Freya & Jürgen Blösl

Tierparade Downunder
Australien 2003

Da ist ja noch ein Koala !

Freitag, 21.02.2003

Es hat sich ja schon gestern Abend abgezeichnet. Freya hat sich das Gesicht verbrannt. Sie dankt nur Gott, dass sie ihre Badesachen nicht dabei hatte. Von wegen bewölkt! Ganz delikat hat es sie getroffen: Direkt unter den Augen. Schon doof.

Heute wollen wir unsere Fahrt entlang der Küste starten. Es geht in Richtung Melbourne und dann weiter nach Adelaide. Da es angefangen hat zu regnen, fahren wir den Tag einfach durch, obwohl einige Orte am Wegesrand mehr Aufmerksamkeit verdient hätten.

Die Landschaft ist üppig und grün und zeigt die Spuren länger und weniger lang zurückliegender Brände. Wobei schon wieder frisches Grün aus den schwarzen Stämmen ausschlägt.

Um 17.00 Uhr erreichen wir den Ort Eden, in dem wir heute übernachten wollen. Wir steigen im Central Motel ab. Es gießt aus Eimern und stürmt sogar ein wenig, was unseren Entdeckerdrang doch sehr stark bremst. Wir gehen sehr lecker im Hotel Australasia essen - hier gibt es das erste Mal "Fish of the day", ein Gericht, das uns diesen Urlaub begleiten wird. Am Nachbartisch sehen wir auch die Fischplatte für zwei, ein Ereignis, das man auch ohne weiteres zu dritt wahrnehmen könnte. Von einem anderen Nebentisch wird die Fischesserin darauf aufmerksam gemacht, dass sie die Ärmel in der Soße hat, also gucken nicht nur wir den Leuten das Essen in den Mund :-).

Samstag, 22.02.2003

Am nächsten Tag hören wir im Radio stundenlang Veterinärberatung für Privatleute - hauptsächlich weil es der einzige Sender ist, in dem es wenigstens ab und zu Musik gibt. Aber witzig ist das schon. Ein Mann fragt, ob sein Hund krank ist, weil er sich beim Fahren immer sofort ablegt. Er wird beruhigt. Ein anderes Tier muss nach der Beschreibung der Krankengeschichte wohl eingeschläfert werden. Wir leiden mit. Der Verlust von Federn bei den Hühnern der Anruferin liegt am falschen Futter. Na toll.

Freya ist immer noch nicht so glücklich über ihr Aussehen. Da sie den Sonnenbrand unter den Augen hat, ist dieser Bereich geschwollen und da das alles weh tut, kann sie nicht einmal ihre Brille aufsetzen. Aber was soll's, das erspart ihr das Autofahren.

Es regnet immer noch, obwohl wir nach dem Sturm in der Nacht wirklich gehofft haben, dass die Regenwolken weggepustet sind und wir bei schönem Wetter aufwachen. Wir frühstücken Obst und Marmeladenbrötchen und sind das erste Mal mit unserer Frühstücksauswahl zufrieden.

Um acht Uhr geht es los und schon so gegen 9.00 Uhr verlassen wir das Dauerregengebiet zugunsten vereinzelter Schauer. Wir fahren durch Wald und Weidelandschaft und irgendwann fallen uns die riesigen mannshohen Farne auf. Gleich darauf ein Schild "Rainforrest walk". Der Walk ist nett, teilweise asphaltiert, teilweise Lattenroste, viele Stufen, zwei Hängebrücken und er führt durch die delikate Stufe zwischen Eukalyptus und Regenwald. Beim Betreten der zweiten Brücke kreischt plötzlich ein Vogel - und jetzt weiß es auch der restliche Wald, dass wir hier sind. Wir erschrecken jedenfalls bis ins Mark.

schwarzer Schwan - Raymond IslandKoala - Raymond IslandWir fahren weiter bis Lake Entrance. Hier sehen wir das erste Mal die von Freya herbeigesehnten schwarzen Schwäne. Wir buchen uns in einem Motel an der Promenade ein und statten dann Safeway noch einen Besuch ab. Hier finden wir auch Wein zu halbwegs vernünftigen Preisen.

Zum Mittagessen gibt es wieder Fish und Chips, lecker. Wir essen Flakes, das sind Haifisch-Flossen. Die haben wir leider woanders nicht mehr gesehen. Wer hinkommt sollte das unbedingt probieren. Wir wollen aber jetzt noch nach Raymond Island - das ja doch noch 50 km entfernt liegt. Hier soll es eine Kolonie von ca. 60 Koalabären geben, die man auf den 2 - 3 Meter hohen Eukalyptus-Bäumen gut sehen kann. Wir sind gespannt.

Das Wetter ist immer noch grau in grau, es geht ein ziemlicher Wind und so sehen wir von unserem ersten Ansatz, die Insel zu Fuß zu erkunden, ab. Wir fahren also zur Fähre und da liegt doch tatsächlich ein Segelboot mit Freyas Namen. Na ja, fast. Freyja heißt das Schiff und so hieß sie tatsächlich in ihrer Geburtsurkunde.

Koala - Raymond IslandWir überqueren den schmalen Streifen Wasser mit der Fähre, und fahren dann mit dem Auto einfach mehr oder weniger geradeaus. Ganz langsam, denn die Straßen sind bessere Feldwege. Und da sitzt auch schon so ein Plüschball. Wir steigen aus und entdecken ein paar Meter weiter gleich den nächsten. Dann fahren wir aber noch ein bisschen, bis wir zu einer Stelle gelangen, wo eine ganze Gruppe mehr oder weniger bewegungslos auf den Bäumen hockt. Das "social life" der Koalas findet nachts statt - und so süß sie aussehen, sie scheinen ganz schön unverträglich zu sein. Jeder Baum ist sozusagen ein Ein-Koala-Haus. Nur Mutter und Kind können die Nähe ertragen. Hier ist einer und da und guck mal da. Einer im Auto vorbeikommenden Familie können wir unsere Entdeckungen zeigen.

Endlich reicht es uns. Wir laufen noch ein bisschen am Ufer entlang und betrachten schwarze Schwäne und andere Wasservögel, um dann mit der Fähre wieder gemütlich nach Paynesville zu tuckern. Uns gefällt es hier richtig gut. Seen, Meer und viele nette Tiere. Wir fahren zurück nach Lake Entrance und irgendwie haben wir keine Lust zu gar nix. Also kaufen wir ein paar Snacks und nehmen die im Motel mit einer Flasche Wein zu uns.

Sonntag, 23.02.2003

Pelikan - Lake EntrancePelikan - Lake EntranceVogel - Lake Entrance

Heute ist Sonntagswetter und Jürgen ist tatsächlich auch irgendwann fertig geworden. Wir wollen nach Wilsons Promotory fahren, stoppen aber noch innerhalb von Lake Entrance zum ersten Mal. Möwen, Pelikane, schwarze Schwäne - und das alles vor kitschig, blauem Himmel. Kurz entschlossen fahren wir auch noch mal zu den Koalas. Wenn man die Viecher hier schon so gut sehen kann, wollen wir das auch noch mal bei schönem Wetter haben.

So, jetzt haben wir die Puschelbären auch noch mal im Sonnenlicht gesehen. Es ist schon niedlich, wie sie sich in eine Astgabel setzen, meist den Ast vor sich fest in den Arm genommen. Nachts sollen sie sich ja tatsächlich bewegen.

Ja dann haben wir doch auch tatsächlich zweimal den Schatten eines vorbeihuschenden Kängurus oder Wallabies gesehen. Man sollte ja meinen, man fällt in Australien geradezu über die Viecher. Aber nein, Kängurus sind eher nachtaktiv aber wir, dank Jetlag eher tagaktiv. Aber wir sind ja erst am Beginn unseres Urlaubes. Freya ist beeindruckt von den großen, silbrig glänzenden Baumruinen, die immer wieder rechts und links der Straße stehen. Bei uns würden sie abgesägt werden, hier bestimmen sie das Landschaftsbild.

Unser Mittag besteht aus irgendwelchen Speckbrötchen vom Bäcker im Supermarkt der kleinen Stadt Sale. Das ist eher keine Empfehlung. Danach haben wir uns ein selbstgeschaffene Abenteuer besorgt. Wir wollen von Yarram aus zum Tarra Bulga Nationalpark fahre. Freya guckt die ganze Zeit auf die diversen Plänchen in den Heften, die wir vom australischen ADAC bekommen haben und sagt, wir müssen nach rechts und ihr Mann sagt nein, und fährt geradeaus weiter.

Okay, hier interpretiert sie dann die zugegeben vereinfachende Karte falsch und meint, dass wir auch so ans Ziel kommen. Tun wir aber nicht und bei Straßenkarten 1:1.000.000 sollte man sich nicht allzu weit von den Hauptrouten entfernen. Wir fahren auf einspurigen Strassen und Wegen, mehrere Kilometer durch freies Feld, und als wieder eine Abzweigung kommt meint Jürgen "Entweder geradeaus oder rechts" und Freya sagt "umdrehen". Das sieht Jürgen natürlich nicht so und fährt rechts. Als die gewählte Strasse aber rasch zu einem schmalen Feldweg wird, drehen wir schließlich doch um, verfahren uns noch mal und kommen schließlich an den ursprünglichen Abzweig. Hier achtet Freya aber nicht auf alle Zeichen der Karte und lotst Jürgen mehr als 15 km auf immer schmaler werdenden, unasphaltierten Waldwegen, die aufgrund des gestrigen Wetters teilweise recht schmierig sind, immer den Berg hinauf. Aber schließlich kommen wir in Tarra Bulga an, suchen uns einen Parklatz und laufen los.

Wir sehen riesige Farne und überqueren eine Hängebrücke, die über wogenden Farnkronen gespannt ist. Hier spricht uns ein Mann an, der uns mitteilt, dass er auf dem Scenic Way einen Lyrebird gesehen hat. Das ist ein rebhuhnartiger Vogel mit auffallenden Schwanzfedern. Der Mann hilft uns auch den Vogel zu hören. Wenn man denkt, da sitzen vier oder fünf verschiedene Piepmätze zusammen und zwitschern alle in den höchsten Tönen - dann ist es der Lyrebird.

Also laufen wir den Weg nach oben - hören den Vogel - Jürgen wechselt das Objektiv - wir kommen um die Ecke - und ein strahlender Mann kommt mit Kamera aus dem Unterholz. Klasse! Tatsächlich sehen wir noch ein paar Schwanzfedern, was ja immerhin das Beste an dem Vieh sein soll. Aber ein bisschen schade ist das schon.

Wir wandern zurück zum Auto und fahren dann auch nicht den gleichen Weg wie bergauf, sondern auf dem auch vorhandenen, asphaltierten Weg herunter. Dieser ist aber auch recht schmal. Kaum grinsen wir über das sehr drastische Schild "Don't meet by accident" kommt uns schon ein anderes Auto entgegen.

Wir übernachten in Foster, wo unser Hotel 75 AUD kostet - bisher hatten wir immer so um die 60 bezahlt. Dafür sitzt vor unserem Eingang auch eine ziemlich fette Spinne an der Freya nicht vorbeigehen mag. Jürgen verscheucht sie ca. zwei Meter weiter und zugegeben, sie ist auf ihre Art schön. Soweit Spinnen denn schön sein können.

Montag, 24.02.2003

Papagei - Wilsons PromontoryAm nächsten Morgen fahren wir doch noch ein ganzes Stück bis wir in den Wilsons Promotory National Park kommen. Am Besucherzentrum sehen wir sie wieder, die schönen roten Papageien. Sie heißen Crimson Rosella. Den Fotografen entziehen sie sich meist durch überstürzte Flucht.

Wir wollen den Lillipilli-Trail und den Tidal View laufen und fangen, weil es mittlerweile doch wieder neun Uhr ist, mit dem Tidal View an.

Es ist ziemlich heiß, und so schwitzen wir auf diesem einfachen Weg bergauf ziemlich schnell. Nach fabelhaften Ausblicken auf die Küstenlinie treffen wir auf ein Paar, das mit Blick auf Jürgens Fotoausrüstung meint: "Taking pictures from Tasmania?" Kurz darauf entdeckt Jürgen dann ein kleines dunkles Känguru (Swamp Wallaby) friedlich futternd am Wegesrand. Wir kommen zwar dicht ran aber es bleibt unfotogen im Schatten stehen. Auch das zweite Skippy am Weg ist nicht scheu aber fotografierunwillig.

Der kurze Trip noch mal zurück zum Info-Center bringt dann die Erkenntnis, dass auch die Rosellas mittags nicht zu sehen sind.

Dann fahren wir weiter. Es war sicher eine Fehlplanung hier nur einen Tag einzuplanen. Dieser Park wäre sicher mehr wert gewesen. Aber wir wollen heute noch nach Phillip Island, Pinguine gucken. Bei diesem Thema sind wir so ein bisschen hin und her gerissen, weil das mit den Pinguinen so fürchterlich touristisch klingt. Aber mal sehen. Hier gibt es einen Strand wo morgens und abends Gruppen kleiner Zwergpinguine aus dem Wasser zu ihren Höhlen oder aber ins Wasser gehen. Das alles kann von einer Tribüne aus beobachtet werden. Fotografieren ist verboten, Eintritt kostet es auch. Wie gesagt, mal sehen!

An der Touristeninformation, gleich nachdem wir die Brücke zur Insel überquert haben, besorgen wir uns Eintrittskarten für heute Abend und suchen dann in Coles nach einer Unterkunft. Laut unserem Reiseführer wird das Anchor Inn empfohlen. Das sieht aber richtig teuer aus. Da jedoch ein Schild draußen hängt, auf dem etwas von Nebensaisonpreisen steht, kommen wir für 83,60 AUD ziemlich luxuriös unter. Im Preis ist auch ein Frühstück enthalten. Normalerweise kostet das Zimmer 125 AUD.

Also gut, wir haben die Pinguin-Parade gesehen und sind immer noch hin und hergerissen. Einerseits ist es ziemlich nervig auf einer Tribüne zu sitzen, wo immer wieder Reisegruppen kommen und gehen, vor dir stehen bleiben, herum laufen. Andererseits trösten wir uns ein bisschen damit, dass man heutzutage solche Ereignisse schon ein bisschen kanalisieren muss, um die Tiere zu schützen. Schließlich sind es wohl jeden Tag 2000 bis 3000 Leute, die sich dieses Spektakel ansehen wollen. Außer an der Tribüne ist der Zugang zum Strand bei Dunkelheit gesperrt. Um Punkt halb neun geht das Flutlicht an und schon vorher waren immer wieder diese kleinen, putzigen Pinguine zu sehen. Das Spektakel spielt sich meistens nach demselben Schema ab: Zwei oder drei Pinguine werden "angespült", stehen dann so ein bisschen entscheidungsunfähig rum und flüchten wieder ins Wasser. Dann kommen noch ein oder zwei dazu und noch ein paar und irgendwann marschiert dann eine größere Gruppe über den Strand.

Schön war es, beim Rausgehen noch mal über den Steg nach links in Richtung Meer zu gehen. Hier waren dann die Gruppen auf dem Weg zu ihren Nestern und das war schön nett, wie sie da rumwatschelten, kaum größer als einen halben Meter.

Dienstag, 25.02.2003

Wir frühstücken gut mit Obstsalat, Toast und Müsli. Wir probieren sogar von der Mini-Hotelpackung Vegemite und können das Urteil anderer Australienreisender bestätigen: Es schmeckt ziemlich scheußlich.

Gala - Coles, Phillip IslandUnser nächstes Ziel ist Melbourne. Doch kaum haben wir den Hotelparkplatz verlassen, sehen wir zwei Galas auf der Wiese eines Vorgartens. Wir beobachten sie und machen Fotos. Im Lauf unserer Reise stellen wir dann fest, dass diese Papageien hier so häufig sind, wie Tauben bei uns.

Weiter geht es, vorbei an Buschland und Weiden, auf denen meistens Rinder grasen. Kurz vor Mittag erreichen wir Dandenong, fast schon ein Vorort von Melbourne und entscheiden uns dagegen, die Dandenong Ranges anzusehen. Das soll ein "Hotspot" von Rosellas und Lyrebirds sein, aber um 11Uhr? Wir fahren lieber weiter in Richtung Melbourne, verfahren uns auch nur ganz kurz, um gleich darauf auf dem 111er Highway in Richtung Geelong zu landen.

   

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    letzte Überarbeitung: 10.06.2011

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