boden essen! Wir laufen durch die Stadt, sehen uns die Heiligtümer an - Freya verschwindet sogar im Nationalmuseum, um sich Mandalas und Steinfiguren anzusehen. Sehr interessant. Nur leider bei den neueren Bildern ein totaler Bruch mit der Jahrhunderte alten Tradition und dadurch sich auf einer niedrigen Ebene in den weltweiten Einheitskunstbrei eingliedernd.

BhaktapurWir machen Rast in einem Dachrestaurant und genießen den Blick über den Marktplatz und die Dächer des Ortes. Der Ort ist noch ganz klassisch aufgebaut. Im Mittelpunkt der Siedlung wohnen die Brahmanen. Deren Häuser sind umringt von den Ansiedlungen der Händler und Handwerker. Am Ortsrand wohnen dann die Unberührbaren.

Unsere Tour führt uns zuletzt nach Patan, einer Stadt, die direkt neben Kathmandu liegt. Von dem Platz, an dem der Bus hält bis zum Durbar Square müssen wir etwa eine Viertelstunde laufen. Königspalast, Tempel und noch viel mehr Tempel bilden das Zentrum. Wir laufen über die Anlage, sehen uns auch noch ein paar Straßen weiter einen weiteren, fünfstöckigen Tempel an, der von Gläubigen aufgesucht wird, die in langen Schlagen an einem Heiligtum vorbei defilieren. Auch hier wieder Blumen, Kerzen, Talg und etwas Verfaulendes, Räucherstäbchen und Fliegen. Überall Fliegen.

Dann geht es noch in den goldenen Tempel und hier hätte Freya beinahe laut geschrien, als sie die am Geländer spielenden Ratten bemerkt. Aber das ist hier normal. Wir hören wie ein Nepali einem Touristen erklärt, daß alle ( A L L E ) Tiere heilig sind und man deshalb hier im Tempel auch Ratten füttert. Wir beobachten noch die Schildkröten und Tauben und verlassen dann den Tempel.

Unser Tagesausflug endet hier und es bleibt nur noch nachzutragen, daß das Abendessen in gemütlicher und netter Atmosphäre stattfindet.

Freitag 9.10.98

Heute sind wir am Vormittag durch die Altstadt Kathmandus gestreunt. Zuerst aber wollten wir gut frühstücken. Leider war es nur halb so gut, wie wir es uns vorgestellt hatten. Denn gestern hatten wir im Schaufenster einer Bäckerei Apfelstrudel entdeckt und er sah richtig gut aus. Wir hatten auch schon so eine geschmackliche Vorstellung auf der Zunge. Leider schmeckte er wie Wellpappe.

Beim Frühstück in dem Café haben wir dann schon Arnold und Ursel getroffen, die heute in aller Herrgottsfrühe nach Nagarkot gefahren sind, um das Everest Massiv von Nahem zu sehen. Aber es war mal wieder alles in Wolken gehüllt. Markus, der den Flug entlang des Himalaja als erster absolviert hat, ist jedoch voller Begeisterung als wir ihn auf unserem Stadtbummel später treffen.

Durbar SquareDer Durbar Square in Kathmandu hat weniger Atmosphäre als der in Patan und auch als der in Bhaktapur. Hier ist mehr Rummel, mehr Händlergetöse und mehr Anmache. Wir verlassen den von Touristen besuchten Bereich und gehen weiter durch eine Wohngegend in Richtung des Flusses. Hier fällt es jetzt richtig auf, wie sauber es in Thamel ist. Die Stadtverwaltung soll extra Straßenkehrer eingestellt haben, um dieses Touristikzentrum zu säubern. In den abgelegenen Stadtteilen kommen dann die Probleme mit der Müllentsorgung deutlich zum Vorschein. Wir finden sogar alle Markierungspunkte, die im Dumont angegeben sind, aber nicht die romantische Stimmung am Fluß, die dort beschrieben ist. Also kehrt Marsch.

Nach kurzer Rast im Hotel machen wir uns erneut auf. Freya will Klamotten kaufen und danach soll es mit dem Taxi nach Swayambunath gehen. Pech ist nur, daß sie nichts findet. Den Hippikram zieht sie nicht mehr an, und was es sonst noch so gibt.... So geht es unverrichteter Käufe ins Taxi. Unser Taxifahrer glaubt es kaum, daß wir nicht auch einen Rücktransport haben wollen, aber zurück wollen wir laufen.

SwayambunathAngekommen am Fuß des Tempels steigen wir die dreihundert und etwas Stufen hinauf. Warum die Eintrittskarten nach 3/4 der Stufen zu lösen sind, weiß wohl niemand. Wir haben mittlerweile beste Lichtverhältnisse und so versuchen wir die Stimmung im Foto festzuhalten. Über uns kreisen mal wieder große Greifvögel und Hunderudel streunen durch das Tempelgebiet. Vom Gang her wirken übrigens fast alle so, als hätten sie schon einmal Bekanntschaft mit einem Auto oder einem anderen motorisierten Gefährt gemacht.

Affenherden trollen sich auf dem Platz, krabbeln in die heiligen Nischen, wo sie sich über die dort hingelegten Speisen hermachen und die Pilger erschrecken, die sich nichts ahnend betend vorbeugen und plötzlich von einem Affen angemotzt werden, der sich beim Fressen gestört sieht.

die Augen BuddasGebetsmühlen werden gedreht, Gebetsfahnen flattern im Wind und wir gehen ins buddhistische Kloster und hören dort den Mönchen beim Singen bzw. beim Murmeln ihrer eintönigen Gebete zu.

Samstag, 10.10.98

Wir haben beide schlecht geschlafen und als um 5.00 Uhr der Wecker klingelt, sind wir wie gerädert. Heute fliegen wir mit einem Propellerflugzeug neuerer Bauart über den Himalaja. Wir wollen doch auch noch mal den Mount Everest von Nahem sehen. Wir sind pünktlich am Flughafen, doch der Flug wird leider immer und immer wieder verschoben. Schließlich geht es mit zweistündiger Verspätung in die Lüfte. Vorher war wegen Bodennebel einfach kein Start möglich.

Neben uns in der Wartehalle sitzt eine Neuseeländerin. Sie ist seit drei Monaten unterwegs, etwa Mitte fünfzig und meint, das hätte sie alles noch mal machen wollen, bevor sie zu alt ist, um mit dem Backpacker loszuziehen. Ihren Job hat sie dafür gekündigt, sie war wohl so was wie eine Abteilungsleiterin Einkauf, hofft aber, in der alten Firma wieder anfangen zu können. Ganz schön mutig!

HimalayaDer Flug ist nicht viel mehr als "ganz nett" und im Grunde nicht zu empfehlen. Vor allem nicht für 100$ pro Person. Oberhalb von etwa 3000 Meter ist es wolkenfrei. Aber man kann fast nicht aus dem Fenster fotografieren, weil die Scheiben getönt sind. Nur der Blick den man hat, wenn man nach vorne zum Piloten geht ist wirklich toll. Da war unser Helikopterflug in Hawaii ein viel größeres Erlebnis. Na gut. Wieder in der Stadt gehen wir alle zusammen in Helenas Garden zum Frühstücken. Anschließend gönnen wir uns sowas wie einen Mittagsschlaf.

Nach der Siesta zieht es uns wieder in die Stadt. Wir suchen und finden die Kaiser-Bibliothek, gehen dort in den leider vergammelten Park. Dann spazieren wir am Rande der Altstadt an einem großen, rechteckigen Park entlang, der als Auslauf für irgendso einen Dämonen gedacht ist. ( Kein Witz! ) Davor sitzen viele Kleinhändler und wir sehen eine Frau, die die wenigen Zitronen, die sie verkaufen will, liebevoll zu kleinen Türmchen aufbaut. Wir sehen wie gebrauchte Kleider dargeboten werden und Uhren, die zur Demonstration ihrer Dichte im Wasserbad angeboten werden. Wir können sogar eine Wahrsagerin bei der Arbeit beobachten. Umringt von einigen Neugierigen liest sie einem jungen Mann aus der Hand. Es ist schon Mist, wenn man nichts verstehen kann.

Auf der New Road ist ein Straßenfest im Gange. Aber irgendwie sind wir zu kaputt, um daran teilzunehmen, zumal man in dem Gedränge ohnehin kaum vorwärts kommt oder auch nur etwas interessantes sieht. Statt dessen ziehen wir uns wieder in die Tourismusregionen der Altstadt zurück, setzen uns in Sam's Bar und genießen einen Cocktail. Abendessen gehen wir vornehm beim Thailänder. Wirklich lecker, aber ganz schön scharf für unsere entwöhnten Gaumen.

Sonntag, 11.10.98

Wir wollen noch mal ein bißchen wandern gehen und uns vorher mit einem Frühstück stärken. Wir treffen Chris, Arnold und Ursel und erzählen ein bißchen. Plötzlich hat Freya auf so gar nichts mehr Appetit. Ein ernstes Zeichen. Jürgen guckt auch gleich ganz bedenklich. Es geht ihr auch schon bald schlechter. Also doch erst noch mal ins Hotel, wo Freya auch ganz schnell abbaut.

Erst wollen wir alles nur um ein paar Stunden verschieben, aber nachdem Freya gegen 14.00 Uhr unseren Fruchtdrink nicht verträgt, ist das dann auch gegessen. Nachmittags gehen wir noch mal kurz um die Häuser. Aber sogar auf das Abendessen verzichtet Freya und Jürgen zieht mit Arnold und Ursel alleine los.

   

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© Jürgen & Freya Blösl, 1998-2010
    letzte Überarbeitung: 15.01.2010

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