Freya & Jürgen Blösl

Tierparade Downunder
Australien 2003

Vögel im Botanischen Garten

Samstag / Sonntag, 15/16.02.2003

Eigentlich wollten wir ja in Frankfurt übernachten und das Auto dort stehen lassen. Dummerweise ist gerade Kunstmesse und das Zimmer kostet "nur" 250 Euro. Also haben wir uns letztendlich doch zu "Rail and Fly" entschlossen, auch weil das Gegurke mit den Regionalbahnen nach unserem Umzug in die Nähe von Ulm jetzt wegfällt. Das vorbestellte Taxi kommt um 6.15 Uhr - ganz pünktlich! Der Fahrer ist weitaus fitter und bestimmt doppelt so gesprächig wie wir. Es ist schweinekalt (-15°C) und wir bibbern die Minuten (Freya sagt zwei, Jürgen zehn), die wir am Bahnsteig stehen. Der ICE fährt direkt über Stuttgart zum Frankfurter Flughafen.

Wir stoppen natürlich nach dem Einchecken bei McD und Freya isst Gemüse im Teigmantel mit Stäbchen. Immer gemäß dem momentan im Radio und Fernsehen verkündetem McD-Motto: "Üben, üben, üben!"

Nach kurzem, nicht wirklich erholsamem Schlaf landen wir elf Stunden später endlich in Kuala Lumpur. Wir laufen ein bisschen durch die Geschäfte des Satelliten-Terminals und sitzen dann doch wieder, um auf unseren Weiterflug nach Sydney zu warten. Zum Hinlegen ist es zu kalt. Hier ist das Land der kaltgestellten Klimaanlagen. Die Damen von der Abfertigung tragen dann auch dicke Wolljacken. Wir werden immer müder. Die noch auf zuhause eingestellte Uhr zeigt zwölf Uhr nachts an, während wir hier schon den nächsten Morgen haben. Leider müssen wir noch eine Stunde länger auf unseren Anschlussflug warten. Überhaupt waren diese 1 ½ Stunden Stop-Over das Nervigste auf dem langen Flug.

Die nächsten 8 ½ Stunden sitzen wir im Anschlussflieger nach Sydney und sind jetzt auch müde genug, um zu schlafen. Den Rest der Zeit spielt Freya Solitär - mit indiskutablen Antwortzeiten. Zwischendurch sieht sie auch immer wieder ein wenig vom Film "Der Ring". Obwohl sie sich immer so schrecklich gruselt sind Horrorfilme in kleinen Häppchen - und möglichst das Ende zuerst - schon immer ihrs gewesen. Anschließend meint sie nur, dass sie jetzt weiß wie der Film ausgeht und ihn vielleicht mal beim Bügeln gucken könnte. Auch Jürgen ist beschäftigt. Seine Vorliebe gilt Nintendo und Charly Chan. Dann nähert sich das Ende unseres Fluges. Wir werden besprüht wie giftige Mücken und nach unserer Ankunft von Hunden beschnüffelt. Die wollen herausfinden ob wir irgendwelche Lebensmittel oder Naschereien hier einführen, was streng verboten ist. Wir kommen uns vor wie Bazillen.

Aber wir wussten ja, dass das auf uns zukommt und Freya hat zuhause sogar unsere Wanderschuhe nochmals genauestens inspiziert und den zugegeben noch vorhandenen Schmutz peinlich entfernt. Wir lassen also die Schuhe kontrollieren doch ernten dafür ein eher freundliches Grinsen. Auch gut.

Mit dem Taxi geht es zum Hotel Sydney Boulevard. Das Rating im Internet war gut und das Hotel liegt zwar abseits der touristischen Highlights aber einigermaßen zentral und ist nicht teuer. Auf die Nacht - mittlerweile ist es kurz vor Mitternacht - Ortszeit trinken wir noch Tee und Bier aus der Minibar und irgendwann schlafen wir auch ein.

Montag, 17.02.2003

Am nächsten Tag sind wir gegen halb sechs wach und kurz darauf klingelt auch schon der Wecker. Wir duschen, trinken Kaffee bzw. Tee und schaffen es tatsächlich schon gegen 8.00 Uhr aus dem Haus zu kommen.

Queen Victoria Building - SydneyWir gehen zunächst in Richtung Stadtmitte und stoppen, nach einem eher mauen Frühstück bei McD, im Queen Victoria Building, einem alten Gebäude, in dem viele schöne Geschäfte untergebracht sind. Hier wird aber wegen der frühen Uhrzeit nur geguckt und fotografiert.

Durch den modernen City- und Bankenbereich laufen wir zum Stadtviertel "The Rocks", einem neu renovierten Bezirk aus alter Backsteinsubstanz, wo wir die Touristeninformation nach Infomaterial abgrasen und uns dann in einigen Shops umsehen. Unterhalb der Sydney Bridge machen wir eine Pause und sehen den Bridge Climbern zu. Angesichts des trüben Wetters kann Freya Jürgen sogar zu einem Besuch im Aquarium überreden. So laufen wir also ein Stück an der Küste entlang, sehen alte Fabrikgebäude, die gerade zu schicken Wohnungen oder Büros entkernt werden. Könnte uns auch gefallen. Wir verlassen den Hafen und essen in der Nähe ein Sandwich zu Mittag. Wahlweise mit Lachs oder Thunfisch und Salat. Das ist lecker. Australien ist ein Sandwich-Land. Eigentlich überall gibt es welche zu kaufen. Aber so gut wie hier in diesem Restaurant waren sie nie wieder.

Dann aber zum Aquarium. Freya lässt sich doch tatsächlich zu der Aussage hinreißen, dass sie die Fische von unten sehen will - nimmt dies dann aber doch schnell wieder zurück. Das Aquarium von Sydney scheint schon ein bisschen in die Jahre gekommen. Doch die riesigen Glasröhren, durch die man zwischen den Meeresriesen hindurchgehen kann, sind beeindruckend. Wir mögen die Riesenrochen, die von unten aussehen wie "Hui, das Schlossgespenst". Die Haie gucken leider so unfreundlich, dass man nicht so richtig Sympathie für sie empfinden kann, sind aber trotzdem von einer kalten, beeindruckenden Schönheit. Neben den Röhren interessiert uns am meisten das Barrier Reef Habitat. In einem anderen Becken gucken kleine Pinguine mit zurückgelegten Armstummeln nach oben oder schwimmen im Wasser. Außerdem gibt es kleine Bassins wo man Seesterne, Fische oder Korallen vorsichtig anfassen kann.

Nach dem Museum gehen wir ins Cafe "Pier 26" im ersten Stock gegenüber. Dort ist es netter und außerdem billiger als im Museumscafe. Kaum haben wir unsere Cappuccinos, fängt es auch schon an zu regnen. Das ist Timing! So langsam bauen wir ab und so wollen wir - auch weil das Regenrisiko ziemlich hoch ist, noch mal in das schöne alte Kaufhaus von heute morgen.

Vorher entdecken wir jedoch ein weiteres, altes Gebäude, in dem viele kleine Geschäfte untergebracht sind. Es heißt "The Strand". Von den Geschäften her gefällt es Freya fast besser als das Victoria Building. Wir lassen uns mit dem Fahrstuhl in den zweiten Stock fahren und laufen dann die einzelnen Geschäfte ab. Ganz nett und vor allem teuer.

Anschließend suchen und finden wir den australischen ADAC, um uns Karten für die in den nächsten Tagen folgende Autofahrt zu besorgen. Gegenüber, auf der anderen Straßenseite, dann die Versuchung in Schokolade. Wir erliegen ihr. Der Laden heißt Darrel Lea. Wir haben hier was Interessantes entdeckt: Rocklea Road. Das sind mit Schokolade überzogene Marshmellows mit Nüssen und Kokosraspeln. Nicht schlecht, Herr Specht. Mehr unserem sonstigen Geschmack entsprechen die Früchte und Nüsse in schwarzer Schokolade. So gute Schokolade wie hier haben wir nicht mehr gefunden (siehe auch Adelaide) Also wenn es die Temperaturen zulassen hier unbedingt Reiseproviant besorgen.

Der Einkauf unseres Abendessens gestaltet sich wegen der gerade begonnenen Rushhour als anstrengender als gedacht. Wir kaufen Brötchen, Käse, Schinken und eine halbe Melone. Freya legt auch noch Wert auf ein Sonderangebot spießiger Küchenhandtücher. Damit wir beim Essen eine schöne Unterlage haben :-).

Anschließend kaufen wir im Liquor Shop noch Wein. Der ist teuer hier: 8.99 AUD, und bei der angebotenen Auswahl einer der Preiswerten. Im Nachhinein hat er dann auch entsprechend geschmeckt. Noch nicht einmal einen richtigen Korken hatte er, nur einen Ersatz, der so aussah als ob. Für den Preis haben wir in Europa schon weitaus Besseres getrunken. Bei dem anschließenden Weg durch die Unterführung haben wir dann auch noch einen Sushi-Shop entdeckt und zugeschlagen. Im Nachhinein eine wirklich gute Entscheidung, denn unsere Brötchen sind weitgehend geschmacksneutral und auch von der Konsistenz her nicht das gewünschte "Brötchenerlebnis". Demnächst kaufen wir Toastbrot, das schmeckt auch nicht, aber da weiß man, was man hat.

Dienstag, 18.02.2003

Irgendwie hat unser Wecker den Flug nicht verkraftet, läutet eine Stunde vor der eingestellten Zeit und auch die Anzeige ist zumindest mal zweideutig. Also lassen wir uns durch Radio im Zimmer wecken und laufen dann durch den Botanischen Garten in Richtung Circular Quai. Wir haben nämlich vor, eine Hafenrundfahrt zu machen. Irgendwie kommen wir aber nicht vom Fleck. Freya hat die nicht so leckeren Brötchen von gestern eingesteckt und verfüttert sie an die einheimischen Vögel.

Kakadu - Botanischer Garten, SydneyFlughunde - Botanischer Garten, SydneyWir entdecken die Kolonie Flughunde, von der wir gelesen hatten und beobachten auch noch einen weißen Kakadu. Jetzt müssen wir uns aber beeilen um bei der Morning Cruise noch mitzukommen. Das klappt - wenn auch ganz knapp.

Die Rundfahrt durch den weitläufigen Hafen gibt Ausblick auf sehr, sehr schöne und teure Villen, alte Forts und eine Quarantäneinsel. Schade, dass das Wetter nicht so ganz mitspielt. Es hat uns trotzdem Spaß gemacht und Hunger haben wir jetzt auch. Wir finden ein nettes Lokal in den Rocks und nachdem der Kellner nicht gleich kommt wechselt Freya ihren Essenswunsch im Sekundenrhythmus. "Salat, Sandwich, Fish & Chips oder doch den Pie, der am Nachbartisch so lecker aussieht? Schließlich entscheidet sie sich für Pie :-).

Zum zweiten Mal gehen wir danach in das Hutgeschäft in der angrenzenden Passage. Freya möchte einen Hut aus Känguruleder und Jürgen hat für sich ein totes Emu ausgeguckt. Mal sehen.

State Libary of NSW - SydneyNoch ist unser Entdeckerdrang ungebremst. Also los zur State Library. Hier ist am Boden der Eingangshalle ein Mosaik nach einer alten Seekarte. Die St. Mary's Cathedral danach ist nicht sonderlich beeindruckend. Oder ist der Vergleich mit römischen Kirchen unfair?

Anschließend kann Freya Jürgen auch noch überreden mit ihr in das Australische Museum zu gehen. Da ist eine Ausstellung mit chinesischen Dinosauriern. Große Viecher mit kleinen Köpfen. Freya nimmt sogar bei der Verlosung der Ausstellungsfahne teil und begründet ihre Teilnahme damit, dass sie es schon amüsant fände, ausgerechnet in Australien etwas zu gewinnen.

Außer den Dinosauriern gibt es natürlich auch die Standardaus-
stellungen. Zuerst landen wir bei den Skeletten. Witzig finden wir den Fahrradfahrer, den man von außen durch eigenes Treten zu Bewegungen animieren kann und das Envirement mit Skelett im Schaukelstuhl. Die Beine übereinandergeschlagen, begleitet von Hund, Katze, Maus und Vogelskelett, gekrönt von der Überschrift "Home sweet Home".
Ein Schild weist darauf hin, dass man, seit der Handel mit menschlichen Knochen verboten ist, teilweise auf Nachbildungen aus Plastik zurückgreifen muss. Im ersten Stock gibt es die größten Nuggets Australiens und andere Mineralien zu sehen. Wirklich schön ist die Chapman-Sammlung. Freya ist kaum wegzukriegen.

SydneyKurz vor der Dämmerung machen wir uns dann noch mal auf, um Oper und Hafen-
brücke abzulichten. Wir sprinten durch den Botanischen Garten, wo man nach 20.00 Uhr nicht mehr durchlaufen soll. Aber wir haben ja erst 19.30. Die Flughunde hängen um diese Zeit auch nicht mehr an den Ästen. Nein sie kreischen und fliegen über uns hinweg. Krachmäßig werden sie nur durch die ca. 20 weißen Kakadus auf einem gegenüberliegenden Baum unterstützt, wenn nicht übertroffen. Wahnsinn.

Wir sehen uns das an, Jürgen fotografiert und dann beeilen wir uns an die Kaimauer zu kommen.

Mittwoch, 19.02.2003

Am nächsten Tag haben wir den Wecker zwar auf 6 Uhr gestellt, doch es ist grau und dunkel und damit hat es sich dann auch mit dem Ausflug in die Blue Mountains. Wie hat es sich so schön gelesen: "Bei schlechtem Wetter in Sydney ist auch dort nicht mit gutem Wetter zu rechnen." Die Klippenwanderung werden wir heute auch nicht machen. Vielleicht ein bisschen zum Darling Harbour. Unsere Absicht auf den Brückenpfeiler zu gehen und die Aussicht zu genießen, können wir ja heute wohl auch noch ein bisschen hinten anstellen.

Freya möchte mit der Monorail fahren. Einmal die gesamte Runde. Bei dieser Fahrt sehen wir dann, dass im Powerhouse Museum immer noch die Star Wars Ausstellung läuft. Damit ist unser Vormittags-
programm gebucht. Die zehn Minuten bis zum Öffnungstermin um 10 Uhr nutzen wir noch dazu, zwei Straßen weiter einen Capuccino zu trinken. Übrigens ist der Cappuccino zumindest in Sydney jedes Mal sehr gut gewesen.

Die Star Wars Ausstellung ist Klasse. Kostüme, Originalzeichnungen, Raumschiffe und natürlich R2D2 und sein Kumpel C3PO. Es gibt interaktive Spiele und wer im richtigen Licht steht und sich dabei ganz, ganz fest konzentriert kann auch ein Raumschiff mit der Kraft seines Geistes aus dem Sumpf ziehen. Wir haben Spaß.

Auch ansonsten ist das Museum ein Erlebnis. Freya stellt Ingredienzien für ein selbstgebasteltes Feuerwerk zusammen und testet ihre soziale Kompetenz. Jürgen liest E-Mails am freien Internetzugang, spielt mit Magneten und isst Schokolade. Auf diese Weise bringen wir locker drei Stunden rum.

Freya ist jetzt eigentlich ein bisschen müde - aber der Gatte spricht ein Machtwort und sie folgt mit müden Füssen in Richtung Brückenpfeiler Sydney Bridge. Auf dem Weg dorthin werden wir von einem netten Mann angesprochen, der meint, dass wir so aussehen als wollten wir zum Pfeiler, und das es wesentlich einfacher wäre, wenn wir so und so und so gingen. Schön, wo er Recht hat ...

Wir kommen also ganz einfach zum Pfeiler, steigen die 200 Stufen hoch und haben eine sehr gute Rundumsicht. Anschließend haben wir in "The Rocks" noch die Lederhüte gekauft um die wir seit Tagen herumgeschlichen sind. Durch den Botanischen Garten laufen wir schließlich zurück zum Hotel.

Donnerstag, 20.02.2003

Heute scheint das Wetter ganz gut zu werden. Wir machen uns so gegen 9.00 Uhr auf und wollen mit dem Bus (373 oder 374) nach Coogee, um von dort aus die Klippen entlang nach Bondi Beach zu laufen. Der Weg ist schön, einfach zu laufen und Freya ist am Fluchen, weil sie keinen Bikini mitgenommen hat. Viele kleine Badebuchten, die meisten peinlich sauber. Ganz feiner, heller Sand und das Wasser so türkisblau wie in der Urlaubswerbung. Besonders der Strand bei Clovelly, der sehr geschützt liegt, gefällt Freya.

Wir beobachten kurz vor dem Ort Bronte, der offensichtlich fest in italienischer Hand ist, eine Gruppe älterer Leute beim Boulespiel. Hier liegt entlang der Klippen ein Friedhof, an einer Stelle, wo man woanders viel Geld für einen Bauplatz hinlegen würde. In Bronte kaufen wir uns Fish und Chips und essen alles in einem der kleinen Parkhäuschen, nahe des Strandes, die mit Tisch und Bänken ausgestattet sind. Schon sind die Möwen da und sitzen an. Das ist vielleicht eine streitsüchtige Gesellschaft. Einige senken den Kopf ganz tief und machen den Hals lang um sich dann aggressiv auf die anderen zu stürzen und kaum scheint es woanders etwas zu geben, ziehen sie laut kreischend weiter.

Tamarama Bay - SydneyWir stoppen schon wenige Meter weiter bei Tamarama Bay, um die Wellenreiter zu beobachten. Jürgen sagt: "Die hauern wie die Laie" und wir müssen beide lachen. Stimmt schon. Von hier aus bis Bondi Beach ist der Weg asphaltiert. Treppen rauf, Treppen runter, immer schön an den Klippen entlang.

   
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© Jürgen & Freya Blösl, 2003-2012
    letzte Überarbeitung: 15.06.2012

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