Freya & Jürgen Blösl

Moses was here
Ägypten und Jordanien 2010

Von Aqaba nach Petra, 10.-12. April 2010

Nach 1,5 Stunden ruhiger Seefahrt kommen wir in Aqaba an. Sicher- heitshalber haben Freya und Ingrid Reisetabletten genommen aber die waren zum Glück nicht nötig. Eine Seekrankheit hätte Freya jetzt zu ihrem Glück gerade noch gefehlt.

In Aqaba werden wir von unserem neuen Guide Ben in Empfang genommen. Ben spricht gut deutsch und macht einen freundlichen Eindruck. Aber so wie wir den Kairoer Guide Ramadan als furchtbar empfunden haben, so empfinden manche unserer Gruppe Ben als furchtbar. So ist das eben manchmal.

Im Zollgebäude geben wir unsere Pässe ab und bekommen ohne Sichtkontrolle den Einreisestempel. Bei der Ausfahrt aus dem Hafen- gelände wird dann kontrolliert, ob der Stempel drin ist, nicht aber ob es auch die richtige Person ist.

Jetzt ist es 20:00 Uhr – die Uhrzeit musste wieder verstellt werden. Also schnell zum Hotel, die Sachen aufs Zimmer und ab nach Aqaba um zu bummeln oder zu essen. Freya und Jürgen laufen zunächst mit einigen anderen durch die Basare, holen Geld vom Automaten und essen dann, wie schon die meisten anderen, im Restaurant Floka.
Nebenan besorgt Freya auch die Zigaretten für ihren Bruder. Wir fliegen weit nach Mitternacht wieder nach Hause und sie kann den Flughafen in Amman nicht einschätzen. Aber es wäre überhaupt nicht nötig gewesen. Er ist modern und groß und es hätte dort auch um Mitternacht noch alles zu kaufen gegeben.

Die Hotelanlage Coral Bay in der wir untergebracht sind, nennt sich zwar Royal Yacht Club ist aber leider total vergammelt. In unserem Zimmer ist die Zwischentür zum Nebenzimmer offen und das eben- erdige Fenster zum Garten lässt sich auch nicht schließen. In den wenigen Lampen fehlt eine Birne. Bei anderen ist es so, dass sie gleich gar nicht durch die Tür in ihr Zimmer gehen können, sondern gleich durch das Fenster die Zimmer betreten sollen. Auf jeden Fall kürzt Ingrid hier am nächsten Morgen auf Wunsch der Gruppe das Trinkgeld.
Vorher jedoch steht ein Frühstück in einem Zelt auf dem Plan. Beim Abstecher zum Steg sieht man wieder bunte Fische und sogar Dori von "Findet Nemo" stattet der Anlage einen kleinen Besuch ab.

Diesen Morgen fahren wir zunächst nach Aqaba. Jürgen und Freya gehen durch die Gassen des Basars und erschrecken plötzlich, als sie an einer Metzgerei den Kopf eines Kamels aufgehängt sehen. Mit der heraushängenden Zunge ist dieser Anblick mehr als grenzwertig. Schnell gehen wir weiter und kommen noch in ein Geschäft in dem es leckere Süßigkeiten gibt. Das hier möchte Freya und das und das. Wir holen eine ganze Tüte und hinterher bekommt sie vom Verkäufer noch ein Gutzchen geschenkt.

Danach stoppen wir an der Zitadelle und erfahren Historisches zum Befreiungskampf der arabischen Länder und zu den Farben der Flaggen. Unser Ben verhält sich sehr schulmeisterlich. So hört er auf zu sprechen, wenn jemand während seines Vortrages spricht. Freya kommt sich vor wie vierzehn. Wir haben noch ein bisschen Zeit und gehen in ein Geschäft, dass Königin Nur initiiert hat. Hier gibt es Schmuck, Sandflaschen und vieles mehr. Leider sieht die Kette, die Freya und Jürgen gut gefallen würde, an ihr nichts aus.

Sandsturm im Wadi RumSandsturm im Wadi Rum Beim Rausfahren aus Aqaba wird immer deutlicher, dass das Wetter heute nicht mit- spielt. Wir wollen ins Wadi Rum und dort eine Jeep- fahrt machen. Aber immer wieder sehen wir unterwegs mehr oder weniger große Sandstürme. Als wir dann am Wadi Rum ankommen ist eigentlich klar, dass eine Jeepfahrt keinen Sinn macht. Sabrina, Ina und Charly wollen trotzdem fahren und nachdem das so im Programm steht, haben wir anderen jetzt zwei Stunden Aufenthalt. Wir könnten hier essen, aber Jürgen fühlt sich von der Karte nicht angemacht. Freya holt also die am Morgen gekauften Leckereien aus dem Bus und muss dazu auch den Busfahrer nochmal scheuchen. Dafür bekommt der aber auch was Süßes ab.

Anne, Freya, Ingrid und Sepp buchen einen halbstündigen Kamelritt, den Freya und Ingrid dann auf eine Stunde verlängern. Das ist be- schaulich. Ein kleiner Junge führt unsere beiden Kamele an einem Strick erst zu einem Felsen und dann durch das Dorf. Wir unterhalten uns und die Zeit vergeht wie nix. Danach dauert es dann auch nicht mehr lange bis die Jeepfahrer kommen und es weitergehen kann.

Ben kauft uns noch Datteln und fragt uns dann das bisher Erzählte ab. Anfangs ist das sogar witzig, aber als er kleine Preise vergibt und Anne alles richtig sagt, den Preis – eine kleine alte Münze – dann aber doch nicht bekommt, kippt die Stimmung. Auch dass die Jeepfahrer 20 anstelle von 10 Jordanischen Pfund bezahlen müssen irritiert diejenigen, die vorher nicht mitbekommen haben, dass ein halbleerer Jeep pro Kopf eben mehr als ein voller kostet.

Wir sind hier in Wadi Musa im Hotel Petra Inn untergebracht. Das ist dicht beim Eingang zu Petra und wir wollen morgen zeitig loslaufen. Ohne Gruppe, auch weil wir keine Vorträge hören wollen.

Um fünf Uhr singt der Muezzin, aber für Freya klingt das so angenehm und melodisch, dass es wunderbar zu ihren Träumen passt. Jürgens Kommentar dazu lautet allerdings deutlich anders, aber das kennt man ja.

Nach einem nicht empfehlenswerten Frühstück sind wir um 7:20 Uhr am Eingang von Petra. Nicht dass wir hier die Ersten wären. Da sind schon Busse (!) und eine Schulklasse vor uns. Aber da die sich noch sammeln, um die historischen Fakten zu erfahren, können wir an ihnen vorbeilaufen um im schnellen Schritt zum ersten Höhepunkt, dem sogenannten Siq zu eilen.

Wir werden von Beduinen mit Pferden angesprochen. Den Ritt haben wir schon zwangsweise bezahlen müssen und am Eingang des Siq könnten wir in die kleinen Kutschen mit der starren Federung ein- steigen. Wir ignorieren alles und gehen mit gutem Schritt voran. Kaum, dass wir einen Blick nach rechts oder links werfen. "Später" sagt Jürgen, "auf dem Rückweg".
Um es vorweg zu nehmen – wir sind nach mehr als 9 Stunden ohne größere Pause wieder hier vorbei gekommen und da haben wir dann auch nicht mehr geguckt. Überhaupt: Ein Tag Petra ist viel zu wenig. Wenn man hier drei Tage verbringt, hat man eine Chance, einen guten Überblick zu bekommen. Aber das ist Gejammer auf hohem Niveau. Ein Tag Petra ist besser als kein Tag Petra und wir haben die Zeit hier genossen.

Schatzhaus - Petra Schatzhaus - Petra Am Siq läuft Jürgen dann los und Freya trödelt hinterher. Er hat das, was er will: Den Platz vor dem Schatzhaus fast ganz für sich alleine. Es ist toll und überwälti- gend und da Jürgen ja schon der Fotograf für das Große und Ganze ist, beschränkt sich Freya darauf, die Farbverläufe der Felsforma- tionen zu fotografieren. Außerdem hat sie kleine Flaschen und Plastik- tüten gesammelt, die sie jetzt mit verschieden farbigem Sand füllt. Das sind soooo tolle Rottöne, weich ins Graue changierend und nach lila übergehend. Creme und Goldocker farbig. Dunkelrot. Wunder- schön! Das wird sich als Pigment schön vermalen lassen, denkt sie – und sie denkt richtig.

Strasse der Fassaden - PetraWeiter geht es, die sogenannte Straße der Fassaden entlang zum Museum. Immer noch sind nicht so viele Leute unterwegs. Es ist noch früh und nach einem Toilettenbesuch ("Wo sind die Toiletten?" "Hast Du einen Kugelschreiber?" "Nein, aber ein Fishermen's Friend" "Die Toiletten sind da hinten.") geht es um 9:30 Uhr die vielen Stufen hoch zur Monastry. Erst hat Freya ja Bedenken nachdem sie am Mosesberg so geschwächelt hat. Aber es geht gut. Klar, nachdem sie zu Jürgen "Lauf los" gesagt hat, ist der weg und nach einer knappen halben Stunde oben angekommen. Sie hat etwa 45 Minuten gebraucht und das ist auch okay.

Kloster - Petra in PetraOben angekommen ist erst einmal Rat- losigkeit angesagt. Man erreicht eine offene Fläche und schaut auf ein Restaurant. Aber wenn man dann noch ein paar Schritte geht und die offene Fläche betritt, so ist rechts hinten die Monastry.
Jürgen ist am fotografieren, als Freya eintrifft - was sonst. Wir laufen noch ein Stück weiter zu einem der Aussichtspunkte, von dem aus man einem weiten Blick über die umgebende Landschaft hat. Jürgen besteigt auch noch einen Hügel, auf dem sich ein weiteres Grabmal befindet. Dann gehen wir langsam wieder nach unten. Wir begegnen Klaus und Anne und später auch Ina und Sabrina und vielen, vielen anderen, die den Weg zur Monastry auf sich genommen haben. Und Esel, zahllose Esel steigen mit ihrer beschwerlichen Fracht die Stufen hinauf. Jürgen sorgt für Gelächter, als er vorwurfsvoll "Freya" ruft, kurz nachdem ein Esel hinter ihr geforzt hat, was das Zeug hält.

Auf dem Absatz unter dem Gipfel machen wir Rast und trinken Tee. Das Lokal ist leer und wir gehen nur rein, weil hier zwei junge Katzen spielerisch miteinander kämpfen. Aber als wir dann da sitzen, kommt einer nach dem anderen. Freya will im Scherz den Beduinen fragen, was sie dafür bekommt, dass sie die ganzen Gäste rein gelockt hat. Sofort ist aber ein anderer Beduine da und fragt, ob es ein Problem gäbe. Na gut, Witze erklären ist langweilig und so gibt sie es auf.

Immer wieder verlassen wir den Hauptweg und machen kleine Abstecher. So krabbelt Jürgen in einer Höhle herum und wir beide laufen zum Löwengrab, wo Freya noch ein paar Farbpigmente in die letzte Plastiktüte schiebt.

in Petra in Petra

in Petra in Petra

Schließlich sind wir wieder unten beim Museum und sehen uns das auch noch an. Eigentlich wollten wir jetzt Pause machen, aber wir haben einfach keine Zeit, soviel ist noch zu sehen.
Gegenüber dem Museum kann man schon wieder auf einen Berg und so machen wir das auch. Wir folgen dem Schild "Höhlenmuseum", verlassen dann aber auf halber Höhe den Hauptpfad und biegen rechts ab. Der Weg ist zwar breit, aber Freya drückt sich doch an den Berg. So gaaaanz schwindelfrei ist sie eben nicht. Nach dieser wirklich kurzen Passage hat sich aber die Spreu vom Weizen getrennt und bis auf zwei andere, die dann in diesem wirklich schönen Cafe hier oben landen, sind wir wirklich über eine Viertelstunde lang ganz allein in dieser großartigen Landschaft. Freya plant auf dem Rückweg im Cafe einen Tee zu trinken, aber natürlich kommen wir dann doch nicht mehr hier vorbei.

Wir laufen, treffen auf einige Amerikaner, die wir schon vorher immer wieder mal gesehen haben und laufen auf weitere Felsengebäude weit weg vom Hauptweg zu. Doch dann schauen wir auf die Uhr und geben auf. Das wird nur ein Gehetze. Widerstrebend drehen wir ab.

Wir laufen um den Berg herum und wollen am Museum noch eine Kleinigkeit trinken. Aber 2 Jord. Pfund für eine Getränkedose, die kleiner ist, als das was man sonst kaufen kann ist Freya zu dreist. Also weiter. Den kurzen Stopp gibt es dann vor dem Amphitheater. Hier kostet die Cola wieder 1 JP. Das ist zwar auch teuer, aber okay.

Schatzhaus - PetraBei der Treasury angekommen stellt Jürgen fest, dass da, wo er gerne hoch wollte ein Verbotsschild steht. Mist! Also doch weiter, zurück zum Ausgang. Langsam fallen auch Schatten über die Szenerie. Das Licht wird vom gegenüber liegenden Felsen auf das Schatzhaus reflektiert und taucht es in schöne rote Farbe. Doch die Menschen- massen verhindern, dass man es vernünftig komplett fotografieren kann. Also gibt es halt nur einen Ausschnitt vom oberen Stockwerk.
Es rentiert sich übrigens mal einen Blick in die Gitter auf dem Boden vor dem Schatzhaus zu werfen. Da geht es nochmal ein ganzes Stockwerk nach unten.

im Siq - PetraWir sind jetzt seit über 9 Stunden im Gelände. Freya hatscht auch schon und so gibt es ein Bild hier und ein Bild da und langsam verabschiedet sie sich auch von dem Gedanken an der Veranstaltung "Petra by Night" teilzunehmen. Nicht wenige nehmen jetzt den Dienst der kleinen Pferde- kutschen in Anspruch. Wenn man sieht, wie diese Dinger über die Steine hüpfen - das würde Freya ihrem armen Kreuz nicht antun. Dann lieber laufen und sei es auf dem Zahnfleisch.
Jürgen lästert bei jedem ihrer Schritte "Petra by night" und "das läufst DU gleich wieder". Ach ja, da möchte man einmal an einer romantischen Veranstaltung teilnehmen und der Gatte nimmt es nicht ernst.

Wir laufen also weiter. Es treibt uns wirklich nur noch der Wille uns irgendwo hinzusetzen und etwas zu essen. Beide sind wir müde und staubig. Kein Besuch mehr im Visitor Center, kein Besuch bei der Petra Post, um noch Karten abstempeln zu lassen. Nur noch raus.

Wir essen in einer Pizzeria an der Hauptstraße. Gut und reichlich. Dann besorgen wir uns in einem Supermarkt noch Limonade und treffen mal wieder auf Sepp und Sigrid, die es jetzt auch schon zum Essen zieht. Ingrid und Sabine sehen wir dann in der Hotel Lobby und nach einem kurzen Tratsch verabschieden wir uns aufs Zimmer. Jetzt stehen noch zwei Tage Tagebuch schreiben und Fotos sichern an. Morgen um 8:00 Uhr ist Abfahrt.

   

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© Jürgen & Freya Blösl, 2010
    letzte Überarbeitung: 25.06.2010

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