Reisebericht Indien / Nepal
1998
Unser Wecker klingelt um halb sechs und wir stehen einer nach dem anderen auf, duschen und gehen zum Frühstücksraum. Wir essen nicht viel, denn heute wollen wir durch den Dschungel laufen, mit Führern. Eigentlich sollte es früh losgehen, aber es ist schon lange hell als wir losgehen und Arnold behält schließlich recht als er vorhersagt, wir würden nichts mehr sehen. Wir werden in schmalen Kanus, die mit langen Stöcken vorwärts geschoben werden, über den Fluß gebracht. Das ist eine abenteuerliche und kippelige Angelegenheit. Wir hocken alle, denn Sitzen geht nicht und wir müssen ganz schön balancieren, schließlich ist das Wasser nur 5 cm unter dem Kanurand. Komisch, die Nepali gehen mit noch mehr Leuten in das Boot und dazu noch mit Fahrrädern!
Auf der anderen Seite bilden wir drei Gruppen. Zwei Fünfer- und eine Sechsergruppe. Dazu kommen jeweils zwei Führer aus dem Nationalpark. Wir bilden mit Arnold, Ursel und Markus eine Fünfergruppe. Dann schließt sich uns auch noch Chris an und fängt gleich wieder an zu erzählen. Hier wird es Jürgen zu viel. Nachdem er sie zusammengestaucht hat, ist sie aber ruhig!
Wir drücken uns durchs Unterholz und sehen riesige Rhinozeroshaufen in den unterschiedlichsten Frischestadien. Auf Ihnen wachsen teilweise schon Pilze und keimen kleine Baumsprößlinge. Rhinos sehen wir nicht. Unser Marsch ist anstrengend, wir stehen alle unter Wasser und wir laufen und laufen. Letztendlich entdecken wir in den Baumgipfeln ein paar Affen und einige von uns sehen auch die Beine von so was wie Dammwild. Unser Führer tröstet uns mit morgen. Beim Elefantenritt werden wir mehr sehen.
Wir haben für den Marsch durch den Wald die Socken über die Hose gezogen wegen der Blutegel die sich hier herumtreiben sollen. Als Freya einen auf ihrer Socke entdecke, ist sie noch nicht mal in der Lage das Vieh wegzuschnicken. Das macht dann einer der Guides.
Wir treffen dann eine von den anderen beiden Gruppen. Die haben natürlich Rhinos gesehen, sogar kämpfende. Aber mittlerweile ist es elf Uhr und es geht zurück über den Fluß. Wir warten eine Weile auf eine Übersetzmöglichkeit und gehen später im Dorf in ein gemütliches Dachrestaurant etwas essen und trinken.
Gegenüber, in dem Laden wollen wir auch noch was besorgen. Hier findet Freya endlich den Buddha für ihre Freundin Ine, aber sie hat immer noch nichts für ihren Bruder. Na ja, weiter suchen. Es hatte schon ein bißchen angefangen zu regnen als wir das Dachlokal verlassen haben, nun gießt es aus Eimern. Der Ladenbesitzer läßt die Rollos runter und macht das Licht an. Jetzt können wir einkaufen.
Jürgen entdeckt englische und amerikanische Bücher mehr oder weniger zum Originalpreis. Freya sucht nach Ansichtskarten und als sie die schönen Briefmarken sieht, kauft sie gleich noch ein paar mehr. Als wir den Laden endlich verlassen wollen, fließt da, wo vorher die Dorfstraße war ein schneller Bach. Anwohner ziehen Gräben, um das Wasser abzuleiten und wir gehen schnellen Schrittes in Richtung Lodge.
Hier angekommen setzen wir uns auf die Veranda und ziehen die Schuhe aus. Plötzlich meint Jürgen: "Freya guck doch mal". Sein Schuh ist voller Blut. Der Egel ist aber schon fort. Das sieht am Fuß ganz schön wüst aus, wird aber abgewaschen und mit Jod behandelt.
Wir hocken auf der Veranda, sehen zu wie der Regen aufhört und das Wasser, kaum, daß die Sonne wieder scheint, verdampft. Und schon wird vom Hotelpersonal auf der Wäschespinne die Wäsche zum Trocknen rausgehängt.
Um vier Uhr soll es zur Elefantenaufzuchtstation gehen. Hier kommen schwangere Elefanten hin, manchmal auch Elefanten mit Bauchschmerzen oder Zahnweh. Die Tiere werden hier aufgepäppelt und das alles wird durch zahlungskräftige Touristen finanziert, die sich das nachmittags ansehen können. Am Vormittag sind die Tiere unter Aufsicht, aber nicht angekettet, im Nationalpark.
Wir werden abgeholt, fahren mit dem Jeep durch das Dorf an den Fluß. Diesmal überqueren wir den Fluß mit einem Ruderboot. Es gibt stattliche Elefanten, mit riesigen Stoßzähnen. Kleinere mit dünnen Haaren auf dem Kopf und sogar ein ganz kleiner Elefant ist da, der noch frei herumlaufen darf und uns ganz schön erschreckt, wenn er mit Karacho und voller Verspieltheit auf uns losgeht.
Danach werden wir wieder zu dem Dorfteil in der Nähe unserer Lodge gefahren. Von hier aus laufen wir dann zum Fluß, belegen einen der Tische und genießen den Sonnenuntergang.
Heute morgen ist ein Elefantenausritt in den Dschungel geplant. Wir sind auch ganz früh aufgestanden und haben gerade geduscht, als Ursel an die Tür klopft und meint, wir sollten uns beeilen. Also raus. Es regnet ein bißchen, aber ob man nun schweißnaß oder naßgeregnet ist, ist schließlich auch egal. Wir geben mal wieder unsere Eintrittstickets einem der Lodge-Angestellten und warten. Dann teilt uns einer mit, daß wir schon zum Fluß laufen sollen. Also marschieren wir zu zehnt los. Wir sind nicht die einzigen, die zum Park laufen. Dort angekommen werden die meisten nach rechts gelotst und wir sollen nach links. Hier könnten wir uns das Parkmuseum ansehen oder uns einfach auf die Bänke setzen und einen Moment warten. Na ja.
Dann kommt einer und deutet auf Andrea und Christian, Oliver und Dirk. Die sollen kommen. Wir anderen sollen weiter warten. Als Jürgen dann fragt, wie lange es noch dauert, bekommt er die Antwort: "Eine, bis eineinhalb Stunden." Das ist zuviel. Wir haben die Nase voll. Schon jetzt ist es unserer Meinung nach zu spät, um die in der Morgendämmerung äsenden Tiere zu beobachten. Wir würden dann so nach halb 10 in das Dschungelgebiet kommen und wahrscheinlich wieder die Haufen in den verschiedenen Frischegraden bewundern können. Nein!
Also los, dahin, wo all die anderen auch hin sind. Wir sehen auch tatsächlich noch, daß vier Elefanten auf ihre Besteigung warten. Aber wir können uns ausrechnen, daß da für uns kein Platz ist.
Und dafür haben wir uns schon vorgestern abend angemeldet. Also nein. Wir lassen uns die Tickets geben und blasen den Ritt ab. Nur gut, daß wir noch nicht bezahlt haben.
Dann aber zurück zum Hotel. Michael ist auch begeistert, daß wir sechs ihn vor dem Frühstück in seinem Zimmer überfallen, um ihn zu informieren. Schließlich erscheint derjenige, der den Ritt organisiert hat und findet das alles ganz in Ordnung und normal. Da wir den Ritt gerne machen würden und unser Ärger sich etwas gelegt hat, fragen wir, ob wir denn heute nachmittag noch reiten können. Eigentlich haben wir uns vom Morgen mehr versprochen - aber na gut. Nach einigem Hin und Her fährt er in den Park, um den neuen Termin abzuklären. Eine Viertelstunde später kommt er wieder und gibt grünes Licht. Mittlerweile regnet es sich auch nett ein und wer weiß wofür es gut ist, wenn wir erst am Nachmittag losziehen.
Wir frühstücken also gut und während Arnold und Ursel im Regen einkaufen und einen Spaziergang machen wollen, entscheiden wir uns dazu, uns noch mal ganz gemütlich abzulegen und ein wenig zu lesen.
Zum Elefantenritt sind wir alle recht zeitig da. Wir werden gleich auf den Hochstand gerufen von dem aus man auf den Elefanten aufsteigt. So ein Elefant läuft irgendwie unrunder als ein Kamel oder zumindest erscheint uns das so, als wir auf dem Tier sitzen. Wir hocken zu viert in einer Art Holzverschlag auf dem Rücken des Elefanten. Die Eckpfähle dieses Pseudosattels jeweils zwischen den Beinen. Jeder guckt deshalb in eine andere Richtung. Marcus und Maria teilen sich mit einem englischen Paar so einen Kasten und Freya, die nach hinten guckt, kann sehen, wie beide auf ihrem Gefährt eine Zigarette rauchen( ej cool ej ). Unser Elefant läuft durch meterhohes Gras, lichtes Gebüsch. Es riecht aromatisch und nach einem langen, regnerischen Vormittag scheint jetzt die Sonne. Von den nachfolgenden Elefanten ist immer nur der aufgesetzte Kasten mit den Touris zu sehen.
Das geht dann so etwa zwanzig Minuten und wir konnten schon wieder Zeuge der ausgezeichneten Verdauung der Rhinos werden. Wenn wir es nicht besser wüßten, könnte man denken Rhinos sind unsichtbare Tiere, die große Haufen scheißen. Dann aber ein Rhino und dann noch eins. Versteckt im tiefen Gras und eher gemächlich lassen sie uns ganz dich herankommen. Zu Fuß sollte man dies besser nicht probieren. Rhinos können recht aggressiv sein. Aber vor Elefanten haben sie Respekt und deshalb nehmen sie uns hoch oben auf dem Elefantenrücken gar nicht wahr. Drei Elefanten mit Touristen kreisen ganz gemächlich die Tiere ein und wir knipsen und knipsen. Dann ist Ursels Film alle. SSSSSSSSSssssssssssss. Das uns am nächsten stehende Tier guckt irritiert. Dann ist Freya an der Reihe: SSSSSSSSSssssssssssss. Also den Ton mögen sie nicht.
Es scheint die Abendsonne, das Pampasgras leuchtet weiß und wir sind mehr als zufrieden. Den Ausklang des Tages begehen wir mit einem Bier am Sunset Point am Fluß.
Heute geht es für die meisten von uns um 11.00 Uhr los. Der andere Teil ist schon in aller Frühe losgezogen, zum Raften. Der Rest hingegen hat geruhsam gefrühstückt, ist mit den Jeeps zur Brücke, hat dort alle Rucksäcke, auch die von den Raftern, über die Brücke geschleppt und ist dann weiter mit dem Bus.
Wir fahren durch ein wildromantisches Tal, unter uns der Fluß, über uns fast senkrechte Felswände. Die vereinzelten Häuser am Straßenrand sind einfach, aber nicht so vergammelt wie Indien. Wir sehen ganz große, aus Bambusstangen zusammengebastelte Schaukeln und Kinder, die ein Rädchen mit Hilfe von Stock und Draht zum Rollen bringen. Wir sehen hier aber auch Kinder, die sich schlagen, Erwachsene die sich streiten. Das war uns in Indien nie aufgefallen.
Wir machen ab 12 Uhr Rast an der Rafterstation. Ein paar Häuser, ein Restaurant und eine Reifenwerkstatt: Das wars. Hier soll der Rest der Gruppe ankommen. Es dauert und dauert und soooooo toll ist es hier auch nicht. Dann treffen sie reichlich abgekämpft ein. Gegen zwei Uhr geht es endlich weiter.
Wir fahren durch Mugling, dem Ort, an dem wir schon auf der Hinfahrt gehalten haben und weiter geht es Richtung Pokhara. Das Tal öffnet sich mal und dann wird es wieder enger von den Bergen umschlossen. Die Landschaft ist durch die terrassenförmig angelegten Reisfelder giftig grün und sieht sehr fruchtbar aus. Wir sehen die Überreste einiger Busse und Laster, Opfer diverser Unfälle, am Straßenrand. An einigen Stellen häuft sich das ganz schön. Zwischendurch fahren wir immer wieder durch kleinere Straßendörfer mit einer Unzahl an Geschäften. Wir sehen Alukessel, Kupfergeschirr, Plastikbehälter und Rucksäcke in allen Größen in den offenen Läden, aber auch mehrgeschossige Villen mit Dachgärten.
Pokhara erreichen wir am späten Nachmittag. Das Hotel ist für einige aus der Gruppe nach der Logde ein Fortschritt. Für uns ist es eher eine Enttäuschung. Aber wir hatten schon im Dschungelcamp festgestellt, daß unser Raum besser und größer war als die meisten. Wir nehmen unser Zimmer in Beschlag und steigen dann auf das Dach, um uns einen Überblick zu verschaffen. Ein zartes Abendrosa über dem See und ein kurzer freier Blick auf den Macchapuchare, einen hohen Gipfel des Anapurna-Massivs. Wirklich kurz, denn Jürgen kann nur ein Foto aus der Hand schießen. Bis er das Stativ aufgebaut hat, ist der Berg schon wieder von dicken Wolken umwickelt (Scheiß Spartarif und Vorsaison! Aber es ging vom Termin her nicht anders). Danach laufen wir an den See, wo sich ein Geschäft an das andere reiht und wo ein Restaurant schönere Sachen anbietet als das nächste. Alles halt extrem touristisch geprägt. Wir essen mit Ursel und Arnold zu Abend und verabreden uns für den morgigen Tag.
© Jürgen & Freya Blösl, 1998-2010
letzte Überarbeitung: 15.01.2010
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