Von Oberstdorf nach Meran -
eine Wanderung im Sommer 2002
Um halb sechs startet die allgemeine Aufwach- und Waschaktion. Wieder gibt es ein ausgiebiges Frühstück mit Wurst und Käse und um 7:30 Uhr geht unsere Gruppe los. Im Gänsemarsch am See entlang, in dem sich die anderen Gruppen noch spiegeln, dann gleich zackig bergauf über feuchten Lehm und Geröll. Über Nacht hate es noch geregnet und gewittert und so ist es an manchen Stellen sehr glitschig.
Wir alle gehen langsam und vorsichtig immer hinter unserem Sherpa her. Je höher wir kommen, um so nasser wird es auch noch von oben und schließlich regnet es heftig. Über die Scharte ist Luggi zu uns zurückgekommen und hilft uns das letzte Stück auf dem glatten Fels. Lhakpa hat unsere Stöcke an sich genommen und wir klettern, denn das hier ist richtige Kletterei, pitschnass über die Scharte. Nicht das es auf der anderen Seite viel anders aussähe!
Über Fels und Geröll geht es bergab. Lhakpa hat die Arme jetzt nicht mehr verschränkt sondern trägt einen roten Regenschirm. Das ist schon ein toller Anblick! Ich bin nur froh, daß die drei Männer aus der Nähe von Koblenz hinter mir hergehen. Sie haben auch schon gesagt, daß sie mich zur Not am Rucksack halten würden. Sowas beruhigt ja doch! Auch ist es immer wieder eine Freude Phil, einen ehemaligen Lehrer zu beobachten, der aus Gründen der Balance häufig beide Arme zum Himmel hebt als wollte er sogleich abfliegen.
Das Tal ist unter Wolken verborgen. Der steinige Untergrund wird abgelöst durch die saftigen Matten einer Hochalm. Hier oben grasen sogar Pferde auf einer Weide. Bei der Oberlochalm gibt es Käse und Speck und für einige von uns sogar einen Obstler umsonst. Hier sind alle Gruppen für kurze Zeit zusammen. Dann marschieren Gruppe 1 und 2 los, während wir noch einen Moment sitzen bleiben. Schließlich sind wir ja auch später gekommen. Lhakpa spricht mich hier an und meint, ich sollte mich beim Gehen intensiver auf den Weg konzentrieren und nicht vor mich hinträumen. Ok, gebongt. Dabei hat dieses Gehen im Nebel, nur auf die eigenen Füße konzentriert, etwas wirklich meditatives.
Irgendwie bin ich so ein bißchen der Meinung, wir sind fast unten. Aber weit gefehlt. Uns steht das Zamser Loch noch bevor . Doch ehe wir dahin kommen, geht es noch geraume Zeit durch einen lichten Wald und ein schönes Hochtal, das sicherlich noch schöner wäre, wenn es hier nicht überall so matschig und schlammig und feucht von oben wäre.
Das Zamser Loch ist die tiefste Schlucht der Nordalpen und wir gehen den schmalen Weg am Fels entlang. Hier vergesse ich auch einmal meinen Stolz und gebe Lhakpa die Hand. Irgendwie sind mir gerade die Knie weich geworden. So langsam sind wir alle auch k.o. Wir laufen seit etwa 7 Stunden. Jetzt fordert uns Lhakpa auf uns teilweise vom Inhalt unserer Rucksäcke zu trennen und ihm zu geben, damit wir schneller laufen können. Er unterstreicht das mit einem energischen "Zack, Zack" und ich kann nur sagen, ein leichter Rucksack läßt sich besser tragen.
Um 15.30 sind wir in Zams. Der Gastwirt kommt uns mit dem Auto entgegen und transportiert für uns die Rücksäcke zum Gasthof. Das nenne ich Service! Heute haben wir nicht nur Kilometer zurückgelegt, auch die Höhenunterschiede sind beachtlich: 420 Meter nach oben und 1890 Meter nach unten!
Hier haben wir die Möglichkeit einen Teil von unserem Ballast abzuwerfen und bei der Rückfahrt wieder aufzunehmen. Ich trenne mich von meinem total durchgeschwitzten T-Shirt und den verbrauchten Unterhosen. Alles andere brauche ich noch, denke ich, obwohl ich später die dicke Jacke nur ganz ganz kurz anhabe und eigentlich nicht gebraucht hätte.
Ich bin in einem 5er "Mädchenzimmer" untergebracht. Drei Betten sind bei uns im Zimmer, dann durch einen kleinen Flur und Bad und Toilette getrennt noch zwei weitere Betten.
Wir sitzen abends zusammen mit Phil und Olaf, wobei Olaf schon in den letzten Tagen ein beliebter Tischpartner war - was wohl auch daran gelegen hat, daß er immer noch genügend Hunger hatte um uns die Teller leerzuessen. Man sieht, wir haben wirklich alles versucht damit die Sonne scheint
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Morgen soll es zwei Touren geben. Eine, bei der man früh aufstehen muß, um dann durch viel Matsch zu hetzen um pünklich den Bus in Wenns zu erreichen, der dann wieder nach Mittelberg fährt von wo aus zur Braunschweiger Hütter gelaufen wird. Sicherlich läßt sich die erste Tour viel positiver darstellen, aber mich macht der Gedanke an spätes Frühstück und einer Busfahrt direkt nach Mittelberg viel mehr an. Bei schönem Wetter ist das sicherlich anders zu beurteilen, wir haben aber kein schönes Wetter!
© Jürgen & Freya Blösl, 2002-2009
letzte Überarbeitung: 27.12.2009
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