Tierparade Downunder
Australien 2003
Wir stehen zeitig auf, schließlich müssen wir etwa eine Stunde vor der Abfahrt an der Fähre stehen. Das Einparken auf der Fähre muss natürlich Jürgen übernehmen. Aber der ist bis jetzt sowieso immer gefahren. Schon erstaunlich, wie viele Autos auf einen so kleinen Raum passen. Selbst LKWs und Wohnanhänger dürfen mit.
Während der Überfahrt steht Freya die meiste Zeit an der Reling und hat sogar zweimal, kurz nach der Hafenausfahrt, aus dem Wasser springende Delphine gesehen. In unserem sehr hilfreichen Buch über das Wildlife in Australien war zu lesen, das die Meerenge zwischen Cape Jervis und Kangaroo Island ein Hotspot für das Beobachten von Delphinen ist. Davon haben wir jetzt aber nichts gemerkt
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Auf der Insel angekommen, machen wir ein Hotelzimmer in Kingscote fest und fahren dann in Richtung Emu-Bay. Hier, am steinigen Strand windet es mehr als nett, aber wir sehen Pelikane und andere Seevögel. Ein Pelikan klappert mit dem Schnabel, breitet einen Flügel aus und winkelt dann noch ein Bein an. Spätestens jetzt kann Jürgen nicht mehr fotografieren, weil er lachen muss.
Nachdem wir uns vom Wind haben durchpusten lassen, fahren wir quer über die Insel zu den Kelly Hills Caves, sehen dort auf den höchsten Gipfeln der Gumtrees mal wieder die wunderschönen Crimson Rosella Papageien und laufen dann mit einer Rangerin durch die Höhle, die wirklich toll ist.
Dies ist eine Trockenhöhle, 16° warm, mit ganz vielen Stalagmiten und Stalaktiten. Vor ca. 80 Jahren wurde sie das erste Mal begangen. Natürlich mit Kerzen! Um uns zu verdeutlichen, wie das mit den Kerzen war, macht unser Guide das Licht aus und lässt nur noch eine Kerze brennen. Sie pustet die Kerze aus und es ist dunkel, richtig dunkel. Anschließend bittet sie uns, die Füße zusammenzustellen und wir entdecken, dass wir anfangen zu wackeln. Unser Gleichgewichtssinn hat hier nichts mehr, an dem er sich orientieren kann. Es ist nicht nur völlig dunkel, es ist auch völlig still. Glücklicherweise nicht sehr lange, weil eines der auf der Tour mitgenommenen Kinder anfängt zu weinen. Freya gibt zu, dass sie bei der Kerzentour wohl nicht mitgegangen wäre.
Nach der Führung laufen wir noch ein bisschen herum und entdecken ein wunderschönes, blaues Vögelchen, dem nicht nur wir mit einem Fotoapparat hinterhergehen. Der Vogel heißt Wren und sieht aus wie blau lackiert.
Heute wollen wir noch nicht zu den Flinders Ranges, dem großen Nationalpark auf der Insel. Wir wollen heute Abend zur Pelikanfütterung in Kingscote und denken, wir haben noch ein bisschen Zeit, um auf dem Weg dorthin die Murray Lagoon anzusehen. Wie so oft lotst Freya ihren Mann wieder auf eine unbefestigte Straße, doch ist diese eine der harmlosen Sorte. Vorbei geht es an einem Besitz, der Lothlorien heißt und es würde uns gar nicht wundern, wenn hier so ein " hübsches Spitzohr" um die Ecke käme.
Unser Ausflug zur Lagune findet ganz offensichtlich zur falschen Jahreszeit statt. Im August oder September muss es hier ganz gut sein. Jetzt sind die Wetlands vertrocknet und eher langweilig.

Also fahren wir zurück nach Kingscote und schaffen es, ganz pünktlich um 17.00 Uhr am Hafen von Kingscote zu sein. Außer uns sind es noch etwa 20 Leute, die sich am Ufer die erwartungsvoll eingetroffenen Pelikane angucken. Die Fütterung ist Klasse. Wir erfahren Informatives über die Pelikane, sehen zu, wie sie sich um die Fische balgen und haben Spaß. Immer wieder beeindruckend ist es, wenn einer von den schweren Vögeln zur Landung ansetzt.
Angesichts der vielen toten Kängurus auf der Straße will Jürgen hier bei Dunkelheit nicht fahren. So laufen wir nach diesem Erlebnis noch ein bisschen am Strand entlang und stellen fest, dass die vor ein paar Tagen noch so sensationellen, schwarzen Schwäne uns nicht mehr zu Begeisterungsstürmen hinreißen.
Bei der Rückkehr ins Hotel soll das Zimmer plötzlich 80 statt 76 AUD kosten. Das reklamiert Freya energisch und bekommt die Differenz als Bier zum Essen ausgezahlt. Das Essen selbst ist gut und günstig. Wir sind mit unserem Family Hotel wirklich zufrieden.
Am Morgen ist uns nach Eiern mit Speck und so verpassen wir ganz knapp die erste Seelöwentour in Seal Bay um 9.00 Uhr. Dann nehmen wir eben die nächste - und siehe da, hier sind sogar noch weniger Teilnehmer als bei der ersten Tour. Die halbe Stunde die uns hier bleibt gehen wir den Rundweg entlang und können auch schon Seelöwen sehen, die sich im Sand und in den Büschen zum Schlafen hingelegt haben. Auch ein von der Sonne verblichenes Walskelett ist, nett hindekoriert, von diesem Rundweg aus zu sehen.
Nun geht es aber los. Mit einem Ranger gehen wir an den Strand und kommen den Seelöwen so recht nah. 3-4 Tage verbringen diese Tiere im Meer und jagen. Dann kommen sie für etwa die gleiche Zeit an diesen Strand, um sich von der Anstrengung auszuruhen. Die Weibchen sind 18 Monate lang schwanger, dann etwa 10 Tage fruchtbar und anschließend wieder schwanger. Während ihrer Schwangerschaft säugen sie die Jungen. Kommt dann das nächste Baby, gibt es keine Milch mehr für das alte. Also da ist Freya doch froh, dass sie keine Seelöwin ist.
Wir sehen den übermütigen Balgereien von zwei jüngeren Seelöwen zu, die voller Übermut immer wieder die älteren Tiere necken. Diese gerade erst von der Milch entwöhnten Tiere leben gefährlich. Innerhalb eines Jahres sterben etwa 60% eines Jahrganges.
Nach der Tour fahren wir zu Flinders Chase. Bisher haben wir auf Känguru Island nur tote Ru's gesehen. Der Walk zum Platypus Pool nahe des Visitor Centers zeugt aber davon, dass hier doch noch ein paar dieser Tiere rumhüpfen. Nur sehen wir die natürlich mittags nicht.
Am Platypus Pool steht auf allen Schildern, dass wir leise sein sollen. Wir sind das ja, aber ein gewissenhafter Rabe verkündet jeden unserer Schritte. Also sehen wir nicht nur kein Schnabeltier, sondern überhaupt kein Tier.
Vor dem Visitor Center sehen wir ein paar schlafende Ru's und am Picnic Place ein eindeutig nicht wildgebliebenes Wallaby, das von Tisch zu Tisch geht und bettelt. Selbst durch Händeklatschen lässt es sich nicht vertreiben.
Über eine asphaltierte Straße geht es durch dichtes Buschland zu den Remarkable Rocks, einer wirklich bemerkenswerten Gesteinsformation. Leider ist das Wetter mal wieder ziemlich trübe.
Danach fahren wir auch noch zum nahegelegenen Admirals Arch. Hier soll man neuseeländische Seehunde, Fur Seals im Gegensatz zu den Seelöwen von heute morgen, sehen können und die Arch soll auch sehr schön sein. Ein sehr lebhaftes Tier macht Kapriolen im niedrigen Wasser, eine graziöse Dame reckt sich und streckt sich, öffnet und schließt die Augen, dehnt sich erneut. Sehr elegant.
Danach nervt Freya Jürgen solange, bis wir noch mal bei der Picnic Area vorbeifahren, wo wir das zahme Känguru gesehen hatten. Jetzt sind es zwei, die um ein Auto herumstehen. Sie bekommen nichts, aber man kann es ja mal versuchen. Auch bei Freya versuchen sie es, als sie aber ihre leeren Hände hinstreckt drehen sie gelangweilt wieder ab. Jetzt muss halt ein kleines Bäumchen daran glauben.
Dann fahren wir über den Playford Highway schon mal zurück in Richtung Penneshaw, wo um 19.30 unsere Fähre gehen soll. Unterwegs entdeckt Jürgen auch wieder mal einen Echidna, den wir beim Gründeln nach frischen Ameisen fotografieren.
Wir haben schließlich kurz nach 18 Uhr als wir in Penneshaw ankommen. Wir organisieren noch einen Salat zum Mitnehmen und trinken "very artificial" Milkshake. Dann sind wir schon wieder auf der Fähre zurück zum Festland.
Bevor wir losfahren sehen wir uns die Karte von Adelaide an und suchen unser Hotel. Freya findet es nicht. Die Straße ist nicht in der Übersicht und auch nicht im Index. Großspurig meint Jürgen "Na gib schon her." Sie giftet schon ein bisschen "Meinst du, Klein-Freya ist zu blöd die Karte zu lesen? Ich habe auch im Index geguckt". Blöderweise nicht im Hotel-Index
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Dann haben wir ziemlich getrödelt, bevor wir unsere vielen Extratüten wieder im Rucksack verstaut haben. In Adelaide finden wir auf Anhieb unser Hotel, checken ein und fahren den Wagen dann zur Abgabe am Flughafen. Von dort aus sind wir mit einem Shuttle-Bus zurück nach Adelaide City gefahren. Der Fahrer ist unheimlich nett und hat uns noch ein Plänchen gegeben und ganz genau gesagt, wo wir überall hin müssen. "The couple from the airport - next Stop. No worries, have fun." Wir marschieren erst mal die Einkaufsmeile ab und holen uns bei Sandwich King eine Kleinigkeit. Dann kann Freya Jürgen zum Aborigine Center locken - die Ausstellung ist aber gerade abgelaufen und es sind nur Verkaufsräume geöffnet. Schöne Sachen, alles schweineteuer.
Dann also doch zur South Australien Art Galerie. Wir geben unsere Sachen ab und werden gefragt, ob wir zusammen auch wieder rausgehen. Die Frage ist witzig und so antwortet Freya mit "Hope so". Darauf bekommen wir mit einem Grinsen zwei Abgabescheine und zur Antwort. "One never knows"
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Die im Museum aufgehängten alten Schinken sind eher nicht so unser Fall, aber die neuere australische Kunst und die Aborigine Sachen sind sehr schön. Freya hat sich sogar ein Buch gekauft.
Dann gehen wir aber in die Shops. Freya guckt schon gar nicht mehr nach Sachen für sich. Alles ist etwa so teuer wie bei uns zuhause, eher noch einen Tick teurer. Doch es gibt hübsche Sachen, besonders die Business Klamotten sind elegant aber trotzdem locker.
Im Bundle Kaufhaus haben wir dann endlich unsere Fliegennetze gefunden. Schon die quakende Kröte am Eingang des Outdoor-Ladens hätte Freyas Gnade gefunden. Sie ist da kindisch. Quak, quak und rein. Quak, quak und raus.
Adelaide ist eine hübsche Stadt. Man sieht deutlich, dass sie auf dem Papier geplant wurde. Viel Grün, breite Straßen, easy going.
Unser Abendessen nehmen wir im Hotel zu uns. Freya bestellt Riesling, der Kellner sagt "lovely". "Fish of the day" - "lovely"! "Beer" sagt Jürgen, - "lovely" "Känguru!" - …
Wir könnten uns wegwerfen.
© Jürgen & Freya Blösl, 2003-2012
letzte Überarbeitung: 15.06.2012
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