Von Oberstdorf nach Meran -
eine Wanderung im Sommer 2002
Heute nacht bin ich aufgewacht weil es ganz arg geregnet hat und ich habe mich in meinen schlimmsten Vorstellungen schon den ersten Tag durch graue Nebelschwaden gehen sehen. Beim Aufstehen jedoch ist der Himmel klar und blau. Um 11.00 Uhr fange ich an zu drängeln. Das allgemeine Treffen soll zwar erst um 12.00 Uhr am Bahnhof in Oberstdorf stattfinden, doch treibt mich meine Ungeduld aus dem Haus. Wie bei vielen anderen Gelegenheiten bin ich dann zu früh da. Trotzdem wartet schon eine Gruppe von Leuten mit Rucksäcken auf einem Kleinbus.
Bei der nächsten Fuhre bin ich auch dabei und werde zusammen mit 10 anderen Leuten zur Spielmannsau (1000m) gebracht um von dort aus gleich zum unweit gelegenen Materiallift zu laufen wo der Rest der Gruppe bereits wartet. Insgesamt sind wir knapp 40 Leute und werden von drei Bergführern begleitet. Obwohl es ziemlich heiß ist, bekommen wir am Materiallift gesagt, daß wir unsere Regensachen mitnehmen sollen.
Wir teilen uns in drei Gruppen und ich klinke mich in der mittelschnellen Gruppe ein und laufe, nachdem ich mir angehört habe, daß wir aufpassen sollen, einfach los. Das Tempo ist für mittelschnell ziemlich knackig, die Sonne sticht und mir läuft schon bald der Schweiß in Strömen. Ich versuche den Anschluß an eine Gruppe älterer Männer zu halten und unser Bergführer drückt immer mehr aufs Tempo. Als wir nach gut zwei Stunden Marsch die Kemptener Hütte (1846m) erreichen, wissen wir auch den Grund der Hetze. Ich gehe durch die Tür und der Himmel dreht seine Schleusen auf. Die letzte Gruppe wird dementsprechend auch ganz schön nass.
Wir lassen Schuhe und Stöcke im Schuhraum und als ich mitbekomme, daß in einem 8-Bett-Zimmer noch ein Platz frei ist, schlage ich zu und bin zusammen mit drei Paaren und dem Bekannten des einen Paares zusammen in einem Zimmer. Wir essen dann auch bald gemeinsam zu Abend, genießen das wirklich ausgezeichnete Essen und einige Radler, sehen durch die Fenster dem wirklich beindruckend schnellen Wetterwechsel zu. Meist liegt der Gipfel über den es morgen Früh weitergehen soll in dicken Wolken.
Ich klinke mich dann doch zeitig zum Schreiben und Relaxen aus, lasse mich aber gegen 20.00 Uhr von Iris nochmal aus dem Bett scheuchen. Draußen zeigt sich vor dem Mädelejoch ganz nah und komplett ein wunderbarer Regenbogen. So schön habe ich das bisher noch nie gesehen. Danach bin ich auch nicht mehr müde und Olaf, Matthias und ich liegen auf unseren Betten und schwatzen noch ein wenig, bis gegen halb zehn so etwas wie Nachtruhe zustande kommt.
© Jürgen & Freya Blösl, 2002-2011
letzte Überarbeitung: 10.06.2011
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