Freya & Jürgen Blösl

Auf Darwins Spuren -
Galapagos 2011

Der Nabel der Welt oder kurz daneben

31.03.2011

Bei der Fahrt durch die Stadt hätte Freya gerne an den vielen bemalten Mauern halt gemacht und fotografiert. Das ist ja wirklich toll. Außerdem stellt sie mit Freude fest, dass hier die Häuser nicht so vergittert sind wie in Costa Rica. Zwar gibt es auch hier hohe Mauern, aber es fällt optisch nicht so ins Gewicht.

Lang und breit erfahren wir, dass das Äquatordenkmal gar nicht richtig am Äquator ist, sondern an dem Platz den die Franzosen 18hundetschlagmichtot dafür hielten. Der richtige Platz ist da wo die Indios ihn schon vor tausend Jahren markiert haben - wo wir jetzt aber nicht hinkommen.
Äquator-Denkmal - San Antonio - Ecuador Das stimmt und wussten wir auch schon vorher. Interessant nur, mit welchem Nachdruck der Guide den Aussagen am Denkmal und später am Museum widerspricht. Das absolute Totschlag-Argument aber war: "Das können wir alles mit Google Earth nachprüfen" und außerdem "Google lügt nicht!".
Schnell werden wir durch das Gelände gejagt und obwohl das sonst schon unser Tempo ist, findet zumindest Freya dass es nach dem langen Flug und in der ungewohnten Höhe (2.800 m im Durch- schnitt) ruhig ein bisschen langsamer gehen könnte.
Dafür wird es im zugehörigen Museum etwas geruhsamer für die Füße - nicht aber für den Geist. Sachkundig werden hier die vielen Völkergruppen Ecuadors erläutert.

Weiter geht es zum Äquator-Museum, wo wir mit physikalischen Tricks verblüfft werden sollen. Dumm nur, dass man beweisen will, dass man direkt auf dem Äquator ist, ihn aber auch hier verfehlt hat. Kolibri - San Antonio - Ecuador Bei Freya ist nur hängen geblieben, dass das Wasser beim Abfluss in der Nordhalbkugel links und der Südhalbkugel rechts herum fließt - oder war das umgekehrt? Und wenn man genau auf dem Äquator etwas in den Ausguss gießt dann dreht sich gar nichts - nur noch ihre Gedanken. Aber eigentlich will sie wie Jürgen lieber nach den Kolibris schauen, die hier herumfliegen.

In diesem Park kann man dann auch noch alte Haushalts-Gegenstände (Gerümpel/Trödel/Antiquitäten) sehen und wunderschöne Kaktusblüten - womit Freyas Aufmerksamkeit erst recht von allem anderen abgelenkt ist.

Danach geht es zum Essen. Es gibt gefüllte Kartoffeltaschen und Kartoffelsuppe und einen Hauptgang nach Wahl - wobei wir uns an die selbstgesetzten Vorgaben "Kein Fischgericht im Inneren eines unbekannten Landes" (siehe Reisebericht Laos) halten und Hühnchen essen. Es gibt auch noch Nachtisch und am Nachbartisch einen vorwitzigen Spatz, der sich Pommes vom abgegessenen Teller klaut und wegfliegt.

Virgen de Quito - Quito - Ecuador So langsam sind wir hundemüde - aber nichts da, jetzt kommt die Kultur. Wir besichtigen eine Statue aus Metall, die an exponierter Stelle über die Stadt blickt. Das ist der Engel der Apokalypse, kopiert von einer Holzstatue aus dem 17. Jahrhundert.

Dann wird die Taktzahl noch mal erhöht. Es gibt noch soviel zu sehen in Quito! Am Rande der Altstadt werden wir ermahnt gut (sehr gut) auf unsere Taschen aufzupassen. Dann geht es in ein kleines Gässchen, dass man vor Jahren als Tourist gar nicht betreten konnte und das jetzt, schön herausgeputzt mit netten Lokalen, nur so auf Touristen wartet. Aber nicht auf uns. Wir dürfen gucken, aber nicht anfassen und werden weiter in den Eingang des alten Hospitals gescheucht, wo wir den alten Stadtplan sehen können und weiter zu einer wunderbaren, sehr goldhaltigen Kirche. Der schnelle Rundgang reicht, um zu sehen wie viel Gold die Kolonialmächte aus dem Land herausgeholt haben. Dagegen sehen selbst die großen Kirchen in Rom ärmlich aus.

Der "Herr Polizist" auf der Straße rät uns auch noch mal gut auf unser Habe aufzupassen, dabei ist hier weder Gedrängel, noch sind die Leute die uns entgegenkommen und sogar noch einen Kopf kleiner sind als Freya wirklich furchteinflößend. Na ja, vielleicht sind sie ja schnell; Würde ja reichen.

Plaza San Francisco - Quito - Ecuador Auf dem Plaza San Francisco haben wir dann einen Moment Zeit um uns umzusehen. Unser Guide muss nämlich Geld abheben und vor dem ATM steht eine kleine Schlange.
Gerade noch rechtzeitig bevor es anfängt zu schütten kommt er zurück und wir retten uns in das Kloster, das dem Platz seinen Namen gab. Von einer Empore aus können wir die Restaurierungsarbeiten an der zugehörigen Kirche verfolgen.

Aber jetzt schnell, schnell, wir sind doch so nah und da sollen wir uns rasch die Wachablösung bei der Regierung ansehen. Tja und die haben wir verpasst, weil entweder bei der Regierung die Uhren anders gehen oder aber der Regen auch eine Auswirkung auf die Veranstaltung hatte. Fast hätte es unser Guide geschafft, das ganze Spektakel wiederholen zu lassen. Fast.

So genießen wir den dramatischen Himmel und gehen nach nebenan zu einem kurzen Shopping-Ausflug im alten Bischofspalast. Kitschliebhabern wird er sicher gefallen. Es gibt nämlich nicht den sonst überall verbreiteten asiatischen Kitsch, nein, hier gibt es südamerikanischen Kitsch und den vom feinsten. Lachende, alberne Nonnen im schwarzen Habit und an Henker oder Ku Klux Clan erinnernde Büßer in seltsamer Kleidung. Zum Schießen.

Aber bevor der Bus uns wieder abholt, könnte man doch noch schnell in eine weitere Kirche gehen. Die ersten aus der Gruppe streiken und wollen lieber hier warten. Wir aber laufen brav mit und können so noch einen schnellen Blick hineinwerfen bevor wir wieder zügig zurücklaufen und vom Bus aufgelesen werden. Auf der Rückfahrt zum Hotel werden wir dann noch Zeuge, wie die Polizei einige ältere Schüler mit Tränengas und in voller Montur durch die Straßen jagt. Worum es ging, haben wir dann leider nicht mehr erfahren. Wir würdigten aber alle den sportlichen Aspekt der Aktion.

Aber langer Rede kurzer Sinn: Wir sind platt wie die Flunder. Morgen soll es nach Galapagos gehen, obwohl Freya sich über einen weiteren Tag Quito gefreut hätte. Wie gesagt die Wandmalereien hätte sie sich gerne in Ruhe angesehen, ein paar weiteren Kirchen hätte sie sicherlich auch nicht den Rücken gekehrt - und so ein "total gefährlicher Ausflug" in ein nettes Innenstadtrestaurant wäre bei ihr auch noch drin gewesen.

Am nächsten Morgen hören wir dann übrigens von zwei Gruppenmitgliedern, dass bei ihnen tatsächlich versucht wurde die Kamera aus dem Hüftbeutel zu stehlen.

Auf unserem Zimmer angekommen steht da ein Präsentkorb von Colibri-Reisen. Viel frisches Obst, viel Schokolade und eine Flasche Kaffeelikör. Freya rafft sich noch mal auf und verteilt den Likör und etwas von der Schokolade an diejenigen der Reisegruppe, die noch im Hotel sind und an die junge Dame von der Rezeption. Das Obst und einen Teil der Schokolade werden als Abendessen vertilgt und den Rest Kaffeelikör teilen wir uns auch noch.

Nachts um drei Uhr werden wir wach, weil ein Paar miteinander streitet. Zu laut, um es zu ignorieren, zu leise, um verstehen zu können worum es geht. Wir dösen ab da nur noch und starten, Jetlag sei Dank, problemlos gegen fünf Uhr. Danach fängt Freya den Reisebericht an und Jürgen lädt die Bilder in den PC.

   

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© Jürgen & Freya Blösl, 2011-2012
    letzte Überarbeitung: 15.06.2012

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