Von Oberstdorf nach Meran -
eine Wanderung im Sommer 2002
Wir alle wachen zeitig auf. Es ist schon etwas ungewöhnlich mit fremden Leuten zusammen in einem Raum zu liegen und so sind wir vor sieben Uhr schon auf den Beinen. Das Waschwasser ist eisig und meine Hygiene fällt schon am ersten Tag ein wenig sparsam aus. Während des reichhaltigen Frühstücks schauen wir aus dem Fenster auf eine undurchdringliche Wolkenwand.
Vor der Hütte teilen wir uns wieder in drei Gruppen auf. Da ist die Gruppe von Erwin, der mit seinen 72 Jahren "Die Schnellen" anführt. Luggi leitet die mittlere Gruppe und weil so viele in dieser Gruppe sein wollen meint er zu mir, daß ich zu Lhakpa, einem Nepalesen gehen soll, der "die Langsamen" anführt. Schade nur, daß ich so schon wieder von den netten Leuten getrennt werde, mit denen ich Kontakt bekommen habe.
Im Gänsemarsch geht es durch die dicke Wolkensuppe auf das Mädelejoch (1973m) wo wir das erste Mal auf die mittlere Gruppe stoßen, die hier eine kleine Pause macht. Die Athmosphäre ist total unwirklich. Langsam lösen sich die Nebelschwaden auf und Lhakpa kümmert sich wirklich ganz lieb um das Mutter/Tochter-Gespann bei dem die Mutter gestern beim Aufstieg wohl so etwas wie eine Zerrunng zugezogen hat und so vom Tempo "ganz schnell" zu "schön langsam" zurückgefallen ist. Wir erfahren, daß eine weitere Dame heute in der Kemptener Hütte zurückgeblieben ist, weil sie sich wohl doch ein wenig überschätzt hat.
Wir überschreiten das Mädelejoch und damit die Grenze von Deutschland nach Österreich. Ganz schnell kommen wir vom felsigen Gestein auf Almwiesen und hören auch bald schon wieder Kuhglocken. Die Wolken hängen tief, doch erlauben sie hin und wieder einen Blick auf das sich unter uns ausbreitende Höhenbachtal. Wir sehen die mittlere Gruppe bei einer Alm, doch wir halten zu einer kurzen Rast am Bach. Ich laufe noch schnell zu dem kleinen Wasserfall, der sich da den Berg hinabstürzt.
Den Nebel haben wir hinter uns gelassen. Vor uns ein blauer Himmel, eine dicke weiße Wolke, die die Gipfel der vor uns liegenden Bergkette verhüllt und kleine Wasserfälle, überall Wasserfälle. Das Höhenbachtal ist beeindruckend und an den Simmser Wassefällen kommen uns viele Spaziergänger den hier gut ausgebauten Weg entgegen. Besonders hat mir der Opa gefallen, der seinen Enkel im Buggy die steile Trasse heraufschiebt.
In Holzgau (870m) angekommen machen wir Rast im Hotel Bären.Die unweit gelegene kleine Kirche sehe ich mir auch noch an. Irgendwie habe ich ein Talent dazu, in der letzten Gruppe zu sein und so dehnt sich der Aufenthalt hier schon sehr aus. Schließlich sitze auch ich in dem Kleinbus, der zunächst durchs Lech- und dann noch durch das Madautal bis zum Materiallift der Memminger Hütte fährt.
Der Weg bergauf zur Memminger Hütte (2242m) ist wunderschön, durch Felder mit hüfthohem Alpendost und Eisenhut, über kleine Brücken, Geröll und saftigen Bergwiesen auf denen Glockenblumen und Silbermantel wachsen. Die Hütte wird zur Zeit noch ausgebaut und ich komme in einem, vom Massenlager abgetrennten Raum unter - bloß 16 Schlafplätze! Ich dusche eiskalt und setze mich in Ruhe vor die Hütte um ein Radler zu trinken und meine Notizen zu machen.
Kurz vor dem offiziellen Aufruf zur Nachtruhe gehen wir durch den großen Schlafsaal, wo schon einige versuchen, nach ihrem anstrengendem Tag zur Ruhe zu kommen. Auch bei uns sind nach einiger Zeit endlich alle im Raum. Das Gewisper und Gekicher verstummt, es ist dunkel, ich liege wie eine Ölsardine in meinem Hüttenschlafsack unter der dicken Decke - und muß pinkeln. Das nenne ich nun wirklich gelungenes Timing. Meine Taschenlampe ist irgendwo in meinem Rucksack und ich muß nicht nur durch unser Zimmer, sondern auch noch durch das große Nachlager, wo überall am Fußende von beiden Seiten die Rucksäcke im Gang stehen. Eine "Mitlaufgelegeheit" verpasse ich, bei der nächsten mit Ulla und Lothar bin ich dabei.
© Jürgen & Freya Blösl, 2002-2012
letzte Überarbeitung: 15.06.2012
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