Freya & Jürgen Blösl

Reisebericht Indien / Nepal
1998

2. Ankunft in Delhi

Montag, 21.09.98

In Delhi angekommen sollen wir am Gate unsere Boarding-Abschnitte abgeben. Auch eine Art, die Transferleute für Bombay auszusortieren.

Unsere Rucksäcke kommen schnell vom Band, dafür dauert dann das Geldwechseln um so länger. Der Zug, der uns nach Jaipur bringen sollte, ist schon seit zwei Stunden fort, aber dafür haben wir jetzt auch den zwölften Mann in der Gruppe.

Wir fahren mit einem Bus durch einen weißen, feucht dampfenden Morgen. Alle Welt scheint auf der Straße zu sein. Unser Wagen bahnt sich hupend seinen Weg. Die Klimaanlage läuft und die Fenster beschlagen, deshalb sieht man noch nicht so viel, riecht aber schon den Smog der von all den lärmenden Fahrzeugen kommt. Der lokale Tour-Agent der uns abgeholt hat sagt, daß wir jetzt erst einmal drei Stunden Aufenthalt in einem Hotel haben werden. Wir frühstücken hier überteuert zwei Scheiben Toast und Butter bei elend eiernder Musik. Wir duschen und schlafen danach tatsächlich noch eine Stunde tief und fest. Dann geht es schon wieder weiter. Von Neu-Delhi sehen wir durch unsere Verspätung von einem Tag lediglich, daß hier sehr viele gepflegte Grünflächen existieren, akkurat geschnittene Büsche und emsige Gärtner, die dafür sorgen, daß alles schön bleibt. Wir sind auf der Straße nach Jaipur.

Eng, etwa einer Kreisstraße entsprechend, braust hier ein abenteuerlicher Verkehr von LKW's, Bussen, Kamelkarren und Fahrradrikschas. Jedes dieser Fahrzeuge fährt eher mittig, denn was passiert, wenn man von der Straße abkommt kann man rechts und links am Straßenrand sehen. Unseren Fahrer scheint das aber nicht zu interessieren und er hupt sich ganz nett den Weg frei.

Im Laufe der Reise sollten wir noch lernen, daß dies für indische Verhältnisse fast schon eine Autobahn ist, zumal teilweise vierspurig ausgebaut. Hier fließt der Verkehr mit etwa 60 km/h. Fast alle schlafen wir über einen längeren Zeitraum, ganz egal wieviel gehupt wird. Wir merken schon hier, daß man gegen alle Eindrücke abstumpfen kann.

Wir machen unsere Mittagspause in einem Touristenrestaurant und obwohl für indische Verhältnisse teuer und wohl dem westlichen Gaumen angepaßt, ist der erste Eindruck von indischem Essen ganz o.k. Weiter, immer weiter geht es in Richtung Rajastan. Man sieht die Männer in diesen Mittagsstunden auf vor den Häusern auf aufgestellten Bettgestellen liegen. Die Frauen sieht man immer wieder auf dem Feld oder vor den Häusern wie Schmetterlinge in leuchtend rot, rosa, orange, gelb oder grün. Wenn wir durch Ortschaften fahren, erhaschen wir Eindrücke vom Marktgeschehen: bunt, lebhaft und improvisiert. Geschäfte, garagen-ähnlich und mit Pepsi Cola-Motiven bemalt. Meterlange Pfützen zeugen von kaum vergangenen, heftigen Regenfällen.

Nach etwa 5 Stunden sehen wir das Fort vom Amber. Eine riesige Anlage auf einem Berg über einer Stadt gelegen. Das Stadtgeschehen ist beherrscht von chaotischer Verkehr inklusive Elefanten. Die Vorstellung hier in den nächsten Tagen herumzulaufen ist befremdlich. Freya, die noch nicht in Asien war, kriegt den Mund nicht mehr zu.

Wir nehmen ein Pärchen mit und setzen es vor einem feudalen Hotel ab. Ein Inder mit Turban, spitzen Schuhen und gezwirbeltem Bart lächelt uns zu. Das Ganze liegt an einem Stausee und im Abendlicht spiegelt sich ein weiterer Palast im Wasser. Na ja, so kann man wohnen. Aber nur nicht neidisch werden, auch wir sollen ja in Jaipur in einem Maharaja-Palast untergebracht sein.

Für uns geht es aber weiter. Irgendwann biegt der Bus von der Hauptstraße ab und dann erinnert das, was jetzt kommt an Mad Max "Jenseits der Donnerkuppel". Dicke Schweine mit vielen Ferkeln suhlen sich in oberirdisch verlaufenden Abwässern. Durch den vorausgegangenen Regen steht die kaum befestigte Straße zentimetertief im Matsch. Der Geruch, na ja Kloake. Kein Stein steht fest auf dem nächsten. Kühe, Kinder, Gehupe. Dazwischen Autos, Rikschas, noch mehr Menschen. Das ist also die berühmte, einst wunderschöne rosa Stadt, das ist Jaipur?! Wir biegen in eine Auffahrt ein und sind da. Der Schmutz, der Lärm ist draußen und hier ist ein Garten, Leute wuseln herum, unsere Sachen werden ausgeladen und dann sind wir in der Halle.

An einen Palast erinnert das ganze wenig. Es ist eher ein bißchen düster. Messer, Dolche, Tigerköpfe, alte Schriften. Das Stadthaus eines Landadligen. Aber es ist bei weitem nicht so schlimm, wie wir es nach dem Abbiegen in dieses Viertel befürchtet haben. Wir lernen Michael kennen, der in den nächsten Wochen unser Reisebegleiter sein wird. Er hat mit 4 anderen schon eine Woche Rajastan hinter sich und ist sichtlich nicht begeistert jetzt eine so große Gruppe zu haben. Er teilt die Zimmer ein und wir verabreden uns zu einer ersten Information.

Unser Zimmer erreicht man über einen Matschweg und durch einen Innenhof, einen schmale Steintreppe hoch, die letzte Stufe einen Tick höher als die andern, an Taubenschlägen vorbei. Der Raum selbst ist klein und dunkel, wohl ein ehemaliges Dienstbotenzimmer. Nachdem wir die Rucksäcke dort abgestellt haben treffen wir uns zum Abendbuffet im Hotel auf der Dachterrasse. Ein Mullah ruft "Allah akbar" und draußen hört man das Klingeln und Rasseln eines Festes, das wir auf dem Hinweg von Ferne gesehen haben.

Von Michael bekommen wir Verhaltensmaßregeln als da wären: "Immer cool bleiben, Lächeln, sich nicht über den Tisch ziehen lassen, viel trinken, ... " Hinsichtlich der Aktivitäten heißt es, daß man zwar in der großen Gruppe gehen könne, daß es aber besser wäre zu zweit oder zu viert loszuziehen. Wollten wir ohnehin, aber einigen die im englischen nicht so sicher sind, paßt das gar nicht. Tips oder spezielle Hinweise gab es mangels Erfahrungen auch keine. Aber wir haben ja unsere Reiseführer.

Freyas Frage nach angemessenem Schuhwerk wird mit "Sandalen" beantwortet. Bei dem Matsch findet sie diese Vorstellung schon ein bißchen ekelig. Aber es ist was dran. Mit Sandalen kann man unter die Dusche. Also immer cool bleiben.

   

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© Jürgen & Freya Blösl, 1998-2010
    letzte Überarbeitung: 15.01.2010

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