Auf Darwins Spuren -
Galapagos 2011
Ab 6:15 Uhr gibt es ein gutes Frühstück und um 7:15 Uhr werden wir abgeholt und zum Flughafen gebracht. Eingecheckt werden wir als Touristenherde und haben dann endlos Zeit zu warten. Die Zwischenlandung ist in Guayaquil und kurz darauf fliegen wir weiter nach Galapagos, wo wir um 13:00 Uhr endlich ankommen.
Hier stellen wir die Uhren um eine Stunde zurück, bezahlen 100 Dollar Eintritt und werden von der hiesigen Agentur abgeholt. Die junge Deutsche versucht kurz mal eine allgemeine Ansage, aber dafür müsste sie zu laut reden. Klar in dem Trubel vor den Abfertigungsgebäuden. Also gehen wir zum Bus. Sie erzählt dem einen dies und dem anderen jenes. Überhaupt: Wir sollen doch heute Nachmittag in das Büro kommen, da hätte sie auch Stadtpläne und könnte in Ruhe was erzählen.
Wir wohnen im Ort Puerto Baquerizo im "Gran Hotel Paraiso" und haben ein Zimmer im vierten Stock. Jürgen ist schon mal begeistert, dass er in der Mittagshitze beide Koffer die engen Treppen hochwuchten darf. Aber Freya hat es ja im Kreuz und die helfenden Hände des Hotels ziehen natürlich die Zimmer im ersten und zweiten Stock vor. Dafür haben wir eine große Dachterrasse auf der man die gewaschene Wäsche aufhängen kann. Einen Luxus, den wir in den folgenden Hotels ab und an vermisst haben.
Jetzt sollen wir erst einmal direkt zu einem gemeinsamen Mittagessen kommen. Hier hat man wohl schon auf uns gewartet: Es gibt Guavensaft in Kannen, Popkorn, Kartoffelsuppe und Fisch. Außerdem noch Schokoladenkuchen mit Soße. Anschließend zieht es uns erst einmal unter die Dusche. Hier kommt man sich vor wie im Brutofen. Aber danach sind wir nicht zu halten und laufen zur Promenade.
Alles ist nett, beschaulich, ruhig - bis auf die Seelöwen, die Tag und Nacht vor sich hin schnaufen und röcheln.
Sie husten und grölen, wälzen sich im Sand und fläzen sich auf den Promenadenbänken. Einfach Klasse.
Wir gehen also wie mehr oder weniger verlangt zunächst zur örtlichen Agentur. Die haben aber dann doch keine Karte des Ortes mehr, aber Sabine aus unserer Gruppe gibt uns ihre da sie zusammen mit einigen anderen herumlaufen möchte. Wir bedanken uns und ziehen ab, da Jürgen wie immer schon etwas über den Ort weiß.
Unser Ziel ist der Felsen, wo sich die Fregattvögel tummeln. Zunächst am Strand entlang bis es nicht mehr geht, dann rechts hoch und oben an der Straße wieder links bis zum Ende der Straße.
Der Weg führt zunächst zu einem Besuchercenter und dann entweder zum Strand oder zu dem Fregattfelsen. Er ist richtig schön angelegt und besteht aus unregelmäßig geformten Steinen. Das letzte Stück ist dann eine Holztreppe. Nicht wirklich fordernd aber bei diesen Temperaturen mehr als schweißtreibend.

Aber dann der Blick: Wir sehen das Meer und weit unter uns einen kleinen, weißen Strand. Dann schauen wir in den Himmel und beobachten die uns umkreisenden, schwarzen Fregattvögel. Zur anderen Richtung blicken wir auf den Hafen, mit den vielen Schiffen. Ja, es ist schön hier. Den Rückweg schaffen wir dann just in time. Das Besucherzentrum das man ja durchqueren muss, macht - was wir nicht wussten - schon um 17:00 Uhr zu. Da wählt man also auf dem Rückweg besser den Abzweig in Richtung Strand. Von da geht es dann auch in den Ort.
Zurück am Pier kann Freya Jürgen noch zu einem Lokalbesuch überreden. Es gibt einen Narancuja-Saft für sie, der schmeckt wie eine Mischung aus Zitrone mit Kiwi, und ein Bier für Jürgen. Zurück im Hotel ist Freya müde und will noch nicht einmal ein Abendessen. Jürgen sichert noch die Fotos und macht mit dem Rest der Truppe noch einen Abendbesuch bei den Seelöwen.
Noch vor dem Frühstück sind wir auf und am Strand bei den See- löwen. Wir sehen Seelöwen, die noch schlafen wollen
und andere, die Pelikane verjagen. Welche, die sich sonnen und welche, die gerne spielen wollen. Freya ist total erschrocken, als ein junger Seelöwe sich für sie interessiert und auf sie zuwatschelt.
Bringt es eigentlich Glück, wenn man in Seelöwenscheisse tritt?
Wir frühstücken alle zusammen gegen 9:00 Uhr und fahren dann zu einem Kratersee in die Berge. Viele Schlaglöcher zieren die Straße und der Bus ächzt sich den Weg nach oben. Wir kommen nun in die Regenwaldvegetation, das kann man nicht nur am Wetter sondern auch an den Farnen in den Bäumen erkennen.
Dann halten wir an einem Hügel an. Von hier aus geht es zuerst über Lehm und dann über Holzplanken nach oben. Die 10 Zentimeter tiefen Stolperfallen im Weg, die wir für irgendwelche Tierhöhlen halten, entpuppen sich als Löcher, in die endemische Bäume gepflanzt werden sollen.
Überhaupt das Endemische. Damit hat man auf den Inseln ein Problem. Von den Besuchern über Jahrhunderte mitgebrachte Tiere und Pflanzen bedrohen und vertreiben die einheimischen Arten und müssen mit Fleiß und Akribie wieder ausgemerzt werden. Ein Gutteil des Budgets des Nationalparks geht dafür drauf.
Oben angekommen fliegen wieder die Fregattvögel über den 6m tiefen Vulkansee. Früher hätten sie hier gebadet, erklärt der einheimische Guide, aber heute dürfen sie das nicht mehr. Und die Fische, die sie zum Angeln und zur Freude der Vögel ausgesetzt hatten, werden nun auch ausgerottet.
Auf dem gegenüberliegenden Berg stehen drei Windräder. Wir erfahren, dass sie etwa 50% des Energiebedarfes decken. Der Rest wird in Form von Öl mit dem Schiff angeliefert.
Es geht den Berg wieder hinunter und rein in den Bus. Wir fahren zu einem schönen open air Restaurant, wo wir später Mittag essen werden. Jetzt wird nur die genaue Anzahl der Mittagessen und der etwaige Zeitpunkt mitgeteilt. Vorher geht es zu einer Schildkrötenaufzuchtsstation. Wir werden zu drei Plätzen gebracht, an denen wir voraussichtlich Schildkröten sehen werden und tatsächlich, wir sehen das erste Mal Riesenschildkröten.
Diese lassen sich durch uns auch gar nicht stören und meinen teilweise auf den Wegen direkt an uns vor- beilaufen zu wollen.
Unser Guide imitiert die Laute der Schildkröten, die diese beim Sex machen (der Stunden dauern kann) und wirklich, gaaanz da hinten sind zwei der ÜHUS (Über Hundert) am kopulieren. Am nächsten Platz sehen wir wieder Schildkröten und am Schluss landen wir da, wo die kleinen Schildkröten zum Schutz vor den Ratten in Kästen untergebracht sind. Wobei klein ungefähr der Größe entspricht, die eine europäische Schildkröte maximal erreicht. Erst ab ihrem 10. Lebensjahr sind sie durch ihren Panzer weitgehend geschützt.
Später sollen diese Schildkröten auf der Insel ausgewildert werden. Das Brutpflegeprogramm war wohl so ziemlich die letzte Chance um diese Tierart vor dem Aussterben zu retten.
Zurück zum Restaurant lassen wir es uns gut gehen. Es gibt Saft, Hühnchen, Wurst, Reis und Gemüse Auch für unsere Vegetarier wird gut gesorgt. Den Nachmittag verbringen wir dann an dem wunderschönen weißen Chino-Strand mit hohen Wellen türkisfarbenen Meeres. Bei dem schwülen Wetter wirklich angenehm. Leider treibt eine dicke, dunkle Wolke unsere Gruppe viel zu schnell aus dem Wasser.
Dann, beim Schuhe anziehen, hat Freya so ein typisches Urlaubsgefühl. Sie möchte aufs Klo, sofort. Eigentlich will der Bus dann wegen ihr noch mal bei dem Restaurant stoppen, aber dann reicht auch das nicht - noch vor der Abfahrt des Busses wandert sie ins Vulkangestein.
Im Hotel angekommen dann ein kurzes Duschen, Tagebuch schreiben und an den Pier. Hier gibt es wieder viel zu sehen: Wunderschöne Blüten an Kaktusbäumen, Seelöwen beim Nickerchen in Kinderrutschen,
Kinder die zusammen mit jungen Seelöwen im Hafenbecken plantschen, schwarze und rote Krebse auf schwarzen Steinen und und und. Wir treffen andere aus unserer Gruppe, trennen uns und treffen uns wieder. Letztendlich sitzen wir dann alle zusammen in der kleinen Bar, wo es den tollen Saft gibt. Gar nicht zu verfehlen: Am Ende der Promenade und mit Kaffee und Cocktails im Angebot. Noch vor Einbruch der Dunkelheit gehen wir wieder in Richtung Hotel. Wir wollen noch für jeden von uns ein T-Shirt kaufen und auch jetzt trifft sich die Gruppe in wechselnder Besetzung.
Nach dem gemeinsamen Essen im Hotel (einfache Hausmannskost, die Freya schmeckt und Jürgen eher nicht) gehen wir gemeinsam mit einigen anderen noch mal zur Bar: Cocktails trinken.
Um kurz vor sechs ist es hell und wir wach. Ab sechs Uhr fällt pünktlich der Strom aus. Es gibt keine Klima-Anlage mehr, kein Wasser für die Dusche und was noch blöder ist auch kein Wasser für die Toilettenspülung.
Macht nichts, denkt sich Freya und geht eben ungewaschen zu den Seelöwen. Sie läuft an der Seelöwenkolonie entlang, sieht einen Pelikan, der sich auf dem Geländer produziert und sich fotogen räkelt, fotografiert Fregattvögel auf Straßenlaternen und versucht wieder einmal ein paar von den wunderbaren roten Krabben zu erwischen, die auf dem Bauch so einen kleinen, blauen Schimmer haben. Außer ihr sind nur Gudrun und Elmar unterwegs. Jürgen ist schon so weit in der Zeit, dass er sooo früh nur mit gutem Grund vor die Tür geht.
Sie findet heraus, dass der Stromausfall nicht nur ihr Zimmer, das Hotel oder den Straßenzug, sondern die ganze Insel betrifft. Trotzdem schafft es das Hotelpersonal für uns ein Frühstück mit Kaffee und Tee hinzustellen.
Um 8:45 Uhr werden wir abgeholt und laufen zur Pier. In zwei Gruppen werden wir per Wasser-Taxi zu einem weiter draußen liegenden größeren Boot geschifft. Das erste Ziel ist die Insel Lobos. Unser Guide hat die Idee vom Boot aus zu einer entfernteren Stelle zu schnorcheln. Irgendwie war die Rede von einer Stunde. Der Großteil der Gruppe zieht es daher vor nur in der Nähe des Bootes zu dümpeln. Das ist aber auch toll. Das Wasser ist glasklar und türkisblau. Verspielte Seelöwen, Fische und Sonnenschein - was will man mehr. Im Nachhinein hätten wir es wahrscheinlich gut bis zu dieser entfernteren Stelle geschafft - die Stunde braucht man wohl nur, wenn man toter Mann spielt und sich treiben lässt.

Nach geraumer Zeit, als alle wieder an Bord sind, geht es weiter zur Felseninsel Kickers Rock. Das ist eine steil aus dem Wasser ragende Felsformation, die aus zwei Teilen besteht und von einer Vielzahl an Vögeln bewohnt ist. Wenn wir vom Boot aus ins Wasser schauen, können wir sogar Wasserschildkröten sehen.
Wer will kann durch die Passage von Kickers Rock schnorcheln Dafür mussten wir heute Morgen alle Flossen ausleihen, weil die Strömung hier sehr stark ist. Elmar, der sich sogar einen Neopren-Anzug mitgebracht hat und einige andere wollen es machen. Der Rest von uns schaut sich das Ganze lieber vom Boot aus an.
Mittlerweile hat es sich nämlich zugezogen. Das Meer ist dunkel und unruhig. Die drei ersten springen zusammen mit dem Guide rein und bewegen sich zügig Richtung Felspassage. Zwei weitere springen nach einer Weile hinterher und bewegen sich eher langsam in die gleiche Richtung. Die Wellen klatschen nur so gegen die Lavafelsen und nach einiger Zeit kommt zunächst Annette ziemlich erschöpft zum Boot zurück. Um in die Passage zwischen die beiden Felsen zu kommen muss man zunächst ein kleines Stück gegen den Strom schwimmen. Das hat sie nicht geschafft. Auch Horst und Silvia schaffen das nicht und kehren erschöpft zum Boot zurück. Besonders Silvia ist ziemlich frustriert darüber.
Bis auf Elmar, Michael und den Guide, die sich durch die Passage bewegen sind jetzt alle wieder an Bord. Wir umrunden den Felsen und sammeln die Durchschwimmer wieder ein. So richtig rentiert hat es sich aber nicht, wegen des unruhigen Meeres konnten sie gar nicht so viel sehen.
Mittlerweile regnet es sich ein und wer nicht innerhalb von zwei Minuten bis auf die Unterwäsche nass sein will (also alle bis auf die Schwimmer) verzieht sich ins Innere des Bootes. Als wir die Badebucht erreichen, wo wir schwimmend den Nachmittag verbringen sollen, ist es zwar gerade ein bisschen trockener aber doch dicht bewölkt.
Das Essen wird von einem anderen Boot angeliefert und es ist schon eine kleine Leistung im Stehen den Teller, das Glas mit Saft und auch noch das Besteck zu halten und zu essen.
Anlanden, wie ursprünglich geplant ist nicht mehr möglich, da der letzte Tsunami zu viel Gestein in der Bucht abgeladen hat. Nach dem Essen haben dann auch nur drei von uns Lust zur Insel zu schwimmen. Hinterher ärgert sich der Rest ein bisschen, nicht auch dort hin geschwommen zu sein, denn die drei spielen mit einem neugierigen Seelöwenbaby und kehren erst zum Boot zurück als es in Strömen gießt.
Erst kurz vor unsere Ankunft im Heimathafen gegen 15:00 Uhr klärt sich der Himmel wieder auf. Schade! Renate giert nach einer Zigarette und so lassen wir sie auf das erste Zubringerboot. Wir anderen beobachten die Seelöwen beim Boote kapern. Besonderen Spaß haben wir als wir einem Seelöwen zusehen, der auf ein Boot springt, das bereits von einem Pelikan besetzt ist und dieser nun flügelschlagend sein Revier verteidigt.
Am Pier angekommen stehen wir noch eine ganze Weile in Gruppen zusammen und beobachten die Seelöwen. Das ist einfach zu witzig.
Erst gegen 17:00 Uhr regt sich unser Unternehmungsgeist wieder. Ein kleiner Nachmittagsspaziergang mit anschließendem Saft trinken hat doch noch niemandem geschadet. Die später irgendwann ankommenden Mücken treiben uns zurück zum Hotel.
Ach ja, die laute Musik, die gerade den Ort beschallt kommt aus der Kirche! Nach dem Essen werden die Koffer gepackt denn schon um 6:30 Uhr sollen wir zum Pier gebracht werden. Unser Aufenthalt auf San Cristobal ist zu Ende. Morgen fahren wir mit dem Boot nach St. Cruz.
© Jürgen & Freya Blösl, 2011-2012
letzte Überarbeitung: 15.06.2012
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