Von Oberstdorf nach Meran -
eine Wanderung im Sommer 2002
Ich werde wach als ich Lärm auf dem Flur höre. Ich stehe auf - ja das sind Unsere - und wecke die Gabi, die mit ihren Oropax nichts mitbekommen hat. Das Wetter ist gewohnt mäßig und das ganze Theater um die Similaun-Besteigung erweist sich als unnötig - es geht keiner hoch, weil bei dieser Witterung zu gefährlich.
Wir werden vor der Hütte wie immer gezählt und ich laufe wie immer in der dritten Gruppe und folge Lhakpas ausgeglichenen Gang.Der Weg führt über große Steinplatten, kleine Wasserläufe, Schotter, Schnee- und Eisplatten. Doch als steil kann man ihn nicht bezeichnen. Bald haben wir die Similaunhütte (3019m) erreicht. Ich trinke Kakao und esse Marillenkuchen. Der Anblick der Kaminwurst auf den Tellern von einigen anderen macht mich aber dann doch so an, daß ich mir noch eine solche organisiere.
Dann geht es wieder los. Unser letztes Teilstück ist zu meistern. Wir klettern über felsiges Gestein mit kleinen Schritten in dichten Wolken steil bergab. Ich glaube hier bin ich ein bißchen dankbar, daß die dicke Wolkendecke den Abgrund gnädig verdeckt!
Die entgegen kommenden Wanderer können wir jetzt mit einem Buon Giorno begrüßen. Hin und wieder bücke ich mich und sammele einen Stein. Jetzt dauert es nicht mehr lange und ich lasse die großen Steine sowieso liegen. Wir machen Rast auf einer mit dicken Steinen übersäten Hochwiese und Lhakpa baut aus Steinen einen "Stupa?" Als ich ihn dabei fotografiere und "bitte recht freundlich" sage, fängt er an zu kichern und ich hoffe nur, daß ich das Bild nicht verwackelt habe. Anschließend macht er sich noch seinen Spass mit mir und zeigt auf seine geschlossene Hand. Stein, sagt er und kichert los als ich das kleine Stückchen getrocknete Kuhscheiße wegwerfe. Ein bißchen enttäuscht scheint er über meine nicht sehr entsetzte Reaktion. Er fragt nochmal nach, ob ich wüßte, was ich weggeworfen habe.
Wie immer trödelt Phil weit hinter dem letzten der Gruppe und wir müssen am Vernagt-Stausee um 1.00 Uhr den Bus erreichen. Wieder einmal trägt Lhakpa seinen Rucksack zusätzlich und meint nur, dass er wohl heute besonders schwer sein (kein Wunder bei den auf dem Weg gesammelten Steinen!!)
An der Jausenstation über dem Stausee treffen wir wieder auf unsere Gruppe - machen aber hier nicht wie die anderen eine kurze Rast sondern laufen weiter bis zur Bushaltestelle. Hier wechsele ich meine Bergschuhe gegen die mitgenommenen Sandalen und freue mich über meine leichten Füße. Mit einmal Umsteigen erreicht unsere Großgruppe mit öffentlichen Verkehrsmitteln Meran, wo das Wetter auch bescheiden ist.
Das Abendessen im Hotel um 20.00 Uhr besteht aus mehreren Gängen und ist ausgezeichnet. Danach geht die Gruppe geschlossen in die Laubengasse um dort im Freien den Tag und die Wanderung ausklingen zu lassen.
© Jürgen & Freya Blösl, 2002-2009
letzte Überarbeitung: 27.12.2009
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