Von Oberstdorf nach Meran -
eine Wanderung im Sommer 2002
Um sechs Uhr ist Frühstück und wir stehen um fünf Minuten vor sechs fast geschlossen vor dem verschlossenen Frühstücksraum. Ich muß nicht erwähnen, daß das Frühstück wie immer gut und lecker ist, oder?
Wir wollen von der Braunschweiger Hütte aus das Pitztaler Jöchl überqueren um um 8:00 Uhr den Bus vom Rettenbachferner zum Tiefenbachferner zu nehmen. Das ist leider notwendig, weil wir durch einen Tunnel müssen.
Jetzt kommt das Stück für das Luggi mir angeboten hatte mich an das Seil zu nehmen, doch sind wieder so viele in der Gruppe und mein Vertrauen zu Lhakpa wirklich grenzenlos, daß ich darauf verzichte. Lhakpa meint dann an der felsigen Übergangsstelle nur, daß wir unsere Stöcke wegpacken sollen und ich überquere problemlos kletternd mit zweimal Händereichen durch Lhapka das Jöchl. Jetzt kann ich kaum noch das satte Grinsen aus meinem Gesicht löschen, so stolz bin ich!
Beim Abgang über das breite Schneefeld geht Lhakpa vor uns her, haut ab und an mit dem Eispickel richtige Stufen für uns und läßt uns schließlich alle vorausgehen um sich um Phil zu kümmern, der wieder mal weit von der Gruppe abgeschlagen dahergeht. Mit dessen Rucksack obenaufgelegt kommt er dann wieder zu uns.
An der Bushaltestelle reden die Bergführer auf Phil ein, damit er den Panoramaweg ausläßt. Sie sind der Meinung, daß er konditionell nicht in der Lage ist, nach diesen vier Stunden auch noch die zwei Stunden zur Martin Busch Hütte zu laufen. Netterweise bleibt dann noch der Vater von einem aus unserer Gruppe bei ihm. Wir sollen die beiden dann in Vent wieder treffen. Hier kann man auch erkennen, wie wenig schön so ein Ski-Gebiet im Sommer ist!
Leider beschränkt sich das Panorama wie schon in den letzten Tagen auf Wolken im Tal. Nach etwa halber Strecke auf diesem wirklich gut zu gehendem Weg lösen sich die Wolken auf und wir laufen seit Tagen das erste Mal durch die Sonne, die alles um uns herum scheinen und glänzen läßt. Der Ausblick auf das Ötztal ist beeindruckend und in der Ferne sehen wir auch noch den Similaun, den wir vielleicht besteigen können.
Unterwegs höre ich den Gesprächfetzen von hinten zu und muß kichern als eine Frau erzählt, daß der Kommentar von einer Kollegin zu ihrem "ich laufe von Oberstdorf nach Meran" nur "ja fährt denn da nischt?" war.
Unser Gepäck können wir in Vent wieder abgeben und dann einzeln zur Wilhelm Busch Hütte (2501m) laufen. Der Weg dahin ist das, was der Allgäuer einen "langen Hatsch" nennt. Ich laufe zwar mit Lhakpa los, löse mich aber ziemlich schnell von seiner Gruppe und schließe zu Alois, aus der Dreiergruppe aus Koblenz auf. Es macht mir Spaß zusammen mit ihm zu gehen, wir haben etwa ein Tempo, können uns nett unterhalten und so vergehen die etwa zwei Stunden, trotz der Enttäuschung, die sich immer wieder breit macht weil die verdammte Hütte immer noch nicht zu sehen ist, schnell und angenehm. Unterwegs staunen wir nicht schlecht, als Carola aus der "Schnellen Gruppe" an uns vorbeischießt. Das ist wirklich nicht ohne und wir müssen schon ein bißchen über Olaf grinsen, der naßgeschwitzt und ehrgeizig versucht sie irgendwie einzuholen, was ihm aber nicht gelingt.
Abends in der Hütte kommt es zu einem Mißklang. Wir erfahren nämlich, daß mit einem Bergführer höchstens 7 Leute am Seil den Similaun besteigen können. Daß das bei drei Bergführern und knapp vierzig Leuten nicht aufgeht steht nicht zur Diskussion. Jetzt wird auch die Größe der Gesamtgruppe kritisiert und einige finden auch, daß wir zu gezielt zu den einzelnen Gasthäusern geführt wurden und die Bergführer dort sicher von den Besitzern geschmiert worden sind. Ich persönlich finde die Tour auch ohne Similaun-Besteigung für mich schon eine gute Leistung, hatte aber auch mit dem Gedanken gespielt mir diese letzte Kraftprobe noch abzuverlangen. Da sehe ich es schon so, daß man es nicht anbieten kann, wenn nicht genügend Bergführer da sind. Die Großgruppe hat mich nicht sonderlich gestört, denke aber schon, daß zwei Gruppen auch für die Hütten schon eine genügend große Belastung sind. Das mit den Gasthäusern fand ich persönlich gut, wir waren schließlich nie gezwungen dort etwas zu verzehren.
Der Abend klingt dann doch sehr schön aus. Der Wein ist gut und Gabi und ich sitzen in Gemeinschaft der beiden älteren Schwaben, wobei ich mich mit Helmut trotz seiner für mich an der Grenze des Tolerierbaren politischen Meinung, gut verstehe. Diesmal sitzen wir tatsächlich als die Letzten in der Gaststube und werden von der Wirtin um kurz nach zehn in die Zimmer geschickt.
© Jürgen & Freya Blösl, 2002-2011
letzte Überarbeitung: 10.06.2011
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