Hochhäuser und Strand -
Hongkong und Thailand im März 2002
Wir fliegen mal wieder ab Frankfurt und weil das mittlerweile so richtig "Anreise" bedeutet, stehen wir um sechs Uhr morgens auf, frühstücken und machen eigentlich alles wie an jedem anderen Tag auch - nur mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass heute mittag unser Flieger nach Hongkong geht.
Auf der Fahrt nach Frankfurt matschen sich in Freyas Kopf noch die Gedanken an alles mögliche. Aber nach einer Fahrt ohne Staus und entsprechend früher Ankunft am Frankfurter Flughafen stellt sich doch so langsam etwas wie Urlaubsfeeling ein.
Beim Anflug auf Hongkong um kurz nach sieben Ortszeit hält sich die berühmte Stadt unter einer dichten Wolkendecke versteckt. Die Waschküche kommentiert Freya mit den Worten, dass sie jetzt weiß, warum die Engländer sich hier solange festgesetzt hatten!
Der erste Eindruck bei der Fahrt zu unserm Hotel ist "üppige Vegetation". Dieser Eindruck wird aber recht schnell von "üppige Verwendung von Beton" überdeckt. Nicht nur dass überall Kräne herumstehen - neben den vielen fertigen, verglasten und unverglasten Hochhäusern befinden sich mindestens genau so viele in den verschiedensten Stadien der Entstehung. Aber auch Hänge werden mit einer dünnen Schicht Beton am Abrutschen gehindert. Immer brav mit Löchern drin für die schon erwähnte Vegetation.
Über ein Gewirr von Brücken, das bei schönem Wetter sicherlich eine grandiose Aussicht bietet, gelangen wir schließlich in einen mehr städtischen, nicht so weitläufigen Bereich. Die Straßen werden enger, die Transparente darüber kommen uns immer näher und so sind wir um 9.30 Uhr in unserem Hotel "Windsor Palace" gleich in der Nähe der berühmten Nathan Road. Dort müssen wir leider erfahren, dass unser Zimmer erst in einer Stunde zur Verfügung steht. OK, mit so was muss man ja rechnen, wenn man so früh ankommt.
Also marschieren wir die quirlige Geschäftsstraße entlang runter zum Hafen. Am Flughafen hatten wir in einer Informationsbroschüre gelesen, dass hier momentan Blumenfest ist und im Victoria Park eine Ausstellung stattfindet. Wir fahren also das erste Mal mit der Fähre über die Meerenge nach Hongkong Island und laufen den Rest der Strecke über Fußgängerüberwege und durch enge, geschäftige Straßen.
Am Victoria Park angekommen verspeisen wir zunächst die unterwegs gekauften Sandwiches. Die Blumenausstellung zieht viele Chinesen an, ist aber nicht ganz unser Fall. Teilweise sind die Farbzusammenstellungen für unseren Geschmack einfach zu grell, teilweise das Drumherum einfach nur kitschig. Daher halten wir uns dort nicht ganz so lange auf wie es möglich wäre.
Zurück zum Hotel wollen wir jetzt aber auch noch nicht. Wir sind zwar schon müde, aber irgendwie müssen wir ja in den anderen Tag und Nacht-Rhythmus kommen. Wir nehmen also eine Tram und fahren an das andere Ende der Bucht, dahin wo die große Rolltreppe ist, die mit etwa 800 Meter Länge Unter- und Oberstadt verbindet. Da es in Hongkong schon recht knackig bergauf geht, ist das eine echte Erleichterung.
Die Rolltreppe ist anläßlich des Blumenfestes recht schön geschmückt und neben der Treppe befinden sich viele Geschäfte und auch Restaurants, die dazu einladen den Weg nach oben zu unterbrechen. Das machen wir dann auch und verlassen kurz die Rolltreppe, um im Starbuck-Cafe einen wunderbaren Capuccino und eine Caramel-Machiata zu uns zu nehmen. Das treibt uns zwar kurzfristig den Schweiß aus allen Poren, beflügelt uns aber auch wieder zu neuen Taten. Wir fahren danach bis zum höchsten Punkt der Treppe, der aber kein Aussichtspunkt ist, was nichts macht, da wir sowieso keine Sicht hätten. Also laufen wir einfach wieder runter.
Wo wir doch fast schon da sind entschließen wir uns noch auf halber Höhe den Man Mo Tempel anzusehen.
Vor dem Tempel eine Schar chinesischer Händlerinnen. Drinnen ist der erste Eindruck viel Rot. Kerzen brennen, Räucherstäbchen qualmen - und nicht nur kleine. Die Luft ist ganz dicht und schwer und Freya verläßt den Tempel mit tränenden Augen wesentlich schneller als Jürgen. Vorbei an Götterbildern, die doch sehr an die myanmarischen Hilfsgeister, die Nats, erinnern.
Jetzt aber zurück zur Anlegestelle. Durch ein Gewirr von schmalen Gassen, auf denen frische Lebensmittel - vom Gemüse bis zu Fisch und Huhn verkauft werden. In der Unterführung zu der Anlegestelle sehen wir auch die ersten Bettler hier. Das war im Vergleich zu anderen asiatischen Metropolen doch schon auffällig, dass es hier so gar keine gab. Die Fahrt zurück gehen wir auf das Unterdeck. Das ist einen Tick billiger und macht uns außerdem mehr Spaß. Der Tag klingt dann relativ früh nach dem Duschen im Hotel aus.
Am nächsten Morgen ist das Wetter immer noch ziemlich schlecht und wir diskutieren erst noch, ob wir wirklich zum großen Buddha fahren sollen oder nicht. Aber da das Wochenende bevorsteht und es dann teuer und vor allem voll werden soll, machen wir es. Vorher frühstücken wir noch im Hotel. Es gibt Früchte und Sushi und Scrambled Eggs und Freya mixt das alles ziemlich unbekümmert.
Das Boot nach Lantau ist teurer und schneller als erwartet und Freya hat zunächst die Befürchtung, dass wir jetzt ohne Paß nach Macao fahren. Es ist dann aber doch Lantau, wo wir ankommen, nur dass wir nicht mit der normalen Fähre gefahren sind, sondern mit dem Express-Boot. Wir steigen aus und direkt gegenüber in der Buslinie 2 wieder ein. Ist aber auch für uns Langnasen gut ausgeschildert.
Mit dem Bus geht es durch enge Serpentinen hinauf zum Gipfel, zur großen Buddha-Statue. Sicherheitshalber nimmt Freya noch schnell eine Reisetablette. Aber die Fahrt ist gar nicht so schlimm.
Der Gipfel liegt in dichten Wolken und der Buddha ist lange nicht zu sehen. Selbst als wir auf den Treppenstufen zum Gipfel sind, hüllt er sich noch ein. Interessant sieht das trotzdem aus und so langsam hebt sich auch der Nebel. Wir sehen uns alles an, werden von einer Chinesin gebeten, sie vor dem Denkmal zu knipsen und gehen dann in der nahe liegenden Monastry vegetarisch essen. Die Tickets zum vegetarischen Essen gibt es direkt am Restaurant. Aus Internet-Berichten haben wir entnommen, dass die an der großen Treppe gekauften Tickets nicht abgenommen werden!
Auf der Rückfahrt schläft Freya und nimmt eigentlich nur den Geruch auf. Leichter Smog in Kombination mit Diesel.
Wir kommen bei der Station Central an und gehen kurz durch das Kaufhaus Landmark, finden es aber eigentlich beide zu teuer. Überhaupt rentiert sich Hongkong als Einkaufsstadt überhaupt nicht. Selbst die Sonderangebote haben deutsches Niveau.
Anschließend gehen wir in das Hochhaus der Chinesischen Bank um dann endlich zurück zum Hotel zu fahren. Ohne unsere Rucksäcke streifen wir später noch durch die große Mall am Kowloon Hafen, essen dort leckere Sushi im Food Court und holen danach den kompletten Fotokram für Nachtaufnahmen.

Jürgen ist glücklich. Die Silhouette von Hongkong sieht trotz der niedrigen Wolken gut aus und er reiht sich ein in die Reihe der Fotografen, die Hongkong bei Nacht fotografieren. Die meisten sind allerdings einheimische Profis, die mit entsprechenden Digitalkameras Touries ablichten. Auf der Straße ist richtig was los. Sogar die Chinesen lachen jetzt.
Am nächsten Morgen will es gar nicht mehr hell werden und so legen wir uns nach dem Frühstück einfach noch mal ab. Um halb zehn geht es dann aber doch los. Wir wollen zum Vogel- und zum Blumenmarkt. So wie es hier aussieht, scheint das mit den Vögelchen ein Hobby alter Männer zu sein. Sie tragen ihre Lieblinge in Käfigen und hängen diese an den Ästen der an dieser Straße stehenden Bäume auf. Jetzt ist das wie ein Kaffeekränzchen für Vögel. Wir sehen aber auch die vielen noch nicht verkauften Vögel hier, dicht an dicht in Käfigen untergebracht.
Absolutes Highlight ist ein alter Mann, der es doch tatsächlich schafft einen entflogenen Vogel wieder in seinen Käfig zu locken. Der alte Herr nimmt anschließend die Glückwünsche der versammelten Zuschauer entgegen. Wie sich herausstellt gehörte der Piepmatz noch nicht einmal ihm selbst.
Über den Blumenmarkt geht es zurück zur U-Bahn, die Freya wirklich klasse findet. Wir wollen noch zum Zoo. Da das mit der Aussicht wohl nichts mehr wird, haben wir mittlerweile beschlossen den Peak auszulassen. Sei's drum. Der Weg zum Zoo ist gutes Bergsteigertraining und es ist natürlich wieder mal total schwül.
Der Leopard liegt da wie ein zahmes Schmusekätzchen und verfolgt mit den Augen neugierig ein Kamerateam, das ihn filmen will. Am meisten Spaß haben wir an einem Froschteich. Endlich haben wir die quakenden Tierchen entdeckt, sie pusten ihre Backen auf und quaken was das Zeug hält. Jürgen holt seine Kamera aus dem Rucksack, er fixiert die Frösche und ... Ruhe ist. Obwohl wir noch etwa eine Viertelstunde beim Teich verharren, haben alle fünf für uns sichtbaren Frösche ganz offensichtlich Gesangspause.
Also laufen wir weiter durch den Zoo und Freya wird von einer alten Chinesin ziemlich grob am Arm gegrapscht, muß dann aber doch lachen. Sie ist mal wieder Fotomodell und muß zusammen mit Enkel und alter Frau in die Kamera grienen. Da so was nichts für Jürgen ist, hat der sich mal wieder gleich aus dem Staub gemacht.
Nach dem Zoo zieht es uns ins Hotel zu einem Mittagsschläfchen. Davor aber wollen wir uns auch in Hongkong den McDonalds nicht entgehen lassen. Es gibt hier lecker und scharf mit Ingwer gewürzte Hähnchenbrust zwischen den weichen Brötchen.
Um sieben Uhr abends verlassen wir dann das Hotel und laufen die Nathan Road diesmal in die andere Richtung zum Nachtmarkt. Ab Johnston Road geht es dann links und schon sind wir auf der für den Verkehr gesperrten Temple Street. Wir gucken uns Uhrenimitate an und DVD's. Bei beidem werden wir fündig. Freya hätte natürlich noch viel mehr finden können, hat aber in weiser Voraussicht überhaupt keine Kohle einstecken. Finanzminister ist nämlich wie in jedem Urlaub der Jürgen.
Jetzt haben wir aber Hunger. Hier riecht es aber auch so lecker. Ob wir uns schon trauen sollen? Die Kommentare im Internet hinsichtlich der Qualität der Food Stalls war nicht gerade berauschend und das was uns hier anmacht hat mit einem Restaurant im deutschen Sinn recht wenig zu tun. Eine große Fläche überdacht mit diversen Planen, vollgestellt mit Tischen, um die runde Plastikhocker gestellt sind. Das ganze Geschehen wird grell beleuchtet von Neonröhren und ist ziemlich voll. Diverse Bedienungen laufen herum und wir gehen weiter.
Nach 50 Metern grinsen wir uns an. Da roch es aber doch wirklich gut, oder? Also! Wir werden gleich an einen Tisch gelotst. Unserem Kellner geht auch beim Servieren die Kippe nicht aus. Es gibt kostenlosen Tee, der uns aber nicht schmeckt und für uns gebratene Reisnudeln, Gemüse und Fleisch. Wie die meisten um uns herum, so machen auch wir ziemlich Sauerei auf dem Tisch, aber es ist einfach lecker. Für Unerschrockene zum Nachmachen hier der Name: Temple Road Food Store.
Heute ist für uns Transfertag und eigentlich nix los. Auch das trübe und regnerische Wetter will sich nicht ändern. Das ist wohl auch daran schuld, dass unsere hochgesteckten Erwartungen an Hongkong ziemlich enttäuscht wurden. Aber welche deutsche Stadt ist im November sehenswert?
Also schlafen wir lange und frühstücken gut, was bei Freya wieder Obst und Sushi mit rosa eingelegtem Ingwer und grünem Meerrettich bedeutet. Wir werden pünktlich abgeholt und checken schnell und problemlos ein. Dann suchen wir den kostenlosen Internet Zugang und finden ihn auf der Abflugsebene im Cafe direkt vor Reihe A. Jürgen ist happy, ruft Post ab, verschickt Mails und strahlt.
Im Flieger nach Bangkok sitzen wir neben einer netten Inderin, die aus San Francisco kommend Ferien bei ihren Eltern macht. Freya und sie sitzen nach kurzem Plätzetausch nebeneinander und tauschen gleich alle möglichen Informationen aus.
© Jürgen & Freya Blösl, 2002-2010
letzte Überarbeitung: 15.01.2010
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